[...] Zunächst ist festzuhalten, dass eine Betrachtung der antiken Wirtschaft problematisch ist. Aufgrund der technischen Möglichkeiten, der demografischen Strukturen und der Wertesystem, ist das wirtschaftliche Leben nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Aus diesem Grund möchte ich mich dem eigentlich Untersuchungsgegenstand und der Fragestellung über die Bedeutung des obergermanisch-raetischen Limes von zwei Seiten nähern. Im ersten Teil dieser Arbeit wird der Limes als Untersuchungsgegenstand eingegrenzt, skizziert und charakterisiert. Hierbei werden das Verständnis des Limes aus heutiger Sicht und die römische Wahrnehmung kontrastiv gegenübergestellt. Zudem wird der obergermanisch-raetische Limes geografisch eingegrenzt und die entscheidenden Bauphasen skizziert. Im zweiten Schritt werden die für den Schwerpunkt dieser Arbeit wichtigen Grundbegriffe und die Faktenlage ausgearbeitet. An dieser Stelle werden die Begriffe ‚Handel‘ und ‚Wirtschaft‘ näher eingegrenzt und für die Arbeit funktionalisiert. Zudem wird der antike Bezug durch die Erfassung von antiken Akteuren innerhalb von Wirtschaft und Handel hergestellt. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt mit einer Problematisierung der Quellenlage, um die Grundlage für die Analyse abzuschließen.
Innerhalb der Analyse werden die Exportgüter in Hauptgruppen unterteilt und zuerst, hinsichtlich der Römer und der Germanen getrennt, voneinander betrachtet. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf Transport und Verkauf der Güter. Nur teilweise werden an dieser Stelle Produktionsorte mit einfließen, die aufgrund ihrer Lage oder Größe essentiell für die Wirtschaft waren und somit als Prototypen gesehen werden können. Die Quellenauswahl besteht innerhalb des Hauptteils aus literarischen, archäologischen, epigraphischen und numismatischen Quellen, um ein möglichst differenziertes Bild zu erhalten. Zudem schließt jeder Teilschritt mit einer kurzen Zusammenfassung ab, der die wirtschaftliche Bedeutung des obergermanisch-raetischen Limes für die jeweilige exportierende Seite bewertet. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Limes als Forschungsgegenstand
2.1 Limes – Wort und Begriff
2.2 Die Erforschung des Limes in Deutschland
2.3 Der obergermanische-raetische Limes
2.3.1 Der Verlauf des obergermanisch-raetischen Limes
2.3.2 Ausbauphasen
3. Zu den grundlegenden Begriffen des Handels und der Wirtschaft
3.1 Handel und Wirtschaft
3.2 Akteure und Rahmenbedingungen des Wirtschaftslebens
3.3 Probleme der Quellenlage
4. Limesdurchgänge, Wirtschaftsaustausch und Grenzverkehr
4.1 Römische Exporte
4.1.1 Lebensmittel
4.1.2 Waffen
4.1.3 Metallgefäße, Keramik und Glas
4.1.4 Schmuck, Edelsteine und Edelmetalle
4.2 Zusammenfassende Betrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung des obergermanisch-raetischen Limes für die römischen Exporte
4.3 Germanische Exporte
4.3.1 Pelze, Federn, Haar und Seife
4.3.2 Nutztiere und Nahrungsmittel
4.3.3 Sklaven
4.3.4 Bernstein
4.4 Zusammenfassende Betrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung des obergermanisch-raetischen Limes für die germanischen Exporte
5. Die wirtschaftliche Bedeutung obergermanisch raetischen Limes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Bedeutung des obergermanisch-raetischen Limes während der römischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.). Dabei wird analysiert, inwieweit der Limes als Wirtschaftsgrenze fungierte, wie der Warenaustausch zwischen Römern und Germanen organisiert war und welche Rolle das römische Militär als Wirtschaftsfaktor sowie für die Infrastruktur spielte.
- Analyse der Handelsströme und Exportgüter (römisch/germanisch)
- Untersuchung der infrastrukturellen Rolle des Limes für den Warenverkehr
- Kontrastierung von militärischer Abwehrfunktion und wirtschaftlicher Durchlässigkeit
- Betrachtung des Einflusses römischer Handelsgüter auf germanische Gesellschaftsstrukturen
- Evaluation der Quellenlage für antike wirtschaftliche Verhältnisse
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Lebensmittel
Die Landwirtschaft stellt innerhalb der römischen Wirtschaft den größten Beschäftigungsanteil dar und ist zudem durch das im heutigen Italien entwickelte und schließlich auch in Germanien ausgebreitete Villenwesen zu charakterisieren. Die Villenwirtschaft ist hierbei nicht die einzige, aber typische Form innerhalb der Provinzen des Imperium Romanums, wobei an der Anzahl der villae auch der Grad der Romanisierung des Gebiets gemessen werden kann. Die häufige Ansiedlung, die teils im staatlichen Auftrag erfolgte, fing in der Nähe von Kastellen oder städtischen Zentren an, die den Absatzmarkt der Überproduktion darstellen.
Villae rustica wurden auch in eher „siedlungsfeindlichen, hochwassergefährdeten Tallagen gegründet“, diese lagen dann an den römischen Fernstraßen oder in der Nähe von Handelskontoren und Warenumschlagsplätzen. Dieser Fakt legt nahe, dass es mehr als eine Absatzgruppe für die Waren gab. Denn nicht nur das Militär und die Bewohner der Zivilsiedlungen waren Abnehmer dieser Produkte. Tacitus berichtet, dass ebenfalls die Hermuduren „in Augsburg, der Hauptstadt der Provinz Rätien“ regelmäßig römische Märkte besuchten. Die Auswahl der Lebensmittel scheint groß gewesen zu sein. Denn entlang des Rheins wurden Getreide wie Dinkel, Gerste und Roggen, aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen angebaut. Zum Warenangebot zählten auch Kräuter, Wurzelgemüse und regionale Obstsorten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes und Formulierung der Fragestellung zur wirtschaftlichen Bedeutung des Limes.
2. Der Limes als Forschungsgegenstand: Definition des Begriffs Limes und Abriss der historischen Erforschung sowie des Bauverlaufs.
3. Zu den grundlegenden Begriffen des Handels und der Wirtschaft: Theoretische Einordnung der Begriffe Handel und Wirtschaft sowie Diskussion der Problematik der antiken Quellenlage.
4. Limesdurchgänge, Wirtschaftsaustausch und Grenzverkehr: Detaillierte Analyse römischer und germanischer Exportgüter und deren Transportwege.
5. Die wirtschaftliche Bedeutung obergermanisch raetischen Limes: Synthese der Ergebnisse: Der Limes als kontrollierende Membran zwischen den Wirtschaftssystemen.
Schlüsselwörter
Obergermanisch-raetischer Limes, Römische Kaiserzeit, Wirtschaftsgeschichte, Fernhandel, Binnenhandel, Germanien, Imperium Romanum, Agrarwirtschaft, Villenwesen, Warenströme, Grenzverkehr, Exportgüter, Handelsinfrastruktur, Antike Wirtschaft, Bernstein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Funktion des obergermanisch-raetischen Limes im Zeitraum vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. und prüft, inwieweit die Grenze den wirtschaftlichen Austausch beeinflusste.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Analyse von Exportgütern (wie Lebensmittel, Waffen, Luxuswaren), die Bedeutung von Infrastruktur und Handelswegen sowie die Auswirkungen der Grenzpolitik auf den wirtschaftlichen Kontakt zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stämmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfragestellung ist, welche wirtschaftliche Bedeutung der Limes hatte, ob er als Handelshemmnis oder -förderer fungierte und wie der Warenaustausch zwischen Germanen und Römern praktisch funktionierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine kontrastive Analyse auf Basis literarischer, archäologischer, epigraphischer und numismatischer Quellen, um das Wirtschaftsleben dieser Epoche zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse spezifischer Warengruppen (Exporte beider Seiten) und die Untersuchung der Limes-Durchgänge sowie der logistischen Infrastruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Obergermanisch-raetischer Limes, Handel, Wirtschaft, Infrastruktur, Warenströme, Germanien und Imperium Romanum.
War der Limes ein undurchdringliches Bollwerk?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Limes eher als eine kontrollierende "Membran" zu verstehen ist, die den Warenverkehr regulierte, statt ihn vollständig zu unterbinden.
Warum war der Export von germanischen Waren schwieriger?
Dies lag an der germanischen Subsistenzwirtschaft, dem Mangel an ausdifferenziertem Gewerbe sowie der Tatsache, dass die Römer den Limes kontrollierten und Zölle erhoben, was den Handel für germanische Händler erschwerte.
Welche Rolle spielte der Bernstein?
Bernstein wird als das wichtigste Exportgut der Germanen identifiziert, das als Fernhandelsware bis ins Innere des römischen Reiches gelangte und als "Gegenwert" für hochwertige römische Importe diente.
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- Thorsten Kade (Author), 2014, Römer, Germanen und der Limes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284254