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Die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen - Freundschaft wider Willen?

Title: Die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen - Freundschaft wider Willen?

Term Paper , 2004 , 23 Pages , Grade: 1 (sehr gut)

Autor:in: Corinna Schulz (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Einleitung

Viele Umschreibungen wurden in den Jahren gewählt, um das Verhältnis der Volksrepublik Polen und der Deutschen Demokratischen Republik zu charakterisieren. Während die sozialistische Propaganda in Polen vom „Bruderstaat“1 sprach, propagierte Wilhelm Pieck „die unverbrüchliche Freundschaft zwischen dem deutschen Volke und dem neuen Polen.“2. Nach neuerem Kenntnisstand wird hingegen die von Ludwig Mehlhorn verwendete Losung der „Zwangsverordneten Freundschaft“, die schon parteiungebundene polnische Intellektuelle zu kommunistischen Zeiten nutzten, bevorzugt.3 Wie aber stellten sich die tatsächlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten dar? Die beiden Staaten, geprägt von dem unsäglichen Leid des Zweiten Weltkrieges, gehörten gemeinsam dem sozialistischen Lager an. Nach außen bekundete die Propaganda die gleichen, von der UdSSR vorgegebenen Ziele, nach innen prägten alte Vorbehalte das Verhältnis zueinander. Obwohl die DDR früh die Oder-Neiße-Grenze anerkannte, existierte auf polnische r Seite lange Zeit die Angst vor Verlusten ihrer neu hinzugewonnenen Gebiete im Westen. Hingegen zweifelte die SED-Führung spätestens seit 1956, nach dem „polnischen Oktober“, an der bedingungslosen Anlehnung Polens an die sozialistische Ideologie. Misstrauen und Vorurteile herrschten nicht nur in der politische n Führung vor, sondern spiegelten sich ebenfalls in der Bevölkerung wider. Die Menschen lebten mit der Erinnerung an die Schrecken des Krieges, sei es durch das zerstörte Land, in dem sie lebten, oder durch den Verlust ihrer alten Heimat. Ließ sich trotz dieser Widersprüchlichkeit eine Freundschaft aufbauen? Was steckte hinter der öffentlich bekundeten Interessengemeinschaft? Welche Problemfelder kreuzten im Verhältnis zueinander auf? War die Oder-Neiße-Grenze tatsächlich eine „Friedensgrenze“? Wie sah die Zusammenarbeit auf den unterschiedlichen Ebenen Politik, Gesellschaft und Opposition aus? Die vorliegende Hausarbeit untersucht diese Fragen. Dabei sollen durchgängig folgende Aspekte im Blickfeld behalten werden:

Inwieweit bestimmten und instrumentalisierten Vorurteile und Propaganda die Politik ? Wie veränderte sich die gegenseitige Wahrnehmung der Bevölkerung im Laufe der Zeit?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beziehung DDR-VRP in den Jahren 1949-1970 – Konflikte, Handlungsspielräume und Grenzen

2.1 Erste Schritte in der Verständigung - Die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“

2.2 Ära Gomulka / Ulbricht – Vom „Polnischen Oktober“ zur wirtschaftlicher Zusammenarbeit

3 Zwischen Freundschaft und Konflikt – Die bilateralen Beziehungen in den 1970er und 1980er Jahren

3.1 Der pass- und visafreie Reiseverkehr – Gesellschaftliche und politische Auswirkungen

3.2 Die Solidarnosc-Bewegung in Polen – Reaktionen in der DDR

3.3 Konflikte um die Pommersche Bucht 1985-1989

4 Opposition in der Volksrepublik Polen und der DDR – Kontakte und gegenseitige Wahrnehmung

5 Bilanz

6 Literaturverzeichnis

6.1 Quellen

6.2 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld der deutsch-polnischen Beziehungen zwischen 1949 und 1990, um zu klären, ob hinter der propagierten „Völkerfreundschaft“ tatsächlich eine gelebte Gemeinschaft stand oder ob das Verhältnis primär von Misstrauen, instrumentalisierten Vorurteilen und ideologischen Konflikten geprägt war.

  • Analyse der bilateralen politischen Beziehungen zwischen DDR und VRP
  • Einfluss von Ideologie, Propaganda und dem „großen Bruder“ UdSSR
  • Auswirkungen des pass- und visafreien Reiseverkehrs auf die Gesellschaft
  • Reaktionen der SED-Führung auf die Solidarnosc-Bewegung
  • Vergleich der oppositionellen Bestrebungen in beiden Staaten

Auszug aus dem Buch

3.1 Der pass- und visafreie Reiseverkehr – Gesellschaftliche und politische Auswirkungen

Ohne Zweifel stellte die Einführung des pass- und visafreien Reiseverkehrs eine der positivsten Einschnitte in der Beziehung der beiden sozialistischen Staaten dar. Im Januar 1972 wurde die Grenze im Rahmen der wirtschaftlichen Integration zwischen den Ostblockstaaten geöffnet. Eine riskante, propagandistisch motivierte Entscheidung, die einmalig zwischen zwei sozialistischen Ländern war und einen relativ freien Reiseverkehr, nur mit Hilfe des Personalausweises, ermöglichte. In dem Zeitraum 1972 bis 1980 besuchten schätzungsweise jährlich 6 Millionen Polen und 4 Millionen DDR-Bürger den Nachbarstaat.

Jede Seite verband mit der Grenzöffnung ihre eigenen pragmatischen Ziele. Die DDR öffnete das zugeschnürte Ventil und gestattete ein wenig „Reisefreiheit“, um die Orientierung der Menschen Richtung Osten zu lenken. Polen hingegen wollte seine angespannte wirtschaftliche Situation entlasten und den Bürgern die Möglichkeit einräumen, schwer erhältliche Waren in der DDR einzukaufen. Von 1972 bis 1975 kam es zur lebhaften Entwicklung des Personenverkehrs. Die Bevölkerung in den Grenzgebieten lernte sich näher kennen. Zahlreiche persönliche und gesellschaftliche Kontakte entwickelten sich zum festen Bestandteil des Lebens.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der deutsch-polnischen Beziehungen ein und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise.

2 Beziehung DDR-VRP in den Jahren 1949-1970 – Konflikte, Handlungsspielräume und Grenzen: Dieses Kapitel beleuchtet die frostigen Anfangsjahre, die von der historischen Last des Krieges, gegenseitigem Misstrauen und der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze geprägt waren.

2.1 Erste Schritte in der Verständigung - Die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“: Der Abschnitt analysiert den Görlitzer Vertrag von 1950 und die ideologisch begründete Akzeptanz der neuen Staatsgrenze durch die DDR-Führung.

2.2 Ära Gomulka / Ulbricht – Vom „Polnischen Oktober“ zur wirtschaftlicher Zusammenarbeit: Hier wird die Phase ab 1956 untersucht, die durch den „Polnischen Oktober“ und die schwierige persönliche sowie politische Dynamik zwischen den Parteiführern Gomulka und Ulbricht gekennzeichnet war.

3 Zwischen Freundschaft und Konflikt – Die bilateralen Beziehungen in den 1970er und 1980er Jahren: Das Kapitel behandelt den Wandel von der Öffnung der Grenze in den 1970er Jahren bis hin zur massiven Verschlechterung des Verhältnisses infolge der Krise der 1980er Jahre.

3.1 Der pass- und visafreie Reiseverkehr – Gesellschaftliche und politische Auswirkungen: Dieser Teil beschreibt die positiven Effekte und die pragmatischen Hintergründe des Grenzverkehrs zwischen 1972 und 1980.

3.2 Die Solidarnosc-Bewegung in Polen – Reaktionen in der DDR: Fokus liegt hier auf der Schockstarre der SED angesichts der unabhängigen Gewerkschaft und der daraus resultierenden propagandistischen Kampagnen sowie Grenzrestriktionen.

3.3 Konflikte um die Pommersche Bucht 1985-1989: Das Kapitel dokumentiert den Territorialgewässerstreit als Symptom für die Sprachlosigkeit und die zunehmenden Interessengegensätze am Ende der DDR.

4 Opposition in der Volksrepublik Polen und der DDR – Kontakte und gegenseitige Wahrnehmung: Hier werden die strukturellen Unterschiede zwischen den dissidenten Bewegungen in beiden Ländern und deren (begrenzte) Interaktion aufgezeigt.

5 Bilanz: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass die Beziehung primär auf staatlich verordneter Ideologie basierte und ein echter Dialog aufgrund tiefsitzender Vorurteile weitgehend ausblieb.

6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

DDR, Volksrepublik Polen, deutsch-polnische Beziehungen, Sozialismus, SED, Solidarnosc, Oder-Neiße-Grenze, Görlitzer Vertrag, Grenzverkehr, Propaganda, Opposition, Kalter Krieg, Staatssicherheit, Ideologie, Warschauer Pakt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das offiziell propagierte freundschaftliche Verhältnis zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen im Zeitraum von 1949 bis 1990 und hinterfragt, ob dieses Bild der Realität entsprach.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die staatliche Grenzpolitik, wirtschaftliche Kooperationen, den gesellschaftlichen Reiseverkehr, die Reaktion der SED auf polnische Reformbewegungen sowie die wechselseitige Wahrnehmung der Bevölkerung und Opposition.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Vorurteile und Propaganda die Politik beeinflussten und wie sich die gegenseitige Wahrnehmung zwischen den Gesellschaften im Laufe der Jahrzehnte veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-politische Analyse, die chronologisch vorgeht und auf einer Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten, Protokollen und zeitgenössischen Presseberichten basiert.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die Konflikte zwischen den Parteispitzen, die Phase des visafreien Reiseverkehrs, die Krise der 1980er Jahre sowie den Grenzstreit um die Pommersche Bucht.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?

Zentrale Begriffe sind „Zwangsverordnete Freundschaft“, „Oder-Neiße-Grenze“, „Solidarnosc“, „SED-Propaganda“ und die „Entfremdung“ der Gesellschaften.

Welche Rolle spielte die SED-Propaganda im Umgang mit der Solidarnosc-Bewegung?

Die SED instrumentalisierte den Begriff der „Konterrevolution“ und startete eine beispiellose Desinformationskampagne, um die DDR-Bevölkerung vor dem Einfluss der polnischen Reformbewegung zu schützen.

Wie bewertet die Autorin die Beziehung zwischen der DDR und Polen zum Ende der 1980er Jahre?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Beziehung faktisch an einem Punkt endete, an dem die offizielle Ideologie und Propaganda die Realität der Sprachlosigkeit und gegenseitigen Ressentiments nicht mehr überdecken konnten.

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Details

Title
Die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen - Freundschaft wider Willen?
College
University of Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Grade
1 (sehr gut)
Author
Corinna Schulz (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V28476
ISBN (eBook)
9783638302395
Language
German
Tags
Beziehungen Deutschen Demokratischen Republik Volksrepublik Polen Freundschaft Willen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Corinna Schulz (Author), 2004, Die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen - Freundschaft wider Willen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28476
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