Liebe ist etwas, das nicht wirklich beschrieben, sondern eher gefühlt werden kann. Die Definition des Terminus ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, weil jeder seine eigene Vorstellung davon hat, wo und wie Liebe stattfindet, wie sie sich äußert und anfühlt. Es gibt verschiedene Begriffe für bestimmte Arten von Liebe. Dies verdeutlicht, dass Zuneigung hochgradig variant sein kann. Demzufolge kann die Liebe in der Literatur unterschiedlich definiert und dargestellt werden.
In dieser Hausarbeit wird der Fokus auf die Liebe zwischen Menschen in Heinrich von Kleists Die Marquise von O… gerichtet. Hierbei können verschiedene „Arten“ von Zuneigung festgestellt werden.
Die Liebesdiskurse in Heinrich von Kleists Die Marquise von O… sind sehr unterschiedlich. Die Frage nach der Darstellung und Bewertung dieser Liebesdiskurse mit Hilfe von Analysen der figuralen Interaktionen im Buch zu beantworten, ist das Ziel der vorliegenden Hausarbeit.
Diese Liebesdiskurse können bestimmten Liebeskonzepten zugeordnet werden. In der vorliegenden Arbeit wird dabei eine Unterteilung in geschlechtliche und familiäre Liebe vorgenommen. Bei der geschlechtlichen Liebe wird zwischen vernünftiger und romantischer Liebe unterschieden. Heinrich von Kleist lebte von 1777 bis 1811. In dieser Zeit wurden beide Liebesdiskurse in der Literatur dargestellt, da es während der Aufklärung im 18. Jahrhundert einen Wandel der Werte gab, was zu verschiedenen Liebesauffassungen führte, weil die Entwicklung zum bürgerlichen Ehe- und Liebesideal häufig nur bestimmte Bevölkerungsgruppen und Schichten betraf. Die vernünftige und romantische Liebe wurden beide in den Werken am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts thematisiert. Deswegen ist es interessant zu sehen, welche Form der Liebe zwischen den Figuren in Heinrich von Kleists "Die Marquise von O…" vorwiegend dargestellt wird.
Es gibt noch eine andere Form von Liebe zu Menschen, die in dem genannten Werk ebenfalls zum Vorschein kommt. Hierbei kann allgemein von familiärer Liebe gesprochen werden, die in Kindes- und Elternliebe unterteilt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Liebesdiskurse in Die Marquise von O…
2.1. Geschlechtliche Liebe
2.1.1. Vernünftige Liebe
2.1.2. Romantische Liebe
2.2. Familiäre Liebe
2.2.1. Kindesliebe
2.2.2. Elternliebe
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Liebeskonzepte in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O..." und analysiert deren Darstellung sowie Bewertung anhand der figuralen Interaktionen. Das primäre Ziel ist es, die Liebesbeziehungen der Figuren in geschlechtliche und familiäre Liebesdiskurse zu klassifizieren und deren Relevanz im Kontext der Epochenwende vom 18. zum 19. Jahrhundert zu beleuchten.
- Analyse der geschlechtlichen Liebe (vernünftige vs. romantische Liebe)
- Untersuchung familiärer Liebesbeziehungen (Kindes- und Elternliebe)
- Figurale Interaktionsanalyse zwischen der Marquise, dem Grafen F. und dem Obristen
- Einordnung der Liebesmodelle in den historischen Modernisierungsprozess
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Vernünftige Liebe
Schon in der Liebestheorie der Renaissance wurde der Begriff der vernünftigen Liebe verwendet. Hierbei wurde diese Art der Liebe allerdings mit der reinen „menschlichen“ Liebe gleichgesetzt, wobei es neben dieser Form angeblich noch die tierische Liebe oder Wollust, bei der nur der menschliche Körper im Mittelpunkt stand, und die Liebe zu Gott gebe. Die vernünftige Liebe war also die Liebe zu einem Menschen im Allgemeinen. Spinoza differenzierte in der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert den Begriff weiter: Die vernünftige Liebe zeige sich in der Eheschließung, die nicht wegen der körperlichen Anziehung zum Partner zustande kommt, sondern aufgrund des Wunsches, Kinder zu zeugen. Diese Eheschließung als Liebe zu bezeichnen, ist allerdings sonderbar, da die Heirat nicht wegen des Charakters oder der Liebe zum Partner stattfindet. Deswegen setzte sich der Begriff der Liebe in der Literatur erst in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts durch, bei der die Liebe zum Partner rein vernünftiger Natur war und die Tugend des geliebten Menschen in den Fokus gestellt wurde. Dieser Liebesdiskurs wird als vernünftig bezeichnet. Hierbei mag eine Person bestimmte Charakterzüge seines Partners; die gegenseitige Zuneigung gründet sich auf Verdienste und auf benennbare Eigenschaften. Man kann z.B. die Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit eines Menschen mögen und ihn deswegen als Ehepartner an sich binden wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Liebesdefinition in der Literatur ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Liebeskonzepte in Kleists "Die Marquise von O..." zu systematisieren.
2. Die Liebesdiskurse in Die Marquise von O…: Das Hauptkapitel unterteilt das Liebesverständnis im Werk in geschlechtliche und familiäre Diskurse und analysiert diese differenziert.
2.1. Geschlechtliche Liebe: Dieser Abschnitt untersucht die romantischen und rationalen Aspekte der Partnerschaft, wobei der Fokus insbesondere auf der Beziehung zwischen der Marquise und dem Grafen F. liegt.
2.1.1. Vernünftige Liebe: Es wird dargelegt, wie die Heirat aus ökonomischen und sozialen Vernunftgründen die Grundlage für die erste Eheschließung im Werk bildet.
2.1.2. Romantische Liebe: Hier wird diskutiert, inwiefern eine moderne romantische Liebeskonzeption auf das Werk anwendbar ist oder ob sie als bloßes Mittel zum Zweck dient.
2.2. Familiäre Liebe: Dieser Teil betrachtet die zwischenmenschliche Zuneigung innerhalb der Familie G. unter Berücksichtigung historischer Erziehungsideale.
2.2.1. Kindesliebe: Analysiert wird das Verhältnis der Marquise zu ihren Eltern und deren Einfluss auf ihr Handeln.
2.2.2. Elternliebe: Dieser Abschnitt behandelt die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, insbesondere die problematische Vater-Tochter-Beziehung.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass im Werk keine eindeutige romantische Liebe vorliegt, sondern vielmehr vernunftbasierte Konzepte dominieren, die den gesellschaftlichen Umbruch der Zeit spiegeln.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Die Marquise von O..., Liebesdiskurs, vernünftige Liebe, romantische Liebe, familiäre Liebe, Aufklärung, Romantik, Ehe-Ideal, Kindesliebe, Elternliebe, Geschlechterrollen, Moderne, Tugend, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Facetten von Liebe in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O..." und wie diese im literarischen Diskurs des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verankert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Differenzierung zwischen geschlechtlicher (vernünftiger und romantischer) Liebe sowie familiärer (Kindes- und Eltern-) Liebe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie die Liebesdiskurse in der Erzählung durch figurale Interaktionen dargestellt und bewertet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf einer Untersuchung der figuralen Interaktionen im Werk sowie auf dem Rückgriff auf fachwissenschaftliche Sekundärliteratur zu Liebeskonzepten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien "geschlechtliche Liebe" (vernünftig und romantisch) und "familiäre Liebe" (Kindes- und Elternliebe) detailliert auf die Figuren und Handlungsverläufe angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Liebesdiskurs, Vernunft, Romantik, Eheideal, Inzest-Anspielungen und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Warum wird die Liebe zwischen dem Grafen F. und der Marquise eher als vernünftig eingestuft?
Die Heirat findet primär aus der Notwendigkeit heraus statt, das uneheliche Kind zu legitimieren und die soziale Ehre wiederherzustellen, statt aus einem rein romantischen Antrieb.
Wie deutet der Autor die inzestuöse Szene zwischen Vater und Tochter?
Die Arbeit deutet die Szene als ein Überschreiten der sozialen Normen, bei der der Vater die emotionalen Bedürfnisse der Tochter instrumentalisiert, ohne dass ein vollzogener Inzest im Sinne einer sexuellen Handlung belegt wird.
- Arbeit zitieren
- MA Daniel Schroeder (Autor:in), 2013, Die Liebesdiskurse in Heinrich von Kleists "Marquise von O...", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284368