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Die ottonische Politik gegenüber Venedig

Titel: Die ottonische Politik gegenüber Venedig

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 27 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Christoph Osterholt (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Einleitung

Mit dem Vordringen der deutschen Könige über die Alpen im 10. Jahrhundert in das alte langobardische, später karolingische Regnum Italiae trafen sie in den Lagunen am Nordufer der Adria auf ein Herrschaftsgebiet, das in Europa einzigartig war. Durch die Ereignisse der Völkerwanderungszeit hatten sich die Untertanen Ostroms in die Reichweite des Schutzes der byzantinischen Flotte auf die Inseln und lidi der Lagune geflüchtet, um vor den landgebundenen Truppen eindringender germanischer Herrscher in Sicherheit zu sein. Nach dem Fall Ravennas verblieben diese Lagunengebiete als die letzten Herrschaftsbereiche der italischen Halbinsel, die zumindest nominell noch unter dem Regiment Konstantinopels standen. Das Archipel Rialto hatte sich im Laufe des 9. Jahrhunderts zum Hauptort eines Gemeinwesens entwickelt, das in jeder Hinsicht doppelgesichtig war: in seiner Lage, dem Meer und dem Überseehandel zugewandt aber gleichermaßen auf stabile Verhältnisse auf dem umgebenden Festland angewiesen; in der politischen Verfassung, die ihm einen dux bescherte, der kein Herzog im westlich-feudalen Sinne und kein hypatos im byzantinischen Sinne war, da Byzanz seine Wahl nur noch zu bestätigen hatte; in seiner kirchlichen Organisation, nicht mehr der Orthodoxie zugeneigt, aber ebenso wenig bereit, sich dem römischem Patriarchen zu beugen.

Diese Scharnierfunktion hatte Verträge mit den Herrschern des Festlandes zur Folge, die die Rechtssicherheit und den Modus des Handels gewährleisten sollten. Garant dieser Abkommen wurde im Jahre 840 unter dem Eindruck der schwindenden Macht Konstantinopels der Kaiser des Abendlandes und Herrscher über das Regnum Italiae. Mit dem so genannten Pactum Lotharii wurde eine ganze Reihe ähnlicher Pakta eröffnet, die in ihren Bestimmungen grundlegend für das Verhältnis zwischen Herrscher und Dogat wurden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Rolle zu beleuchten, die Venedig in der Politik der Ottonen spielte, die als erste transalpine Herrscher nach dem Niedergang der karolingischen Dynastie wieder politische Ziele in Italien verfolgten. Wie nutzten sie die besonderen Gegebenheiten, die der Dogat, am Rande der europäischen Feudalwelt gelegen, zu bieten hatte?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorgeschichte: Das Paktum Kaiser Lothars von 840

3. Die ottonische Politik

3.1. Otto I.

3.2. Otto II.

3.3. Otto III.

3.4. Heinrich II.

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle Venedigs in der Politik der ottonischen Herrscher, die nach dem Niedergang der karolingischen Dynastie wieder verstärkt Ziele in Italien verfolgten. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die ottonischen Herrscher die besonderen politischen Gegebenheiten des venezianischen Dogats nutzten und wie sich das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Kaisern und Venedig gestaltete.

  • Die diplomatischen und rechtlichen Beziehungen basierend auf dem Pactum Lotharii.
  • Die Auswirkung persönlicher Bindungen wie Tauf- und Firmpatenschaften.
  • Die strategische Bedeutung Venedigs für den Handel und die Machtausdehnung in Italien.
  • Der Wandel der ottonischen Italienpolitik von Otto I. bis Heinrich II.

Auszug aus dem Buch

3.2. Otto II.

Otto II., der 973 nach dem Tod seines Vaters die Regierungsgeschäfte übernahm, intensivierte weiterhin die Beziehungen zur Familie der Candianen. So gelang es Pietros Sohn Vitale, der als Patriarch von Grado Otto gegen Ende des Jahres 973 in Deutschland begleitete, sich kurz darauf den Besitz seines Bistums innerhalb des Reiches in gleicher Weise bestätigen zu lassen, wie es in dem Präzept Ottos I. von 967 für den Dogat geschehen war.

Mit einem Aufstand, in dessen Folge der Palast des Dogen mitsamt allen Urkunden und Aufzeichnungen Venedigs sowie ein großer Teil Rialtos in Flammen aufging, entledigte sich eine Adelsverschwörung schließlich im Jahre 976 durch Mord des zu mächtig gewordenen Pietro IV. Candiano und seines kleinen Sohnes und wählte stattdessen Pietro I. Orseolo zum neuen Dogen. Waldrada wurde hingegen verschont und musste von den Venezianern unter dem Druck der Kaiserin Adelheid großzügig für das ihr angetane Leid entschädigt werden.

Vitale von Grado konnte indes den Umsturz nicht ohne weiteres hinnehmen. Er begab sich an den Hof Ottos, um sich bei ihm über den Mord an seinem Vater zu beklagen. Als deutlich wurde, dass der Kaiser gewillt war, die venezianischen Verhältnisse wieder zu Gunsten der Candianen zu ordnen - so schien sich auf sein Betreiben eine Allianz zwischen dieser Familie und dem seit jeher Venedig feindselig gegenüberstehenden Patriarchat Aquileia anzudeuten - verlor der amtierende Doge den Mut zu regieren. Pietro I. Orseolo nutzte die Gelegenheit, sich in ein Pyrenäenkloster zurückzuziehen und flüchtete.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die einzigartige Stellung Venedigs im 10. Jahrhundert als politischer Akteur zwischen Byzanz und dem karolingischen Regnum Italiae.

2. Die Vorgeschichte: Das Paktum Kaiser Lothars von 840: Analyse des ältesten erhaltenen Handels- und Freundschaftsvertrages, der den Grundstein für das spätere Verhältnis zwischen den Kaisern und dem Dogat legte.

3. Die ottonische Politik: Untersuchung der wechselhaften Beziehungen und Abkommen zwischen Venedig und den ottonischen Herrschern.

3.1. Otto I.: Darstellung der Erneuerung des Paktums im Jahr 967 und die politische Annäherung an die Dogenfamilie der Candianer.

3.2. Otto II.: Analyse der Spannungen, des Umsturzes in Venedig 976 und die Versuche Ottos II., die Ordnung wieder zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

3.3. Otto III.: Erörterung der intensivierten diplomatischen Beziehungen und der symbolträchtigen geistlichen Verwandtschaften durch Tauf- und Firmpatenschaften.

3.4. Heinrich II.: Analyse der Fortführung der ottonischen Politik unter Heinrich II. und das Streben nach Aufrechterhaltung des Status quo.

4. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der ottonischen Venedig-Politik, die stärker von persönlichen Beziehungen als von starren imperialen Konzepten geprägt war.

Schlüsselwörter

Venedig, Ottonen, Mittelalter, Dogat, Pactum Lotharii, Außenpolitik, Handelsrecht, Kaiserin Adelheid, Diplomatie, Herrschaftsgeschichte, Regnum Italiae, geistliche Verwandtschaft, Pietro IV. Candiano, Pietro II. Orseolo.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politischen Beziehungen zwischen den ottonischen Kaisern und dem venezianischen Dogat im 10. und beginnenden 11. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen diplomatische Verträge (Pakta), Handelsbeziehungen, die Rolle von Tauf- und Firmpatenschaften sowie die Einflussnahme der Kaiser auf venezianische Innenpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Es soll beleuchtet werden, wie die ottonischen Herrscher die strategische Lage Venedigs für ihre Italienpolitik nutzten und welche Motive ihr Handeln leiteten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine quellenkritische Analyse durch, wobei er primäre Urkunden und zeitgenössische Chroniken, insbesondere die von Johannes Diaconus, auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch nach den Regierungszeiten von Otto I., Otto II., Otto III. und Heinrich II. und zeigt die jeweilige Politik gegenüber dem Dogat auf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Venedig, Ottonen, Diplomatie, Handel, Pactum Lotharii und die persönliche Verwandtschaftspolitik der Kaiser.

Wie wirkte sich die Heiratspolitik auf das Verhältnis aus?

Tauf- und Firmpatenschaften wurden genutzt, um geistliche Verwandtschaftsverhältnisse zu etablieren, die als Instrument für politisches Vertrauen und formelle Oberherrschaft dienten.

Welche Rolle spielte der Handel für die politischen Verträge?

Handelsfreiheit und Privilegien waren zentrale Verhandlungspunkte, wobei die Kaiser diese oft als Hebel für politische Anerkennung oder zur Durchsetzung eigener Machtinteressen einsetzten.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die ottonische Politik gegenüber Venedig
Hochschule
Universität Münster  (Osteuropäische Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Venedig - Istrien - Dalmatien im Mittelalter.
Note
sehr gut
Autor
Christoph Osterholt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V28377
ISBN (eBook)
9783638301756
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik Venedig Hauptseminar Venedig Istrien Dalmatien Mittelalter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Osterholt (Autor:in), 2002, Die ottonische Politik gegenüber Venedig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28377
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Leseprobe aus  27  Seiten
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