Die Unterrichtsreihe „Literarischer Umgang mit Erfahrungen der Nachkriegszeit – Wolfgang Koeppens Tauben im Gras“ entspricht zunächst einmal der in den Richtlinien und Lehrplänen vorgeschlagenen Sequenzbildung zum Thema „Entfremdungserfahrung im modernen Roman.“ Im 1. Halbjahr der Jahrgangsstufe 13 soll die Zeit um 1945 näher in den Blick genommen werden und, damit zusammenhängend, ein Beispiel der Gegenwartsliteratur behandelt werden, das eine Auflösung der traditionellen Erzählmuster aufweist, sowie die Brüchigkeit der Selbst- und Fremdwahrnehmung thematisiert. In den „Vorgaben zu den unterrichtlichen Voraussetzungen für die schriftlichen Prüfungen im Abitur in der gymnasialen Oberstufe im Jahr 2013“ ist daher Wolfgang Koeppens Roman Tauben im Gras (1951) als verpflichtende Lektüre aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis der Unterrichtseinheit
1. Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe
2. Angestrebte Lernziele/ Kompetenzbeiträge
3. Zentrale didaktisch-methodische Begründungen
4. Literatur
5. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsstunde zielt darauf ab, durch die Erstellung und Präsentation von Rollenbiographien ein vertieftes Verständnis für den Figurenkreis der gescheiterten Intellektuellen in Wolfgang Koeppens Roman „Tauben im Gras“ zu entwickeln und deren Abgrenzung zum Figurenkreis der Gegenspieler zu erarbeiten.
- Analyse der Charaktereigenschaften und Lebensumstände zentraler Romanfiguren.
- Anwendung der Methode der Rollenbiographie als handlungs- und produktionsorientierter Ansatz.
- Erforschung der Merkmale des „gescheiterten Intellektuellen“ im Kontext der Nachkriegszeit.
- Schulung der Perspektivübernahme und präsentativen Kompetenzen durch rollenbasiertes Vortragen.
- Reflexion des Erkenntnisgewinns durch die gewählte methodische Vorgehensweise.
Auszug aus dem Buch
Die Welt der Figuren
Hier wäre zunächst die Figur des Phillip zu nennen. Philipp ist eigentlich ein Schriftsteller, der derzeit aber unter einer Schreibblockade leidet. Mögliche Gründe für seine Schreibblockade könnten die unbewältigte Vergangenheit, die trostlose Gegenwart und die perspektivlose Zukunft sein. Die Neigung, sich durch Flucht einer Situation zu entziehen, die verantwortliches und entschiedenes Handeln erfordert, ist ein wesentliches Merkmal seines Charakters.
Emilia, Philipps Ehefrau, ursprünglich vom guten Stande, hat während des Krieges ihr gesamtes Erbe verloren. Um aus dieser Realität zu fliehen, verliert sie sich regelmäßig in Alkoholexzessen. Außerdem wirft sie Philipp vor, nicht genügend Geld zu verdienen, um ihr ein angemessenes Leben zu ermöglichen.
Das erfolgreiche Gegenstück zu Philipp stellt der aus den USA stammende, aber sich dem europäischen Abendland zugehörig fühlende Schriftsteller Edwin dar. In den Abendstunden hält Edwin einen Vortrag über die Unvergänglichkeit des europäischen Geistes, obwohl er eigentlich weiß, dass er keine Botschaft für die vom Krieg traumatisierten Menschen hat.
Ein weiteres Mitglied der Gruppe der Intellektuellen ist Alexander. Dieser kann als egozentrischer Schauspieler bezeichnet werden, der sehr erfolgreich in der Rolle als österreichischer Erzherzog ist, als Familienvater jedoch gänzlich versagt. Des Weiteren steht sein Ruhm als Schauspieler in einem engen Kontrast zu seinem wahren Naturell, das eher müde und abgekämpft ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe: Dieses Kapitel verortet die behandelte Stunde innerhalb einer 21-stündigen Sequenz zur Lektüre und Analyse des Romans im gymnasialen Deutschunterricht.
2. Angestrebte Lernziele/ Kompetenzbeiträge: Hier werden die spezifischen Lernziele der Stunde definiert, die sich auf das Erkennen von Figurenkonstellationen und die Anwendung kreativer Analysemethoden konzentrieren.
3. Zentrale didaktisch-methodische Begründungen: Dieser Abschnitt begründet die Auswahl des Romans und der Unterrichtsmethodik durch Bezugnahme auf offizielle Lehrpläne und fachdidaktische Konzepte des produktionsorientierten Literaturunterrichts.
4. Literatur: Diese Sektion listet die im Entwurf verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
5. Anhang: Dieser Teil enthält ergänzende Materialien wie den Verlaufsplan, Aufgabenblätter und Vorbereitungsunterlagen für die Lehrkraft.
Schlüsselwörter
Wolfgang Koeppen, Tauben im Gras, Nachkriegsliteratur, Rollenbiographie, Intellektuelle, Figurenkonstellation, Literaturunterricht, Schreibblockade, Gegenwartsliteratur, Identitätskrise, handlungsorientiert, Interpretation, multiperspektivisches Erzählen, Unterrichtsentwurf, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit primär?
Die Arbeit fokussiert sich auf die didaktische Aufbereitung von Wolfgang Koeppens Roman „Tauben im Gras“ im Deutschunterricht der Oberstufe, insbesondere auf die Charakterisierung der Figuren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entfremdungserfahrungen der Nachkriegszeit, die Komplexität des Romans und die Kategorisierung der Romanfiguren in zwei distinkte Kreise.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die Schüler sollen erkennen, dass sich bestimmte Charaktere als „gescheiterte Intellektuelle“ identifizieren lassen und sich in ihrer Wesensart von der Gruppe der Gegenspieler unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Konzept des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts genutzt, konkret in Form der Erstellung und Präsentation von Rollenbiographien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Charakteristika der Figuren Philipp, Emilia, Edwin, Alexander und Messalina sowie die methodische Umsetzung der Arbeit in Expertengruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Nachkriegszeit, Intellektuelle, Identitätskrise, Multiperspektivität und handlungsorientierte Literaturdidaktik.
Warum ist die Rollenbiographie als Methode gewählt worden?
Die Methode soll den Schülern helfen, durch Perspektivübernahme eine intensivere, lebendige Vorstellung der literarischen Figuren zu entwickeln und diese besser zu verstehen.
Welchen Stellenwert nimmt die häusliche Vorbereitung ein?
Die Vorbereitung ist essenziell, da sie Zeit im Unterricht spart und die Schüler befähigt, sich in der Erarbeitungsphase auf die Auswertung und Synthese der Ergebnisse zu konzentrieren.
- Arbeit zitieren
- I. Meyer (Autor:in), 2013, Literarischer Umgang mit Erfahrungen der Nachkriegszeit. Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284862