Das Georgische als Schriftsprache. Entstehung und das moderne Schriftsystem


Hausarbeit, 2013
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Georgisch als Schriftsprache der kartwelischen Sprachen

3 Die Entstehung der georgischen Schrift
3.1 Entwicklungsstufen der georgischen Schrift

4 Das moderne georgische Schriftsystem
4.1 Aussprache/Klangbildung
4.2 Wortbildung
4.3 Satzbildung
4.4 Satzzeichen

5 Zusammenfassung

6 Literatur

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Das georgische Alphabet ist eine der erstaunlichsten Leistungen der altgeorgischen Zivilisation, es ist immer der größte Stolz eines jeden Georgiers gewesen.“ Othar Lordkipanidze (Lordkipanidze1994, S. 33)

Die gegenwärtige georgische Kultur ist ihrem Charakter nach eine der ältesten christlichen Kulturen der Erde mit allen für eine solche Kultur eigentümlichen und spezifischen Merkmalen, an denen die Georgier auch heute noch festhalten. Dies alles kommt vor allem in der georgischen Schrift zum Ausdruck, in der alten sowie in der neuen. Das Schrifttum bildet eine der spezifischen Äußerungen der nationalen Kultur des Volkes (vgl. Dsidsiguri 1973, S.13).

Die Christianisierung Iberiens (von den Georgiern auch ,,Kartlis” genannt) führte zur endgültigen Herausbildung des georgischen nationalen Alphabets. Einige Forscher sind der Ansicht, dass das georgische Alphabet in der vorchristlichen Epoche unter dem Einfluss der semitischen Schrift entstanden ist; andere glauben an eine Herkunft aus der griechischen Schrift und begründen diese Sichtweise mit dem Einfluss der christlichen Kultur (vgl. Lordkipanidze 1994, S. 33).

Die Tatsachen sprechen dafür, dass sowohl für das Georgische als auch für das Armenische ein individuelles Schriftsystem existiert, das den lautlichen Besonderheiten der jeweiligen Sprache gerecht wird. Hierauf basiert ein großer Teil des kulturellen Selbstbewusstseins der Angehörigen beider Nationen. Harald Haarmann nennt das armenische und georgische Alphabet in seiner Universalgeschichte der Schrift eine ,,Ausnahmeerscheinung“ (Haarmann 1994, S. 355) in der Schriftgeschichte. Da die Georgier nicht die Analyseleistung der Griechen vollbracht hätten, die sprachliche Äußerungenin kleinste Einheiten zerlegten und entsprechende schriftliche Zeichen verwendeten, plädiert Haarmann dafür, die Entstehung des georgischen Alphabets nicht als ,,Erfindung“, sondern als ,,Neuschöpfung“ (ebd.) zu bezeichnen.

Das Schriftsystem des Georgischen ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Zu- nächst wird Georgisch als Schriftsprache der kartwelischen Sprachen behandelt, im nächsten Schritt soll der Frage nach der Entstehung und Entwicklung des georgischen Alphabets und der georgischen Schrift nachgegangen werden. Anschließend wird die moderne georgische Schrift dargestellt. Zum Schluss folgt ein kurze Zusammenfassung.

2 Georgisch als Schriftsprache der kartwelischen Sprachen

Die georgische Sprache gehört zur Gruppe der ,,kartwelischen“ Sprachen, die auch als ,,iberische“ oder ,,südkaukasische“ Sprachen bezeichnet werden, und ist die größte kartwelische Sprache (das Wort ,,kartwelisch“ stammt von ,,kartwel“, wie die Georgier sich selbst nennen). Die kartwelischen Sprachen gehören zu der autochthonen, das heißt einheimischen Sprachgruppe des Kaukasus, den sogenannten ibero-kaukasischen Sprachen.

Als ,,kartwelische Sprachen“ begreift man eine Gruppe miteinander genetisch verwandter Sprachen: das eigentliche Georgisch (das die Grundlage der Schrift- und der Amtssprache bildet), gesprochen von 3,5 Mio. Menschen sowie die schriftlosen Sprachen, zu denen die swanische (gesprochen von 40 000 Menschen), die megrelische (gesprochen von 360 000 Menschen) und die lasische (gesprochen von 50 000 Menschen) Sprache gehören (vgl. Abuladze 2006, S. 175 ff.).

Die kartwelischen Sprachen, die auch als südkaukasisch bezeichnet werden, weisen keine Ähnlichkeit mit benachbarten indoeuropäischen, semitischen, armenischen oder Turksprachen auf (vgl. Georgische Kultur o. J., o. S.) Sprache und Schrift). Da das Land vom Anfang des 19. Jahrhunderts an zum Großrussischen Reich gehörte, kennzeichnete man die Bewohner nicht selten einfach als ,,Russen“, obwohl diese doch ethnische mit den Georgiern in keiner Weise verwandt sind. Selbst die Sprache der Georgier wird fälschlicherweise in Sprachverwandtschaft mit der russischen gesehen, obwohl die russische Sprache im Gegensatz zur georgischen zu den indogermanischen Sprachen zählt (vgl. Chotiwari-Jünger 2002, S. 13).

Allerdings lassen sich als Folge der teilweise über Jahrhunderte währenden Zugehörigkeit Georgiens zu benachbarten Großreichen etliche Lehnwörter aus dem Persischen, Türkischen und Russischen feststellen.

Die geringsten Fremdeinflüsse weist das Swanische auf, das heute von ca. 40 000 Menschen im nordwestlichen Georgien gesprochen wird. Da sich die Siedlungs- gebiete der Swanen in entlegenen Hochgebirgsregionen des Großen Kaukasus be- finden, hatten die Menschen in ihrer Geschichte nur wenig Kontakt zu anderen Kulturen und Sprachen. Die geographische Abgeschiedenheit Swanetiens gilt auch als Grund für die sehr frühe Abspaltung des des Swanischen von den ande- ren kartwelischen Sprachen.

Um die Differenzierung der kartwelischen Sprachen zu datieren, haben Wissen- schaftler die so genannte lexikostatistische (glottochronologische) Methode in An- wendung gebracht. Durch glottochronologische Vergleichsstudien wurde ein Zeit- punkt um 2 000 v. Chr. ermittelt (vgl. Dsidsiguri 1973, S. 38), zu dem sich eine proto-kartwelische Ursprache in das Proto-Georgische und das Swanische, die die meisten Merkmale der Grundsprache enthalten, aufgeteilt habe. Die anderen drei kartwelischen Sprachen hätten sich demnach erst um 700 v. Chr. auseinanderent- wickelt (vgl. ebd., S. 34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Stammbaum der kartwelischen Sprachen: Dsidsguri: 1973, S. 34.

Während sich das Georgische seitdem als eigenständige Sprache herausgebildet hatte, nahmen die jetzt vornehmlich im Gebiet der heutigen Türkei gesprochene lasische und die mingrelische Sprache noch anderthalb Jahrtausende eine gemeinsame Entwicklung. Verantwortlich für die Auflösung des als sanisch bezeichneten lasisch-mingrelischen „Dialektkontinuums" (Schulze 2002, S. 869) ist die Islamisierung der Lasen, die sich zwischen 600 und 900 n. Chr. kulturell und sprachlich den Türken zuwandten (vgl. ebd.). Die heute rund 50 000 Sprecher des Lasischen, die bis auf wenige hundert Bewohner des Grenzdorfes Sarpi außerhalb Georgiens leben, nämlich im Nordwesten der Türkei, sind weitgehend bilingual und greifen als Umgangs- und Schriftsprache auf das Türkische zurück. Die Degradierung der mingrelischen und swanischen Sprache zu Dialekten wurde dadurch begünstigt, dass diese keine eigenen Schriftsprachen ausgebildet hatten. Die ländlichen Gebiete Mingreliens und Swanetiens waren bis zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht zu Sowjetzeiten nur durch eine orale Kultur geprägt. Li- terarische Texte und Lieder wurden mündlich überliefert und von Generation zu Generation weitergegeben. Da beide Gebiete zudem bereits Teil Georgiens bzw. eines georgischen Herrschaftsgebietes waren, bestand auch von Seiten der Herr- schenden keine Notwendigkeit für eine eigene schriftlich fixierte Verwaltungs- sprache (vgl. Schulze 2002, S. 851 ff.).

Das oben angeführte Schema zur Herausbildung und Entwicklung der einzelnen kartwelischen Sprachen und ethnischen Gruppen hat in der Forschung allgemeine Anerkennung gefunden. Es bestehen indessen unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Datierung der einzelnen Etappen der Herausbildung und Differenzierung der kartwelischen Sprachen und auch der ethnische Einheiten, d. h. der Träger dieser Sprachen.

3 Die Entstehung der georgischen Schrift

Für die Entstehung der georgischen Schrift gibt es im Wesentlichen zwei Szenari- en. Ein weltliches Szenario verbindet die Schaffung der georgischen Schrift mit dem Namen des georgischen Königs Parnavas I., der im 3. Jahrhundert v. Chr. die Unabhängigkeit von Armeniern und Pontiern erlangte, Ost-, Süd- und Westgeorgi- en zu einem Reich vereinte und damit den ersten selbstständigen georgischen Staat schuf (vgl. Tandaschwili o. J., o. S.). Ein Anhaltspunkt dafür stammt aus der aus dem 11. Jahrhundert stammenden „Chronik von Kartlis“ des bedeutenden ge- orgischen Historikers Leonti Mroweli, in der es heißt, dass Parnavas I. nach der Einigung des Landes die georgische Schrift eingeführt habe. Er verlegt die Entste- hung des georgischen Alphabets in die vorchristliche Zeit und sieht sie nicht als eine Folge der Christianisierung an (vgl. Dsidsiguri 1973, S. 44 ff.). Das geistliche Szenario geht davon aus, dass die georgische Schrift während der Christianisierung der Georgier eingeführt wurde. Dafür wird eine armenische Le- gende herangezogen, nach der das georgische Alphabet im 5. Jahrhundert von dem bekannten armenischen Theologen Mesrop Maschthot´s (360 - 440 n. Chr.) geschaffen wurde. Bei der Übersetzung der Bibel stieß er auf das Problem, dass die sprachlichen Besonderheiten des Armenischen und Georgischen nur unzurei- chend mit der griechischen Schrift vereinbar waren. Aus diesem Grund habe er sowohl für das Armenische wie für das Georgische ein eigenes Schriftsystem ent- wickelt (vgl. Haarmann 1994, S. 352).

Bei beiden Alphabeten stellt sich die Frage nach möglichen Vorbildern. Weitgehend folgen die beiden dem griechischen Vorbild. Vom griechischen Alphabet sind beispielsweise die Zerlegung der Sprache in kleine lautliche Einheiten, die Anordnung der Zeichen in einer festgelegten Reihenfolge und die horizontale Schreibrichtung von links nach rechts übernommen worden. Trotz dieser gewissen Anlehnung an das Griechische gibt es aber gravierende Unterschiede zwischen beiden Alphabeten. Völlig abweichend vom griechischen Alphabet ist die Form der armenischen und georgischen Zeichen. Die georgische kann ebenso wenig wie die armenische Schrift als Ableitung irgendeiner bestimmten Buchstabenschrift betrachtet werden, obwohl in der Zeichenform eine gewisse Anlehnung an die iranische Phelevi-Schrift erkennbar ist.

Die Meinungen über das Alter der georgischen Schrift gehen weit auseinander. Der Beginn der georgischen schriftlichen Überlieferung wird mit der Einführung des Christentums verknüpft, weil die ältesten Funde der georgischen Schrift aus der Zeit unmittelbar nach der Christianisierung Georgiens stammen: Die Reliefin- schrift der Basilika von Bolnissi Sioni (493 bzw. 503), ein Fragment einer Relie- finschrift aus Urbnissi (erste Hälfte 5. Jh.) und eine Mosaikinschrift im 433 erbau- ten Kloster Bi’r al-Kutt nahe Bethlehem datieren aus dem 5. Jahrhundert. Der zeitliche Abstand zur angeblichen Einführung der Schrift im Jahre 410 lässt sich damit erklären, dass die Schrift mit zunehmendem Gebrauch verfeinert wurde (vgl. ebd.).

3.1 Entwicklungsstufen der georgischen Schrift

Die Entwicklung der georgischen Schrift wird meistens in drei Phasen unterteilt: Zu der seit der Christianisierung Georgiens nachweisbaren Assomtawruli-Schrift treten im 9. und 11. Jahrhundert zwei weitere Schriftarten: die Nuschuri- und die Mchedruli-Schrift. In der Forschung ist es höchst umstritten, ob sich die unter- schiedlichen Schriften voneinander abhängig entwickelt haben oder ob sie unab- hängig voneinander entstanden sind. Während z. B. Harald Haarmann die Auffas- sung vertritt, dass sich die Mchedruli-Schrift ohne weiteres aus der ältesten Ent- wicklungsstufen der Chutsuri-Schrift ableiten lässt (eine Mischform aus Assomta- wruli und Nuschuri) (vgl. ebd.), glaubt Karl Faulmann, dass eine Ableitung schwer nachgewiesen werden könnte. Er hält es aber für möglich, dass beide Schriften auf einer gemeinsamen älteren Grundlage beruhen (vgl. Faulmann 1880, S. 498).

Der Name der Majuskelschrift Assomtawruli bezeichnet den quadratischen Cha- rakter der einzelnen Buchstaben. Die frühesten Formen, die hauptsächlich in In- schriften wiedergegeben sind, werden wegen ihrer rundlichen Form auch als Mrgwlowani bezeichnet. Seit dem 9. Jahrhundert wurde Assomtawruli jedoch im- mer mehr von der Kanzleischrift Nuschuri abgelöst, die beim Schreiben auf Per- gament mehr Klarheit und Deutlichkeit bietet. Für kirchliche Handschriften wurde häufig auf eine Mischform beider Buchstabenarten zurückgegriffen, die wegen ih- res Gebrauches in Kirchen und Klöstern als „Priesterschrift“ bezeichnet wird. Bei Chutsuri (vom georgischen Wort xuci-„ chutsi “ (Priester)) werden Großbuchsta- ben in Assomtawruli geschrieben, der Rest des Textes jedoch in Nuschuri (vgl. Lordkipanidze 1994, S. 33 ff.).

Neben diesen hauptsächlich im kirchlichen Bereich verwendeten Schriften ent- stand im 11. Jahrhundert eine weitere Schrift, deren Name Mchedruli, abgeleitet vom georgischen Wort „mchedari“ (Krieger), auf den weltlichen Gebrauch ver- weist. Im Gegensatz zur Chutsuri-Schrift unterscheidet die Mchedruli-Schrift nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung. Später, im 11. bis 12. Jahrhundert, erschien durch griechischen Einfluss der Buchstabe “ f ” in einigen Lehnwörtern (vgl. ebd., S. 34 und Berscheid-Kimeridze o. J., o. S.).

Hingegen setzten sich einzelne Anpassungen des georgischen Alphabets an die sprachliche Realität durch. Das gilt für die Einführung eines Zeichens für den Laut [v] durch den Katholikos von Kartli, Anton I., im 18. Jahrhundert ebenso wie für die Reformen des Schriftstellers Ilia Tsch’avtsch’avadze in den 1860er Jahren. Tsch’avtsch’avadze strich fünf Buchstaben (ჱ, ჲ, ჳ, ჴ, und ჵ) aus dem georgi- schen Alphabet, da die repräsentierten Laute in der sprachlichen Realität nicht verwendet wurden. Mit der Reform, die die Anzahl der Buchstaben von 38 auf 33 reduzierte, wurde die weitgehende Übereinstimmung von Aussprache und Schrei- bung im Georgischen wieder hergestellt.

4 Das moderne georgische Schriftsystem

Das georgische Schriftsystem gehört von den Schriftgattungen her zu der Buch- stabenschrift, die genau auf die phonematische Struktur des Georgischen zuge- schnitten ist (Zeichen = Sprachlaut [Phonem]) und zudem keinen Unterschied zwischen Majuskeln und Minuskeln kennt. Das moderne georgische Schriftsystem umfasst 33 Buchstaben, davon 28 Konsonanten und fünf Vokale. Manche Buch- staben enden oder beginnen weit oben oder unten im Liniensystem. Jedes Phonem wird durch je einen bestimmten georgischen Buchstaben dargestellt. Manche Buchstaben enden oder beginnen weit oben oder unten im Liniensystem (Bokhas- hvili, Marina: 2007, S. 30).

In der folgenden Tabelle werden georgische Buchstaben mit den entsprechenden deutschen Buchstaben dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Georgische als Schriftsprache. Entstehung und das moderne Schriftsystem
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V284748
ISBN (eBook)
9783668178601
ISBN (Buch)
9783668178618
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
georgische, schriftsprache, entstehung, schriftsystem
Arbeit zitieren
Nato Khomasuridze (Autor), 2013, Das Georgische als Schriftsprache. Entstehung und das moderne Schriftsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284748

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