Obgleich ihrer Strafbarkeit erscheinen Hochstapelei und Trickbetrug faszinierende Handlungen zu sein, die auch den Weg auf die Kinoleinwand schaffen. Von besonderem Interesse sind die Rollenverteilung der Akteure und auch die Methoden, die ein erfolgreicher Hochstapler anwendet. In dieser Arbeit werden die Theorie von Vertrauen und Rationalität auf den Film "Catch me if you can" angewandt. Die jeweiligen Zugeständnisse von Treuhänder und Treugeber erlauben die Analyse potentieller Schwachstellen und zeigen somit rentable Ansatzpunkte des Hochstaplers auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Reiz der con movies
2. Filmanalyse Catch me if you can
2.1 Produktionsdaten
2.2 Plot
2.3 Darsteller und Charaktere
2.4 Dramatische Struktur des Films
2.4.1 Thema
2.4.2 Plot Points
2.4.3 Schlüsselsatz
3. Rationalität und Vertrauen: Der Hochstapler
3.1 Vertrauen im Sinne der Spieltheorie
3.2 Die Akteure: Treuhänder und Treugeber
3.2.1 Zugeständnisse der Akteure
3.2.2 Die Rolle des sozialen Umfelds und der Gesellschaft
3.2.3 Signale
4. Analyse der Theorie anhand des Filmbeispiels
4.1 Figurenkonstellation
4.2 Signale
4.3 Informationsvorsprung durch zeitliche Asymmetrie
4.4 Motive des Hochstaplers
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, das Phänomen der Hochstapelei und des Betrugs im Film "Catch me if you can" mithilfe soziologischer Theorien zu Rationalität und Vertrauen zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie der Hauptakteur Frank Abagnale Jr. durch gezielte Manipulation von Informationen und den Einsatz von Signalen seine Mitmenschen erfolgreich täuscht.
- Filmanalyse und dramaturgische Struktur des Films "Catch me if you can"
- Anwendung der spieltheoretischen Perspektive auf Vertrauensbeziehungen
- Untersuchung der Interaktion zwischen Treugeber und Treuhänder
- Analyse von Signalen als Instrumente der Täuschung
- Bedeutung zeitlicher Asymmetrien für den Erfolg von Hochstaplern
- Psychologische und soziale Motive für betrügerisches Handeln
Auszug aus dem Buch
3.1 Vertrauen im Sinne der Spieltheorie
Bei Vertrauen handelt es sich, generell gesprochen, um „ein Element des Sozialkapitals“, ohne das lediglich „begrenzte rudimentäre Vergesellschaftungen möglich“ (Diekmann 2009, 59) wären. Für den Treugeber, der dem Treuhänder einen Vertrauensvorschuss gewähren muss, um Interaktionen überhaupt zu ermöglichen, beinhaltet dieses Handeln stets ein gewisses Risiko, da der Treuhänder auch defektieren, d.h. das Vertrauen missbrauchen kann (Coleman 1991, 115). In diesem Fall findet ein Betrug statt. Durch die Allgegenwärtigkeit und grundlegende Notwendigkeit des Vertrauens ist Betrug „nahezu überall möglich und war es wohl auch zu allen Zeiten“ (Ottermann 2000, 13). Als soziologisches Phänomen ist bezüglich des Vertrauens insbesondere das Prädikat der sozialen Beziehungen von Interesse, da es nicht „an irgendwelche Einzelakteure gebunden ist, sondern […] stets mindestens zwei Akteure involviert sind“ (Preisendörfer 1995, 264). In Deutschland handelt es sich bei Betrug um einen „Straftatbestand [, der] als Vermögens(verschiebungs)delikt interpretiert werden“ (ebd., 29) kann. Darunter wird juristisch „das bewusste Vorspiegeln falscher bzw. das Entstellen oder Unterdrücken wahrer Tatsachen, welche durch Fehlvorstellungen über die Realität erregt bzw. unterhalten werden sollen“ (Maaß 1984, 265).
Da es sich bei den Entscheidungen von Treuhänder und insbesondere von Treugeber um Entscheidungen handelt, die unter Unsicherheit getroffen werden, lassen sie sich mit Hilfe der Spieltheorie und damit verbundenen Diagrammen graphisch erklären (Preisendörfer 1995, 266). Im Sinne der Spieltheorie basiert das Gewähren von Vertrauen auf dem Postulat der Nutzenmaximierung unter Risiko: „Wenn die Chance zu gewinnen relativ zu der Chance zu verlieren größer ist als das Ausmaß des Verlustes (falls er verliert) relativ zum Ausmaß des Gewinns (falls er gewinnt), kann er […] einen Gewinn erwarten“ (Coleman 1991, 125). Diese rationale Schlussfolgerung beeinflusst das Verhalten der beiden Akteure maßgeblich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Reiz der con movies: Einführung in das Thema des Betrugs als soziales Phänomen und Darlegung des Ziels, Hochstapelei im Film anhand der Theorie von Rationalität und Vertrauen zu untersuchen.
2. Filmanalyse Catch me if you can: Vorstellung des Films, der zentralen Charaktere und der dramatischen Struktur unter Einbeziehung von Produktionsdaten und narrativen Elementen.
3. Rationalität und Vertrauen: Der Hochstapler: Theoretische Auseinandersetzung mit Vertrauensbeziehungen, Spieltheorie sowie der Rolle von Akteuren, Signalen und sozialen Institutionen beim Vertrauenstransfer.
4. Analyse der Theorie anhand des Filmbeispiels: Anwendung der zuvor erarbeiteten theoretischen Begriffe auf die Handlungsweise des Protagonisten, um dessen Erfolg bei der Hochstapelei rational zu erklären.
5. Fazit: Zusammenfassender Rückblick auf die Filmanalyse und die theoretische Übertragung, inklusive eines Ausblicks auf mögliche weiterführende Forschungsaspekte.
Schlüsselwörter
Hochstapelei, Trickbetrug, Filmanalyse, Vertrauen, Spieltheorie, Rationalität, Treugeber, Treuhänder, Signale, Soziologie, Catch me if you can, Frank Abagnale Jr., Vertrauensmissbrauch, zeitliche Asymmetrie, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Hochstapelei und Trickbetrug aus einer soziologischen Perspektive, indem sie die Theorie von Vertrauen und Rationalität auf den Spielfilm "Catch me if you can" anwendet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die dramaturgische Filmanalyse, soziologische Vertrauenstheorien, spieltheoretische Modelle sowie die Analyse menschlichen Verhaltens unter Bedingungen der Unsicherheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum ein Hochstapler wie Frank Abagnale Jr. durch das gezielte Ausnutzen von Vertrauen und Information asymmetrien bei seinen Opfern erfolgreich sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Filmanalyse in Verbindung mit einer theoretischen Herleitung soziologischer Konzepte, die anschließend deduktiv auf die Filmhandlung übertragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Filmanalyse, die theoretische Definition von Vertrauen im spieltheoretischen Kontext sowie die konkrete Analyse der Figuren, Signale und Motive innerhalb des Films.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hochstapelei, Vertrauen, Spieltheorie, rationale Nutzenmaximierung, Informationsvorsprung und Signalanalyse charakterisiert.
Wie nutzt der Protagonist Frank Abagnale Jr. gezielt Vertrauen aus?
Frank nutzt die soziale Erwartungshaltung seiner Opfer aus, indem er durch Kleidung, Titel und Auftreten glaubhafte Signale aussendet, die den Betrug als legitime oder notwendige Interaktion erscheinen lassen.
Welche Rolle spielt die "zeitliche Asymmetrie" für den Erfolg des Hochstaplers?
Die zeitliche Asymmetrie ermöglicht es Frank, seine Betrügereien durchzuführen, bevor das betroffene System (z.B. eine Bank) die Zeit findet, die Identität oder die Schecks zu verifizieren.
Warum ist die Beziehung zwischen Frank und dem FBI-Agenten Carl Hanratty theoretisch bedeutsam?
Diese Beziehung illustriert den dynamischen Rollenwechsel zwischen Treugeber und Treuhänder und zeigt, wie ein zuvor destruktives Verhältnis in eine produktive Koalition übergehen kann.
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- Stephanie Theresa Trapp (Author), 2013, Hochstapelei und Betrug im Film. Eine soziologische Analyse des con movies "Catch me if you can", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284613