Einleitung
Die Tarifparteien und die Tarifverträge sind ständiges Objekt politischer und gesellschaftlicher Diskussionen, die auch dem nicht betroffenen und desinteressierten Bürger nicht entgehen können. Besonders häufig sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. ihre Vertreter bezüglich Gehaltsfragen und der Festlegung der wöchentlichen Arbeitszeit uneinig1. Diese und andere Arbeitsbedingungen sind in den Tarifverträgen festgelegt. Doch ist es sinnvoll, solch einheitliche Vorgaben zu machen, wo doch in jedem Betrieb eine andere Situation herrscht und die Betriebe unterschiedliche Verfahren benötigen, um konkurrenzfähig und profitabel zu sein?
In der vorliegenden Arbeit möchte ich erst einmal die Entstehung der Interessenvertretungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern nachzeichnen und einen Eindruck über ihren Nutzen vermitteln. Anschließend soll die Frage geklärt werden, was Tarifverträge überhaupt sind, bevor aufgezeigt wird, inwiefern sie flexibilisierbar sind, bzw. wie flexibel sie in der Praxis der Betriebe bereits gestaltet werden und was für Folgen – sowohl positive als auch negative – das nach sich ziehen kann. Dabei gilt zu beachten, inwieweit die Interessen der Arbeitnehmer und auch der Arbeitgeber im Gesetz verankert sind und inwieweit die Tarifverträge unabhängig von der Gesetzgebung ausgehandelt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung industrieller Beziehungen in der BRD
2.1 Gewerkschaften
2.1.1 Definition
2.1.2 Aufgabe und Funktion
2.2 Arbeitgeberverbände
2.2.1 Definition
2.2.2 Aufgabe
3. Tarifverträge
3.1 Sinn und Zweck
3.2 Organisation
3.3 Verschiedene Arten von Tarifverträgen
4. Aufweichen der Tarifverträge bzw. ihre Flexibilisierung
4.1 Öffnungsklauseln, Härtefallregelungen
4.2 Betriebliche Beschäftigungs- und Wettbewerbsbündnisse
4.3 Rechtliche Grundlagen
4.3.1 Das Günstigkeitsprinzip
4.3.2 Arbeitsrecht
4.4 Tarifwidrige Regelungen
5. Flexibilisierung in der Tarifrealität
5.1 Brüche bezüglich des Lohnentgeltes
5.2 Brüche bezüglich der Arbeitszeit
5.3 Branchenspezifische Flexibilisierungsmuster
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Tarifverträgen in der Bundesrepublik Deutschland, beleuchtet deren Flexibilisierung in der betrieblichen Praxis und analysiert die daraus resultierenden Folgen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber unter Berücksichtigung gesetzlicher Rahmenbedingungen.
- Grundlagen industrieller Beziehungen (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände)
- Struktur und Funktion von Tarifverträgen
- Mechanismen zur Flexibilisierung (Öffnungsklauseln, Bündnisse für Beschäftigung)
- Rechtliche Grundlagen und das Günstigkeitsprinzip
- Branchenspezifische Ausprägungen der Flexibilisierung in der Tarifrealität
Auszug aus dem Buch
4.1 Öffnungsklauseln, Härtefallregelungen
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Öffnungsklauseln bezüglich der Wochenarbeitszeit eingeführt. Nach dem Konjunktureinbruch im Jahre 1993 wurden sie für Betriebe in wirtschaftlicher Krisensituation von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in zahlreichen Bereichen vereinbart. Die schlechte wirtschaftliche Lage des Betriebes ist nur eine Bedingung für das Abweichen von tarifvertraglichen Standards; hinzu kommt eine Verpflichtung der Arbeitgeber zu Gegenleistungen an die Arbeitnehmer. Soll beispielsweise das Einkommen der Arbeitnehmer gekürzt oder ihre wöchentliche Arbeitszeit verlängert werden, versprechen die Arbeitgeber vor allem den befristeten Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
Als konkretes Beispiel soll die Taktik Peter Hartz’ gelten, der als Personalvorstand der VW AG die 4-Tage-Woche einführte, die als „Beschäftigungspakt“ dazu diene, „die Lasten intern [zu] verteil[en]“ und den „Strukturwandel zu bewältigen“. Somit kann bei Öffnungsklauseln von einer Art „Tauschprinzip“ gesprochen werden: „Modernisierung gegen Beschäftigungssicherung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Tarifparteien und Fragestellung der Arbeit bezüglich der Flexibilisierbarkeit von Tarifverträgen.
2. Beschreibung industrieller Beziehungen in der BRD: Analyse der Entstehung und Funktionen von Gewerkschaften sowie der Rolle der Arbeitgeberverbände als Gegenspieler.
3. Tarifverträge: Definition, Zweck und Organisation der Tarifverträge als Instrument der Tarifautonomie im dualen System.
4. Aufweichen der Tarifverträge bzw. ihre Flexibilisierung: Untersuchung verschiedener Instrumente wie Öffnungsklauseln, Härtefallregelungen und Beschäftigungsbündnisse sowie deren rechtlicher Kontext.
5. Flexibilisierung in der Tarifrealität: Empirische Betrachtung von Tarifbrüchen und Anpassungsmustern in der Metall-, Bau- und Chemieindustrie.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Auswirkungen zunehmender Flexibilität auf den Arbeitnehmerschutz und die Stabilität des Tarifsystems.
Schlüsselwörter
Tarifverträge, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Flexibilisierung, Öffnungsklauseln, Flächentarifvertrag, Beschäftigungsbündnisse, Tarifautonomie, Günstigkeitsprinzip, Industrielle Beziehungen, Arbeitszeit, Lohnpolitik, Tarifrealität, Mitbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Flexibilisierung von Tarifverträgen in deutschen Betrieben und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Rollen der Tarifparteien, die verschiedenen Arten von Tarifverträgen sowie die Strategien zur betrieblichen Flexibilisierung in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie flexibel Tarifverträge in der betrieblichen Praxis gestaltet werden können und welche positiven sowie negativen Folgen dies nach sich zieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen und arbeitsrechtlichen Aspekten unter Einbeziehung bestehender Fachliteratur und empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Instrumente der Flexibilisierung (Öffnungsklauseln, Bündnisse für Beschäftigung), die rechtlichen Rahmenbedingungen und die branchenspezifische Realität in der Metall-, Bau- und Chemieindustrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tarifautonomie, Flächentarifvertrag, Öffnungsklauseln, Beschäftigungsbündnisse, Flexibilität und industrielle Beziehungen.
Was unterscheidet Bündnisse für Beschäftigung (BBWs) von Öffnungsklauseln?
Während sich Öffnungsklauseln häufig auf akute Krisenphasen beziehen, sind BBWs breiter angelegt und verfolgen das Ziel einer generellen Produktivitätssteigerung sowie Kostenoptimierung ohne strikte Begrenzung auf Krisenzeiten.
Welche Rolle spielt das Günstigkeitsprinzip?
Es dient dazu sicherzustellen, dass Abweichungen vom Tarifvertrag nur zum Vorteil der Beschäftigten erfolgen dürfen, auch wenn dieser Schutz durch Flexibilisierungsmaßnahmen teilweise nur noch indirekt wirksam ist.
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- Paula Hesse (Author), 2004, Flexibilisierung der Tarifverträge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28376