Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts vom 25.5.2009 (Bilanzmodernisierungsgesetz;
kurz: BilMoG) gingen zahlreiche Änderungen in den Bilanzierungsvorschriften im handelsrechtlichen Einzelabschluss einher. Die angestrebten Zielsetzungen von BilMoG bestanden darin, das deutsche Bilanzrecht an die internationalen Rechnungslegungsvorschriften (International Financial Reporting Standards; kurz: IFRS) anzunähern. Auf diese Weise sollte zugleich die Vergleichbarkeit beider Rechnungslegungssysteme herbeigeführt werden sowie der Informationsgehalt von Einzelabschlüssen nach HGB erhöht werden. Außerdem soll das BilMoG eine deregulierende und kostensenkende Wirkung, insbesondere für kleine und mittelgroße Unternehmen, bei der Jahresabschlusserstellung haben.
Unter anderem sind auch latente Steuern von diesen Modifikationen durch BilMoG betroffen. Das Wort „latent“ hat seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet „versteckt“
oder „verborgen“. Mit der Fragestellung, wie diese „verborgenen“ Steuern entstehen, wie sie nach HGB n.F.3 zu bilanzieren sind und welche spezifischen Anforderungen an deren Prüfung gestellt werden, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Einführung und Begriffserklärung latenter Steuern
- Entstehung latenter Steuern
- Aktive und passive latente Steuern
- Bilanzierung latenter Steuern
- Ansatz latenter Steuern
- Abgrenzungskonzepte
- Sonstige Ansatzregelungen nach BilMoG
- Ermittlung und Bewertung
- Ausweis und Angabepflichten
- Ansatz latenter Steuern
- Besonderheiten im Zusammenhang mit der Prüfung latenter Steuern
- Die Bedeutung latenter Steuern nach BilMoG
- Werthaltigkeitsprüfung steuerlicher Verlustvorträge
- Weitere Ermessensspielräume und Prüfthemen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema der latenten Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss. Sie erklärt, wie latente Steuern entstehen, wie sie nach dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) zu bilanzieren sind und welche spezifischen Anforderungen an deren Prüfung gestellt werden.
- Definition und Entstehung latenter Steuern
- Bilanzierung latenter Steuern nach dem BilMoG
- Die Bedeutung von latenten Steuern in der Jahresabschlussprüfung
- Die Werthaltigkeitsprüfung von Verlustvorträgen
- Ermessensspielräume und Prüfthemen im Zusammenhang mit latenten Steuern
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 2: Einführung in die Thematik der latenten Steuern. Definition des Begriffs und Erklärung der Entstehung und Notwendigkeit latenter Steuern im handelsrechtlichen Einzelabschluss. Darstellung der Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Steuerlatenzen anhand von Beispielen.
- Kapitel 3: Bilanzierung latenter Steuern. Darstellung der Abgrenzungskonzepte, der Ansatzvorschriften nach HGB n.F. und der Besonderheiten nach BilMoG. Erklärung der Ermittlung und Bewertung latenter Steuern sowie des bilanzielle Charakters latenter Steuern und der damit verbundenen Ausweis- und Angabepflichten im Anhang.
- Kapitel 4: Prüfung latenter Steuern im handelsrechtlichen Einzelabschluss. Erklärung der wachsenden Bedeutung von latenten Steuern nach BilMoG. Analyse des Realisierungspotenzials von Verlustvorträgen und der daraus resultierenden Manipulationsspielräume für die Bilanzpolitik sowie Vorstellung weiterer Prüfthemen im Zusammenhang mit latenten Steuern.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG), Handelsbilanz, Steuerbilanz, Temporary-Konzept, Liability-Methode, Werthaltigkeit, Verlustvorträge, Zinsvorträge, Jahresabschlussprüfung, Ermessensspielräume, Manipulationspotenzial.
Häufig gestellte Fragen
Was sind latente Steuern?
Latente Steuern sind "verborgene" Steuerbelastungen oder -entlastungen, die entstehen, wenn Handelsbilanz und Steuerbilanz unterschiedliche Werte für Vermögensgegenstände oder Schulden ausweisen, die sich in Zukunft wieder ausgleichen.
Was hat sich durch das BilMoG bei latenten Steuern geändert?
Mit dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurde das deutsche Bilanzrecht stärker an internationale Standards (IFRS) angenähert. Das bisherige Timing-Konzept wurde durch das Temporary-Konzept ersetzt, was zu einer häufigeren Bilanzierung latenter Steuern führt.
Was ist der Unterschied zwischen aktiven und passiven latenten Steuern?
Aktive latente Steuern stellen eine künftige Steuerentlastung dar (z. B. wenn der steuerliche Gewinn aktuell höher ist als der handelsrechtliche). Passive latente Steuern sind künftige Belastungen.
Wie werden steuerliche Verlustvorträge bei latenten Steuern behandelt?
Nach BilMoG dürfen für steuerliche Verlustvorträge aktive latente Steuern angesetzt werden. Voraussetzung ist jedoch eine Werthaltigkeitsprüfung: Es muss wahrscheinlich sein, dass in Zukunft genug steuerbarer Gewinn erzielt wird, um den Verlust zu nutzen.
Warum sind latente Steuern ein Schwerpunkt der Jahresabschlussprüfung?
Die Berechnung und der Ansatz latenter Steuern beinhalten erhebliche Ermessensspielräume, insbesondere bei der Prognose künftiger Gewinne. Dies birgt Manipulationspotenzial für die Bilanzpolitik, weshalb Prüfer hier besonders genau hinsehen.
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- Eva Horn (Author), 2014, Latente Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss. Grundlagen und besondere Anforderungen an die Prüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284439