Die Außenfinanzierung


Akademische Arbeit, 2010

43 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kreditfinanzierung
2.1. Überblick
2.2. Handelskredite
2.3. Kontokorrentkredit
2.4. Darlehen
2.5. Anleihen
2.6. Kreditprüfung
2.7. Kreditsicherheiten
2.7.1. Überblick
2.7.2. Bürgschaft
2.7.3. Schuldbeitritt, Garantie und Patronatserklärung
2.7.4. Sicherungszession
2.7.5. Eigentumsvorbehalt
2.7.6. Pfandrecht
2.7.7. Sicherungsübereignung
2.7.8. Grundpfandrechte

3. Beteiligungsfinanzierung
3.1. Allgemeines
3.2. Einzelunternehmen, Personengesellschaften und GmbH
3.3. Aktiengesellschaft

4. Leasing

5. Factoring

Lösungen zu den Übungsaufgaben

Literatur (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll ein Einblick in die unterschiedlichen Themenbereiche der Außenfinanzierung gegeben werden. Zur Vertiefung werden Übungsaufgaben mit Lösungen angeboten.

2. Kreditfinanzierung

2.1. Überblick

Kredite sind die bedeutsamste Form der Außenfinanzierung mit Fremdkapital für Unter­nehmen. Kreditfinanzierung erfolgt über Schuldverhältnisse. Der Kapitalgeber verlangt für die Überlassung einen Zins und i.d.R. Sicherheiten.[1]

Kredite lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden:

a) nach Laufzeit

- kurzfristig
- mittelfristig
- langfristig

b) nach Kreditgeber

- Bankkredit
- Handelskredit

c) nach Sicherheiten

- Personalkredit
- Realkredit

Nachfolgend sollen die wichtigsten Kreditarten betrachtet werden.

2.2. Handelskredite

Handelskredite sind Kredite, die nicht von Banken, sondern von Geschäftspartnern des Unternehmens im Rahmen der Leistungsbeziehung gewährt werden. Sie lassen sich in Lieferantenkredite und Kundenanzahlungen unterscheiden.

Ein Lieferantenkredit entsteht, wenn dem Kunden einer Waren- oder Materiallieferung ein Zahlungsziel eingeräumt wird. Dem Unternehmen fließt damit Kapital in Form des Wertes der Lieferung zu, der Zahlungsmittelabfluss erfolgt erst später. Da das Zahlungsziel meist recht kurz ist, gehören Lieferantenkredite zu den kurzfristigen Krediten. Ein Sonderfall des Lieferantenkredits ist der Wechselkredit.

Wird durch den Lieferanten auf Ziel geliefert, ohne dass Skonto gewährt wird, so handelt es sich um einen zinsfreien Kredit. Meist wird jedoch auch kurzfristige Zahlung unter Skonto­abzug angeboten. Ist dies der Fall, so liegt ein verzinslicher Kredit vor, wenn das Zahlungsziel ausgeschöpft wird.

Der Jahreszinssatz eines solchen Lieferantenkredites lässt sich näherungsweise nach folgender Formel berechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel: Zahlungsbedingung 3% Skonto bei Zahlung binnen 3 Tagen, sonst binnen 60 Tagen netto Kasse

Zinssatz bei Zahlung nach 60 Tagen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorteile:

- einfach, schnell und formlos
- keine Kreditprüfung

Nachteile:

- teuer
- Abhängigkeiten vom Lieferanten

Bei der Kundenanzahlung ist der Abnehmer Kreditgeber, da er i.d.R. einen Teil seiner Zahlung leistet, bevor er die Gegenleistung erhält. Kundenanzahlungen sind insbesondere bei Auftragsproduktion mit langer Fertigungsdauer, z.B. im Bauwesen, im Schiffsbau oder im Groß- und Spezialmaschinenbau, üblich.

Kundenanzahlungen können zinslose Kredite darstellen oder indirekt über einen Preisnachlass verzinst sein.

Beispiel: Für eine Anzahlung in Höhe von 200.000 € vom Gesamtpreis in Höhe von 800.000 € bei einer Lieferfrist von 180 Tagen bietet der Lieferant einen Preisnachlass von 1% des Gesamtpreises. Die Verzinsung berechnet sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Absicherung des Kunden als Kreditgeber erfolgt meist durch Bankbürgschaften oder -garantien.

Anzahlungen stellen für den Lieferanten zum einen eine Finanzierungshilfe und zum anderen eine Sicherheit bezüglich der Abnahme und Bezahlung dar.

2.3. Kontokorrentkredit

Beim Kontokorrentkredit (=Konto in laufender Rechnung) räumt ein Kreditinstitut dem Kreditnehmer das Recht ein, bis zu einer vereinbarten Kreditlinie über sein Konto zu verfügen. Beim Kontokorrent (geregelt in den §§ 355-357 HGB) werden Forderungen und Verbindlichkeiten laufend verrechnet und die Zinsen taggenau auf den Saldo berechnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kontokorrentkredit ist ein kurzfristiger Kredit, der vor allem der Sicherung der Liquidität und der Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe dient.

Vorteile:

- Sehr flexibel
- Verzinsung nur auf den in Anspruch genommenen Teil

Nachteil:

- relativ teuer

2.4. Darlehen

Durch den Darlehensvertrag (§§ 488 ff. BGB) verpflichtet sich der Darlehensgeber, eine bestimmte Geldsumme zu überlassen. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, die vereinbarten Zinsen zu zahlen und das Darlehen zurückzuzahlen. In der Regel dienen Darlehen der langfristigen Finanzierung.

Die Laufzeit des Darlehens kann fest bestimmt sein, dann ist das Darlehen laufend (Tilgungsdarlehen als Abzahlungs- oder Annuitätendarlehen ) oder bei Fälligkeit (Fälligkeits- oder Festdarlehen) zurückzuzahlen.

Ein unbe­fristetes Darlehen ist nach Kündigung fällig.

Bezüglich der Rückzahlungsmodalitäten lassen sich somit unterscheiden:

- Fälligkeits- oder Festdarlehen: Die Rückzahlung erfolgt erst bei Fälligkeit, laufend werden nur Zinsen gezahlt.
- Abzahlungsdarlehen: Die Rückzahlung erfolgt mit gleichbleibender Tilgung, die Zinsen sinken aufgrund des sinkenden Restkapitals. Damit sinken auch die Raten.
- Annuitätendarlehen: Die Rückzahlung erfolgt in gleichbleibenden Raten, die einen steigenden Tilgungs- und fallenden Zinsanteil enthalten. Die Berechnung der Rate (Annuität) erfolgt nach folgender Formel:

Annuität = Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel:

Ein Darlehen über 100.000 € wird über 5 Jahre bei 7,5% Zinsen und jährlicher nachschüssiger Zahlung gewährt. Damit ergeben sich folgende Zins- und Tilgungspläne:

Fälligkeitsdarlehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abzahlungsdarlehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Annuitätendarlehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verzinsung eines Darlehens kann unterschiedlich erfolgen. Bei einem Festzinsdarlehen ist der Nominalzinssatz über die gesamte Laufzeit oder einen vereinbarten Zeitraum festgeschrieben. Darlehen mit variablem Zins sind dadurch gekennzeichnet, dass der Zinssatz an die jeweiligen Marktzinsen angepasst wird.

Für den Vergleich von verschiedenen Zinsangeboten ist der Nominalzins ungeeignet. Zu diesem Zweck ist der Effektivzins die geeignetere Vergleichsgrundlage. Die Höhe des Effektivzinses hängt insbesondere vom Nominalzins, einem eventuellen Disagio (= Differenz zwischen Rückzahlungs- und Auszahlungsbetrag), eventuellen einmaligen Kreditkosten (z.B. Bearbeitungsgebühren), der Laufzeit und den Tilgungsmodalitäten ab. Näherungsweise[2] kann folgende Gleichung zur Berechnung des Effektivzinses verwendet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die mittlere Laufzeit ist bei endfälligen Darlehen gleich der Laufzeit (t). Bei einer Tilgung in gleichen Raten berechnet sich die mittlere Laufzeit zu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Vereinbarung von tilgungsfreien Jahren ist zu rechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel: Ein Unternehmen benötigt ein Darlehen über 100.000 €. Die Laufzeit des Darlehens beträgt 5 Jahre, der Nominalzinssatz 8%. Es wird ein Disagio von 5% vereinbart. Wie hoch ist der Effektivzins, wenn

a) das Darlehen am Ende der Laufzeit fällig ist?
b) das Darlehen in gleichen jährlichen Raten getilgt wird?
c) die Tilgung in gleichen jährlichen Raten nach 2 tilgungsfreien Jahren erfolgt?
d) das Darlehen am Ende der Laufzeit fällig ist und die Bank eine Bearbeitungsgebühr von 1.000 € erhebt?

a)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

c)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

d)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5. Anleihen

Anleihen sind langfristige Darlehen, die Unternehmen durch Ausgabe von Teilschuld­ver­schreibungen (§§ 793 ff. BGB) von einem breiten Publikum gewährt werden. Bei Teil­schuldverschreibungen wird der Gesamtbetrag der Anleihe wird in Teilbe­träge aufgeteilt, so dass eine große Zahl von Darlehensgebern in Betracht kommt.

Anleihen werden i.d.R. fest verzinst und nach Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Aus Sicht des Unternehmens entspricht dies einem Fälligkeitsdarlehen.

Eine Anleihe besteht aus dem Mantel, welcher die Forderung verbrieft, und dem Bogen mit Kupons, welche zur Geltendmachung der Erträge dienen.

Es lassen sich verschiedene Arten von Anleihen unterscheiden:

- Industrieobligationen: Anleihen, die fest verzinst sind und i.d.R. über Banken emittiert werden.
- Wandelanleihen: Sonderform der Industrieobligation, welche ein Umtauschrecht in Aktien beinhaltet.
- Optionsanleihe: Sonderform der Industrieobligation, welche einen Optionsschein beinhaltet, der zum Bezug von Aktien berechtigt.
- Gewinnschuldverschreibung: Anleihe, die eine gewinnabhängige Verzinsung beinhaltet.
- Nullkupon-Anleihe (Zero-Bond): Anleihe, die unter Nennwert erworben wird, dafür erfolgt keine Zinszahlung.
- Anleihen mit variabler Verzinsung (Floating Rate Notes): Anleihen, deren Verzinsung während der Laufzeit angepasst wird. Der Zinssatz wird i.d.R. an einen Referenzzins (z.B. LIBOR, EURIBOR) gebunden.
- Genussscheine: Papiere mit mehr oder weniger stark ausgeprägt gewinnabhängigen Verzinsung, meist mit Verlustzurechnung und Nachrangigkeit in der Insolvenz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.6. Kreditprüfung

Wird einem Unternehmen von einer Bank ein Kredit gewährt, so will die Bank ihr Ausfall­risiko minimieren. Dies erfolgt zum einen, indem vorab eine Kreditfähigkeits- und Kredit­würdigkeitsprüfung erfolgt. Weiterhin werden in aller Regel Kreditsicherheiten verlangt.

Der schematische Ablauf der Kreditfinanzierung ist folgender:[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kreditantrag stellt die Grundlage für die Kreditfähigkeits– und –würdig­keitsprüfung dar. Die Bank fragt, meist formularmäßig, die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse ab.

Die Prüfung der Kreditfähigkeit betrifft die Frage, ob der Kreditnehmer einen wirksamen Darlehensvertrag abschließen kann.

Im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung wird überprüft, wie hoch das Ausfallrisiko der Bank ist. Danach entscheidet sich, ob und zu welchen Konditionen der Kredit gewährt wird und welche Sicherheiten ggf. verlangt werden. Die Prüfung der Kreditwürdigkeit umfasst eine vergangenheits- und eine zukunftsorientierte Analyse.

Das Rating als Ergebnis der Kreditwürdigkeitsprüfung soll unter Berücksichtigung quantitativer und qualitativer Aspekte eine standardisierte Risikobewertung ermöglichen.

[...]


[1] vgl. dazu Kap. 4.1.7.

[2] Eine exakte Berechnung des Effektivzinses ist möglich, indem für die Gesamtzahlungsreihe der interne Zinsfuss ermittelt wird.

[3] In Anlehnung an Olfert/Reichel (2005), S. 266.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die Außenfinanzierung
Autoren
Jahr
2010
Seiten
43
Katalognummer
V284761
ISBN (eBook)
9783656843702
ISBN (Buch)
9783668138933
Dateigröße
1629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
außenfinanzierung
Arbeit zitieren
Dipl.-Kfm., LL.M. Lutz Völker (Autor)Jörg Herold (Autor)Uwe Lehmann (Autor), 2010, Die Außenfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284761

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