Das deutsche Stromnetz besteht aus ungefähr 1,65 Millionen Kilometer Leitungen und 566.200 Transformatoren. Der Transport findet auf vier Spannungsebenen statt, welche durch Umspannwerke miteinander verbunden sind.
Die folgende Arbeit soll aufzeigen, mit welchen Instrumenten Strom in energieintensiven Industrieunternehmen beschafft werden kann. Hierbei gibt es auf dem Strommarkt eine Reihe von Produkten, die dazu benutzt werden können. Aufgrund dieser Vielzahl werden im Folgenden die Strategien und Produkte beleuchtet, die für die Praxis von großer Relevanz sind.
Aus dem Inhalt:
- Klassische und Vollstromversorgung in Tranchen
- Eigenerzeugung
- Kostenvergleichsrechnung: Vollstrom- vs. Tranchenbezug
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Beschaffungsstrategien
1.1 Klassische Vollstromversorgung
1.2 Vollstromversorgung in mehreren Tranchen
1.3 Strukturierte Strombeschaffung
1.3.1. Basisprodukte
1.3.2. Ergänzungsprodukte
1.4 Eigenerzeugung
2. Wahl der optimalen Beschaffungsstrategie
2.1 Kostenvergleichsrechnung: Vollstrom- vs. Tranchenbezug
2.2 Make or buy: Eigenerzeugung oder Fremdbezug?
2.3 Make or buy: eigen- oder fremdgeführtes Portfolio?
2.4 Handlungsempfehlung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Strom-Beschaffungsstrategien für energieintensive Industrieunternehmen, um eine Entscheidungshilfe für die optimale Beschaffungsweise zu bieten. Dabei werden die Vor- und Nachteile sowie die damit verbundenen Risiken und Chancen der einzelnen Strategien unter Berücksichtigung von Kostenaspekten, Komplexität und Handlungsspielräumen analysiert.
- Vergleich klassischer Vollstromversorgung und strukturierter Beschaffung
- Analyse der Tranchenbeschaffung und des Cost-Average-Effekts
- Untersuchung der Make-or-buy-Entscheidung bei der Eigenerzeugung
- Bewertung von eigen- vs. fremdgeführtem Portfoliomanagement
- Ableitung einer Handlungsempfehlung für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
1.1 Klassische Vollstromversorgung
Die klassische Vollstromversorgung ist das bedeutendste Produkt der Stromwirtschaft und wird am häufigsten von Kunden nachgefragt. Hierbei bezieht der Kunde seinen kompletten Bedarf für die Folgeperiode, i.d.R. für ein Jahr, an einem Zeitpunkt von nur einem Lieferanten, der dann über den abgeschlossenen Zeitraum den Kunden mit Strom zu einem vertraglich vereinbarten Preis beliefert.
Kennzeichen von Vollstromversorgungsverträgen sind, dass sie mit sehr geringfügigem innerbetrieblichem Aufwand und ohne Aufbau von spezifischem Know-how auf der Seite des Kunden auskommen. Zudem ist der zu zahlende Strompreis vor Lieferbeginn bekannt, was die Ausgaben- und Liquiditätsplanung innerhalb der Vertragslaufzeit eines Unternehmens erleichtert. Darüber hinaus stellt diese Beschaffungsart auf den ersten Blick eine risikoarme Form der Strombeschaffung dar. Sämtliche Risiken werden auf den Lieferanten übertragen. Dieser kalkuliert jedoch für das übernommene Risiko eine besondere Prämie in den Angebotspreis ein, was den Strompreis im Gegensatz zu anderen Beschaffungsarten zusätzlich verteuert. Problematisch hierbei ist, dass die angewandten Kalkulationsschemen für den Kunden nicht ersichtlich sind, was in der Folge für ihn zu einer undurchsichtigen Preisstruktur seines Strompreises führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beschaffungsstrategien: In diesem Kapitel werden grundlegende Ansätze der Strombeschaffung vorgestellt, angefangen bei der klassischen Vollstromversorgung bis hin zur komplexen strukturierten Strombeschaffung und Eigenerzeugung.
1.1 Klassische Vollstromversorgung: Dieses Kapitel erläutert die gängigste, aber risikobehaftete Strategie des Strombezugs bei einem einzigen Lieferanten mit festem Preis über die gesamte Laufzeit.
1.2 Vollstromversorgung in mehreren Tranchen: Hier wird eine Weiterentwicklung der klassischen Vollstromversorgung beschrieben, bei der der Bedarf über mehrere Zeitpunkte hinweg beschafft wird, um Preisrisiken durch Streuung zu minimieren.
1.3 Strukturierte Strombeschaffung: Dieses Kapitel stellt einen komplexeren Ansatz vor, bei dem Strombedarfe in Teilmengen auf Großhandelsmärkten beschafft werden, um durch ein individuelles Portfolio Kostenvorteile zu erzielen.
1.3.1. Basisprodukte: Hier werden grundlegende Produkte wie Bandlieferung und Fahrplanlieferung vorgestellt, die als Fundament für eine strukturierte Strombeschaffung dienen.
1.3.2. Ergänzungsprodukte: Dieses Kapitel behandelt kurzfristige Beschaffungsmöglichkeiten wie Zusatzversorgung und Spotgeschäfte, um Lastabweichungen und Kapazitätsänderungen auszugleichen.
1.4 Eigenerzeugung: Hier werden die Möglichkeiten und Herausforderungen beleuchtet, wenn Unternehmen ihren Strombedarf ganz oder teilweise durch eigene Anlagen, meist Kraft-Wärme-Kopplung, decken.
2. Wahl der optimalen Beschaffungsstrategie: In diesem Kapitel werden Ansätze zur Differenzierung und Entscheidungsfindung zwischen den Strategien unter Berücksichtigung von Kostenvergleichsrechnungen und strategischen Überlegungen zusammengeführt.
2.1 Kostenvergleichsrechnung: Vollstrom- vs. Tranchenbezug: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand eines konkreten Modells die Vorteile der Tranchenbeschaffung im Vergleich zur klassischen Vollstromversorgung durch den sogenannten Cost-Average-Effekt.
2.2 Make or buy: Eigenerzeugung oder Fremdbezug?: Hier werden die strategischen Für und Widers der Eigenerzeugung gegenüber dem Fremdbezug auf dem Markt unter Berücksichtigung von Investitionskosten und Risiken abgewogen.
2.3 Make or buy: eigen- oder fremdgeführtes Portfolio?: Dieses Kapitel analysiert die Entscheidungssituation bei der Einführung eines Portfoliomanagements und bewertet die Vor- und Nachteile externer Dienstleister gegenüber einer internen Lösung.
2.4 Handlungsempfehlung: Das Kapitel schließt mit einer zweidimensionalen Entscheidungsmatrix ab, die Unternehmen hilft, anhand ihres Freiheitsgrads und strukturellen Aufwands die passende Beschaffungsstrategie zu wählen.
Schlüsselwörter
Strombeschaffung, Vollstromversorgung, Tranchenbeschaffung, strukturierte Strombeschaffung, Eigenerzeugung, Kraft-Wärme-Kopplung, Portfoliomanagement, Make-or-buy-Analyse, Preisrisiko, Strommarkt, Energieeinkauf, Kostenoptimierung, Versorgungssicherheit, Energiewirtschaft, Beschaffungsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert verschiedene Strategien für energieintensive Unternehmen zur Beschaffung von Strom, um Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Vollstromversorgung, Tranchenmodelle, strukturierte Beschaffung, Eigenerzeugung sowie Fragen des Portfoliomanagements.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Beschaffungsstrategien aufzuzeigen, um eine Entscheidungsgrundlage für die optimale Beschaffungsstrategie zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, den Vergleich von Beschaffungsmodellen sowie Kostenvergleichsrechnungen und visuelle Entscheidungsmatrizen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Strategien (Vollstrom, Tranchen, strukturiert, Eigenerzeugung) und deren Bewertung mittels einer Entscheidungsmatrix.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Strommarkt, Beschaffungsstrategien, Kostenoptimierung, Risikomanagement und die Make-or-buy-Entscheidung.
Was bewirkt der sogenannte "Cost-Average-Effekt"?
Er bewirkt bei der Tranchenbeschaffung eine gleichmäßige Verteilung des Preisrisikos auf der Zeitachse, wodurch extreme Preisspitzen geglättet werden können.
Warum ist die Eigenerzeugung eine "Sonderform"?
Sie erfordert hohe Investitionen in neue Wertschöpfungsstufen, bietet dafür aber langfristige Unabhängigkeit von Marktpreisen und ein positives Umweltimage.
Welche Vorteile bietet ein externer Dienstleister beim Portfoliomanagement?
Unternehmen profitieren von der Expertise, den Marktzugängen und der IT-Infrastruktur des Dienstleisters sowie durch Mengenbündelungseffekte bei der Beschaffung.
- Arbeit zitieren
- Markus Wittwer (Autor:in), 2008, Vollstromversorgung vs. Eigenerzeugung. Was ist die optimale Strom-Beschaffungsstrategie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284959