"Der Seewolf" von Jack London. Ein Roman und seine Verfilmungen


Seminararbeit, 2010
20 Seiten, Note: 1-
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Hohe Ansprüche an Literaturverfilmungen

2 „Der Seewolf“ von Jack London – Ein Roman und seine Verfilmungen
2.1 Jack Londons Werdegang in Relation zum Kerngedanken seines Romans
2.2 Betrachtung der Handlung
2.2.1 Inhaltszusammenfassung von Jack Londons „Der Seewolf“
2.2.2 Beurteilung Ähnlichkeit beider Verfilmungen
2.3 Charakterisierung Wolf Larsen
2.3.1 Darstellung im Roman
2.3.2 Darstellung in den beiden Verfilmungen
2.4 Vergleich der Lektüre mit ihren beiden Verfilmungen anhand der Szene „Erste Begegnung Humphrey van Weydens mit Wolf Larsen“
2.4.1 Analyse und Interpretation der Stelle im Roman (S. 21-29)
2.4.1.1 Erzählhaltung und Stellenwert der Hauptperson
2.4.1.2 Aufbau und Funktion
2.4.1.3 Symbolhafter Figurencharakter
2.4.1.4 Sprachliche Gestaltung und deren Funktion
2.4.1.5 Aussage des Textes und Bezug zur geschichtlichen Epoche
2.4.2 Vergleichende Analyse und Interpretation der Verfilmungen von Wolfgang Staudte und von Mike Barker
2.4.2.1 Kulisse, Requisiten und Kostüme
2.4.2.2 Bild, Licht, Ton und Dialoge
2.4.2.3 Kameraführung und Schnitttechnik
2.4.2.4 Schauspielerische Leistung
2.4.2.5 Deckungsgleichheit mit dem Roman und Intension der Regisseure
2.5 Die Kartoffelszene
2.6 Besonderheiten der Dreharbeiten unter Wolfgang Staudtes Regie
2.7 Beurteilung der Authentizität

3 Der Seewolf im Repertoire der Weltliteratur

Quellennachweise

1 Hohe Ansprüche an Literaturverfilmungen

„Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben“ . Durch das Lesen wird vor allem eines beansprucht: die Fantasie. Jedes Wort und jeder Satz lässt in uns Bilder, Farben und manchmal Traumwelten entstehen. Das macht es einem Regisseur umso schwerer, einen Roman in eine Vorlage für eine Literaturverfilmung umzuwandeln. Die Probleme liegen dabei auf der Hand: Der gelesene Text wird gedanklich immer zum Vergleich herangezogen werden, eine strikte Trennung ist unmöglich. Und genau dieser Konflikt bildet den Kern dieser Seminararbeit. Wie verhält sich eine Verfilmung zu ihrer Romanvorlage? Inwiefern sind sie deckungsgleich, beziehungsweise kontrovers? Und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede weisen zwei verschiedene Verfilmungen derselben Vorlage auf? Betrachtet werden all diese Fragestellungen an dem konkreten Beispiel des Romans „Der Seewolf“ von Jack London und an den gleichnamigen Verfilmungen von Wolfgang Staudte (1971) und Mike Barker (2009).

2 „Der Seewolf“ von Jack London – Ein Roman und seine Verfilmungen

2.1 Jack Londons Werdegang in Relation zum Kerngedanken seines Romans

Jack London wurde am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren, nach eigenen Angaben „auf der falschen Seite der Straßenbahnschienen“ . Seinen leiblichen Vater hat Jack nie kennengelernt. Schon ein Jahr nach seiner Geburt heiratete seine Mutter Flora Wellman John London, der bereit war, den kleinen Jack zu adoptieren. Die finanzielle Lage der Familie verbesserte sich dadurch jedoch nicht, ganz im Gegenteil: Jack London beschrieb seine Umgebung als hart, ungebildet und roh: „Mein Platz in der Gesellschaft [war] tief unten, wo nichts als Schmutz und Elend war, wo Körper und Geist ausgehungert und zerquält wurden“ . Er hatte nie die Möglichkeit gehabt, eine Schule zu besuchen und brachte sich als Auto-didakt alles selbst bei. Bereits mit zehn Jahren musste auch Jack etwas zum Lebensunterhalt der Familie beisteuern, sei es als Zeitungsjunge, Eisverkäufer oder Fabrikarbeiter. Mit fünfzehn Jahren zog der Junge jedoch einen Schlussstrich und wandte sich von seiner Familie ab, weil er sich ausgenutzt fühlte. In den nun folgenden Jahren versucht sich Jack als „Goldsucher in Alaska, Austernräuber in der Oakland Bay, Schiffsjunge auf einem Robbenschoner, […] Journalist und Viehzüchter“ . Jede dieser Erfahrungen formte eine Quelle der Inspiration, aus der schlussendlich ein Roman oder eine Kurzgeschichte entstand. So auch „Der Seewolf“, der auf Londons Erfahrungen als Schiffsjunge fußt und zu seinen größten Erfolgen zählt. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute umstritten. Die einen behaupten, er hätte den Freitod gewählt, die anderen machen die Ärzte verantwortlich, die ihn aufgrund seines Alkoholismus behandelt hatten. Fest steht, dass Jack London nur vierzig Jahre alt wurde. Um es mit den Worten von Sinclair Lewis, einem amerikanischen Nobelpreisträger für Literatur auszudrücken: „Jack London führte neun Leben und schrieb über fünfzig Bücher, […] starb mit vierzig Jahren. Ein solcher Mann verdient seine Mythen“ .

2.2 Betrachtung der Handlung

2.2.1 Inhaltszusammenfassung von Jack Londons „Der Seewolf“

Der 35-jährige Schriftsteller Humphrey van Weyden wird nach einem Schiffsunglück in der Bucht von San Francisco von der Mannschaft des Robbenschoners Ghost an Bord geholt. Anstatt ihn an Land zu setzen zwingt Kapitän Wolf Larsen, genannt der Seewolf den verwöhnten Mann an Bord als Schiffsjunge zu arbeiten und sich so seine Überfahrt zu verdienen. Van Weyden erkennt schnell, dass Larsen sein Schiff mit roher Gewalt regiert und jeden seiner Willkürherrschaft unterwirft. Aber Wolf Larsen hat auch eine andere Seite. Er liest Shakespeare, Poe und Darwin, kennt sich überdies mit Naturwissenschaften aus. Der Seewolf genießt die Gesellschaft Humphreys, der einzigen Person auf dem Schiff, die ihm intellektuell gleichgestellt ist und zettelt immer wieder tiefgreifende, philosophische Diskussionen an. So entwickelt sich mit der Zeit eine tiefe, aus gegenseitiger Faszination entsprungene Hassliebe zwischen den beiden Männern, die zusätzlich dadurch angeheizt wird, dass durch ein weiteres Schiffsunglück Maud Brewster, eine junge Dichterin an Bord gelangt. Von nun an buhlen Larsen und van Weyden um die Gunst der schönen Frau. Doch der Kapitän ist ein kranker Mann, der häufig von Kopfschmerzen geplagt wird, verursacht durch einen Tumor im Gehirn. Eines Abends ergibt sich die perfekte Gelegenheit zur Flucht und Humphrey flieht gemeinsam mit Maud in einem kleinen Robbenfängerboot, mit dem sie an der Küste einer kleinen, unbewohnten Insel stranden. Nach Monaten des Überlebenskampfes, währendessen sich Maud und van Weyden nähergekommen sind, wird ein ungebetener Gast an den Strand der Insel geschwemmt: Wolf Larsen. Die Ghost wurde von Tod Larsen, dem grausamen Bruder des Seewolfs gekapert und die Mannschaft hatte daraufhin Meuterei begangen. Somit sitzt der mittlerweile erblindete und geschwächte Larsen an Bord der Ghost fest. Maud und Humphrey versuchen nun den ramponierten Robbenschoner wieder seetüchtig zu machen, werden jedoch immer wieder von Larsen sabotiert, bis dieser schließlich nach einem gefährlichen letzten Angriff auf van Weyden seinem Krebsleiden erliegt. Humphrey und Maud Brewster gelingt letztendlich die provisorische Wiederherstellung des Bootes und so können sie auf hoher See von einem vorbeifahrenden Kutter gerettet werden.

2.2.2 Beurteilung Ähnlichkeit beider Verfilmungen

Nimmt man das Skript der Verfilmung von Wolfgang Staudte (1971) genauer unter die Lupe, ist festzustellen, dass sich Drehbuchautor Walter Ulbricht nicht nur auf die Original-Vorlage des amerikanischen Schriftstellers beschränkte, sondern sich fleißig aus dem gesamten Werkschatz des selbigen bediente. Somit entstand ein „aus verschiedenen London-Motiven genial zusammengeflickte[s] Drehbuch“ . Der Seewolf bildet zwar quantitativ die Grundlage des Abenteuer-Klassikers, dennoch sind u.a. auch Teile aus Joe unter den Piraten, der Sohn der Sonne, Südseegeschichten und Abenteurer des Schienenstranges in das Drehbuch eingewoben worden. „Dieses geschah absolut logisch und nachvollziehbar“ . Die meisten der zusätzlich eingefügten Szenen basieren auf einer Tatsache, die im Roman nicht Teil der Handlung ist: Der Seewolf und Humphrey haben eine gemeinsame Vergangenheit. Als junge Teenager lernten sie sich kennen und erlebten gemeinsam Abenteuer, deren Inhalte aus den genannten Werken Londons entnommen sind. Doch irgendwann verloren sie sich aus den Augen und ihre Freundschaft zerbrach. Humphrey selbst bezeichnet die neue, an Bord herrschende Beziehung zwischen sich und Larsen als die zwischen einem „Herr[n] und Diener oder besser noch zwischen König und Hoffnarr“ . Durch Rückblenden in die Kindheit der beiden Antagonisten und die Weiterführung Humphreys Geschichte nach seiner Flucht war es möglich, dass sechs Stunden Film entstanden sind, das Material für den erfolgreichsten Vierteiler des ZDF. Das Skript unter der Regie von Mike Barker (2009) weist hingegen eine ganz andere Struktur auf: Zusätzlich zu dem eigentlichen und einzigen Haupthandlungsstrang des Romans, wird hier ein weiterer, dem Roman nicht entnommener Nebenstrang eingefügt. In dessen Zentrum steht Tod Larsen, der böse Bruder des Seewolfs, dessen erklärtes Ziel es ist, seinen Bruder zu töten. Durch das plötzliche Auftauchen einer Bedrohung für den Seewolf wird aber ein Stück des geheimnisvollen Schleiers, der auf ihm lag vernichtet. In Barkers Film ist Humphrey van Weyden außerdem von Anfang an persönlich bekannt mit Maud Brewster, wollte sie sogar heiraten. Die Verfilmung von 1971 wird häufig als die gelungenste erachtet. Der Verfilmung Mike Barkers fehlt dagegen an vielen Stellen die nötige Vielschichtigkeit und Überzeugungskraft, um den Zuschauer so zu fesseln, wie einst der Vorgänger des ZDF.

2.3 Charakterisierung Wolf Larsen

2.3.1 Darstellung im Roman

„Wolf Larsen war der Mann in seiner Vollkommenheit, beinahe ein Gott“ . So beschreibt Humphrey van Weyden das optische Erscheinungsbild seines Kapitäns, ist regelrecht fasziniert von dessen muskulösem Körper und der ungeheuren Stärke, die Larsen ausstrahlt. Doch gleichzeitig schuf Jack London einen ambivalenten Charakter, der zum einen unfassbar männlich und kraftvoll, zum anderen aber auch nachdenklich, intelligent und philosophierend auftritt. So führt der Seewolf gnadenlos und brutal das Regiment auf seinem Schiff, räsoniert aber gleichzeitig mit Humphrey über das menschliche Dasein und vertritt hierbei radikale, darwinistische Theorien. Fressen oder gefressen werden, so lautet sein Credo. Das Leben ist seiner Meinung nach „eine billige Ware ohne Wert“ , Moral ein Korsett und Demokratie nur ein absurdes Missverständnis. Deshalb gilt seit jeher auf seinem Schiff: Die Autorität, nicht die Moral schafft das Gesetz . Diese radikale Welteinstellung resultiert zu großem Teil aus der harten Jugendzeit Larsens. Als Kind dänischer Küstenbauern hat er nie eine Schule von innen gesehen, musste schon von Kindesbeinen an Matrosendienst auf See leisten. Doch unendlicher Ehrgeiz und Einsamkeit erweckten in ihm einen beinahe unstillbaren Wissensdurst. So brachte er sich selbst das Lesen und Schreiben bei, befasste sich unter anderem mit Mathematik und Naturwissenschaften, Literatur und Philosophie. Und er hat es geschafft, sich aus dem gesellschaftlichen Sumpf herauszuarbeiten und zum Kapitän eines eigenen Schiffes aufzusteigen. Kein Mitglied der Crew ist seiner Intelligenz gewachsen, weshalb Larsen umso mehr die Gesellschaft Humphreys schätzt, den er immer wieder zu geistigen Duellen herausfordert. Beinahe erkennt er diesen als würdigen Gegenspieler an, befördert ihn sogar zum Steuermann. Doch dann erscheint die Schriftstellerin Maud Brewster, an der beide Männer Interesse zeigen. Doch im Gegensatz zu van Weydens aufrichtiger Liebe, sind die Gefühle des Seewolfs rein sexueller Natur. Er ist fasziniert vom widerspenstigen Charakter der hübschen Frau und wird getrieben vom Wunsch, sie zu besitzen. Doch hier muss der Seemann zum ersten Mal seit langer Zeit Grenzen erfahren. Die junge Maud weist ihn deutlich zurück, entkommt daraufhin nur knapp einer Vergewaltigung und flieht schließlich mit dem Literaturkritiker Hump in einem der Beiboote. Hier beginnt der Verfall der Bestie Larsen: Er hat die einzigen beiden Menschen vertrieben, die ihm geistig ebenbürtig gewesen waren und hat überdies mit sich häufenden Kopfschmerzen zu kämpfen. Sein Bruder Tod entert nur wenig später sein Schiff und lässt den mittlerweile erblindeten Kranken allein auf dem führerlosen Schoner zurück. Nach und nach ist ihm somit alles entrissen worden, über das er zuvor geherrscht hatte: Humphrey, die Crew und schließlich die Kraft, seines eigenes Boot zu lenken. Zwar trifft er durch eine Verkettung von (un)glücklichen Umständen wieder auf Hump und Maud, aber letzten Endes stirbt der Seewolf, wie er gelebt hat: Einsam, alleine und ohne von jemandem geliebt zu werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Der Seewolf" von Jack London. Ein Roman und seine Verfilmungen
Note
1-
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V283851
ISBN (eBook)
9783656839910
ISBN (Buch)
9783656839927
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seewolf, jack, london, roman, verfilmungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, "Der Seewolf" von Jack London. Ein Roman und seine Verfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283851

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