Treten Pan- oder Epidemien auf, sind die Folgen für die Wirtschaft verheerend. Die Angst vor Ansteckung, Krankheit und Tod verunsichert Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Kunden und Händler. Die Folge: Arbeitsleistung, Nachfrage und BIP sinken, es kommt zu Zahlungsschwierigkeiten.
Ist die Seuche so groß, dass die Bevölkerungszahl dezimiert wird und einige Berufsgruppen besonders hart betroffen sind, liegt es an den Unternehmen entsprechende Schritte einzuleiten, um eine solche Krise zu überstehen.
Dieses Fachbuch gibt einen Überblick über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Pan- und Epidemien und zeigt, wie ein mögliches Krisenmanagement für Unternehmen und Institutionen aussehen kann.
Aus dem Inhalt:
Business Continuity Management bei Pandemien
Pandemien. Herausforderung für das Risikomanagement von Unternehmen?
EHEC 2011. Krisenmanagement im Fall einer Epidemie
Inhaltsverzeichnis
Jan-Hendrik Boerse: Business Continuity Management bei Pandemien
1 Einleitung
1.1 Diseconomies of risk und zeitgemäße Antworten
1.2 Übersicht zu den einzelnen Kapiteln
2 Business Continuity Management
2.1 Antriebskräfte zur Implementierung
2.2 Integration des BCM in andere Managementprozesse
2.3 Phasen eines idealtypischen BCM-Planungsprozesses
2.3.1 Initiierungsphase
2.3.2 Analysephase
2.3.3 Designphase
2.3.4 Implementierungsphase
2.4 Laufendes BCM vor dem Notfall
3 Pandemien
3.1 Zur Entstehung von Pandemien
3.2 Annahmen eines möglichen Pandemieszenarios
4 BCM in den verschiedenen Stadien einer Pandemie
4.1 Temporale Betrachtung
4.2 Präpandemische Phase
4.2.1 Analyse
4.2.1.1 Identifikation von kritischen Prozessen, Modulen und Bedrohungen
4.2.1.2 Demand Impact Analysis
4.2.2 Design
4.2.2.1 Maßnahmen zur Sicherung der Module
4.2.2.2 Krisenbedingte Initiativen
4.2.3 Implementierung
4.3 Pandemiephase
4.3.1 Phase 5 – Aktivierung
4.3.2 Phase 6 – Akute Krisensituation
4.4 Postpandemische Phase
5 Fazit
5.1 Kritische Würdigung
5.2 Die Krise als Chance
André Grimmelt: Pandemien. Herausforderung für das Risikomanagement von Unternehmen?
1 Einleitung
2 Pandemien
3 Volkswirtschaftliche Effekte einer Pandemie
4 Auswirkungen einer Pandemie auf das einzelne Unternehmen
5 Pandemie – eine Herausforderung für das Risikomanagement?
6 Pandemieplanung als Bestandteil des Risikomanagements
7 Fazit
Birgit Schröder: Krisenmanagement im Fall einer Epidemie am Beispiel des EHEC-Ausbruchs 2011 in Deutschland und seine Bedeutung für den pflegerischen Alltag
1. Einleitung
2. Die Infektionserkrankung
3. Krisenmanagement des Bundes und der Länder
4. Krisenmanagement der Krankenhäuser
5. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Publikation untersucht, wie Unternehmen durch systematisches Business Continuity Management (BCM) und Risikomanagement ihre betriebliche Kontinuität trotz pandemischer Bedrohungen aufrechterhalten können. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Unternehmen die besonderen Herausforderungen lang anhaltender Notfallzeiträume strategisch bewältigen und dabei Resilienz gegenüber globalen Infektionsrisiken aufbauen können.
- Grundlagen des Business Continuity Managements (BCM) und dessen Schnittstellen zum Risikomanagement.
- Analyse der pandemiebedingten Auswirkungen auf die Betriebsorganisation und Lieferketten.
- Strategische Notfallplanung für unterschiedliche Phasen eines Pandemieszenarios.
- Methoden zur Sicherung kritischer Unternehmensprozesse, insbesondere bei Personalausfällen und Störungen der Infrastruktur.
- Bewertung präventiver Maßnahmen und der Rolle von Krisenmanagement im Fall gesundheitlicher Epidemien.
Auszug aus dem Buch
1.1 Diseconomies of risk und zeitgemäße Antworten
Die Managementtheorien des letzten Jahrzehnts verfolgen nahezu alle die Steigerung der Erträge durch eine gezielte Erhöhung der Effizienz. Ansätze wie „Just-In-Time“, „Global Sourcing”, “Vendor-managed-inventory” und “Outsourcing” sowie der zunehmende Einfluss der Informationstechnologie auf die Geschäftsprozesse erhöhten die Ertragspotentiale der Unternehmen weltweit. Gleichzeitig steigerte diese Entwicklung jedoch auch deren Verwundbarkeit und Größtrisikopotentiale überproportional, was als „diseconomies of risk“ bezeichnet wurde. Dies bewegte Gesetzgeber und Unternehmenslenker zunehmend, den alten und neuen Risiken der unternehmerischen Tätigkeit in Form eines Risikomanagements (RM) entgegenzutreten, welches „den Fortbestand eines Unternehmens durch Absicherung der Unternehmensziele gegen störende Ereignisse sichern“ soll.
Der erwartete Schaden eines identifizierten Risikos soll dabei durch den klassischen Mix aus Risikomeidung, -minderung und -transfer auf ein akzeptables Niveau reduziert werden, das als verbleibendes Netto- oder Restrisiko selbst getragen werden kann.
Dieses Vorgehen stößt jedoch bei Bedingungsrisiken mit hohem Schadenpotential und einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit (High-Impact-Low-Frequency, H.I.L.F.-Risiken), wie Terrorismus oder nuklearen Zwischenfällen, an Grenzen. Da Bedingungsrisiken aus nicht gestaltbaren Rahmenbedingungen des Unternehmens resultieren, ist eine Einflussnahme auf die Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die bewusste Meidung des Risikos auszuschließen. Somit reduzieren sich die Möglichkeiten auf wirkungsbezogene Maßnahmen zur Risikominderung sowie den Risikotransfer. Letzterer erfordert jedoch eine exakte Bewertung des erwarteten Schadens, was aufgrund des Mangels an Erfahrungswerten (Low Frequency) schwierig ist. Folglich lassen sich kaum Zessionare finden, die diese Risiken zu einem angemessenen Preis übernehmen würden. Ohnehin nicht transferierbar sind dabei qualitative Risiken, die den Verlust menschlichen Lebens, der Reputation des Unternehmens oder eine drohende Schließung des Geschäftsbetriebes beinhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die zunehmende Verwundbarkeit moderner Unternehmen durch effizienzorientierte Managementtheorien und führt in die Notwendigkeit des Business Continuity Managements ein.
2 Business Continuity Management: Dieses Kapitel erläutert die Antriebskräfte für BCM, die Integration in Managementprozesse sowie die idealtypischen Planungsphasen von der Initiierung bis zum laufenden Betrieb.
3 Pandemien: Hier werden die Grundlagen zur Entstehung von Pandemien sowie die Annahmen für ein realistisches Pandemieszenario dargestellt.
4 BCM in den verschiedenen Stadien einer Pandemie: Dieses Kernkapitel konkretisiert den BCM-Prozess für die Präpandemie-, Pandemie- und Postpandemiephase, inklusive notwendiger organisatorischer Anpassungen.
5 Fazit: Das Fazit würdigt die Eignung des BCM kritisch und diskutiert die Möglichkeit, Krisen als Chance zur strategischen Weiterentwicklung und Stärkung des Unternehmens zu begreifen.
Schlüsselwörter
Business Continuity Management, Risikomanagement, Pandemieplanung, Notfallmanagement, Krisenmanagement, Lieferketten, Unternehmenskontinuität, H.I.L.F.-Risiken, Prozesssicherung, Pandemie, Infektionsschutz, Business Impact Analysis, Demand Impact Analysis, Betriebliche Resilienz, Schadensbegrenzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Notfallplanung für Unternehmen in einem pandemischen Szenario, um betriebliche Kernfunktionen zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Business Continuity Management (BCM), Risikomanagement, der Analyse von Lieferketten sowie organisatorischen Strategien zur Krisenbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Framework zu liefern, wie Unternehmen ihre Stabilität durch ein proaktives Pandemie-Management garantieren und wirtschaftliche Schäden minimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Publikation basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller Standards und Ansätze, kombiniert mit eigenen prozessorientierten Modellen zur Schadensbegrenzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des BCM und die praktische Anwendung der Planungsschritte (Analyse, Design, Implementierung) auf das spezifische Risiko einer globalen Pandemie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Business Continuity Management, Pandemieplanung, Demand Impact Analysis und Prozesssicherung.
Wie unterscheidet sich eine Pandemie von anderen Notfällen?
Im Gegensatz zu lokalen Ereignissen zeichnet sich eine Pandemie durch eine globale Ausbreitung, eine lange Dauer und eine schrittweise Anbahnung aus, die eine andere Art der Planung erfordert.
Was bedeutet der "modulare Ansatz" in der Notfallplanung?
Dieser Ansatz fokussiert nicht auf einzelne spezifische Szenarien, sondern auf auswirkungsbasierte Module (z. B. "Ausfall Personal"), um eine höhere Flexibilität gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen zu erreichen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in der Krise?
Eine zielgerichtete interne und externe Kommunikation ist entscheidend, um Panik zu vermeiden, Vertrauen zu bewahren und die Handlungsfähigkeit des Krisenstabs abzusichern.
Warum wird die "Demand Impact Analysis" (DIA) eingeführt?
Die DIA ergänzt klassische BIA-Methoden um die Dimension der Nachfrageänderung, da eine globale Pandemie nicht nur die Produktion, sondern auch das Konsumverhalten und die Absatzmärkte massiv beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Jan-Hendrik Boerse (Autor:in), André Grimmelt (Autor:in), Birgit Schröder (Autor:in), 2014, Bad Virus. Pandemien und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284924