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Identitätskonstruktion und -krise. Betrachtung eines Hauptmotivs in Heinrich von Kleists Werk

Anhand der Erzählungen "Die Verlobung von St. Domingo" und "Der Findling"

Title: Identitätskonstruktion und -krise. Betrachtung eines Hauptmotivs in Heinrich von Kleists Werk

Term Paper , 2014 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jannike Riesch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der Forschung wird Heinrich von Kleist, dem Sohn einer preußischen Junker- und Offiziersfamilie, der als Dichter heraustrat aus der Familientradition und sich damit selbst in einem fortwährenden Selbstfindungsprozess befand („Ach, es ist meine angeborne Unart […] immer an einem Ort zu leben, an welchem ich nicht bin, und in einer Zeit, die vorbei, oder noch nicht da ist.“ ), ein systematisches Interesse am Problem der Identität zugesprochen. Die ihm in diesem Zusammenhang weiter attestierte innere Zerrissenheit wird gar als sein schriftstellerisches ‚Markenzeichen‘ identifiziert. Kleist scheint damit seine persönliche Krise in das Zentrum seines Werkes gerückt zu haben und so zieht sich das Motiv der Identität wie ein roter Faden in mannigfaltiger Weise durch die verschiedenen Stücke.
Angesichts dieses gehäuften In-Erscheinung-Tretens der Thematik bieten sich vielerlei Anknüpfungspunkte, um sich der grundlegenden Frage zu widmen, auf welche Weise sich Identität im Werke Kleists letztlich manifestiert. Welche verschiedenen Stadien und Prozesse durchläuft der Mensch bei Kleist auf seiner Suche nach Identität? Inwiefern spielen Herkunft und Abstammung für deren Konstruktion eine Rolle? Erfährt der Mensch sich lediglich indirekt und ist stets Opfer von Fremdbestimmung und externer Rollenzuweisung? Oder ist er auch in der Lage, selbstständig zur Erkenntnis seiner selbst zu gelangen?
Die Arbeit beinhaltet eine Betrachtung des Werkes Heinrich von Kleists hinsichtlich dieser Aspekte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Identitätsproblematik im Werke Heinrich von Kleists

3 Identität in der Erzählung Die Verlobung von St. Domingo

3.1 Die ‚Mesitze‘ Toni

3.2 Narrative Identitätskonstruktion Tonis durch Gustav

3.3 „Ich bin eine Weiße“ – Tonis entschiedenes Bekenntnis

4 Identität in der Erzählung Der Findling

4.1 Nicolo als „Gottes Sohn“

4.2 Externe Rollenzuweisung – Nicolo als Substitut

4.3 Identitätsfindung Nicolos in Colino?

5 Zusammenfassende Betrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Konstruktion und Krise menschlicher Identität im literarischen Werk Heinrich von Kleists. Ausgehend von der Prämisse, dass Identität ein dynamisches Wechselspiel zwischen inneren Prozessen und äußeren, gesellschaftlichen Einflüssen darstellt, wird analysiert, wie die Protagonisten der Erzählungen Die Verlobung von St. Domingo und Der Findling an der Suche nach einem authentischen Selbst scheitern.

  • Identitätskonstruktion als Wechselspiel von Eigen- und Fremdwahrnehmung
  • Die Rolle gesellschaftlicher Rollenzuweisungen und sozialer Normen
  • Das Doppelgänger-Motiv als Spiegel der Identitätskrise
  • Einfluss von Herkunft und Abstammung auf das Individuum
  • Scheitern an der Suche nach Bestimmtheit bei Heinrich von Kleist

Auszug aus dem Buch

3.3 „Ich bin eine Weiße“ – Tonis entschiedenes Bekenntnis

Der Prozess der Selbstreflexion, der jeglicher Selbstbestimmung vorausgeht, besteht aus einer dialektischen Bestimmung innerhalb welcher der Mensch sich selbst zum Gegenstand seiner Betrachtung macht. Dieser Prozess bleibt aber keinesfalls abstrakt; Wünsche und Interessen spielen für den Weg zur Selbstbestimmung durchaus eine Rolle. Dies lässt sich auch bei Toni beobachten: ihr „Brautgeschenk“ wird zum Symbol der wachsenden Identifikation mit Marianes Mut und Opferbereitschaft – ab diesem Punkt scheint Toni die Rolle der Mariane angenommen zu haben. Sie steht nun nicht mehr auf Seiten Congo Hoangos, sondern ist die Verlobte eines Weißen. Dabei fließt auch Tonis Wunsch, sich ihrer Rolle als Mariane würdig zu erweisen, in den Selbstbestimmungsprozess mit ein. Dies wird vor allem deutlich, als Congo Hoango überraschend verfrüht zurückkehrt und Gustavs Lage aussichtslos erscheint. Denn Toni versucht nun alles, um ihn zu retten, und „frohlockte bei dem Gedanken, in dieser zu seiner Rettung angeordneten Unternehmung zu sterben.“ Dabei ist sowohl die Loyalität zu ihrem frisch Verlobten als auch der Wunsch, Marianes Heldentat gleichzukommen, von Bedeutung. Sie kann nach der Verlobung mit Gustav nicht zurück in ihre alte Rolle, muss sich also in ihrer neuen Rolle beweisen und macht sich die Opferhaltung Marianes zu eigen. Durch Tonis entschiedenes Bekenntnis zu ihrer neuen Identität beendet sie die von Gustav in die Wege geleitete Wandlung, indem sie eine bewusste Entscheidung gegen ihre bisherige Erziehung und Herkunft trifft:

[…] ich habe euch nicht verraten; ich bin eine Weiße, und dem Jüngling, den ihr gefangen haltet, verlobt; ich gehöre zu dem Geschlecht derer, mit denen ihr im offenen Kriege liegt, und werde vor Gott, daß ich mich auf ihre Seite stellte, zu verantworten wissen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Identitätsproblematik bei Kleist ein und begründet die Wahl des Themas sowie der exemplarischen Erzählungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umwälzungen um 1800.

2 Identitätsproblematik im Werke Heinrich von Kleists: Dieses Kapitel erläutert das Spannungsfeld zwischen individuellem Identitätsanspruch und gesellschaftlicher Entfremdung, wobei das Doppelgänger-Motiv als zentrales strukturbildendes Element bei Kleist hervorgehoben wird.

3 Identität in der Erzählung Die Verlobung von St. Domingo: Es wird analysiert, wie die Protagonistin Toni durch die Konfrontation mit fremden Rollenbildern und ihre eigene Herkunft zwischen den Identitätsfronten ‚schwarz‘ und ‚weiß‘ navigiert.

4 Identität in der Erzählung Der Findling: Dieses Kapitel betrachtet den Findling Nicolo als ‚anthropologische Leerstelle‘ und untersucht, wie der Versuch scheitert, eine Identität durch die Einordnung in familiäre Ersatzstrukturen zu generieren.

5 Zusammenfassende Betrachtung: Die Kapitel resümieren die Ergebnisse und stellen fest, dass trotz unterschiedlicher Voraussetzungen die Identitätssuche in beiden Erzählungen durch tragische, tödliche Enden gezeichnet ist.

Schlüsselwörter

Identität, Heinrich von Kleist, Identitätskrise, Die Verlobung von St. Domingo, Der Findling, Fremdbestimmung, Selbstfindung, Doppelgänger-Motiv, Rollenzuweisung, Individualität, Literaturanalyse, Identitätskonstruktion, Sozialisation, menschliches Grundbedürfnis, Bestimmtheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Identität im Werk von Heinrich von Kleist, insbesondere unter der Fragestellung, wie Identität konstruiert wird und warum diese Suche für die Figuren bei Kleist oft in einer Krise endet.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Wechselwirkung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, die Rolle von Herkunft und Fremdzuschreibungen sowie die Problematik des Doppelgänger-Motivs.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, auf welche Weise sich Identität im Werk Kleists manifestiert und ob es den Individuen gelingt, eine eigene, authentische Identität zu entwickeln oder ob sie an externen Rollenzuweisungen scheitern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein systematischer Vergleich anhand von zwei ausgewählten Erzählungen („Die Verlobung von St. Domingo“ und „Der Findling“) vorgenommen, wobei ein pointierter Dreischritt (Herkunft, Fremdbestimmung, Selbstbestimmung) als analytisches Raster dient.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der Identitätsentwicklung von Toni in „Die Verlobung von St. Domingo“ und die Analyse der gescheiterten Identitätsfindung von Nicolo in „Der Findling“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Identität, Selbstbestimmung, Fremdbestimmung, Doppelgänger-Motiv, Identitätskonstruktion und gesellschaftliche Rollen.

Inwiefern unterscheidet sich die Ausgangslage von Toni und Nicolo?

Toni steht bereits in einer Herkunftswelt und muss sich zwischen zwei gesellschaftlich vorgegebenen, dikotomischen Rollen entscheiden, während Nicolo von Beginn an als beziehungslose ‚tabula rasa‘ ohne jegliche soziale Anbindung eingeführt wird.

Warum endet die Identitätssuche in „Der Findling“ katastrophal?

Da Nicolo keine eigene Identität entwickeln kann und die Familie lediglich als künstliches Ersatzgebilde fungiert, versucht er, seine „Nicht-Existenz“ durch den betrügerischen Raub der Identität eines anderen zu füllen, was zwangsläufig zum Tod führt.

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Details

Title
Identitätskonstruktion und -krise. Betrachtung eines Hauptmotivs in Heinrich von Kleists Werk
Subtitle
Anhand der Erzählungen "Die Verlobung von St. Domingo" und "Der Findling"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
1,0
Author
Jannike Riesch (Author)
Publication Year
2014
Pages
20
Catalog Number
V284235
ISBN (eBook)
9783656925200
ISBN (Book)
9783656925217
Language
German
Tags
identitätskonstruktion betrachtung hauptmotivs werk heinrich kleists anhand erzählungen verlobung domingo findling
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jannike Riesch (Author), 2014, Identitätskonstruktion und -krise. Betrachtung eines Hauptmotivs in Heinrich von Kleists Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284235
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