Arbeiterfestkultur am Beispiel der Maifeier


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprünge und Entwicklung des Maifeiertages
2.1 Ursprünge
2.2 Politisierung
2.3 Entwicklung zum Arbeiterfesttag

3. Der Maifeiertag als Arbeiterfesttag
3.1 Festlichkeiten
3.2 Lieder und Gedichte
3.3 Die Maifestzeitungen
3.4 Symbolik

4. Der Maifeiertag im Spannungsfeld zwischen politischer Demonstration und Volksfest

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der erste Mai ist in den Köpfen der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland und vieler anderer Staaten fest als Feiertag verankert. Schüler, Studenten und Berufstätige freuen sich über einen freien Tag. Traditionen wie der Tanz in den Mai oder das Schmücken des Maibaumes sind gerade in ländlichen Regionen nach wie vor sehr beliebt. Leider kommt es auch in vielen Großstädten jedes Jahr wieder zu gewalttätigen Demonstrationen und Vandalismus. Es entsteht der Eindruck, dass viele Menschen nichts mehr über den Ursprung dieses Feiertages als Tag der Arbeit wissen.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich die Geschichte des ersten Mai untersuchen, seine Ursprünge, Politisierung und die Entwicklung zum Arbeiterfesttag herausarbeiten. Der Fokus soll allerdings auf der Maifeier als Beispiel für die Arbeiterfestkultur im deutschen Kaiserreich liegen. Welchen Problemen und Einschränkungen standen die Arbeiter in den ersten Jahren der Maifeiern gegenüber und wie schafften sie es trotz immensen Widerstandes der Obrigkeit ihren eigenen Feiertag zu etablieren?

Ich möchte untersuchen, ob und wenn ja, wie sich eine eigene Arbeiterfestkultur herausbildete. Hierbei werde ich die Feierlichkeiten der ersten Jahre betrachten, dann soll das Liedgut und die Lyrik zum ersten Mai behandelt und an einigen Beispielen untersucht werden. Danach werde ich die Maifestzeitungen, ihre Verbreitung und Bedeutung betrachten und abschließend exemplarisch die Symbolik zum ersten Mai behandeln.

Zum Ende möchte ich in einem kurzen Fazit meine Ergebnisse zusammenfassen.

2. Ursprünge und Entwicklung des Maifeiertages

2.1 Ursprünge

Schon in vorindustrieller Zeit, als noch keine Arbeiterbewegung existierte, gab es vielerorts bereits Bräuche und Traditionen zum Beginn des Monats Mai.

Dem ersten Mai voraus geht die Walpurgisnacht, welche traditionell als die Nacht der Zusammenkunft von Hexen gilt, gegen die die heilige Walburga schützen soll.[1] In dieser Nacht wurden besonders von jungen Männern verschiedenste Streiche und Possen ausgeführt, die einerseits der Vertreibung von Hexen dienen sollten, andererseits aber auch einen realen Hintergrund hatten. Seit dem Mittelalter wurden junge Männer am ersten Mai zum Wehrdienst eingezogen, so dass diese ihre letzte Nacht in Freiheit genießen wollten.

Auch Turniere und Ritterfeste fanden seit dem hohen Mittelalter bevorzugt am ersten Mai statt und gingen mit Tanz, Gesang und Feierlichkeiten einher.

Eine wichtige, wenn auch regional stark variierende, Tradition am Maifeiertag ist der Maibaum. Hierbei wird besonders in Bayern und im Rheinland ein Baum aus dem Wald geholt, von der Rinde befreit und geschmückt. Dieser ist dann der Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Zusätzlich besteht die Tradition der Liebesmaien, so wird von einen Mann zum Zeichen seiner Liebe, ein kleiner Baum vor dem Haus seiner Geliebten aufgestellt. In diesem Zusammenhang gab es auch die Mailehen, dabei wurde das schönste Mädchen des Dorfes zur Maikönigin gewählt und später an den Höchstbietenden versteigert. Dem folgte oft eine Verlobung. Neben diesen ländlichen Bräuchen, gab es am ersten Mai auch die Tradition des Wechsels der Arbeitsstelle und des Wohnortes. Dienstboten wechselten zu Beginn des Monats Mai oft ihren Arbeitgeber, meistens mit der Hoffnung auf Verbesserung ihrer Situation.[2] Außerdem war der erste Mai vielerorts der traditionelle Umzugstag der ärmeren Leute, an dem die Fabriken ihren Arbeitern frei gaben.[3]

Ob diese Traditionen und Bräuche, besonders die Volksfeste der vorindustriellen Zeit, als Vorläufer des ersten Mai als Festtag der Arbeiterbewegung betrachtet werden können, ist umstritten. Festzuhalten ist aber, dass der erste Mai in den Köpfen vieler Menschen einen Status als besonderer, teilweise arbeitsfreier Tag hatte und so die Etablierung als Arbeiterfeiertag zumindest erleichtert wurde.

2.2 Politisierung

Die politischen Ursprünge des Maifeiertages als Arbeiterfest liegen in den USA.[4] Auch dort war der erste Mai traditionell der Tag, an dem neue Stellen angetreten wurden, die Firmen Verträge verlängerten und die Arbeiter ihre Bedingungen aushandelten.[5]

Bedingt durch schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne beschloss die „Federation of organised Trade an Labor Unions“, der Vorläufer des mitgliederstärksten Gewerkschaftsdachverbandes in den USA, für den 1. Mai 1886 Streiks und Demonstrationen, um die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu begrenzen. Der erste Mai wurde aus dem einfachen Grunde ausgewählt, dass die verkürzten Arbeitszeiten in die neuen Verträge aufgenommen werden sollten.

Das Zentrum der Bewegung lag in Chicago, dort kam es zum so genannten „Haymarket riot“ oder „Haymarket affair“, in Folge dessen der erste Mai zum Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen wurde.

Schon Wochen vor dem ersten Mai streikten in Chicago zahlreiche Arbeiter, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.[6] Doch die Unternehmen versuchten diese zu umgehen, indem sie Streikbrecher einstellten und so die Produktion aufrechterhalten wollten. Dennoch verlief der erste Mai friedlich. Erst am dritten Mai kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Streikbrechern und der Polizei, in deren Folge mehrere Menschen verletzt wurden oder sogar ihr Leben verloren. Auf der am nächsten Tag folgenden Protestkundgebung eskalierte die Gewalt endgültig. Die Polizei stürmte die friedliche Veranstaltung und wollte sie auflösen, als eine Bombe in Richtung der Polizisten geworfen wurde, welche einen sofort tötete, sowie zahlreiche weitere Menschen verletzte. Daraufhin kam es zu einer gewalttätigen Massenschlacht. Wer die Bombe letztendlich geworfen hatte, konnte nie geklärt werden.

Trotzdem wurden in Folge dessen die Organisatoren der Kundgebung verhaftet, darunter auch der in Deutschland geborene Journalist August Spieß, der Herausgeber und Chefredakteur der „Arbeiterzeitung“. Vier der Angeklagten wurden letztendlich hingerichtet, darunter auch Spieß, der vor seinem Tod die berühmten Worte „Die Zeit wird kommen, wo unser Schweigen im Grabe beredter sein wird, als unsere Reden“ sprach.

Durch diese schrecklichen Ereignisse erfuhr die Arbeiterbewegung in den USA einen großen Rückschlag. Die Kämpfe um den Achtstundentag kamen kurzfristig zum Erliegen.

Doch schon 1888 wurden von den amerikanischen Gewerkschaften, die sich neu organisiert und formiert hatten, neue Aktionen zur Durchsetzung ihrer Forderungen beschlossen. Als Datum wurde der erste Mai 1890 festgesetzt.

[...]


[1] Vgl. für das Folgende: Küster, Jürgen: Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf.: Eine Einführung in den Festkalender, Freiburg 1985, S. 113 ff.

[2] Vgl. für das Folgende: Ruppert, Wolfgang: „Heute soll Sonne sein. Heute soll ruhen die Hand“. Das Arbeiterfest des 1. Mai in Ruppert, Wolfgang (Hg.) Die Arbeiter. Lebensformen, Alltag und Kultur von der Frühindustrialisierung bis zum „Wirtschaftswunder“, München 1986

[3] Vgl. Schneider, Ute: Politische Festkultur im 19. Jahrhundert. Die Rheinprovinz von der französischen Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1806-1918), Essen 1995

[4] Weitere Aktionen, Streiks und Demonstrationen wie z.B. in Australien sollen hier in Hinblick auf Umfang und Ausrichtung dieser Arbeit nicht näher behandelt werden.

[5] Vgl. für das Folgende: Achten, Udo: Illustrierte Geschichte des 1. Mai; Oberhausen 1979; Seite 14 ff.

[6] Vgl. für das Folgende: Giovanoli, Friedrich: Die Maifeierbewegung: Ihre wirtschaftlichen und soziologischen Ursprünge und Wirkungen; Karlsruhe 1925; Seite 6 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Arbeiterfestkultur am Beispiel der Maifeier
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Arbeitergeschichte von ihren Anfängen bis 1918
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V284670
ISBN (eBook)
9783656848820
ISBN (Buch)
9783656848837
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeiterfestkultur, beispiel, maifeier
Arbeit zitieren
Lena Kaiser (Autor), 2011, Arbeiterfestkultur am Beispiel der Maifeier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284670

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