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Bedingte Freiheit. Frankreichs Medienfreiheit unter Einschränkung der Politik

Title: Bedingte Freiheit. Frankreichs Medienfreiheit unter Einschränkung der Politik

Term Paper , 2011 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diana Steinmetz (Author)

Politics - Basics and General
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„C’est drôle, je connais tous vos patrons“, dieser kurze, aber markante Satz, den Nicolas Sarkozy vor einem Interview gegenüber einem Journalisten geäußert hat, macht skeptisch: Werden Medien in Frankreich gezielt von politischen Institutionen oder Akteuren eingeschränkt? Denn in der Tat kennt Sarkozy die Medienkonzernchefs sehr gut und Zeitungsberichte beschreiben, wie auf Verlangen Sarkozys schon unbequeme Journalisten entlassen wurden. Dabei ist Medienfreiheit nach dem Politikwissenschaftler Robert Dahl ein zentrales Merkmal einer freiheitlichen Demokratie. Medien haben zur Aufgabe unabhängig über politisches Geschehen zu berichten und somit eine Kontrollfunktion zu erfüllen. Gerade Frankreich sollte diese Medienfreiheit sichern, denn es nimmt als Gründungsland der Europäischen Union eine Vorbildstellung in den westlichen Demokratien ein.
Nach einer Studie der Reporter ohne Grenzen ist Frankreich seit 2007 (Beginn der Amtszeit von Staatspräsident Nicolas Sarkozy) in der Rangliste zur Wahrung der Pressefreiheit von Platz 31 auf Platz 44 von 179 Ländern im Jahr 2010 gefallen (Reporter ohne Grenzen e.V., 2010; Reporter ohne Grenzen e.V., 2007). Frankreich steht nun hinter Ländern, wie Ungarn oder Japan, deren Pressefreiheit jüngst angezweifelt werden. Die Ursachen für eine schlechtere Bewertung sind Ermittlungen gegen Journalisten und „die Einmischung von hochrangigen Politikern, wie [von] Präsident Nicolas Sarkozy in die Berichterstattung einiger Medien“ (Wrobel-Leipold, 2010, S.11).
In Bezug auf Frankreichs Geschichte hat „Medienfreiheit“ eine ganz eigene Bedeutung gewonnen. Das politische Selbstverständnis der „V. französischen Republik“ hat Einfluss darauf, wie Medienfreiheit heute in Frankreich verstanden wird (Kapitel II). Interessant ist es, die Medienlandschaft auf Pluralismus zu untersuchen: Sind verschiedene Strömungen auf dem Medienmarkt vertreten, oder bestimmen große Konzerne das Presse- und Rundfunkwesen(Kapitel III)? Und wie ist ihre Beziehung zum Staat (Kapitel IV)?
Frankreich ist zentralistisch organisiert, mit dem Staatspräsidenten am Kopf der Republik. „Suivant moi, il est nécessaire que l’Etat ait une tête, c'est-à-dire un chef, en qui la nation puisse voir, au-dessus des fonctions, l’homme en charge de l’essentiel et le garant de ses destinées.“ (Große, Lüger, 2000, S.41). Dieses Zitat geht auf Charles de Gaulle zurück, der maßgeblich die Grundlagen der V. französ

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Rechtsgrundlage - Der Staat als Garant der Medienfreiheit

III. Medien aktuell - Die französische Medienlandschaft

1. Pressewesen

2. Audiovisuelle Medien

IV. Einfluss des französischen Medienrates Conseil supérieur de l‘Audiovisuel

V. Präsidialer Einfluss auf die Medien

VI. Einfluss der Legislativen auf die Medienpolitik

VII. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Politik und Medien in Frankreich, mit besonderem Fokus auf die Rolle von Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Ziel ist es, die Medienfreiheit im Kontext staatlicher Einflussnahme zu analysieren und aufzuzeigen, an welchen Punkten politische Institutionen gezielt in die Medienlandschaft eingreifen.

  • Die historische Entwicklung und rechtliche Verankerung der Medienfreiheit in der V. Republik.
  • Strukturanalyse der französischen Medienlandschaft und deren Konzentration auf wenige Großkonzerne.
  • Die Rolle und Kompetenzen des französischen Medienrates (CSA) bei der Überwachung der Medien.
  • Der persönliche Einfluss des Staatspräsidenten auf Medienkonzerne und Rundfunkanstalten.
  • Die Auswirkungen der Gesetzgebung und staatlicher Kontrollmechanismen auf die journalistische Arbeitsweise.

Auszug aus dem Buch

V. Präsidialer Einfluss auf die Medien

Sarkozy versteht es, sich in den Medien zu präsentieren. So hat er sich schon den Titel „Téleprésident“ (Jost, Muzet, 2008, S.10) eingehandelt. Er ist beinahe Omnipräsent in Presse und Rundfunk und pflegt gute Beziehungen zu diversen Medienkonzernchefs. Bereits als er 2006 Innenminister war, war Sarkozy der französische Politiker, der am meisten in den französischen Medien zu beobachten war (Vgl. Kuhn, 2010, S.359). Er sucht bewusst gute Beziehungen zu Journalisten und duzt sie um ein persönliches Verhältnis aufzubauen (Vgl. Kuhn, 2010, S.359). „Sarkozy […] has also influenced the medias’ framing of his presidency“ (Kuhn, 2010, S.371), indem er bewusst sein privat Leben vermarkten lässt. Das wäre für Charles de Gaulle, den ersten Präsidenten der V. französischen Republik, nie in Frage gekommen. Er sagte dazu: „Non vraiment! J’en fais une question de principe. Ma famille, c’est ma famille. On ne mélange pas.“ (Peyrefitte, 1997, S.196) und konstatierte damit klar, dass sein Privatleben privat bleiben soll. Sarkozy nutzt die Medien also sehr gezielt, aber das allein schränkt sie noch nicht in ihrer Freiheit ein, denn es ergibt sich ein wechselseitiges Verhältnis. Die Medien sind nicht nur abhängig von Sarkozys Schlagzeilen, sondern Sarkozy ist auch abhängig von dem, was die Medien berichten. Gerade im Jahr 2008, hatte das negative Folgen für Sarkozys Image: Sarkozy hatte zu einem Bürger, der ihm nicht die Hand geben wollte gesagt: „Casse-toi, pauvre con!“ (Poignard, 25.10.2008). Diese Bemerkung wurde von der Pariser Boulevard Zeitung „Le Parisien“ direkt in Form eines Videos online veröffentlicht. Die Medien berichten also nicht nur Sarkozy-freundlich, sondern durchaus auch von Skandalen oder negativen Ereignissen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob französische Medien durch politische Akteure gezielt eingeschränkt werden, und begründet die Relevanz des Themas angesichts des sinkenden Pressefreiheits-Rankings Frankreichs.

II. Rechtsgrundlage - Der Staat als Garant der Medienfreiheit: Das Kapitel beleuchtet die historische Verankerung der Menschenrechte und des Pressegesetzes von 1881, stellt jedoch fest, dass das französische Verständnis eher ein staatlich kontrolliertes Gemeinwohl als eine strikte Trennung von Staat und Medien vorsieht.

III. Medien aktuell - Die französische Medienlandschaft: Hier wird die Dominanz von fünf Großkonzernen aufgezeigt und zwischen der zentral organisierten Presse sowie der staatlichen Organisation der Rundfunkmedien unterschieden.

IV. Einfluss des französischen Medienrates Conseil supérieur de l‘Audiovisuel: Das Kapitel beschreibt die Aufgaben des CSA als Kontrollgremium, das jedoch unter der Regierung Sarkozy durch die Übertragung von Ernennungskompetenzen an den Präsidenten an Unabhängigkeit verlor.

V. Präsidialer Einfluss auf die Medien: Diese Sektion analysiert die persönliche Verflechtung zwischen Sarkozy und den Medienkonzernchefs sowie die gezielte Nutzung des Staatsgeheimnisses und des Strafrechts zur indirekten Zensur.

VI. Einfluss der Legislativen auf die Medienpolitik: Es wird dargelegt, dass das Parlament in Frankreich nur eine untergeordnete Rolle bei der Medienpolitik spielt und der Opposition kaum Instrumente zur Kontrolle der Regierung zur Verfügung stehen.

VII. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass journalistische Arbeit in Frankreich unter zunehmendem staatlichen Druck leidet, obwohl die Medienfreiheit formal in der Verfassung verankert wurde.

Schlüsselwörter

Medienfreiheit, Frankreich, Nicolas Sarkozy, Pressefreiheit, V. Republik, Medienkonzerne, Journalismus, Conseil supérieur de l’audiovisuel, Staatsgeheimnis, staatliche Einflussnahme, Zensur, Rundfunk, politische Kommunikation, Pluralismus, Selbstzensur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zustand der Medienfreiheit in Frankreich und analysiert, wie politische Institutionen, insbesondere unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy, Einfluss auf die Berichterstattung nehmen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen das französische Medienrecht, die wirtschaftliche Struktur der Medienlandschaft, die Rolle des Medienrates (CSA) sowie die direkten und indirekten Einflusspraktiken des Präsidenten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern französische Medien durch staatliche Interventionen oder politischen Druck eingeschränkt werden und wo genau diese Einflussnahme stattfindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Zeitungsartikeln und Primärquellen, um die aktuellen Entwicklungen im politischen System Frankreichs und deren Auswirkungen auf die Medien darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung rechtlicher Grundlagen, eine Bestandsaufnahme der Medienlandschaft, die Analyse der Kontrollfunktion des CSA sowie eine detaillierte Betrachtung des präsidialen Einflusses und der Rolle der Legislative.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Medienfreiheit, Nicolas Sarkozy, politischer Einfluss, Pressefreiheit, Medienkonzerne und Selbstzensur.

Inwiefern hat die Verfassungsänderung 2008 die Medienfreiheit beeinflusst?

Die Verfassungsänderung verlagerte Kompetenzen und ermöglichte es dem Präsidenten, die Vorsitzenden der staatlichen Rundfunkgruppe direkt zu bestimmen, was die Unabhängigkeit der Medien weiter einschränkte.

Wie wirkt sich die enge Verbindung zwischen Industrie und Regierung auf die Medien aus?

Da die Medienkonzerne oft Großindustriellen gehören, die wirtschaftlich vom Staat abhängig sind, besteht ein Anreiz, die Berichterstattung regierungsfreundlich zu gestalten, um Aufträge und steuerliche Vorteile zu sichern.

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Details

Title
Bedingte Freiheit. Frankreichs Medienfreiheit unter Einschränkung der Politik
College
University of Trier
Grade
1,3
Author
Diana Steinmetz (Author)
Publication Year
2011
Pages
18
Catalog Number
V284546
ISBN (eBook)
9783656848257
ISBN (Book)
9783656848264
Language
German
Tags
Sarkozy Medien Medienfreiheit politisches System Regierungslehre Frankreich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diana Steinmetz (Author), 2011, Bedingte Freiheit. Frankreichs Medienfreiheit unter Einschränkung der Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284546
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