Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

Anhand des Gedichts "Weltenende" von Else Lasker-Schüler


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
2.1 Ziele
2.2 Methodische Möglichkeiten

3 Vorstellung des Gedichts „Weltende“ von Else Lasker-Schüler
3.1 Kurze Analyse des Gedichts
3.2 Kurze Interpretation des Gedichtes

4 Aufgabenstellung
4.1 Aufgabe
4.2 Erläuterung der Aufgabe

5 Schlusswort

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

Die Entfaltung einer handlungs- und produktionsorientierten Literaturdidaktik ist ein wesentlicher Aspekt der Fachdiskussion in den letzten Jahren und die beiden neuen Formen des Literaturunterrichts finden zusehends Eingang in die Lehrpläne.[1] Der neue Ansatz steht in enger Verbindung mit der Konzeption eines kreativen Schreibens und mit dem Begriff des „praktischen Lernens“, das von Andreas Filtner wie folgt definiert wird: „ Und es [das „praktische lernen“] heißt vor allem: Wege zu einem „Wissen“ finden, das nicht gelehrt und zur Kenntnis genommen, sondern selber erlebt worden ist; zu Erfahrungen, die man mit eigenen Händen greifen, mit eigenen Sinnen vollziehen, mit eigener Aktivität bewältigen kann.“[2] Herkömmlicher analysierender und interpretierender Unterricht wird heutzutage als nicht für alle Begabungstypen gerecht gesehen, denn die „langsamen Lerner“ und die mehr praktisch als intellektuell Begabten würden im analysierenden und interpretierenden Unterricht schon von vorn herein den Anschluss am Geschehen verlieren und am unterrichtlichen Diskurs kein Teil haben.[3] Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht soll es ermöglichen, dass der Unterricht allen Begabungstypen gerecht wird, denn es soll nicht mehr nur die analytisch-reflexive Form des Kontakts mit Literatur stattfinden, sondern es soll mit dem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht der sinnliche Kontakt zu Literatur auch hergestellt werden. Schüler sollen in ihrer Phantasie, ihren Gefühlen und ihrer Sinnlichkeit angesprochen werden. Viele Schüler empfinden den analytisch-reflexiven Literaturunterricht als langweilig und verlieren gleichzeitig auch immer mehr die Lust am Lesen. Die Dominanz des Fernsehkonsums und die Buchferne vieler Schüler und Erwachsener zeige auch, dass der herkömmliche Literaturunterricht eine Antipathie gegenüber dem Lesen schafft.[4] In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, einen Handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht am Beispiel einer selbst entwickelten Aufgabe zum Thema „Lyrik“ darzustellen. Mein Ziel wird sein, Aufgaben zu entwickeln, die möglichst allen Begabungstypen und Fähigkeiten in einer Schulklasse gerecht werden. Als eine angehende Deutsch Lehrerin ist es mir wichtig, dass die Schüler Lust am Literaturunterricht haben und sich vom Unterricht angesprochen fühlen. Die Aufgabenstellung wird sich auf ein Gedicht beziehen. Wenn man Schüler nach deren Textpräferenzen befragt, so wird ersichtlich, dass die wenigsten in Ihrer Freizeit freiwillig Gedichte lesen. Das Lesen, Analysieren und Interpretieren von Gedichten wird als „mühsam“ empfunden. Ein weiteres Ziel meiner Aufgabenstellungen soll sein, den Schülern zu zeigen, dass das Lesen von Gedichten und Arbeiten mit Gedichten auch Spaß machen und Freude bereiten kann. Am Anfang dieser Hausarbeit wird der theoretische Ansatz des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts dargelegt. Hierbei werden auch die Ziele und die methodischen Möglichkeiten des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts erläutert. Darauf anschließend wird das Gedicht „Weltende“ von Else Lasker-Schüler, für das die Aufgabe entwickelt werden soll, vorgestellt. Nach einer kurzen Analyse und Interpretation des Gedichts folgt die Aufgabenstellung und die dazugehörige Erläuterung. Mit einem Schlusswort wird die Arbeit beendet.

2 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

Haas, Menzel und Spinner trennen den Begriff „handlungs- und produktionsorientiert“ in zwei Grundformen. Die eine Grundform ist das praktische Handeln mit Texten und die andere das produktive Erzeugen von neuen Texten.[5] Mit dem praktischen Handeln soll auch gleichzeitig ein aktiver sinnlicher Gebrauch von Seitens der Schüler stattfinden. Mit der herkömmlichen analytisch-reflexiven Form des Unterrichts sei den Schülern lange Jahre ein sinnlicher Kontakt mit Literatur nicht ermöglicht worden.[6] Ein allzu streng vorgegebenes Schema der Textbehandlung würde die Schüler entmotivieren und ihre Vortsellungskraft und Entdeckerfreude, die für den Umgang mit Gedichten wichtig sind, zurückdrängen. Lange Jahre wurde an die Fachsystematik ausgerichtet unterrichtet: es ging „nicht um ein Nachfühlen, sondern um ein Decodieren der poetischen Sprache oder um die Erarbeitung der Gattungscharakteristika“.[7] Es wurden den Schülern poetologisches Wissen und Analyseverfahren beigebracht. Wie im obigen Zitat von Spinner schon ausgeschrieben, wurde die emotionale Beteiligung der Schüler zurück gedrängt. Als Produkt sind zahlreiche, am Literaturunterricht desinteressierte Schüler entstanden, die gleichzeitig auch die Leselust verloren haben.[8] Womöglich weil den Schülern kein Raum für das Einbringen von Gefühlen und Erfahrungen beim Lesen gegeben wurde. Lesen ist nicht nur pure Informationsentnahme aus Texten, sondern bedingt einer Sinngabe des Lesers, der sein Vorwissen und seine Gefühle mit einbringt.[9] Dies wird in einem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht nicht nur ermöglicht, sondern sogar gefordert. Mit Ansprechen der Sinne, Gefühle, Phantasie und Tätigkeitsdrang der Schüler soll der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht den herkömmlichen analytisch-reflexiven Unterricht zu einem Ganzen machen. Keinesfalls sollen die handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsverfahren die analytisch-reflexiven Verfahren ersetzen. Hilbert Meyer warnt davor, den gesamten Unterricht auf das Konzept des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts umzustellen. Es soll lediglich den bisher verschwindenden kleinen Anteil des Unterrichts ausweiten.[10] Auch Maas, Henzel und Spinner schreiben, dass analytische Prozesse auf den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht aufbauen sollten.[11] An dieser Stelle soll es mit der Erläuterung der beiden Grundformen „handlungs- und produktionsorientiert“ weitergehen. Was sind überhaupt handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsverfahren? Der Begriff „handlungsorientiert“ bezeichnet Reaktionen auf Texte, die in unterschiedlichen Formen erscheinen können, wie zum Beispiel bildlich-illustrativ oder musikalisch sowie spielend und/oder darstellend. Präziser ausgedrückt bedeutet es beispielsweise das Malen von einem Bild zu einem Gedicht, das Vertonen eines Gedichtes oder aber auch das Aufführen von Schattenspielen zu einem Gedicht. An dieser Stelle können natürlich tausend unterschiedliche Möglichkeiten genannt werden. Zur Präzisierung sollen diese Beispiele ausreichen. Was ist mit „produktionsorientiert“ gemeint? Wie oben bei der Differenzierung der beiden Grundformen „handlungs- und produktionsorientiert“ beschrieben, geht es hierbei um die Erzeugung von neuen Texten, wodurch das kognitive Vermögen von Schülern beansprucht wird. Etwas präzisere Unterrichtsmethoden zu den „produktionsorientierten“ Unterrichtsverfahren wären beispielsweise das Zusammensetzen eines Gedichtes aus Textangeboten, das Ergänzen eines unvollständigen Gedichtes oder aber auch das Verkürzen/Verlängern eines Gedichts. Auch hierzu können ganz viele und unterschiedliche Möglichkeiten genannt werden. Solche Unterrichtsverfahren vermitteln Freude an ästhetischer Kreativität. Wenn die Schüler die „Sprache als ein Werkzeug und Mittel des Selbstausdruckes“[12] erfahren und entsprechende sprachliche Formen erlernen möchten, um eigene Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, dann ist in meinen Augen ein großer Schritt getan, was die produktiven Unterrichtsverfahren angeht. Ein Zitat von Spinner soll diesen Abschnitt zusammenfassen und beenden: „Indem die Schüler selbst mit der poetischen Sprache experimentieren, erfahren sie viel direkter als bei der bloßen Analyse und Interpretation, wie Wortwahl, Syntax, Vers, Reim usw. die Wirkung eines Gedichtes bedingen. Sie gewinnen sozusagen einen handwerklichen Zugang zur Lyrik, bei dem sich eigenes Tun, Einsicht in Strukturen und Entdecken von Ausdrucksmöglichkeiten miteinander verbinden.“[13]

2.1 Ziele

Nun folgt eine ganz kurze Auflistung der Ziele des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts. Es werden lediglich die übergeordneten Ziele genannt, die Feinziele werden aufgrund der vorgegebenen Seitenzahl dieser Hausarbeit nicht mit aufgenommen.

Die Ziele des handlungsorientierten Literaturunterrichts:

- Schaffen von positiven Grundeinstellungen gegenüber lyrischen Texten
- Konfrontation der Schüler mit unterschiedlichen Textarten
- Ermöglichen von individueller und emotionaler Auseinandersetzung mit Texten
- Ermöglichen von Analyse-, Interpretations- und Reflexionsvariationen
- Selbstformulierung der Handlungszielen von Schülern
- Angemessene Ergebnispräsentation der Schüler
- Förderung der ästhetischen Kreativität und die Selbsttätigkeit

Die Ziele des produktionsorientierten Literaturunterrichts:

- Intensive analytische Auseinandersetzung mit dem Originaltext
- Produktion analoger Texte
- Ästhetische Kreativität
- Erlernen einfacher lyrischer Kunstmittel und Techniken[14]
- Erwecken von Motivation zum Schreiben lyrischer Texte
- Angemessene Ergebnispräsentation der Schüler

[...]


[1] Vgl. Gerhard Haas, Wolfgang Menzel, Kaspar H. Spinner: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 17

[2] Andreas Filtner: Lernen … mit Kopf, Herz und Hand. In: Lernen. Ereignis und Routine. Friedrich Jahresheft IV. Velber 1986, S. 9

[3] Vgl. Gerhard Haas, Wolfgang Menzel, Kaspar H. Spinner: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, S. 17

[4] ebd.

[5] Vgl. Haas, Menzel, Spinner, K.H. In: Praxis Deutsch 123/1993; S. 18

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] Vgl. Haas, Menzel, Spinner, K.H. In: Praxis Deutsch 123/1993; S. 17

[9] Thalmayr, S. 85

[10] Vgl. Meyer; H. (1997 II); S. 411

[11] Vgl. Haas, Menzel, Spinner, K.H. In: Praxis Deutsch 123/1993; S. 18

[12] Vgl. Spinner, K. (1987); S. 603

[13] Spinner, Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe I; S. 44f

[14] Vgl. Waldmann, G. (1988); S. 2

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Untertitel
Anhand des Gedichts "Weltenende" von Else Lasker-Schüler
Hochschule
Universität Hamburg  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
"Schriftliches Arbeiten"
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V284555
ISBN (eBook)
9783656848486
ISBN (Buch)
9783656848493
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Lyrik, Gedicht, "Weltende" von Else Lasker-Schüler, Gedichtsanalyse, Gedichtsinterpretation
Arbeit zitieren
Elif Atmaca Yildirim (Autor), 2012, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284555

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