Die Chronologie des 1. Weltkrieges. Ein Exzerpt zum 3. Kapitel von Jörn Leonards "Büchse der Pandora"


Exzerpt, 2013

4 Seiten


Leseprobe

Kapitel III: Entgleisung und Eskalation: Sommer und Herbst 1914, S. 83-264.

Veranstaltung: Biographie und Politikgeschichte. Die vier Kriegskanzler des deutschen Kaiserreichs Referentin: Laura Baier,

Datum: 07.06.2014

Aus: Leonhard, Jörn: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs, München 2014.

Chronologischer und thematischer Überblick:

(Stark gekürzte) Vorgeschichte zum Beginn der „Urkatastrophe des 20.Jh.“

- Entscheidendes Konfliktpotential der Großmächte:

1) Imperialistisch ausgerichtete Politik der Großmächte in Europa (Großbritannien (GB), Frankreich (Frz), Deutsches Reich (Dtl.), Österreich-Ungarn (Ö.-U.), Russland (Rssl.)) und der überseeischen Großmächte (Japan und USA)

- sahen „balance of power“ außer Gleichgewicht geraten

2) Bündnispolitik nach dem Wiener Kongress mit Dreibund (Dtl, Ö.-U., Italien) gegenüber der Tripelentente (GB, Frz, Rssl.)

- Führt später zu demonstrativen Loyalitätszeichen untereinander

3) Balkan als „Pulverfass“ im Hinblick z.B. auf die Balkankrisen/Bosnische Annexionskrise gegenüber dem Balkan als „möglicher Blitzableiter“ (S.46)

4) Marokkokrisen: Auf dem Höhepunkt der 2. Krise 1911 fühlte sich Dtl. „eingekreist“

- Kriegsszenarien /Planungen waren vor 1914 bereits vorhanden:

1) Dtl.: Schlieffenplan (Umfassungs- und Vernichtungsschlacht vor Aufmarsch russ. Truppen im Osten) für möglichst optimale Ausgangssituation

2) Frz: Plan XVII (basiert auf „offensive à outrance“, d.h. Vertrauen und Elan der Soldaten)

3) Rssl.: Aufmarschpläne vs. Ostpreußen

- Keine ausformulierten, längerfristigen Kriegsziele berücksichtigt. Später „improvisierte“ (S.116) Ziele, z.B. im „Septemberprogramm“ (S.176)

- Unmittelbar auslösendes Moment für den Beginn des Ersten Weltkrieges:

Südslawische Nationalbewegung auf dem Balkan, Ziel: Unabhängigkeit südslawischer Völker. Konfliktzuspitzung mit Ö.-U. führt zur Ermordung des ö.-u. Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip (S.84/85), das vom Geheimbund „Schwarze Hand“, in das auch Regierungsmitglieder involviert waren, geplant wurde.

28.06. 1914: Attentat in Sarajevo

heterogene Reaktionen der Presse in Europa:

1) Ö.-U.: stellt politische Konsequenzen als überschätzt dar
2) GB: trauert, Nachrichten aus Irland aber dominant
3) Frz.: Caillaux-Mord zunächst von größerer Bedeutung
4) Italien: sieht im Attentat den Tod eines politischen Gegners
5) Rssl.: stellt Thronfolger als Kriegstreiber dar, argumentiert für den „Schutz der slawischen Brüder in Serbien“ („Schulterschluss“, S. 96)

- danach „Ruhephase“ bis zum Ultimatum Ö.-U. an Serbien

Julikrise

exemplarische Vertrauenskrise, u.a. basierend auf dem Fehlen verlässlicher Informationen (S.125), militärische Handlungslogik

Ablauf:

05./06.07.: dt. Blankoscheck

Deutschland oblag es im Rahmen der Hoyos-Mission mit dem Blankoscheck Ö.-U. ein Signal zum Handeln zu geben (nimmt Risiko eines großen Krieges in Kauf)

- Ab Mitte Juli Vorbereitung auf möglichen Kriegsausbruch in Dtl, Frz, Rssl.

21.-23.07.: Besuch frz. Abgeordnete in Rssl. (frz. Blankoscheck, S.98)

Pointcaré unter Druck, da Linke-Mehrheit (vs. Unterstützung russ. Serbienpolitik)

23.07.: Ultimatum Österreich- Ungarn vs. Serbien

Ablehnung, u.a. da Regierungsmitglieder in das Attentat involviert waren

- Beschleunigung (Ultimaten, Vermittlungsversuche, Kriegserklärungen usw.) setzt ein

24.07.: Vermittlungsversuch GB (Ablehnung Dtl.)

Wie Frankreich nicht direkt involviert, sendet aber widersprüchliche Signale (S.117), d.h. die Hoffnung auf Lokalisierung verschärft die Internationalisierung der Krise eher noch (S.99)

25.07.: Mobilisierung der Truppen in Ö.-U. und Serbien, Teilmobilmachung in Ö.U. und Rssl., Generalmobilmachung in Serbien

- Frühe russ. Mobilisierung, da Überzeugung davon, dass Mobilmachung länger dauern würde und Versuch seitens Zar Nikolaus Konflikt auf pers. Ebene mit Wilhelm II. (Vettern) zu beruhigen (S.103)

26.07.: Bewilligung der Kriegskredite in einer Sitzung der Duma

27.07.: Gewerkschaftsführertreffen in Brüssel

dt. Gewerkschaften unterstützen keinen internat. Generalstreik vs. Krieg

- Bruch der internationalen Solidarität der Linksparteien (S.112) (siehe auch 31.07. und 03.Aug.)

28.07.: Kriegserklärung Ö.-U. an Serbien

Entstand unter Eindruck von Gerüchten (S.145) über bereits ausgebrochene Gefechte (milit. Handlungslogik), doppeltes apologetisches Leitmotiv von subjektiver Bedrohung und daraus abgeleiteter Notwehrermächtigung (S.116). Die Gerüchte führen vielerorts zu Gewaltexzessen gegen die Zivilbevölkerung (S.257)

29.07.: Vermittlungsversuch GB (Sorge vor Bedrohung in Indien durch Rssl.)

Wien solle Vermittlung mit Rssl. suchen und Vormarsch stoppen

30.07.: Rss. Generalmobilmachung

- dt. Lokalisierungsversuche des Konfliktes schlagen fehl (Hollweg leitet Ideen verspätet weiter)

31.07.: Ö.-U. Generalmobilmachung, Dt. Ultimatum an Rssl. und Frz, Balkonrede Wilhelm II: (31.07. und 01.08.)

- Beginn kontinentaleurop. Krieg
- letzter Vermittlungsversuch GB mit Idee internationaler Konferenz
- unveröffntlichter Artikel Bernstein in Berliner Morgenpost zeigt, dass ein Möglichkeitswissen um Konsequenzen eines großen Krieges vorhanden war
- Verzicht frz. Gewerkschaften auf Boykottierung von Kriegskrediten

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Die Chronologie des 1. Weltkrieges. Ein Exzerpt zum 3. Kapitel von Jörn Leonards "Büchse der Pandora"
Hochschule
Universität Bremen
Autor
Jahr
2013
Seiten
4
Katalognummer
V284334
ISBN (eBook)
9783656846376
ISBN (Buch)
9783656846383
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jörn Leonhard, Büchse der Pandora, Erster Weltkrieg
Arbeit zitieren
Laura Baier (Autor:in), 2013, Die Chronologie des 1. Weltkrieges. Ein Exzerpt zum 3. Kapitel von Jörn Leonards "Büchse der Pandora", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284334

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