Auch heutige Kritiker kommen mitunter zu der Überzeugung, dass der auf Grundlage der Hobbesschen Sprachtheorie entstehende Menschentypus gar nicht dazu in der Lage sei, „to establish, or to agree, the common definitions that are necessary to enact the social contract“.
Hier ist bereits die enorme Relevanz markiert, die in einem heute vor allem aus staatsphilosophischer Sicht rezipierten Werk wie dem 'Leviathan' der Sprachtheorie zukommt, die sich – wie sich in der vorliegenden Arbeit zeigen wird – als Grundpfeiler der Theorie des menschlichen Denkens bei Hobbes erweist. Nicht umsonst hat Hobbes hier seinen eigentlich staatsphilosophischen Gedanken mit dem ersten Teil 'Of Man' eine materialistische Anthropologie vorangestellt, in der das Kapitel IV 'Of Speech' eine zentrale Rolle einnimmt. Obwohl die Sprachtheorie im 'Leviathan' „recht heterogen und uneinheitlich, überdies stellenweise von metaphorischer Vagheit“ ist, lohnt die intensive Beschäftigung damit, da das Werk sich „vom ersten bis zum letzten Kapitel vor dem Hintergrund der Sprache lesen“ lässt und sie darin eine „Schlüsselfunktion“ einnimmt.
Deshalb soll es Ziel dieser Arbeit sein, die genaue Bedeutung der Sprache für Hobbes‘ Konzeption der Funktionsweise des menschlichen Geistes zu klären.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1 Hobbes‘ Wahrnehmungstheorie
II.2 Hobbes‘ Theorie des geistigen Denkens
II.3 Hobbes‘ Sprachtheorie
II.3.1 Signs als individuelle Verknüpfung von Ereignissen
II.3.2 Die Unterscheidung der Namen in Marks und Signs
II.4 Hobbes‘ logische Methode
III. Schluss: Die Bedeutung der Sprache für das Denken
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die grundlegende Bedeutung der Sprache für Thomas Hobbes' Konzeption der menschlichen Geistestätigkeit im Werk Leviathan zu analysieren und aufzuzeigen, wie Sprach-, Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie bei Hobbes untrennbar miteinander verschränkt sind.
- Die mechanistische Wahrnehmungstheorie als Basis des menschlichen Verstandes.
- Die Differenzierung von Denken und sprachlich verarbeitetem Denken.
- Die funktionale Unterscheidung von Marks und Signs innerhalb der Sprachtheorie.
- Die Rolle der Sprache als Instrument der logischen Methode und der Wissensgenerierung.
Auszug aus dem Buch
II.3.2 Die Unterscheidung der Namen in Marks und Signs
„Außer Empfindung, Gedanken und Gedankengang kennt der menschliche Geist keine Bewegung, obwohl diese Fähigkeiten mit Hilfe von Sprache und Methode auf eine solche Höhe gebracht werden können, daß man die Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheiden kann“.
Deshalb sei die Sprache die „edelste und nützlichste aller Erfindungen“. Ihren Ursprung habe die Sprache in der Benennung von Objekten, die in ihren Anfängen gottgegeben sei. Der Mensch habe aber im Laufe seiner Geschichte die Sprache eigenständig weiterentwickelt und könne sie deshalb über die Objektbenennung hinausgehend als Mittel zur Verbalisierung des geistigen Denkens nutzen. Sprache sei ein Mittel mit dem Zweck, Gedanken und Gedankenfolgen mit Wörtern und Wortfolgen zu kennzeichnen, um sie sich so leichter wieder ins Gedächtnis rufen zu können, könne aber auch einem zweiten Zweck dienen, nämlich der Verständigung über Sachverhalte mit anderen Menschen, die dieselben Wörter nutzen. Individuell genutzte Wörter zum Zwecke der Erinnerung nannte Hobbes Marks, Wörter, die der interindividuellen Verständigung dienen dagegen Signs.
Darüber hinaus könnten Namen auch noch in Eigennamen und allgemeine Namen unterschieden werden. Allgemeine Namen fassten Objekte zusammen, die sich in bestimmten Qualitäten oder Akzidenzien ähnlich seien. Sie dienten zur Kategorisierung von Objekten. So schuf Hobbes aufbauend auf seiner Wahrnehmungstheorie „die Gewährleistung der Kontinuität des Bewußtseins als Erinnerung und Gedächtnis: […] Der Name vergegenwärtigt das Benannte auch jenseits der real-sensualistischen Wahrnehmung; ja er ermöglicht geradezu erst strukturierte Wahrnehmung, indem sich das Ich durch ihn aus der Indifferenz der unmittelbaren Empfindung befreit“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der Sprachtheorie für den Leviathan dar und definiert das Ziel der Arbeit, deren Schlüsselfunktion für Hobbes' Anthropologie zu klären.
II. Hauptteil: Dieser Teil bettet die Sprachtheorie systematisch in Hobbes' Wahrnehmungs- und Kognitionstheorie ein, um die Funktionsweise des Geistes und die logische Methode zu erläutern.
III. Schluss: Die Bedeutung der Sprache für das Denken: Das Fazit führt die Theorien in einer Übersicht zusammen und bekräftigt die Unabdingbarkeit der Sprache für menschliche Gesellschaft, Politik und Frieden.
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dies sind die bibliographischen Angaben zur verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Sprachtheorie, Wahrnehmungstheorie, Materialismus, Marks, Signs, Denken, Logik, Vernunft, Erkenntnistheorie, Wissenschaft, Bewusstsein, Kognition, Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle der menschlichen Sprache innerhalb der materialistischen Philosophie von Thomas Hobbes, wie sie im Werk Leviathan dargelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Wahrnehmungstheorie, die Theorie des Denkens, die Sprachtheorie und die darauf aufbauende logische Methode zur Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die genaue Bedeutung der Sprache für Hobbes' Konzeption der Funktionsweise des menschlichen Geistes zu klären und ihre Relevanz für seine Staatsphilosophie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Untersuchung des Leviathan vorgenommen, ergänzt durch eine schematische Zusammenführung der Theorien zur Verdeutlichung ihrer Verschränkung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Hobbes' Wahrnehmungsmodell, die Struktur des geistigen Denkens, die Unterscheidung von Marks und Signs sowie die arithmetisch orientierte logische Methode dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Materialismus, Sprache, Kognition, Vernunft, Marks, Signs und Erkenntnistheorie charakterisieren.
Wie unterscheidet Hobbes zwischen Marks und Signs?
Hobbes differenziert die Sprache funktional: Marks dienen der individuellen Gedächtnisstütze zur Erinnerung an vergangene Ereignisse, während Signs der interindividuellen Kommunikation und Verständigung dienen.
Warum ist die Sprache für Hobbes ein Grundpfeiler der Staatsphilosophie?
Ohne die Sprache könnten Menschen keine allgemeinen Regeln formulieren oder logische Schlüsse ziehen, was wiederum Voraussetzung für die Bildung von Gesellschaft, Verträgen und staatlicher Ordnung ist.
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- Florian Stenke (Author), 2014, Die Bedeutung der Sprache für Hobbes' Konzeption der Funktionsweise des menschlichen Geistes im Leviathan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284347