Grundlagen des Streetwork


Hausarbeit, 2001

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Begriffserklärung

2. Geschichte des Streetwork

3. Ausgangslage

4. Methode

5. Konzeptionelle Grundordnungen

6. Tätigkeitsaspekte des Streetwork

7. Ziele des Streetwork

8. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen

9. Rechtliche Grundlagen

10.Probleme

11.Literaturverzeichnis

1. Begriffserklärung

Seit 1970 werden in Deutschland methodische Zugänge der Sozialen Arbeit diskutiert und erprobt, deren Ziel es ist direkt in die Lebenswelt der Klienten einzudringen.

Als Begriffe tauchen in diesem Zusammenhang Streetwork, das deutsche Gegenstück Straßensozialarbeit, aber auch Ausdrücke wie aufsuchende Jugend- und Sozialarbeit, Gassenarbeit oder mobile Jugendarbeit auf.

Alle diese Begriffe sind zum größten Teil synoym zu gebrauchen.

Streetwork zeichnet sich zumindest teilweise durch eine Abgrenzung von der rein institutionellen Sozialen Arbeit.

Die Form der Kontaktaufnahme verändert sich, denn anders als in der „Kommstruktur“ bei der Klienten die Sozialarbeiter von sich aus aufsuchen und sich somit in die Obhut von institutionellen Räumlichkeiten begeben, sucht der Streetworker nunmehr seine avisierte Zielgruppe an ihren bevorzugten Aufenthaltsräumen auf.

Während er also innerhalb einer Behörde den „Heimvorteil“ hat und die Regeln aufstellen kann, muß er sich nun einer Gruppe unterordnen, um von ihr akzeptiert zu werden.

Dabei hat er sich im klaren darüber zu sein, dass er der „Aufsuchende“ ist und zumindest zunächst keinerlei Ansprüche an seine Zielgruppe zu stellen hat, da dies jegliche Kontaktaufnahme von vorneherein stören bzw. zerstören könnte.

Er begibt sich in die Lebenswelt seines Klientels, bestehend aus subkulturellen, sozial benachteiligten, stigmatisierten oder kriminellen Gruppen, mit der Bitte aufgenommen und akzeptiert zu werden.

Gerade weil ein Großteil dieses Klientel, bedingt durch Schwellenängste, das Aufsuchen von Ämtern, Behörden und somit auch ihn als Sozialarbeiter bisher abgelehnt hat, besteht seine erste Aufgabe darin seine Arbeit als Streetworker als niederschwelliges Angebot der Sozialarbeit zu präsentieren.

Ihre Einsatzorte finden Streetworker vorwiegend auf Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen, Parks, Spielhallen, Diskotheken, Bars, Kneipen, auf der Straße oder in Rotlichtvierteln.

Des weiteren wird Streetwork durch folgende Grundprinzipien charakterisiert:

- Parteilichkeit für die Jugendlichen und Erwachsenen
- Gewährleistung von Anonymität und Vertraulichkeit
- Anerkennung der Freiwilligkeit des Kontaktes
- Kontinuität der Beziehung
- Förderung von Autonomie und Selbstverwaltung der Jugendlichen und Erwachsenen
- Vernetzung
- Öffentlichkeitsarbeit

2. Geschichte des Streetwork

Die Wurzeln des Streetwork liegen, wie bei vielen Methoden der Sozialen Arbeit, in den USA.

In den 60er und 70er Jahren wurde dort zunächst mit dem Transformationsmodell gearbeitet, in dem die Streetworker (gang worker) versuchten negativ stigmatisierte Gruppen mit sozialpädagogisch inszenierten Alternativen positiv zu verändern.

Aufgrund einer eher geringen Erfolgsquote, wurde dieser Ansatz schließlich durch das Abschreckungsmodell abgelöst, welches sich durch eine verstärkte Überwachungs- und Kontrollfunktion auszeichnet.

Man orientierte sich fortan auf gebietsbezogene Einsätze und nicht mehr auf die Arbeit mit den jugendlichen Straßengruppen selber.

In Deutschland tauchte der Begriff der Straßensozialarbeit zum ersten Mal Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre auf.

Das Interesse an einer Form der aufsuchenden Sozialen Arbeit war nicht rein sachlich bedingt, so gab es in verschiedenen sozialarbeiterischen Handlungsfeldern Überlegungen in Richtung Entinstitutionalisierung und Dezentralisierung der Sozialen Arbeit, mit Leitprinzipien wie „Betroffenenorientierung statt Kontrolle“, „Lebensweltansätze statt institutioneller Verwaltung“ oder „Solidarisierung statt Ausgrenzung“.

Diese Überlegungen entstammten der „antiautoritären Bewegung“.

Gleichwohl waren es aber sachliche Gründe, die für die Einrichtung der ersten Streetwork-Projekte verantwortlich waren.

Einerseits war es die Soziale Lage vieler Heranwachsender, insbesondere von Jugendlichen aus sogenannten Randgruppen, die eine Vielzahl von Problemen entstehen ließ, denen sich die bestehenden sozialen Projekte nicht mehr gewachsen fühlten.

Anderseits war es die Ende der 60er Jahre aufkommende Drogenwelle, die eine Erweiterung des Angebotes der Sozialen Arbeit erforderlich machte.

Nachdem man sich bei ausländischen Streetwork-Projekten, insbesondere in den Niederlanden, Großbritannien, Skandinavien, der Schweiz und Österreich über institutionelle Grundlagen, sowie mögliche Praxisformen nichteinrichtungsgebundener Sozialarbeit informierte, wurden die ersten Streetwork-Projekte in Deutschland installiert.

Konzepte aufsuchender Sozialarbeit fanden Mitte bis Ende der 70er Jahre zunehmend an Beachtung, insbesondere die Streetworkerstudie von Krausslach aus dem Jahre 1978, sowie vier Bundesweite Streetworkertreffen zwischen 1979 und 1981 forcierten die Verarbeitung von Lebensweltnaher Sozialarbeit entscheidend mit.

Mit der Ausbreitung in verschiedene Zielgruppenorientierungen (z.B. Wohnungslose, Fußballfans etc.) etablierte sich Streetwork ab Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre zunehmend im Angebotsspektrum der Sozialen Arbeit.

Bedingt durch neuerliche gesellschaftliche Herausforderungen (z.B. Aufbau der Jugend-/Sozialarbeit in der ehemaligen DDR) und verschärfter Problemlagen (z.B. Ausbreitung des HIV-Virus, zunehmende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen etc.) erfuhr die Straßensozialarbeit in Deutschland ab Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre einen weiteren Entwicklungsschub.

3. Ausgangslage

Streetwork steht oft im engen Zusammenhang zu politisch brisanten Themen ( z.B. Ausländerfeindlichkeit, Hooliganismus ).

Daher werden Streetworkprojekte häufig dann installiert, wenn Verwaltungen oder politische Entscheidungsträger im Zusammenhang mit spektakulären Aktionen von gesellschaftlichen Randgruppen in Zugzwang geraten.

Streetwork wird quasi als die Form der Sozialarbeit angesehen, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn:

- bisherige Arbeitsansätze nicht den gewünschten Erfolg bringen
- der sozialpolitische Handlungsdruck besonders hoch ist
- es sich um ein „besonders schwieriges Klientel“ handelt

Beispielsweise bescherten die erheblichen Auffälligkeiten der Jugendlichen (Rechtsorientierung etc.) in der ehemaligen DDR den neuen Ländern unzählige

Streetwork-Projekte.

Auch in den alten Bundesländern ging die Tendenz dahin, dass viele stationäre Einrichtungen geschlossen und durch Streetwork-Projekte ersetzt wurden.

Diese Entwicklung ist allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Einerseits besteht die Gefahr, dass Straßensozialarbeit vonseiten der Kontrollorgane als Verstärkung der druckausübenden Strategie gegen eine Außenseitergruppe angesehen wird und den Streetworker somit zum Vorposten des Gesetzgebers werden lässt.

Straßensozialarbeiter lehnen dies in der Regel ab, wissen aber auch in welchen Zwiespalt gegenüber ihrem Arbeitgeber bzw. Auftraggeber sie geraten können, für den Fall, dass die „störenden Elemente“ nicht schnell genug beseitigt werden.

Der Streetworker bevorzugt für sich die Rolle des Anwalts und Interessenvertreters, des parteilichen Vertreters zwischen seiner Szene einerseits und Sozialpolitik sowie Institutionen andererseits.

Er will die Interessen seiner Zielgruppe in Institutionen, Öffentlichkeit und Politik publik machen.

In diesem Sinne könnte Streetwork auch als Gegengewicht zu einer Politik der Ausgrenzung verstanden werden, die Ansätze lebensweltnaher Sozialarbeit sollen dazu beitragen, den ausgegrenzten Gruppen wieder soziale und politische Einflussmöglichkeiten zu eröffnen.

Ein weiterer Grund warum man die anhaltende Popularität von Streetwork ein wenig kritisch betrachten sollte, ist die Tatsache, dass viele Träger die Straßensozialarbeit als „reine Feuerwehrmaßnahme“ der Jugendhilfe missbrauchen.

Zum einen aufgrund ihrer Flexibilität und zum anderen wegen ihrer recht günstigen Kosten/Nutzenrechnung.

4. Methode

Nach Kurt Gref lässt sich Streetwork wie folgt definieren:

„Streetwork bezeichnet eine methodische Vorgehensweise innerhalb verschiedener Praxisfelder der Jugend- und Sozialarbeit.

Streetwork ist eine Kontaktform im Sinne aufsuchender Arbeit.

StreetworkerInnen arbeiten nicht (nur) in den Räumen einer Institution, sondern begeben sich (auch) in das unmittelbare Lebensumfeld ihrer Zielgruppe, indem sie deren informelle Treffpunkte aufsuchen: Straßenecken, Scenetreffs, Parks, öffentliche Plätze, Ladenpassagen, Fußgängerzonen, Spiel- und Bolzplätze, Schulhöfe, Kneipen, Discos, Spielcenter sowie teilweise auch Privaträume und Wohnungen.“ (Gref 1995,S.13)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Grundlagen des Streetwork
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe  (Fachbereich I - Sozialarbeit)
Veranstaltung
Methodenrepetitorium
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V284
ISBN (eBook)
9783638102070
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Streetwork, Straßensozialarbeit, Gassenarbeit, Mobile Jugendarbeit, Aufsuchende Arbeit, Lebensweltorientierte Ansätze, Jugendarbeit, Methoden, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Marc Wroblewski (Autor), 2001, Grundlagen des Streetwork, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284

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