Perspektivenübernahme bei Erstklässlern mit dem Buch "Steinsuppe" von Anais Vaugelade. Vorstellung und Analyse von Schülerdokumenten


Hausarbeit, 2014
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erläuterung der Forschungsfrage

3. Darstellung der Methode

4. Reflexion der Methode

5. Darstellung des Untersuchungsmaterials

6. Untersuchung und Ergebnisse
6.1 Vorgehen
6.2 Aufgabenstellung
6.3 Kategorienbildung
6.4 Analyse
6.4.1 A
6.4.2 F
6.4.3 B
6.5 Schlussfolgerungen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Begleitseminar zum Kernpraktikum 2 „Literarisches Lernen mit Kinder- und Bilderbüchern“ im WS 13/14 richtete sich an LehramtsstudentInnen im Masterstudiengang der Universität Hamburg, die sich für den Schwerpunkt „Fachdidaktisches Grundlagenstudium Deutsch“ (FDGS) entschieden haben. In diesem Rahmen wurden während des Semesters Aspekte des literarischen Lernens erarbeitet und daraus folgend eine Forschungsfrage für die anschließende Unterrichtsphase des Praktikums entwickelt, an der sich die Planung maßgeblich orientierte.

Zusammen mit meiner Tandempartnerin habe ich das Kernpraktikum 2 an der Grundschule X in zwei ersten Klasse absolviert, die jeweils aus 24 Schülerinnen und Schülern1 bestanden. Geplant und durchgeführt wurde eine vierstündige Unterrichtseinheit zum Buch „Die Steinsuppe“ von Anais Vaugelade. In der vorliegenden Arbeit soll die Intention der Forschung sichtbar gemacht und die dazu genutzten Methoden dargestellt und reflektiert werden. Anschließend soll eine Auswahl des durch die Durchführung gewonnenen Untersuchungs- materials geschehen sowie eine Auswertung und Interpretation dessen unter Berücksichtigung der Forschungsfrage.

2. Erläuterung der Forschungsfrage

Die Forschungsfrage bildet die Grundlage für die Unterrichtsplanung und bestimmt den Beobachtungsschwerpunkt sowie die Auswahl der Erhebungsmethode. Sie orientiert sich am Seminarthema und legt den Fokus der Materialauswertung damit auf die literarische Kompetenz. Kasper H. Spinner formuliert, dass „durch den Umgang mit literarischen Texten bestimmte Kompetenzen zu beschreiben sind, die im Unterricht gefördert werden können.“2 Diese unterscheiden sich in den Anforderungen an das Lesen und Verstehen von anderen Texten.3 Die besonderen Lernchancen, die sich durch die Auseinandersetzung mit Literatur ergeben, konkretisiert Spinner durch die elf Aspekte literarischen Lernens. Bei der Auseinandersetzung mit diesen erschienen uns besonders die Aspekte der Vorstellungsentwicklung sowie der Perspektivenübernahme für ein Unterrichtsvorhaben geeignet, da

Literarisches Lernen [ermöglicht] wird, […] wenn sich subjektive Involviertheit und genaue Textwahrnehmung miteinander verbinden. Das setzt voraus, dass […] nach Wegen der Textverstrickung gesucht wird, die […] Raum geben für individuelle Assoziationen, Emotionen und Projektionen der jungen Leserinnen und Leser und diese einbinden in den Prozess der literarischen Sinnentfaltung des Textes.4

In diesem Zusammenhang bot sich unserer Ansicht nach die Verbindung der genannten Bereiche mit dem literarischen Gespräch an. In diesem können Sinndeutungen entwickelt sowie Vorschläge der Gesprächspartner nachvollzogen werden.5 Somit wird auch an dieser Stelle der Perspektivenwechsel angeregt. Eine erste Fragestellung bezog sich also auf die Fähigkeit von Erstklässlern, sich in literarische Figuren hineinzuversetzen und das Gehörte oder Gelesene in diesen Prozess einzubeziehen.

Bei der Auswahl des Unterrichtsmaterials wurde im ersten Schritt die Lerngruppe betrachtet. Da die Kinder zur Zeit der Blockphase gerade das erste Schulhalbjahr beendet hatten, mussten die eher geringen Kenntnisse im Bereich Lesen und Schreiben in die Überlegungen einbezogen werden. Weiter wurde im Unterricht noch nicht mit literarischen Texten gearbeitet, weshalb wir von wenig Vorwissen ausgehen konnten.

Unter Einbeziehung dieser Überlegungen erschien uns das Buch „Die Steinsuppe“ von Anais Vaugelade als passend für das Unterrichtsvorhaben. Neben dem äußeren Rahmen wie einer großen Schrift, wenig Text und ansprechenden, aussagekräftigen Bildern, vermuteten wir aufgrund des inhaltlichen Rahmens ein großes Potential für die fokussierten Aspekte des literarischen Lernens.

Die konkrete Fragestellung lautete also: Inwiefern kann bei Erstklässlern durch die Arbeit mit dem Buch die Steinsuppe von Anais Vaugelade eine Perspektivenübernahme gelingen?

3. Darstellung der Methode

Im Zuge der durchgeführten Forschung wurden qualitative Methoden genutzt, die sich überwiegend auf sprachlich vermittelte Daten beziehen. „Qualitative Methoden eignen sich besonders für die detaillierte Beschreibung und Analyse subjektiver Phänomene und komplexer psychischer sowie sozialer Handlungszusammenhänge“.6 Neben der ethnologischen Feldforschung, diversen Interview- und Befragungsformen u.a. gehören auch die teilnehmende Beobachtung, das Gespräch, die Gruppendiskussion und die Analyse sprachlicher und bildhafter Daten zu den Grundformen dieser Erhebungsmethode. Das Ziel ist hierbei die Darstellung der Daten oder die Generierung von Hypothesen und damit die Theoriebildung.7

Bei der Planung der Unterrichtseinheit legten wir besonderen Wert darauf, den Schülern Raum für die Entstehung und die Formulierung eigener Gedanken und Sinndeutungen der ausgewählten Geschichte zu geben sowie individuelle Zugänge zum Lerngegenstand zu ermöglichen. Zu diesem Zweck haben wir verschiedene Unterrichtsformen und - Methoden in die durchgeführten Stunden eingeflochten, die den ebenfalls vielfältigen Erhebungsmethoden der qualitativen Forschung entsprechen und somit facettenreiche Ergebnisse erwarten ließen. Auf diese Weise entstanden Schülerprodukte in Text- und in Bildform. Weiter wurden Sprachaufzeichnungen der literarischen Gespräche und Diskussionen vorgenommen. Zusätzlich ergänzen eigene Beobachtungen das Material. Die szenische Interpretation in Form von Standbildern wurde außerdem durch Fotos dokumentiert.

An die Datenerhebung schließt sich die Auswertung an. Zu diesem Zwecke müssen die gewonnen Daten dokumentiert werden. Es bietet sich also an, Beobachtungen in Form eines Protokolls festzuhalten, während Tonaufnahmen transkribiert werden. Für die Arbeit mit diesem Textmaterial als auch mit den Schülertexten erschien eine Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse sinnvoll. Diese kann nach Mayring in drei Grundformen stattfinden: durch eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte, durch Explikation, also die Erläuterung wesentlicher Textstellen sowie durch eine Strukturierung. Diese Grundform fordert die Bildung von Kategorien aufgrund derer das Material, hier in Hinblick auf Perspektivenübernahme, eingeschätzt wird.8 In Zusammenhang mit dem Forschungsinteresse eignete sich besonders diese Methode der qualitativen Inhaltsanalyse, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

4. Reflexion der Methode

Als Antwort auf die Heterogenität von Lerngruppen wurde das Konzept der individuellen Förderung entwickelt. Ihr Ziel ist eine qualitative Verbesserung des Unterrichts.9 Damit einhergehend „wird die Verschiedenheit von Schülerinnen und Schülern einer Lerngruppe berücksichtigt, um allen Lernenden optimale Fortschritte zu ermöglichen.“10 Für die Praxis bedeutet dies neben der individuellen Betrachtung von Lernstand, Interesse, Persönlichkeit des Schülers etc. auch die Anpassung des Unterrichts an dieses Konzept. Dies geschieht unter anderem durch den Einsatz verschiedener Methoden, Aufgabenstellungen und Lernmaterialien.11

Die Schaffung vielfältiger Lernsituationen, um jedem Schüler einen Zugang zum Lerngegenstand zu ermöglichen, ist mit der beschriebenen Erhebungsmethode besonders gut zu vereinbaren. Beispielsweise konnten sich Schüler, die bislang nur geringe Kenntnisse im Lesen und Schreiben besaßen, mündlich, in Form von Bildern oder durch das szenische Spiel ausdrücken, während eher zurückhaltende Kinder die Möglichkeit des Bildes oder des schriftlichen Arbeitens nutzen konnten. Das Resultat einer darauf ausgelegten Unterrichtsplanung sind sehr verschiedene Schülerprodukte, die die Gedankengänge der Kinder dokumentieren und als ein wichtiger Teil des Untersuchungsmaterials zu betrachten sind.

Aus dem vielfältigen Materials kann weiterhin geschlossen werden, ob die angestrebten literarischen Kompetenzen zu beobachten sind und wenn ja, in welchem Umfang. Dabei können inhaltliche von formalen Problemen wie etwa bei der Verschriftlichung abgegrenzt werden. Dazu bedarf es jedoch der Auswertung der Daten. Hierbei erschien die Anlehnung an die bereits erwähnte Grundform der literarischen Textanalyse, nämlich die Arbeit mit Strukturierungen sinnvoll, da hierbei entsprechend des Prinzips des individuellen Lernens jedes Schülerprodukt einzeln betrachtet wird. Um dabei eine intensive Auseinandersetzung mit den Daten zu erreichen, sollte von einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse genommen werden. Ziel hierbei ist es nicht etwa einen umfassenden Überblick zu geben, sondern die Potentiale aufzuzeigen, die die Arbeit mit dem ausgewählten Material bietet. Jedoch ist kritisch zu betrachten, dass der gewählte Ansatz im Rahmen dieser Arbeit möglicherweise Grenzen für die Verallgemeinerbarkeit der getätigten Aussagen mit sich bringt. Zur Theoriebildung müsste sich an die Analyse einer größeren Datenmenge beispielsweise eine quantitative Auswertung anschließen. Um einen etwas umfassenderen Überblick über das Schülermaterial zu geben, konnte daher auf eine Zusammenfassung von Ergebnissen nicht vollständig verzichtet werden.

5. Darstellung des Untersuchungsmaterials

Die durchgeführte Untersuchung strebt die Beantwortung der Forschungsfrage „Inwiefern kann bei Erstklässlern durch die Arbeit mit dem Buch die Steinsuppe von Anais Vaugelade eine Perspektivenübernahme gelingen?“ an. Der Aspekt der Vorstellungsentwicklung soll im Folgenden vernachlässigt werden, da eine Auseinandersetzung mit mehreren Schwerpunkten den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde. Dies bringt bereits eine Einschränkung des Datenpools auf die aus den entsprechenden Aufgabenstellungen entstandenen Schülerprodukte mit sich. Da die Klasse sich als bereits sehr stark im Lesen und Schreiben herausstellte, konnten Schwierigkeiten bei der Verschriftlichung der Gedanken weitgehend ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund möchte ich mich im Folgenden auf in der Unterrichtseinheit entstandene Textdokumente fokussieren. Dabei sollen besonders positive Schülerprodukte vorgestellt und analysiert werden, die als Idealfälle zu betrachten sind. Um zu überprüfen, ob die getätigte erste Einschätzung zur Fähigkeit der Perspektivenübernahme eines Kindes realistisch ist, bietet es sich an, mehrere Produkte des ausgewählten Kindes zu analysieren. Um die ausgewählten Schülertexte in einen Kontext zu setzen sowie um einen größeren Einblick in die Ergebnisvielfalt der zu geben, sollen weitere Schülertexte vergleichend herangezogen werden.

6. Untersuchung und Ergebnisse

6.1 Vorgehen

Perspektivenübernahme beschreibt die

Fähigkeit, den Standpunkt einer anderen Person, der sich vom eigenen unterscheiden kann, bewusst einzunehmen, ohne den eigenen zu verlieren. […] Die Fähigkeit zur P. bei Wahrnehmungsinhalten […] entwickelt sich in der Regel im sechsten Lebensjahr; weniger komplexe Formen der P.- auch bezüglich Meinungen, Emotionen und Bedürfnissen - können aber auch schon bei 3- bis 4-jährigen Kindern beobachtet werden12.

Als Voraussetzung dafür wird die Dezentrierung genannt, die als „Fähigkeit, mehrere Aspekte eines Sachverhalts gleichzeitig im Denken zu berücksichtigen“13, beschrieben wird.

Um die Qualität der Schülertexte in Hinblick auf eine Perspektivenübernahme zu prüfen, möchte ich im Folgenden in Anlehnung an die Strukturierung nach dem von Mayring vorgeschlagenem Grobraster vorgehen.

Dieses besteht aus der Definition von Kategorien und der anschließenden Anführung sogenannter Ankerbeispiele. Im Falle, dass es Probleme bei der Abgrenzung zweier Kategorien gibt, müssen Regeln für eine eindeutige Zuordnung formuliert werden.14 Zuvor möchte ich jedoch die Aufgabenstellung vorstellen, aus der die im Folgenden dargestellten Schülerprodukte resultieren.

6.2 Aufgabenstellung

Von den meisten Schülern liegt ein Schülertext vor, der mit dem Sitznachbarn erstellt wurde sowie ein in Einzelarbeit verfasster Text, dessen jeweilige Aufgabenstellung eine Perspektivenübernahme forciert hat. Diese Dokumente beziehen sich auf die Unterrichtsstunden 1 und 3 der Unterrichtseinheit.

Aufgabenstellung 1 stand in Zusammenhang mit einer frühen Situation im Buch: Der Wolf erhält Eintritt in das Haus der Henne und fängt an, eine Steinsuppe zu kochen.

[...]


1 Folglich werde ich den Begriff Schüler stellvertretend für alle Geschlechter nutzen.

2 Spinner 2006, S. 7.

3 Spinner 2006, S. 6.

4 Gross 2006, S. 56.

5 Spinner 2006, S. 12.

6 TU-Berlin.

7 Ebd.

8 Vgl. Uni Köln.

9 Vgl. Bertelsmann Stiftung.

10 Bildungsserver Berlin / Brandenburg.

11 Ebd.

12 Portal Hogrefe.

13 Medienpsychologie.

14 Mayring 2003, S. 83.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Perspektivenübernahme bei Erstklässlern mit dem Buch "Steinsuppe" von Anais Vaugelade. Vorstellung und Analyse von Schülerdokumenten
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V284782
ISBN (eBook)
9783668276703
ISBN (Buch)
9783668276710
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perspektivenübernahme, erstklässlern, buch, steinsuppe, anais, vaugelade, vorstellung, analyse, schülerdokumenten
Arbeit zitieren
Jana Theilmann (Autor), 2014, Perspektivenübernahme bei Erstklässlern mit dem Buch "Steinsuppe" von Anais Vaugelade. Vorstellung und Analyse von Schülerdokumenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284782

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