Kinderarmut in Deutschland. Welche Auswirkungen hat Armut auf die betroffenen Kinder?


Hausarbeit, 2014
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung von Kinderarmut und die Messung
2.1 Zwei Definitionsansätze von Armut
2.1.2 Die „relative“ Armut
2.2 Zwei Konzepte zur Verarbeitung von Kinderarmut
2.2.1 Der ressourcenorientierte Ansatz
2.2.2 Der Lebenslagenansatz

3. Auswirkungen von Armut auf die betroffenen Kinder
3.1 Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die materielle Situation
3.2 Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die Gesundheitsentwicklung
3.2.1 Die körperliche Gesundheit
3.2.2 Die psychische Gesundheit
3.2 Die Auswirkung von Armut hinsichtlich der
3.2.1 Sozialverhalten
3.3.1 Soziale Kontakte
3.4 Die Auswirkung von Armut auf die kulturelle Situation

4. Schluss
4.1 Fazit
4.2 Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Das Thema Kinderarmut rückte seit der Einführung der Hartz IV-Gesetze immer weiter in den Vordergrund von sozialpolitischen Debatten. Das Institut für Wirtschaftsforschung verkündete in der Pressemitteilung vom 12.05.2011, dass im Jahre 2009 der Prozentsatz der in Armut lebender Kinder bei 16,4% lag[1]. Demnach verdoppelte sich die Kinderarmut in Deutschland in den letzten 20 Jahren.[2] Die Jugendforscher Hutsch und Ringo führen diese Entwicklung insbesondere auf die im Jahre 2005 eingeführten Hartz IV-Gesetze zurück.

Klassische psychoanalytische Entwicklungsmodelle betrachten die Kindheit als einen Lebensabschnitt, der durch vielfältige und massive Veränderungen geprägt ist. Nach dem Eriksonschen Entwicklungsmodellen sind die Erlebnisse und Erfahrungen in dieser Lebensphase des Individuums besonders prägend. Anlehnend an diese Erkenntnisse aus der Identitäts- und Entwicklungsforschung, können die durch die Armut hervorgehenden Lebensumstände Auswirkungen auf die psychische sowie physische Entwicklung für Individuen verursachen und somit zu einer einschneidenden Erfahrung für die Individuen werden, welche das ganze spätere Leben prägen kann. Hierbei wird die Dringlichkeit und Signifikanz der Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderarmut erkenntlich.

Dies stellt das Thema dieser Seminararbeit dar und wird anhand von des ressourcenorientierten– und des Lebenslagenansatzes näher beleuchtet. Zudem zeigt diese Arbeit das Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland auf. Die genaue Auseinandersetzung mit den Folgen und dem Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland ist in den Vordergrund zu stellen, um in dem darauffolgenden Kapitel effektive Handlungsmöglichkeiten der sozialen Arbeit und Präventionsmaßnahmen hervorzubringen. Von Nöten ist demnach auch die in Kapitel 2 vorgenommene Begriffserläuterung, welche die Probleme und Situation der in Armut lebenden Kinder in Deutschland konkretisieren soll.

2. Die Bedeutung von Kinderarmut und die Messung

Das folgende Kapitel befasst sich mit der Definition des Begriffes Kinderarmut. Grundsätzlich wird zwischen „absoluter“ und „relativer“ Armut unterschieden. Eine klare Begriffsklärung ist hierbei notwendig, um die Problematik genau zu erfassen, sowie gewinnbringende Handlungsmöglichkeiten hervorzubringen.

2.1 Zwei Definitionsansätze von Armut

2.1.1 Die „absolute“ Armut

Reichwein definiert den Begriff „absolute Armut“, in Anlehnung an die Grund- und Menschenrechte, als einen Zustand, in dem die lebensnotwendigen Grundvoraussetzungen, wie angemessene Ernährung, Kleidung, Wohnraum und/ oder medizinische Versorgung nicht gewährleistet sind.

Diese Grundvoraussetzungen gelten in Deutschland als physisches Existenzminimum.[3] Nach dem internationalen Recht stehen die genannten Grundrechte in Art. 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturellen Rechte jedem Menschen zu (ICESR, Art. 11). In Deutschland wurde das staatliche Ziel „jedem Deutschen eine gesunde Wohnung“ zu sichern erstmals in der Weimarer Verfassung 1919 in Art. 155 formuliert. Sozialversicherungen sind mit der Bismarckschen Era in Zusammenhang zu bringen. Die absolute bzw. existentielle oder primäre Armut ist mit den Grund- und Menschenrechten nicht vereinbar und in Deutschland nicht präsent.[4]

2.1.2 Die „relative“ Armut

Die „relative Armut wird als Mangel an materiellen, kulturellen sowie sozialen Kapital verstanden, der die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben stark einschränkt oder sogar Individuen vom gesellschaftlichen Leben isoliert. Eine einheitliche und konkrete Definition der relativen Armut kann, aufgrund der unterschiedlichen und spezifischen Lebensstandards der jeweiligen Gesellschaften, nicht erfolgen. Relative Armut ist demnach eine abweichende Größe, die von politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Normen abhängig ist. Diese Normen bestimmen in einer Gesellschaft über das Ausmaß der Armut und sich daraus ergebenden sozialpolitischen Konsequenzen.[5]

2.2 Zwei Konzepte zur Verarbeitung von Kinderarmut

Die anbei vorgestellten Armutskonzepte wurden entwickelt, um die Problematik hinsichtlich der Definition der relativen Armut einzudämmen. Somit wird das Erkennen von misslichen Lebenslagen gewährleistet und ein effektives Entgegenwirken ermöglicht.

2.2.1 Der ressourcenorientierte Ansatz

Unter dem Ressourcenansatz wird Armut als eine Versorgung im Einkommensbereich verstanden. „Relative“ Armut kann durch zwei verschiedene Bestandsgrößen durch den ressourcenorientierten Ansatz festgelegt werden. Zum einen ist es möglich, die Einkommen von einzelnen Personen mit dem Durchschnittseinkommen der Gesellschaft in Verbindung zu setzen. Nach diesem Konzept liegt Armut vor, wenn das Einkommen unter einem bestimmten Prozentsatz des gesellschaftlichen Durchschnitts fällt. Diese sind unterteilt in „strenge“ Armut bei 40% des Durchschnittseinkommens, bei der 50%-Schwelle liegt eine Einkommensarmut vor und 60% des Durchschnittseinkommens wird als Niedrigeinkommen gewertet. Zum anderen wird dieses Konzept bei der Sozialhilfe- bzw. Hartz IV-Sätze angewendet. Zur Ermittlung des „soziokulturellen Existenzminimums sind allerdings bestimmte normative Wertvorstellungen ausschlaggebend.[6]

2.2.2 Der Lebenslagenansatz

Der Lebenslagenansatz umfasst nicht nur das Geldeinkommen, sondern auch weitere Umstände, wie Bildung, Wohnungsverhältnisse, soziales Umfeld und, bzw. oder auch politische Beteiligung. Nach diesem Ansatz gelten Individuen als arm, die neben dem geringen materiellen Kapital, in diesen Bereichen benachteiligt bzw. unterversorgt sind. Besonders diese Art der Benachteiligung ist mehr und mehr in Deutschland zu beobachten. Das soziale Umfeld beeinflusst zwangsläufig die Einstellung zu Bildung. Im Übrigen fällt es Kindern aus bildungsfernen Schichten, oft einhergehend mit der finanziellen Lage der Familie, schwer einen erfolgreichen Bildungswerdegang zu erlangen. Die Chance auf den sozialen Aufstieg bleibt vielen betroffenen Kindern durch Einrisse in der Bildungschancengleichheit verwehrt.

Um Armut nach dem Lebenslagenkonzept messen zu können, müssen in bestimmten Bereichen, wie eine Mindestgröße für Wohnraum oder ein Minimum einer Gesundheitsversorgung, Mindeststandards festgelegt werden. Wenn mehrere dieser bezeichneten Mindestmaße nicht erreicht werden, liegt eine Armut vor.[7]

3. Auswirkungen von Armut auf die betroffenen Kinder

3.1 Die Auswirkung der „relativen“ Einkommensarmut auf die materielle Situation

Die Versorgung innerhalb eines Haushaltes mit der lebensnotwendigen Grundversorgung hängt von dem Einkommen der Familie ab. Daneben gibt es auch andere Möglichkeiten die Versorgungssituation zu verbessern, wie z.B. Unterstützung durch soziale Netzwerke oder Tauschmöglichkeiten. Die Verwandtschaft kann zu einem Beitrag zur Entlastung der finanziellen Situation leisten. Andererseits gibt es auch Familien, denen es an einer derartigen Unterstützung durch Nächste mangelt. Die Lebenssituation der Kinder geht mit der Haushaltsorganisation der Familie einher und durch die Haushaltsorganisation der Eltern gestaltet und über verschiedene kommunikative, sowie handlungsbezogene Strategien innerhalb der Familie vermittelt. Kinder im Grundschulalter sind auf ihre Eltern angewiesen, denn sie können keinen Einfluss auf ihre Einkommens- und Versorgungsgrundlage nehmen. Sehr wohl können sie zur Ausgestaltung ihrer Lebenslage selbst Einfluss nehmen, indem sie selbständig Wege und Mittel suchen, angemessen mit ihrer Situation umzugehen. Hierbei ist anzumerken, dass Kinder die Versorgung in den Bereichen Ernährung, Kleidung und Wohnen wahrscheinlich anders betrachten als die Erwachsene. Durch die finanzielle Knappheit können Eltern ihren Kindern vielleicht nicht jeden Wunsch erfüllen. Problematisch wird es, wenn die Kinder die materielle Überhäufung als Zuwendung deuten. Diese Einstellung zu materiellen Gütern hängt häufig auch mit der der Eltern zusammen bzw. mit ihrem Umgang mit Einschränkungen in dieser Hinsicht. Allein beim Thema Kleidung können sich Diskrepanzen zwischen den Kindern und Eltern ergeben. Für Eltern ist hierbei von großer Wichtigkeit, dass die Kleidung ihrer Kinder maßgerecht, witterungsangepasst und sauber ist. Da die Familien aber mit einem knappen Budget auskommen müssen, tendieren sie eher zu gebrauchter Kleidung. Sie setzen voraus, dass das Tragen der gebrauchten Kleidung kein großes Problem für ihre Kinder darstellt. Für die Kinder kann Kleidung jedoch von großer Bedeutung sein, denn sie symbolisiert den sozialen Status. Kinder möchten sich ihren Gleichaltrigen anpassen, d.h. das zur Schau stellen des sozialen Status ist einhergehend mit der Anerkennung innerhalb einer Gruppe und daher von größter Wichtigkeit für die Kinder.

In den letzten 40 Jahren haben sich die sozialräumliche Umwelt der Kinder und der Alltag verändert. Heutzutage werden innerhalb der Wohnung und in den eigenen Zimmern der Kinder mit neuen Funktionen ausgestattet. Am allermeisten bringt die Mediennutzung, die Erarbeitung von Hausaufgaben und jede Art von kindlichen Spielen, die mit Medien im Zusammenhang steht, neue Bedürfnisse innerhalb der Wohnverhältnisse. Für die Erwachsenen spielen in der Hinsicht der Wohnung Eigenschaften wie Größe, Qualität, Zuschnitt, Lage, Wohnumfeld oder Miethöhe eine bedeutsame Rolle, wobei für Kinder Aspekte wie ein eigenes Zimmer, Rückzugsmöglichkeiten, Spielmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Wohnung in den Vordergrund gestellt werden. Die Einstellung der Eltern oder die familiäre Situation entscheiden darüber, mit welchem Lautpegel gespielt werden darf oder ob Besuch von den Freunden erwünscht ist.[8]

[...]


[1] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. Pressemitteilung vom 12.05.2011. In: http://www.diw.de/de/diw_01.c.372595.de/themen_nachrichten/statistikdebatte_kinder_und_jugendarmut_ist_nach_wie_vor_das_draengendste_problem.html, download vom 13.03.2014

[2] Hutsch, Siegfried/Wagner, Dr. Ringo (2009): Kinder in Deutschland 2010-2. World Vision Kinderstudie. Frankfurt am Main. Fischer Taschenbuch Verlag. S.18

[3] Reichwein, Eva (2012): Kinderarmut in der Bundesrepublik Deutschland-Lebenslagen, gesellschaftliche Wahrnehmung und Sozialpolitik.VS Verlag für Sozialwissenschaften/Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. 1.Auflage. S.31

[4] Vgl. ebd., S.31

[5] Vgl. ebd., S.31f

[6] Vgl. ebd., S.32

[7] Vgl. ebd., S.32f

[8] Chasse, Karl August/Rasch, Konstante/Zander, Margheritta/ (2005): Meine Familie ist arm-Wie Kinder im Grundschulalter Armut erleben und bewältigen. VS-Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden. 2. Auflage. S.115ff

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kinderarmut in Deutschland. Welche Auswirkungen hat Armut auf die betroffenen Kinder?
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V284627
ISBN (eBook)
9783656848196
ISBN (Buch)
9783656848202
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinderarmut, deutschland, welche, auswirkungen, armut, kinder
Arbeit zitieren
Bahriye Öztürk (Autor), 2014, Kinderarmut in Deutschland. Welche Auswirkungen hat Armut auf die betroffenen Kinder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284627

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