Die Vorbereitungen Ludwig Leichhardts erster Australienexpedition im Spiegel seiner Korrespondenzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ludwig Leichhardt
2.2 Die erste große Australienexpedition

3. Korrespondenzen über die Vorbereitung der Expedition von 1844/45
3.1 Korrespondenz mit Sir Thomas Mitchell
3.2 Korrespondenz mit Gaetano Durando
3.3 Korrespondenz mit Friedrich August Schmalfuss
3.4 Sonstige Korrespondenzen über die erste große Australienexpedition

4. Schluss

5. Literatur

1. Einleitung

„Selbst als ich noch ein Knabe war, schien es mir immer, als sollte ich einst Flügel der Morgenröthe nehmen, um zu den äußersten Meeren zu fliegen.“1 schrieb einst Ludwig Leichhardt seiner Schwester Auguste Hilgenfeld. Dies ist also seine Erklärung dafür, warum es ihn immer zu neuen Ufern drängte.

170 Jahre ist es her, dass Leichhardt zu seiner Expedition von der Moreton Bay nach PortEssington aufbrach. In Australien wird er für seine Leistungen als Held gefeiert, in Deutschland,seinem Heimatland, ist sein Name kaum jemandem ein Begriff. Natürlich, denn seine großenTaten hat er in und für Australien erbracht. Doch was für ein Mensch steckt hinter diesen großenTaten? Am meisten interessiert mich dabei, wie jemand landfremdes, der keinerlei Erfahrungenmit Expeditionen dieser Größenordnung hatte, diese vorbereitet hat, wie er sich selbst dabei sahund wie man im Zuge dessen herausfinden kann, welche Art Mensch dahinter steckte. DieseFrage lässt sich aus heutiger Sicht am Besten mit seinen Briefen beantworten, persönlicheZeugnisse, in denen er sich so gab, wie er war.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, möchte ich als erstes kurz das Leben Ludwig Leichhardts beleuchten und seine erste große Expedition umreißen, bevor ich dazu komme, seine Briefe im Vorfeld dieser Expedition zu untersuchen.

Als Literatur benutze ich hierbei vor allem den zweiten Band von Marcel Aurousseaus Theletters of F. W. Ludwig Leichhardt aus dem Jahre 1968, Ludwig R. H. Leichhardts Einblick in den Schriftwechsel des Australienforschers Ludwig Leichhardt von 2012 und Dietmar Feldens Durch den Fünften Kontinent. Leben und Leistung Ludwig Leichhardts von 1996. Aber auch auf Georg Balt Neumayers Buch Dr. Ludwig Leichhardt's Briefe an seine Angehörigen von 1881 und natürlich Leichhardts eigenes Werk Ins Innere Australiens. Die erste Durchquerung von Brisbane zur Nordküste stütze ich mich hierbei, wie natürlich auch auf mehrere andere Werke, welche dem Literaturverzeichnis zu entnehmen sind.

2. Ludwig Leichhardt

2.1 Zur Person

Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt wurde am 23. Oktober 1813 in Trebatsch in der MarkBrandenburg als sechstes Kind des Torfinspektors Christian Hieronymus Matthias Leichhardtund dessen Frau Charlotte Sophie geboren2. In den Jahren 1820 bis 1826 besuchte LudwigLeichhardt die einklassige Dorfschule, anschließend wurde er durch den Pastor Rödelius dreiJahre lang auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet. Dieses besuchte er von 1829 bis 1831in Cottbus und schloss es mit dem Abitur ab. In dieser Zeit lebte er bei seinem SchwagerFriedrich August Schmalfuss - einem Mann mit dem er lebenslangen brieflichen Kontaktpflegte. Ab 1831 studierte er Philologie und verschiedene naturwissenschaftliche Fächer inBerlin, wechselte 1833 für zwei Semester zum Studium der praktischen Philosophie,Religionsgeschichte, Sprachwissenschaften, Naturgeschichte, Botanik, Metaphysik und Physiknach Göttingen. Hier lernte er William Nicholson und dessen Bruder John kennen. Zu Williambaute er eine sehr enge Freundschaft auf. Ab 1834 studierte Leichhardt wieder in Berlin, brachsein Studium aber 1837 ohne Abschluss ab. Noch im selben Jahr reiste er mit den BrüdernNichsolson nach England, wo sie erste eigenständige Exkursionen unternahmen. 1838 führtendiese Exkursionen sie nach Frankreich, wo Leichhardt umfangreiche Studien betrieb. In denJahren 1840 und 1841 reisten die beiden, ebenfalls zu Studienzwecken, durch Frankreich,Italien und die Alpen, anschließend noch einmal für mehrere Wochen nach Paris, wo LeichhardtStudien auf der Basis seiner eigenen Forschungsergebnisse betrieb. Im August 1841 begabener und Nicholson sich wieder nach London, um die Überfahrt nach Australien vorzubereiten.Nicholson nahm von diesem Plan jedoch Abstand, weshalb Leichhardt die dreimonatigeÜberfahrt 1841/42 allein antrat. In Australien angekommen war er Anfangs als Hauslehrer undDozent tätig. Zwischen September 1842 und Mai 1844 unternahm Leichhardt mehrerewissenschaftliche Exkursionen zwischen Newcastle und Brisbane. Auf deren Grundlageverfasste er 1844 seine erste wissenschaftliche Abhandlung Beiträge zur Geologie vonAustralien. Im August 1844 begann seine erste Expedition durch vollkommen unbekanntesGebiet. Er startete in Brisbane und kam am 17. Dezember 1845 in Port Essington an. Im Jahr1846 verfasste er sein Tagebuch einer Landreise in Australien von Moreton Bay nach PortEssington während der Jahre 1844 und 1845 - im Dezember desselben Jahres begann er seinezweite Expedition, die vom Osten des Kontinents in den Westen führen sollte. Wegen verschiedener Schwierigkeiten musste er diese jedoch im Mai 1847 abbrechen. Noch im Dezember desselben Jahres machte er sich jedoch wieder auf den Weg, um dieses Ziel zuerreichen. Am 4. April 1848 wurde auf dieser Expedition die letzte Nachricht LudwigLeichhardts empfangen.3 Seitdem galten er und sein kompletter Expeditionstrupp alsverschollen. Mehrere Suchtrupps versuchten ihn zu finden, doch bis heute fehlt jede Spur vonihm.

2.2 Die erste große Australienexpedition

Leichhardts erste große Australienexpedition begann am 13. August 1844 mit Besteigung desSchiffes Souvereign, das die Mannschaft von Sydney nach Brisbane brachte. Sie führte ihn undseine Mannschaft am von Jimbour bei Brisbane über 4800 km nach Port Essington bei Darwin.Er war der erste dem dies gelang und entdeckte somit eine Ost-Nord-Route durch den noch sehrjungen und unerschlossenen Kontinent. Seine Erfahrungen hielt er sehr genau in seinem

Tagebuch einer Landreise in Australien von Moreton-Bay nach Port Essington während derJahre 1844 und 1845 fest. Dadurch konnte dieses Buch Siedlern helfen, das dortige Neulandzu erschließen. Außerdem entdeckte er während dieser Expedition Australiens größtesKohlelager, was dem jungen Land zusätzlichen wirtschaftlichen Aufschwung verlieh. ImDezember 1845 kam die Expedition um Ludwig Leichhardt an ihrem Ziel Port Essington an.Er hatte zu diesem Zeitpunkt 16 Monate für seine Expedition gebraucht - veranschlagt hatte erfünf bis sechs. Als er mit dem Schiff Heroine von Port Essington nach Sydney zurückkehrte,wurde er dort jubelnd empfangen.4 Anlass zu diesem Vorhaben gab ihm Thomas Mitchell, einForscher der, bestärkt durch die Kolonialbehörden, einen Landweg zum Norden undNordwesten des Landes finden wollte, um die gefährlichen Schifffahrtswege zu umgehen.Dieser hatte schon in früheren Expeditionen fruchtbare Gebiete erschlossen und bot Leichhardteine Teilnahme an seiner Ost-Nord-Durchquerung an. Leichhardt sagte erst zu, doch dieVorbereitungen zogen sich dermaßen in die Länge, dass Leichhardt ungeduldig wurde und eineeigene Expedition zusammenstellte. Das Ziel sollte dasselbe sein wie bei Mitchell - nurLeichhardts Expedition musste als erste im Norden ankommen. Das Geld hierfür besorgte ersich durch öffentliche Spendensammlungen. Die erfolgreiche Expedition sollte mit1000£ dotiert werden, doch der Beschluss ob dies wirklich geschehen würde, ließ auf sich warten, was den Start von Mitchells Expedition weiter verzögerte.5 Da Leichhardts „Verlangen, eine solche Reise zu unternehmen, groß war, entschloss [er s]ich, dieselbe auszuführen ohne die Unterstützung der Regierung.“6

Er rüstete von diesem Geld die Expedition aus und wählte sechs Personen die ihn begleitensollten. Bei der Ankunft in Brisbane war allerdings abzusehen, dass das nicht ausreichen würde.Kurzentschlossen warb er weitere vier Männer an und kaufte diverse Pferde und Ochsen dazu,bevor die Expedition am 1. Oktober 1844 endgültig ins Ungewisse aufbrach. Doch nachzahlreichen Entbehrungen, Hunger Durst, Hitze, Kälte, Verletzungen, Begegnungen mitAborigines, einigen Unfällen und einem Todesfall ist es am 17. Dezember 1845 vollbracht: DieExpedition kommt in Port Essington an, ausgezehrt, mit Verlusten, aber erfolgreich. Leichhardterhält die 1000£, die von der Regierung versprochen worden waren, dazu eine ansehnlicheSpendensammlung. Kaum drei Monate später kann Leichhardt sein Tagebuch einer Landreisein Australien veröffentlichen. Enthalten sind viele Impressionen, Auffälligkeiten, Klima-,Pflanzen-, Tier-, aber auch Menschenbeobachtungen, Untersuchungen der geologischenStruktur - und natürlich der von Leichhardt kartografierte Weg.

3. Korrespondenzen über die Vorbereitung der Expedition von 1844/45

„All the arrangements are made, and by the liberal contributions of several gentlemen, my outfit hasbecome more complete than my limited means allow me to anticipate. […] The names of mycompanions are Mr. James Calvert, Mr. Roper, John Murphy, (a lad of about sixteen years) Philips,a government man, who hopes to obtain a pardon by his good behaviour, and a black fellow. Myprovisions and ammunition are calculated to last five months, which time I hope will be sufficientto reach either Port Essington, or to bring us back to Darling Downs, should any insurmountableobstacle prevent our farther progress. I take thirteen horses, six for riding, and seven to carry ourprovisions. I bought a strong but light spring cart, which will serve to carry part of our provisions tothe out-stations, and perhaps beyond, should a country similar to the Downns, extend farther toNorth and North West. […] My progress will be slow. I shall always try to avoid difficulties bylonger roads, than to grapple with them at once. As the neighbourhood of ranges is generally betterprovided with water and game, I shall invariably keep to them. I anticipate the greates difficultiesfrom scrubs, from swamps, and from the high temperature as we approach the tropics. Captain Kinggave me a description of that country, and he believes that there will be greater difficulties in crossingthe swampy sea coast of Port Essington, than on our whole journey. Every one of us will partakeequally in the necessary work. I shall avoid every intercourse with black fellows, and instead ofinviting them to come near me, I shall endeavour to increase their natural fear of every thingunknown to them by legitimate means. These are the outlines of my equipment, and of the principleson which I start. I am well aware of the difficulties which await me, but during the last two years Ihave been in an excellent school, and I have learnt to overcome them by patience andperseverance...“7

Diese Worte schrieb Leichhardt Anfang August 1844, nur wenige Tage vor dem Beginn seinerExpedition, einem Freund. Dies ist der Stand der Vorbereitungen als er aus Sydney aufbricht.

In diesem Brief wird alles deutlich, was die Vorbereitungen zu dieser Expedition durchzog:

Natürlich bereitete Leichhardt diese Reise nach bestem Wissen und Gewissen vor, denn seinLeben und das der mitreisenden Männer hing davon ab. Er ging die Berichte andererAustralienexpeditionen durch, wobei er manch wertvolle Hinweise für sein eigenes Vorhabenfand. Aber auch die Erfahrungen einiger Kolonisten und Beamter in Neusüdwales erwiesen sichals recht nützlich.8 Doch fehlte ihm die Erfahrung und die Geduld zur Ausrüstung solch großerExpeditionen, eigentlich auch das Geld. Wie oben beschrieben, finanzierte er die Ausrüstungnur über Spenden, die jedoch nicht für alle erforderlichen Geräte ausreichend waren. So mussteer beispielsweise auf ein Barometer und einen Höhenmesser verzichten.9 Der eben genannteMangel an Geduld soll im Laufe dieses Kapitels offensichtlich werden. In den letzten Zeilendes oben aufgeführten Briefes spielt Leichhardt auf die Erfahrungen an, die er sich während derbeiden vorhergehenden Jahre durch kleinere Expeditionen ins Landesinnere auf eigene Fausterworben hat. Vorher war er jedoch meist allein unterwegs, hatte also keine Verantwortung fürandere zu übernehmen und er hielt sich immer mehr oder weniger in der Nähe zu menschlichenAnsiedlungen auf - kein Vergleich zu seinem nächsten Vorhaben. Zu guter Letzt spiegelt sichgerade zu Anfang dieses Briefes eine gewisse Sorglosigkeit oder Leichtigkeit wieder, die manauch in seinen anderen Korrespondenzen findet. Man sieht hier, dass er bereit ist, alles für dieseReise zu geben, komme was wolle. All diese Merkmale, die schon in diesem Brief auffälligsind, sollen im folgenden Kapitel anhand Leichhardts Korrespondenz über diese Expeditionuntermauert werden. Dabei werden verschiedene Briefpartner und das, was er Ihnen über seinVorhaben erzählt, näher beleuchtet. Dabei könnte man meinen, dass ein Mensch der derarthäufig Briefe schrieb wie Ludwig Leichhardt gerade über einen so wichtigen und riskantenSchritt in seinem Leben viel korrespondierte - doch leider ist dem nicht so. Auch in den letztenWochen vor dem Start der Expedition waren ihm ausführliche Beschreibungen der bishergesehenen Landschaften, Pflanzen und Tiere wichtiger, gelehrte Dispute wurden bis zuletztgeführt. In der Tat erwähnte Leichhardt sein Vorhaben oft überhaupt nicht oder nur am Rande,seine Familie informierte er - trotz regelmäßigem Briefwechsel auch in der Vorbereitungszeit - erst als er schon unterwegs war. Seit Mitchell ihn bat, an der von ihm geplanten Expedition teilzunehmen bis zum Start seiner eigenen sind 23 Briefe von Leichhardt erhalten - in nur 6 davon redet er über seine Expedition, oft nur in einem Nebensatz. Über die Ursachen hierfür kann nur spekuliert werden.

[...]


1 Zitiert nach: Aurousseau, Marcel (Hrsg.): The Letters of F. W. Ludwig Leichhardt Vol. II. S. 759 2

2 Vgl.: Finger, Hans Wilhelm: Leichhardt. Die ganze Geschichte von F.W. Ludwig Leichhardt, Träumer, Forscher und Entdeckungsreisender in Australien; erzählt von ihm selbst und seinem Chronisten nach seinen hinterlassenen Tagebüchern, Briefen und Reiseaufzeichnungen. Göttingen 1999. S. 13

3 Vgl.: Schwarz, Dieter: Ludwig Leichhardt - Biografischer Überblick. In: Natur und Landschaft in der Niederlausitz Heft 19. Cottbus 1999. S. 195

4 Vgl.: Leichhardt, Ludwig R. H.: Einblick in den Schriftwechsel des Australienforschers Ludwig Leichhardt. Schweinfurt 2012. S. 436

5 Vgl.: Felden, Dietmar: Durch den fünften Kontinent. Leben und Leistung Ludwig Leichhardts. Gotha 1996. S. 87ff

6 Ludwig Leichhardts Brief an Friedrich August Schmalfuss vom 03.09.1844. Zitiert nach: Ebd. S. 897 Aurousseau, Marcel (Hrsg.): The Letters of F. W. Ludwig Leichhardt Vol. II. Cambridge 1968. S. 781f

8 Vgl.: Felden, Dietmar: Durch den fünften Kontinent. Leben und Leistung Ludwig Leichhardts. Gotha 1996. S. 90

9 Vgl.: Ebd. S. 89

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Vorbereitungen Ludwig Leichhardts erster Australienexpedition im Spiegel seiner Korrespondenzen
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Reisen im 19. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V284525
ISBN (eBook)
9783656844747
ISBN (Buch)
9783656844754
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Australien, Ludwig Leichhardt, Briefe, Reiseforschung
Arbeit zitieren
Svenja Gerbendorf (Autor), 2014, Die Vorbereitungen Ludwig Leichhardts erster Australienexpedition im Spiegel seiner Korrespondenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284525

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