Das Bild der Phönizier in Homers Epen


Hausarbeit, 2011

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Phönizier in den Epen
2.1. Merkmale der Phönizier in der Ilias
2.2. Merkmale der Phönizier in der Odyssee
2.3. Erklärungsansätze für die Merkmale

3. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Luxusartikel, Waren des alltäglichen Lebens sowie Gegenstände, welche man nicht vorfinden konnte und somit sich anders im alten Griechenland beschaffen musste, um Gegenstände sowie Nahrungsmittel des alltäglichen Lebens zu benutzen und erhalten oder gar herzustellen, das ruft alles nach Handel und Händler. Phönizier waren diese Händler, die diese Besitztümer beschaffen konnten, wie man es aus Homers Ilias und Odyssee entnehmen kann. Doch was findet man über dieses Volk, welches die Alphabetschrift auch mitbrachte und über welches Homer um 800 v. Chr. in der Odyssee schreibt. Auf einmal gibt es Textstellen von Räuberei, gar Sklaverei und die Phönizier sind doch nicht mehr die seriösen Kaufleute. Aber warum wird in zwei verschiedenen Quellen ein Volk so unterschiedlich dargestellt, gar kontrovers. Der Forschungsstand zur Fragestellung „Warum werden die Phönizier in den beiden Epen von Homer unterschiedlich dargestellt?“ ist sehr eingeschränkt und umstritten. Einige Forscher hatten sich zwar teilweise mit der Thematik beschäftigt, jedoch gibt es nicht viel Literatur darüber. Deswegen erhoffe ich mir einen genaueren Einblick in die Problematik, das Thema und eine eventuelle Lösung jener Frage. Ob dabei die homerische Frage eine größere Rolle hat, ist dabei zu klären.

Als zugrunde liegende Quellen dieser Analyse sowie Interpretation sollen ausschließlich die beiden Werke Homers die Ilias und die Odyssee vorliegen, in welcher es ihm anscheinend gelingt unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Diese Blickwinkel sollen dann bezugnehmend auf die Fragestellung analysiert werden. Des Weiteren ist zu schauen, inwiefern eine Entwicklung der Phönizier bezüglich ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse stattfand.

Bei der Durchführung der Arbeit erwiesen sich die Bücher „Antike Seefahrt“ von Olaf Höckmann und „Seewesen und Seehandel in der Antike“ von G. A. Rost als sehr hilfreich, welche sowohl die Seefahrt allgemein, als auch spezielle Passagen mit den Phöniziern hatten.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird das Nomen Phönizier anstelle von Phoiniker oder Phöniker von mir verwendet. Dabei wird jedoch immer noch von derselben Personengruppe ausgegangen.

2. Darstellung der Phönizier in den Epen

2.1. Merkmale der Phönizier in der Ilias

Anders als in der Odyssee bekommt man in der Ilias ein ganz anderes Bild von den Phöniziern. Auf einmal sieht man nicht mehr nur die bösen Erzschinder wie oben beschrieben, sondern bekommt auch ein positives Bild von ihnen. Schließlich waren die Griechen auch zum Teil auf die Phönizier angewiesen. Denn selbst ein Volk, wie die Griechen, konnte nicht alles alleine herstellen bzw. besaß nicht alle (lebens-)notwendigen Rohmaterialien. Dazu gehören nunmehr nicht nur die nötigen Fleischvorräte wie eingangs erwähnt, sondern auch Erze. Diese brauchten sie schließlich unter anderem für die Gerätschaften zur Feldbestellung.

Des Weiteren ist jedoch festzustellen, dass in dem Epos der Ilias es nicht viele Stellen mit Erwähnung der Phönizier vorzufinden sind.

„Und sie schlachteten Rinder im Zelt und genossen des Mahles. Schiffe waren aus Lemnos mit Wein beladen, gelandet, reich an Zahl, es sandte sie Euneos, Sohn des Iason, welche Hypsipyle einst geboren hatte dem Iason. Atreus’ Söhnen allein, Agamemnon und Menelaos sandte er tausend Maße des edlen Weins zum Geschenke. Da nun tauschten sich Wein die hauptumlockten Archaier, hier die einen um Erz, die anderen um blinkendes Eisen, Häute brachten die einen, die anderen lebende Rinder, andere Sklaven,[…]“1

Hiermit lässt sich also auch beweisen, dass sie Erz auch woanders her gewinnen mussten. Damit sie an diesen Gegenstand gelangten, waren sie bereits darauf angewiesen Handel zu betreiben, da sie, wie oben erwähnt, nicht über entsprechende Materialien verfügten. Weiterhin wird deutlich, dass eine gewisse Faszination herrschte über sidonische Qualitätserzeugnisse, gar Luxusgüter.

„Selbst dann stieg sie hinab, in die lieblich duftende Kammer, wo sie die schönen rein- bestickten Gewandte verwahrete, Werke sidonischer Frauen, die der göttliche Held Alexandros selbst aus Sidon gebracht und über die Wogen geleitet, […]“2

Auch diese Quelle beweist noch einmal das hohe Verlangen nach Luxusartikeln. Dies führte wiederum auch dazu, dass die Königshäuser (in diesem Falle Alexandros) versuchten, sich solche Arbeiterinnen zu beschaffen, sei es durch Kauf, Anwerbung oder gar Raub. Also finden wir auch hier Anzeichen von Gewalteinwirkung und man kann auch von einer gewissen wenn auch minimalen negativen Darstellung reden.

Im weiteren Verlauf der Forschung findet man auch eine höfliche Darstellung der Phönizier. Den Beweis dafür bringt die Ilias:3

„Einen silbernen Krug von prangender Kunst; er umfaßte Sechs der Maß', und besiegt' an Schönheit all' auf der Erde Weit; denn kunsterfahrne Sidonier schufen ihn sinnreich; Aber phönikische Männer, auf finsteren Wogen ihn bringend, Boten in Häfen ihn feil, und schenkten ihn endlich dem Thoas; Drauf für den Priamiden Lykaon gab zur Bezahlung Ihn dem Held Patroklos Jasons Sohn Euneos. Den nun setzt' Achilleus, den Freund zu ehren, zum Kampfpreis Ihm, der am schnellsten im Laufe der hurtigen Schenkel erschiene; Einen mächtigen Stier dem folgenden, schwer des Fettes;“.

Hierbei findet ein Wettlauf zu Ehren eines gefallenen Freundes statt und der Siegerpreis ist ein silberner Krug. Auffällig ist dabei, dass der Autor hier eine klare Trennung vornimmt von Hersteller und Lieferant. Aber das eigentlich Interessante ist ja, dass die Phönizier etwas verschenken, gar höchstwahrscheinlich sogar als Xenie. Fraglich ist da natürlich ob dies evtl. auch aus Eigennutz geschieht oder wirklich aus reiner Gastfreundschaft. Auszuschließen ist der erste Punkt wohl nicht.

Des Weiteren ist zu erkennen, dass man es schätze, dass die Phönizier den Krug über einen schwierigen Weg gebracht hatten. Jedoch wird durch das Wort „endlich“ ein Zeitdruck auf die Phönizier gebracht, was vermuten lässt, dass man dies schon früher erwartet hatte und es höchste Zeit wurde, dass sie in den Hafen einfuhren um den Krug zu überbringen.

Dem zweiten Sieger sollte ein Stier sein Eigen werden. Dieser solle „mächtig“ sein, was auf einer gewissen Größe auf der einen Seite und auf der anderen Seite von einer kräftigen Statue hinweist. Im Zuge dessen solle er auch „schwer des Fettes“ sein, was weniger auf sein Fettgehalt hinweisen dürfte, als vielmehr auf sein Gewicht und somit seinen Wert darstellen soll, welcher demnach hoch sein musste und somit einen verdienten Wettkampfpreis darstellt.

2.2. Merkmale der Phönizier in der Odyssee

Um 800 v. Chr. war die wirtschaftliche Lage in Griechenland erschwert worden durch das große Bevölkerungswachstum, was auch archäologische Untersuchungen zeigen und beweisen können. Es fand dadurch eine Umwälzung der Bedeutung der Viehwirtschaft zu der des Ackerbaus statt. Dafür machte man neues Ackerland urbar und eine größere Vielfalt von Nutzpflanzen wurde angebaut sowie verwendet. Da diese Umstellungen meistens immer noch nicht reichten, mussten noch andere Wege gefunden werden. Hierzu zählten unter anderem auch einige Griechen, die aufs Meer hinausfuhren, um dort sowohl Handel als auch Seeräuberei zu betreiben. Jedoch ist dies oftmals kaum auseinanderzuhalten. Schulz beschreibt es wie folgt:4

„Wo es Seeraub und Plünderung gibt, da gibt es auch Beute, neben den Küstendörfern auch Händler, die zur See fahren und wertvolle Waren mit sich führen. Tatsächlich fragte Polyphem Odysseus und seine Gefährten, „ob sie Händler seien, die des Geschäftes wegen das Meer beführen, oder Räuber, die auf dem Meer umherschweifen, den Fremden zum Unheil“. Archäologische Zeugnisse bestätigen, dass zur Zeit Homer wagemutige Griechen in die phönikischen Seehandelsmonopole einzudringen begannen. Handel setzt bestimmt Bedürfnisse voraus, und es fragt sich, wo diese Bedürfnisse anzusiedeln sind und von wem sie befriedigt wurden.“

Schulz deklariert die Griechen also als wagemutig, welche aufs Meer hinausfuhren, um Handel zu betreiben. Dies kann man meiner Meinung nach natürlich nicht so einfach sagen. Für einen wagemutigen Umstand müsste es wohl noch andere Möglichkeiten geben, um ein gewisses Ziel zu erreichen. Wenn aber Menschen nichts zu Essen besitzen und keine andere Möglichkeit haben, um zu überleben, dann hat das wohl wenig mit Wagemut (Duden: Substantiv, maskulin - kühne, unerschrockene Art; Mut zum Risiko) zu tun, statt vielmehr mit Notgedrungenheit und der eiserne Wille zum Überleben.

Schulz verweist aber richtig auf die Stelle in der Odyssee, wo Odysseus den Kyklopen Polyphem trifft. Hierbei wird klar, dass Phönizier nicht nur Händler sind, welche auf dem Meer sind, um Ware zu transportieren. Jedoch werden die Phönizier hier als Unheil bringende bezeichnet. Diese Generalisierung drückt jedoch noch nicht die Taten aus, welche diese Seefahrer wohl alle vollbracht hatten. Einen Einstieg zu diesem Faktum liefert Homer in der Odyssee mit folgender Stelle, wo er über die Verschlagenheit der Phönizier berichtet:5

[...]


1 Homer, Ilias Gesang 7, Vers 466 – 473.

2 Homer, Ilias Gesang 7, Vers 287 – 290.

3 Homer, Ilias Gesang 23, Vers 741 – 751.

4 Schulz, R., Die Antike und das Meer, Darmstadt, 2005, S.22f..

5 Homer, Odyssee Gesang 14, Vers 288 – 298.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Bild der Phönizier in Homers Epen
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Einführung in die Alte Geschichte
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V283900
ISBN (eBook)
9783656839217
ISBN (Buch)
9783656839224
Dateigröße
3364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homer, Antike, Ilias, Odysee, Epos, Phönizier
Arbeit zitieren
Dain Czeszak (Autor:in), 2011, Das Bild der Phönizier in Homers Epen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283900

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