Die Anfertigung einer totalen Prothese ist immer eine schwierige Sache und bis zur passgenauen Eingliederung eine zeitraubende Aufgabe. Totale Prothese werden im Volksmund nicht selten Schlappen, Scherpen oder Latschen genannt. Dabei kann es nicht im Sinne des Patienten sein schlechtsitzende Prothesen zu akzeptieren. Es handelt sich bei Totalprothesen vielmehr um hochwertigen Ersatz für verloren gegangene Werkzeuge zur Verkleinerung von Speisen in verdauungsgerechte Einheiten. Gleichzeitig müssen die kaudynamischen Gewohnheiten des Patienten berücksichtigt werden. Im Zusammenhang mit der Ästhetik im Frontzahngebiet, das heißt mit der passenden Form- und Farbstellungswahl der sichtbaren Zähne, sowie der entsprechenden Modellation des künstlich zu ersetzenden Zahnfleisch erhalten wir den natürlich nachgebildeten Ersatz, der ein Bestandteil des zahnlosen Menschen werden soll. Leider ist nach kassenzahnärztlichen Verordnungen und trotz Zuzahlungen der Kassen, die Ausführung des totalen Zahnersatzes nur spartanisch standardgerecht möglich, da die Zuzahlung der Kassen bei der totalen Prothese nur einen geringen Prozentsatz der eigentlich benötigten finanziellen Mittel abgedeckt.
Im Rahmen dieses Artikels wird die prothetische Versorgung eines 72 jährigen Mannes dokumentiert. Bei Beginn der Behandlung war der Patient mit einer nicht sehr gut passenden Prothese im Ober- und Unterkiefer versorgt. Er klagte über zu lange Frontzähne und über das länger werden der Zähne beim Sprechen. Dieser Umstand war für ihn unerträglich. Tatsächlich waren die Frontzähne zu lang und standen zu weit vestibulär. Die Frontzahnästhetik entsprach dem üblichen Erscheinungsbild einer totalen Prothese, wobei Aufstellung, Modellation und Politur sauber ausgeführt waren...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte
2. Fallbeschreibung
3. Die Situationsabformung im Ober- und Unterkiefer
4. Die Funktionslöffel
4.1 Die Zusammensetzung des Löffelmaterials
5. Die Funktionsabformung
6. Die Funktionsrandmodelle
7. Die Bissnahme
8. Die Seitenzahngarnituren
9. Die Artikulation
10. Die Wachseinprobe
11. Das Einbetten der Prothesen
12. Die Fertiggestellten Prothesen
13. Die Okklusionskontrolle
14. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dokumentiert praxisnah den Prozess der Herstellung einer totalen Prothese bei einem 72-jährigen Patienten unter den spezifischen Anforderungen der gesetzlichen Kassenrichtlinien und beleuchtet dabei kritisch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Zahntechniker.
- Dokumentation einer prothetischen Patientenversorgung
- Methodik der Abformung und Modellanalyse
- Technische Schritte von der Bissnahme bis zur Fertigstellung
- Ästhetische und funktionelle Gestaltungskriterien
- Wirtschaftliche Analyse der Kassenleistungen in der Kunststoffprothetik
Auszug aus dem Buch
Die Funktionsrandmodelle
Die vorhandenen Funktionsrandmodelle werden einer genauen Modellanalyse unterzogen. Die Modellanalyse dient der Beurteilung der Kieferbögen, Kieferform sowie der Begutachtung der intra-alveolaren Beziehung in transversaler, sagittaler Richtung. Ein stabiles Prothesenlager ergibt sich im Oberkiefer überall unterhalb des innersten und tiefsten Punktes der Umschlagfalte. Im Unterkiefer ist die innere Begrenzungslinie, die Linea mylohyoidea und im äußeren Bereich Linea obliqua.
Bei der Modellanalyse soll eingeschätzt werden, ob eine Prothese unter Belastung die Tendenz zum Kippen oder zum Abgleiten hat und welche Okklusionsgestaltung gewählt werden muss. Die Modellanalyse wird grundsätzlich nur bei einartikulierten Modellen vorgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitende Worte: Einführung in die Problematik der Totalprothetik und Kritik an den einschränkenden Standards der gesetzlichen Krankenkassen.
Fallbeschreibung: Dokumentation der Ausgangssituation und der ästhetisch-funktionellen Beschwerden eines 72-jährigen Patienten mit veralteter Prothesenversorgung.
Die Situationsabformung im Ober- und Unterkiefer: Darstellung der initialen Abformung als Grundlage für die Anfertigung der Funktionslöffel.
Die Funktionslöffel: Beschreibung der Materialwahl und der individuellen Anpassung der Löffel an das Prothesenlager.
Die Funktionsabformung: Erläuterung der Abformung mit Polyether-Material zur präzisen Erfassung der Prothesenränder.
Die Funktionsrandmodelle: Analyse der Modelle zur Beurteilung von Kieferform und Prothesenlagerstabilität.
Die Bissnahme: Detaillierte Auflistung der funktionellen und ästhetischen Kriterien bei der Gestaltung der Oberkieferwachswälle.
Die Seitenzahngarnituren: Auswahl der Zähne unter Berücksichtigung der vertikalen Dimension und vorhandenen Platzverhältnisse.
Die Artikulation: Vorbereitung der aufgestellten Prothesen für die Wachseinprobe.
Die Wachseinprobe: Aufzählung der Kriterien zur Überprüfung der Prothese im Mund des Patienten durch den Zahnarzt.
Das Einbetten der Prothesen: Dokumentation der Einbettungstechnik in Gips der Klasse 4 und der Materialzusammensetzung des Heißpolymerisats.
Die Fertiggestellten Prothesen: Anleitung zum Ausarbeiten, Polieren und zur Vermeidung thermischer Schäden am Kunststoff.
Die Okklusionskontrolle: Visuelle Darstellung der fertiggestellten, physiologisch angepassten Prothesen.
Schlusswort: Kritische betriebswirtschaftliche Analyse der Unterbewertung von Kassenleistungen in der Kunststoffprothetik.
Schlüsselwörter
Totale Prothese, Kassenrichtlinien, Prothetik, Zahntechnik, Funktionsabformung, Bissnahme, Wachseinprobe, Modellanalyse, Kunststoff, Heißpolymerisat, Ästhetik, Okklusion, Zahnfleisch, Prothesenlager, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die fachgerechte, praxisorientierte Herstellung einer totalen Prothese für einen Patienten unter Beachtung sowohl technischer Qualitätsstandards als auch geltender Kassenrichtlinien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der klinische und zahntechnische Workflow der Prothesenherstellung sowie die kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Situation des Zahntechniker-Handwerks.
Was ist das primäre Ziel der Dokumentation?
Das Ziel ist die transparente Dokumentation eines konkreten Patientenfalls von der Situationsabformung bis zur Fertigstellung, um den hohen handwerklichen Aufwand einer qualitativen Versorgung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fallstudienbasierte Dokumentationsmethode (Case Study), ergänzt durch materialkundliche Beschreibungen und eine betriebswirtschaftliche Kostenanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in alle prothetischen Fertigungsschritte: Abformung, Modellanalyse, Bissnahme, Zahnaufstellung, Einprobe, Einbettung, Polymerisation und Politur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Totalprothetik, Kassenrichtlinien, Prothesenlager, Modellanalyse und handwerkliche Kunststoffverarbeitung charakterisiert.
Warum ist das "Schlusswort" für Zahntechniker so relevant?
Es verdeutlicht durch eine konkrete Rechnung, warum die derzeitige Vergütung nach Kassenrichtlinien oft nicht kostendeckend ist und zu einem betriebswirtschaftlichen Defizit führt.
Welche Materialien werden für die Funktionsabformung empfohlen?
Der Autor verwendet für die Funktionsabformung das Polyether-Material "Impregum Penta" der Firma 3M ESPE.
Was ist bei der Politur der Prothesen besonders zu beachten?
Es darf keine Überhitzung durch rotierende Instrumente entstehen, da dies zu thermischen Verformungen führt, die die Passgenauigkeit der Prothese negativ beeinflussen.
Welche Kriterien gelten für die Wachseinprobe?
Der Zahnarzt prüft hierbei unter anderem die Lagerstabilität, die vertikale Dimension, die Schluckbisslage, die Sprachfunktion sowie den ästhetischen Gesamteindruck.
- Arbeit zitieren
- Thomas Hahn (Autor:in), 2008, Die Herstellung eines totalen Zahnersatzes nach Kassenrichtlinien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284903