Dieses Problem der Unsicherheit und asymmetrischen Informationsverteilung ist im Finanz- und Börsensektor schon lange bekannt. Dem kann man entgegenwirken, indem man die Unternehmen einem Rating unterzieht. Es versucht die Informationsdichte und -genauigkeit zu erhöhen. Die Vereinigung von Investment und Nachhaltigkeit gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Immer mehr private und institutionelle Investoren sehen hier eine Chance, Geld in Einklang mit ihren Moralvorstellungen und/oder sogar renditewirksam anzulegen. Hier entstand nun der Bedarf nach „neuen Ratingverfahren“, mit deren Hilfe Unternehmen – als Emittenten von Wertpapieren – gemäß nachhaltiger Kriterien analysiert und bewertet werden können. Diese neuen Ratingverfahren versuchen das Leitbild der Nachhaltigkeit, verkörpert durch eine Kriteriologie auf die Unternehmen anzuwenden und so zu einem Rating zu gelangen. Aufgabe dieser Arbeit ist es bestehende Ansätze von Nachhaltigkeits-Ratings darzustellen und sie bezüglich ihrer Nachhaltigkeits-Validität zu beurteilen. Neben dem Instrument des Ratings sollen auch Portfolios anhand sozialökologischer Kriterien – sog. Nachhaltigkeitsindices vorgestellt und begutachtet werden. Der Aufbau der Arbeit stellt sich folgendermaßen dar: Kapitel 2 führt in die grundlegenden Begriffe – Nachhaltigkeit und Rating ein. In anbetracht der vielen oft nicht klar voneinander abzugrenzenden Ausdrücke werden Begriffsdefinitionen gegeben, die semantische Missverständnisse verhindern sollen. Es wird der Frage nachgegangen inwiefern Nachhaltigkeit und Rating in einem Konzept integrierbar sind und worin die Legitimation dieser Integration liegt. Kapitel 3 befasst sich eingehend mit dem Konzept des nachhaltigkeitsorientierten Ratings. Es wird der prinzipielle Ablauf eines solchen Verfahrens aufgezeigt Kapitel 4 versucht die Funktionen und Wirkungen, die im besonderen mit einem Öko-Rating einhergehen, darzustellen. Im Kapitel 5 wird eine Bewertungssystematik für Öko-Ratings erstellt. Diese soll es ermöglichen eine Bewertung der unterschiedlichen Ratingansätze vorzunehmen. Kapitel 6 stellt die wichtigsten im deutschsprachigen Raum etablierten Ansätze dar und gibt ein kurzes Portrait der betreffenden Rating-Agenturen. Kapitel 7 unterzieht die unter Kapitel 6 vorgestellten Ansätze anhand der im 5. Kapitel entwickelten Systematik einer vergleichenden Bewertung. Kapitel 8 befasst sich mit den sog...
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ÖKO-RATING – EIN IN SICH WIDERSPRÜCHLICHER BEGRIFF?
2.1 Nachhaltigkeit als Leitbild der Ökonomie
2.2 Rolle der Unternehmen in einer nachhaltigen Gesellschaft
2.3 Rating
2.3.1 grundlegende Definition
2.3.2. Funktion des Ratings für den Emittenten
2.3.3. Funktion des Ratings für den Investor
2.4. Öko-Rating
3. ABLAUF EINES ÖKO-RATINGS
3.1. Initiierung des Öko-Ratings
3.2. Datengewinnung für die Bewertung des Unternehmens
3.3. Ausschlusskriterien
3.4. Determinanten einer Bewertung
3.4.1. Ziele und Kriterien
3.4.2. Präferenzen
3.4.3. Umweltzustände
3.4.4. Alternativenraum
3.4.5. Bewertungsmethoden
3.5. Distribution der Ergebnisse
4. FUNKTIONEN EINES ÖKO-RATINGS
4.1. Funktion aus Sicht der Investoren
4.1.1. Verbesserung der Informationsgrundlage
4.1.2. Erhöhung der Marktvisibilität
4.1.3. Erhöhung der Markttransparenz
4.1.4. Zusatznutzen für den Investor
4.2. Funktion aus Sicht der Emittenten
4.2.1. Senkung der Finanzierungskosten / Erweiterung des Anlegerspektrums
4.2.2. Disziplinierungseffekt und Kompetenzgewinn
4.2.3. Verbesserung des Shareholder-Value und Imagevorteile
5. DIE BEWERTUNGSSYSTEMATIK VON ÖKO-RATING-ANSÄTZEN
5.1. Delegationsproblematik
5.2. Methodik
5.3. Kosten
6. BESCHREIBUNG DER RATING-AGENTUREN UND IHRER ANSÄTZE
6.1.oekom research AG
6.2. imug – Institut für Markt - Umwelt – Gesellschaft
6.3. SAM-Group – Sustainable Asset Management-Group
6.4. Centre Info
7. VERGLEICHENDE BEWERTUNG DER ÖKO-RATING-ANSÄTZE
7.1. Nachhaltigkeitsverständnis
7.2. Delegationsproblematik
7.2.1.Treffsicherheit → Ziele
7.2.2. Treffsicherheit → Alternativen
7.2.3. Treffsicherheit → Umweltzustände
7.2.4. Treffsicherheit → Präferenzen
7.3. Agency-Problematik
7.3.1. Transparenz
7.3.2. Anreize
7.4. Methodik
7.4.1. Erhebungsmethodik
7.4.2. Erfasste Dimensionen der Nachhaltigkeit
7.4.3. Bewertungsmethodik
7.5. Kosten
7.6. Tabellarische Darstellung der Ergebnisse
8. PORTFOLIOS ANHAND SOZIAL-ÖKOLOGISCHER KRITERIEN -- NACHHALTIGKEITSINDICES
8.1. Der Dow Jones Sustainability Global Index – DJSGI
8.2. Der Naturaktienindex – NAI
9. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht neue Verfahren der Unternehmensbewertung durch umweltbezogene Ratings (Öko-Ratings). Das Hauptziel ist die Darstellung bestehender Rating-Ansätze und deren kritische Beurteilung hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeits-Validität sowie die Analyse der Rolle von Nachhaltigkeitsindices bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Kapitalanlagen.
- Grundlagen von Nachhaltigkeit und Rating sowie deren Integration.
- Ablauf, Funktionen und Bewertungssystematik von Öko-Ratings.
- Vergleichende Analyse führender Rating-Agenturen im deutschsprachigen Raum.
- Untersuchung der finanziellen Performance und Relevanz von Nachhaltigkeitsindices.
- Agency-Problematik und Treffsicherheit bei der Anwendung ethisch-ökologischer Kriterien.
Auszug aus dem Buch
2.4. Öko-Rating
Die wachsende Sensibilisierung vieler Menschen in bezug auf ethische Kriterien, seien sie nun ökonomischer, ökologischer oder soziokultureller Natur hat eine neue Dimension an Informationsbedürfnis entstehen lassen.
Die Grundidee der Berücksichtigung ethischer Prinzipien ist in Amerika schon seit dem 17. Jahrhunderts bekannt, wo damals Quäker-Familien keine Geschäfte im Rüstungs- oder Sklavenhandel tätigten. Die Vorstellung, dass Vermögen verpflichtet, greift immer weiter um sich. Zudem stehen die Fragen einer „zukunftsfähigen Gesellschaft“ vielen Menschen sehr nahe. Sich der Macht des Kapitalmarkts bewusst, versuchen sie, durch ein Investment in „ethische Finanztitel“ eine Präferenzverschiebung primär seitens der Unternehmen aber auch auf Seite der Gesellschaft in Richtung ethischer Werte zu bewirken.
Die neue Dimension des Informationsbedürfnisses ist auf dieser Ebene anzusiedeln. Die traditionellen Credit-Ratings der Finanzmärkte beziehen derartige Fragestellungen nicht in ihre Bewertung mit ein. Hier setzt das Konzept des Öko-Ratings an: „Die Form des Rating als Instrument der ethisch-ökologischen Unternehmensbewertung zielt darauf ab, anhand von vergleichbaren Messkriterien höhere Transparenz in die zugegeben schwierige Güteabwägung im ideellen Bereich zu bringen.[...]. Ethisch-ökologisches Rating ist die bewertende Klassifizierung eines Unternehmens hinsichtlich seiner ethischen Bonität. Dabei handelt es sich um eine qualitative differenzierende Wertung nach standardisierten Kriterien, die durch systematische Datenerhebung, Analyse, Auswertung und Aufbereitung von ethisch-ökologischen Unternehmensdaten vollzogen wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Führt in die Thematik der Nachhaltigkeit und die Problematik asymmetrischer Informationen bei Investitionsentscheidungen ein.
2. ÖKO-RATING – EIN IN SICH WIDERSPRÜCHLICHER BEGRIFF?: Definiert grundlegende Begriffe und hinterfragt die theoretische Rechtfertigung der Integration von Nachhaltigkeit und Rating.
3. ABLAUF EINES ÖKO-RATINGS: Erläutert die praktischen Schritte der Datengewinnung, Ausschlusskriterien und Determinanten einer Bewertung.
4. FUNKTIONEN EINES ÖKO-RATINGS: Analysiert den Nutzen aus der Perspektive von Investoren, Emittenten und dem Gesamtsystem.
5. DIE BEWERTUNGSSYSTEMATIK VON ÖKO-RATING-ANSÄTZEN: Entwickelt eine Systematik zur vergleichenden Analyse von Rating-Ansätzen basierend auf Delegations- und Agency-Problematiken.
6. BESCHREIBUNG DER RATING-AGENTUREN UND IHRER ANSÄTZE: Porträtiert die führenden Agenturen oekom research AG, imug, SAM-Group und Centre Info.
7. VERGLEICHENDE BEWERTUNG DER ÖKO-RATING-ANSÄTZE: Unterzieht die zuvor beschriebenen Ansätze einer kritischen und vergleichenden Prüfung anhand der erarbeiteten Kriterien.
8. PORTFOLIOS ANHAND SOZIAL-ÖKOLOGISCHER KRITERIEN -- NACHHALTIGKEITSINDICES: Untersucht die Relevanz und Performance von Nachhaltigkeitsindices wie DJSGI und NAI als Benchmarks.
9. FAZIT: Fasst die Entwicklung der Rating-Ansätze zusammen und betont die wachsende Bedeutung ethischer Aspekte auf dem Finanzmarkt.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Öko-Rating, Unternehmensbewertung, Nachhaltigkeitsindices, Corporate Social Responsibility, Informationsasymmetrie, Finanzmarkt, Nachhaltigkeitsvalidität, Agency-Theorie, Nutzwertanalyse, Ethisches Investment, Stakeholder-Ansatz, Transparenz, Best of Class-Rating, Environmental Rating.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen anhand von Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden können und welche Rolle dabei sogenannte Öko-Ratings und Nachhaltigkeitsindices spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder sind die Definition von Nachhaltigkeit, die Funktionsweise von Öko-Ratings, die Analyse verschiedener Rating-Agenturen sowie die Bedeutung von Nachhaltigkeitsindices für die Kapitalanlage.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Beurteilung bestehender Nachhaltigkeits-Ratings sowie die Bewertung ihrer Validität und ihres Nutzens für Investoren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie nutzt eine vergleichende Analyse sowie eine Bewertungssystematik, die auf entscheidungstheoretischen Ansätzen basiert, um die Qualität der Rating-Methoden zu messen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Vorgehensweise bei Öko-Ratings, der Beschreibung der Agenturen (oekom, imug, SAM, Centre Info) und der Untersuchung von Indizes wie dem DJSGI und NAI.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Nachhaltigkeit, Öko-Rating, Unternehmensbewertung, ESG-Kriterien, Markttransparenz und ethisches Investment.
Wie bewertet die Arbeit die "Starke" versus "Schwache" Nachhaltigkeit?
Die Arbeit differenziert Nachhaltigkeit in drei Ausprägungen (schwach, ausgewogen, stark) basierend auf der Substituierbarkeit von Naturkapital und diskutiert die Konsequenzen für die Bewertungsansätze.
Welche Bedeutung haben die "K.O.-Kriterien" in der Bewertung?
K.O.-Kriterien wie Rüstungsproduktion oder Kinderarbeit dienen als Ausschlusskriterien, die bereits vor der eigentlichen Bewertung zu einem Ausschluss eines Unternehmens aus einem Rating-Universum führen.
- Quote paper
- Tim Hedfeld (Author), 2003, Neue Ansätze zur Unternehmensbewertung durch umweltbezogene Ratings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28479