Der Einfluss der öffentlichen Haushalte auf die konjunkturelle Entwicklung. Automatische Stabilisatoren und Budgetsaldo bei Steuern


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Rolle des Staates in einer Volkswirtschaft

2. Der Staat im Gütermarktmodell

3. Politische Stabilisatoren im Rahmen des Gütermarktmodells
3.1. Multiplikatoranalyse

4. Automatische Stabilisierung im Modell mit einkommensabhängigen Steuern

5. Budgetsaldo

6. Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Die Rolle des Staates in einer Volkswirtschaft

Der öffentliche Haushalt bildet neben den privaten Haushalten und den Unternehmen eine Einheit der Wirtschaftssubjekte innerhalb eines Wirtschaftsgebietes. Zum öffentlichen Haushalt gehören zum einen die Gebietskörperschaften - Bund, Länder und Gemeinden -, zum anderen die Sozialversicherungen. Der Staat erbringt für eine Volkswirtschaft zahlreiche Leistungen, unter anderem sind die Rechtsprechung, das Bildungswesen und die Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen zu erwähnen. (Richard et al., 2005, S.380)

Da keine Marktwirtschaft ohne Probleme, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit oder Umweltverschmutzung, funktioniert, hält sich auch kein Staat weltweit ganz und gar aus der Wirtschaft heraus. Manche Wirtschaftsbereiche sind gänzlich in staatlicher Hand, andere werden subventioniert und wieder andere werden reguliert. (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.59)

In einer Volkswirtschaft hat der Staat im Grunde drei wesentliche Aufgaben. Er versucht Marktmängel, wie zum Beispiel Monopolbildung, zu korrigieren und somit die Effizienz zu steigern. Außerdem fördert er die soziale Gerechtigkeit, beispielsweise durch Programme zur Umverteilung von Einkommen. Aber er nutzt auch die Fiskal- und Geldpolitik um die Konjunktur anzukurbeln, Stabilität zu gewährleisten und Inflation sowie Arbeitslosigkeit einzudämmen. (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.59)

Im Rahmen seiner Fiskalpolitik hat ein Staat durch den Einsatz finanzpolitischer Mittel, wie Steuerneinnahmen oder Investitionsausgaben, die Möglichkeit das wirtschaftliche Wachstum zu stabilisieren und zu fördern. Weiterhin kann ein Staat das Wirtschaftswachstum stimulieren indem er das Budgetdefizit verringert. (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.64)

Wie bereits erwähnt, beeinflusst der Staat den Wirtschaftskreislauf einer Volkswirtschaft. Als Einnahmequelle fungieren die Steuerzahlungen von privaten Haushalten und Unternehmen, sowie deren Gebühren- und Beitragszahlungen. Dazu zählen zum Beispiel die Gebühr für die Ausstellung eines Passes oder Sozialversicherungsbeiträge. Außerdem werden staatliche Investitionen teilweise durch Kreditaufnahmen finanziert. Im Gegenzug dazu zahlt der Staat aber auch Gehälter und soziale Leistungen an private Haushalte, vergibt Aufträge an Unternehmen oder subventioniert diese. Die folgende Darstellung soll dies verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die nachfolgenden Ausarbeitungen sind primär die Wirtschaftssubjekte „Staat“ und „private Haushalte“ von Interesse.

2. Der Staat im Gütermarktmodell

Gütermärkte „sind die Märkte für alle Waren und Dienstleistungen, die von den Unternehmen produziert werden.“ (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.87) Im Folgenden soll erklärt werden wie der Staat in den Gütermarkt - auf dem sich immer Güterangebot und Güternachfrage gegenüber stehen - eingreift.

Die wirtschaftliche Tätigkeit des Staates im Gütermarktmodell drückt sich aus durch die Nachfrage von Gütern, die Erhebung von Steuern und die Zahlung von Transferleistungen und Subventionen. Damit beeinflusst der Staat nicht nur den Gütermarkt, sondern auch das verfügbare Einkommen von privaten Haushalten und Unternehmen. Der Staat hat durch den Kauf von Gütern und Dienstleistungen einen direkten, durch die Erhebung von Steuern und die Zahlung von Transferleistungen einen indirekten Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Es wird davon ausgegangen, dass der Staat selbst nicht auf der Angebotsseite des Gütermarkts auftritt, sondern nur die von Unternehmen produzierten Güter für den öffentlichen Zweck nachfragt. (Wohltmann, 2005, S.105)

Der Staat erzielt sein Einkommen darüber, dass er Steuern und Sozialversicherungsbeiträge erhebt. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte bestehen, neben den staatlichen Investitionen, aus Subventionen für Unternehmen und Transferleistungen für private Haushalte. Im Gütermarktmodell werden die Steuerleistungen der privaten Haushalte mit dem Transfereinkommen, das als negative Steuern aufgefasst wird, verrechnet und mit T (Steuern) bezeichnet. (Wohltmann, 2005, S.105)

Wird im Gütermarktmodell die staatliche Aktivität – Pauschalsteuern T und Staatsausgaben G– berücksichtigt, so ändert sich sowohl die Konsumfunktion, als auch die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage.

Wenn man den Auslandseinfluss unberücksichtigt lässt, wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bestimmt durch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das verfügbare Einkommen verringert sich um die Steuern, die mit den Transferleistungen verrechnet wurden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Konsumfunktion wird in Abhängigkeit vom verfügbaren Einkommen formuliert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch einsetzen und umformen ergibt sich die Formel für das Nationaleinkommen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe dieser Formel wird der Nachfragezusammenhang beschrieben. Damit ist gemeint, dass Einkommen wieder ausgegeben wird und somit zur Nachfrage wird. Die folgende Grafik soll diesen Zusammenhang mit Hilfe der deflationären Lücke veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die deflationäre Lücke (in Höhe von AB) ergibt sich, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage unter dem bei Vollbeschäftigung YVb möglichen Einkommen liegt – zum Beispiel beim Unterbeschäftigungseinkommen Yub. Das heißt, dass die Gesamtnachfrage in der Höhe der deflationären Lücke zu niedrig ist. Diese Lücke soll durch gezielte politische Maßnahmen geschlossen werden. Einige Möglichkeiten werden im Folgenden erklärt.

3. Politische Stabilisatoren im Rahmen des Gütermarktmodells

Oft reichen die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht aus um seine Stabilität wieder herzustellen. Als bei weitem größte wirtschaftliche Einheit der Volkswirtschaft hat der Staat deshalb die Möglichkeit in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen. In Deutschland ist dieses Vorgehen durch das Stabilitätsgesetz gesetzlich geregelt. „In §1 heißt es: Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten.“ (Bofinger, 2007, S.380)

Zu den Instrumenten staatlicher Wirtschaftspolitik gehören Steuern, öffentliche Ausgaben, und Transferzahlungen. Steuern senken das Privateinkommen und somit auch die Privatausgaben, aber sie bilden eine Grundlage für öffentliche Ausgaben. Öffentliche Ausgaben wiederum regen Unternehmen an Güter oder Dienstleitungen zu erzeugen. Und Transferzahlungen verschaffen Bürgern ein (höheres) Einkommen und sorgen somit für höhere Privatausgaben. (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.523)

Wenn man von einer antizyklischen Fiskalpolitik ausgeht, reduziert der Staat während eines wirtschaftlichen Aufschwungs seine Investitionen, erhöht Steuerforderungen oder setzt steuerliche Vorteile aus. Die dadurch einbehaltenen Gelder sollen der Konjunkturausgleichsrücklage bei der Bundesbank zugeführt werden oder genutzt werden um Schulden abzubauen. Zum Beispiel hat die Bundesregierung die Möglichkeit degressive Abschreibungen und Sonderabschreibungen für maximal ein Jahr auszusetzen und so die Nachfrage auf dem Investitionsgütermarkt zu senken. (Richard et al., 2005, S.428)

Um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage während einer Rezession zu stärken, erweitert der Staat seine Investitionen zum Beispiel durch den Einsatz von Mitteln aus der Konjunkturausgleichsrücklage oder durch zusätzliche Kreditaufnahmen. Außerdem können Steuern zeitweilig gesenkt werden. (Richard et al., 2005, S.428)

Eine antizyklische Fiskalpolitik ist während Rezessionsphasen bedeutend leichter durchzuführen, da sich niemand beschwert wenn beispielsweise eine neue Turnhalle gebaut wird, oder die Steuern gesenkt werden. Aber während eines Aufschwungs ist es schwieriger die restriktiven, politischen Maßnahmen durchzusetzen, da dann zum Beispiel Baumaßnahmen verschoben, Steuern erhöht, oder Angestellte im öffentlichen Dienst entlassen werden müssen.

3.1. Multiplikatoranalyse

Das Gütermarktmodell unterstellt, dass das Angebot, aufgrund von nicht ausgelasteten Ressourcen, elastisch auf Nachfrageerhöhungen oder -reduzierungen reagiert. Außerdem geht man bei der Anwendung der Multiplikatoranalyse ausschließlich von Pauschalsteuern aus. Sie sind unabhängig vom Einkommen und bleiben somit grundsätzlich gleich.

Nach dem Multiplikatormodell steigt bei einer Erhöhung der Staatsausgaben das Einkommen nicht um den Wert der zusätzlichen Staatsausgaben, sondern um den Wert der Erhöhung der Staatsausgaben mal dem StaatsausgabenmultiplikatorAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Die Staatsausgaben sind daher in der Lage, das Produktionsvolumen im Verlauf der Konjunkturzyklen zu stabilisieren oder zu destabilisieren. Sinken die Staatsausgaben, während Steuern und sonstige Einflussfaktoren konstant gehalten werden, sinkt das Einkommen im Ausmaß der Veränderung der Staatsausgaben, multipliziert mit dem Staatsausgabenmultiplikator. (Samuelson & Nordhaus, 1998, S.541/542)

Werden die Transferleistungen erhöht, steigt das gesamtwirtschaftliche Einkommen dadurch, dass das erhöhte verfügbare Einkommen der privaten Haushalte die Konsumausgaben steigert. In diesem Fall haben die erhöhten staatlichen Transferausgaben also einen indirekten Effekt auf die Nachfrageerhöhung. Deshalb ist eine direkte Erhöhung staatlicher Ausgaben auch effektiver als die Erhöhung von Transferausgaben. Nach dem Multiplikatormodell steigt bei einer Erhöhung der Transferleistungen das gesamtwirtschaftliche Einkommen um den Wert der Erhöhung der Transferleistungen mal dem TransferausgabenmultiplikatorAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. (Zameck, 1996, S.129)

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der öffentlichen Haushalte auf die konjunkturelle Entwicklung. Automatische Stabilisatoren und Budgetsaldo bei Steuern
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
Makroökonomie
Note
1,3
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V284870
ISBN (eBook)
9783656850946
ISBN (Buch)
9783656850953
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konjunktur, öffentlicher Haushalt, Stabilisatoren, Budgetsaldo, Steuern
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Der Einfluss der öffentlichen Haushalte auf die konjunkturelle Entwicklung. Automatische Stabilisatoren und Budgetsaldo bei Steuern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284870

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