Die Stadtgeographie von Prag. Architekturstile und das kulturelle Leben


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte Prags

3. Prag im Transformationsprozess

4. Verwaltungsaufbau Prags

5. Architekturstile Prags
5.1 Romanik
5.2 Gotik
5.2.1 Der St.-Veit-Dom
5.2.2 Karlsbrücke
5.3 Renaissance
5.4 Barock
5.5 Jugendstil

6. Kulturelles Leben in Prag
6.1 Bedeutende Künstler der Vergangenheit
6.1.1 Franz Kafka
6.1.2. Rainer Maria Rilke
6.2 Kulturelles Leben in der Gegenwart

7. Zusammenfassung

8. Literatur

9. Bildverzeichnis

1.Einleitung

Prag ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik und gleichzeitig selbstständige Verwaltungseinheit. Die Stadt liegt im westlichen Teil von Tschechien und befindet sich auf einer Höhe zwischen 177 m und 399 m über dem Meeresspiegel. Die Stadt Prag erstreckt sich auf einer Fläche von 496 km2.

30 km lang durchfließt die Moldau das Stadtgebiet, der Fluss bildet im Nordteil der Stadt eine große Schleife.

Die Einwohnerzahl beträgt 1.184.075 (Stand 30. Juni 2006). Die Bevölkerungsdichte beträgt somit 2.387 Einwohner je km2. Die Stadt ist in 57 Stadtteile und 22 Verwaltungsbezirke aufgeteilt.[1]

Die Umgebung von Prag ist bereits seit der Frühgeschichte dicht besiedelt. Im Laufe des 6. und 9. Jhd. war die Stadt häufig der Zielort slawischer und deutscher Einwanderung. Um das Jahr 1230 wurde Prag zur Residenzstadt des Königreiches erklärt. Im 14. Jhd. wurde Prag dann zum politisch – kulturellen Zentrum und damit zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. Das Stadtbild von Prag ist durch gotische und barocke Architekturstile geprägt.

Prag hatte schon immer ein reges kulturelles Leben aufzuweisen. Franz Kafka, ein gebürtiger Prager, lebte und wirkte in der Stadt; ebenso wie zahlreiche andere Künstler der Vergangenheit und Gegenwart.

Durch ihre Vielzahl von Freizeitaktivitäten, die bewegte Geschichte der Stadt und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten bietet Prag sowohl den Einheimischen als auch den Touristen einen ganz besonderen Reiz.

2. Geschichte Prags

Das Prager Becken gehörte bereits in der Frühgeschichte zu den am dichtesten besiedelten Flächen Böhmens. Um 500 n.Chr. gelangten erste slawische Stämme in das Gebiet.

Aus den Herrschaftskämpfen um 800 n. Chr. ging dann die Dynastie der Premysliden hervor. Über einen Berg an der Moldau wurde dann um 870 n.Chr. die Prager Burg Hradschin errichtet. Im 10. Jhd. wurde dann auf dem rechten Moldauufer auf dem Felsen beim Vysehrad eine zweite Burg errichtet, die als Sitz der Premysliden diente. Im Schutz dieser beiden Burgen entstanden auf beiden Seiten Siedlungen. Um 1230/40 befestigte König Wenzel der Erste die größere der beiden Siedlungen und verleih ihr das Stadtrecht. Prag wurde somit zur königlichen Residenzstadt der böhmischen Herrscher.

Unter der Herrschaft seines Sohnes Wenzel dem Zweiten wurde die Marktsiedlung ummauert, jedoch erst im Zusammenhang mit der Gründung der Gallusstadt 1230. Durch diese Ummauerung entstand die „Prager Altstadt“ (Stare Mesto) um 1234. 1257 entstand die Prager – Neustadt, die heutige Kleinseite (Mala Strana), die unter anderem die Karlsbrücke und den Veitsdom umfasst. Die dritte Prager Stadt wurde von einem Burggrafen 1320 gegründet. Es handelt sich dabei um die Burgstadt, Hradschin – Stadt. Ein weiterer Stadtteil bildet die sogenannte Judenstadt. Hier siedelten sich bereits im 10. Jhd. hauptsächlich die jüdische Bevölkerung an. Insgesamt besteht Prag somit aus einem Zusammenspiel von fünf Städten.

1306 verstarb Wenzel der Zweite und die Herrschaftsdynastie der Premysliden wurde von Johann von Luxemburg abgelöst. 1346 wurde Karl der Vierte König von Tschechien. Unter Karl dem Vierten erlebte Prag seine Blütezeit. Er ließ viele bedeutende Bauwerke errichten und gründete um 1348 die Prager Neustadt (Nove Mesto). 1348 wird die Karls – Universität gegründet. Sie umfasst zunächst die vier Fakultäten Theologie, Philosophie, Jura und Medizin. Im 14. Jhd. zählten auch große Krisen zu dem alltäglichen Bild.[2] [3]

Seuchen wie z.B. die Pest dezimierten teilweise die Bevölkerungsanzahl (Pestepidemien u.a. von 1357-63; 1369-71). Zu den weiteren Krisen dieses Jahrhunderts zählten auch Überschwemmungen, Missernten und Brände.

Karl der Vierte hinterließ seinem Sohn Wenzel dem Vierten ein geregeltes Herrschaftsgebiet. Die Geschichte sagt Wenzel dem Vierten einen schwachen Charakter nach, er soll jähzornig, ungeduldig und trunksüchtig gewesen sein. Diese persönliche Schwäche und sehr unruhige politische Zeiten schwächten auch die Stadt Prag.

Der Prager Magisters Johannes Hus forderte die Armut des Klerus und ein Ende der Korruption innerhalb der Kirche. Er wurde zum Führer einer mächtigen Bewegung gegen die Machenschaften der Kirche. Wenzel der Vierte büßte seine Machtposition immer mehr ein und wurde schließlich als deutscher König abgesetzt. Er förderte anschließend Hus. 1412 wurde Hus aus Prag verwiesen und 1415 von Wenzels Stiefbruder Sigismund zum Konzil nach Konstanz gerufen. Obwohl Hus sicheres Geleit versprochen wurde, wurde er als Ketzer verurteilt und hingerichtet, die Hinrichtung von Hus hatte extreme Unruhen zur Folge.

Am 30. Juli 1419 kam es zum ersten Prager Fenstersturz. Aufständische warfen die Ratsherren zu Fenster hinaus und entfachten die Hussiten-Kriege. Insgesamt dauerten die Auseinandersetzungen zwischen den Tschechen und den kaiserlich–päpstlichen Kreuzrittern 17 Jahre, kurz darauf verstarb Wenzel der Vierte. Im Zuge der Hussiten–Kriege wurde Prag zum Teil zerstört, anschließend trat Sigismund das Erbe seines Stiefbruders an. 1436 endeten die Kriege mit dem Basler Konzil. König Sigismund war ohne Erben geblieben und so übernahm Georg von Podibrat die Macht. Als dieser König 1471 starb, hinterließ er ein ausgeblutetes Königreich. Ein Enkel Sigismund aus dem polnischen Geschlecht der Jagiellonen übernahm die Macht er führte den Namen Vladislav der Zweite.[4] [5]

Er betrat nur selten böhmisches Territorium, diese Abwesenheit wurde vom Adel ausgenutzt, um seine Macht auszuüben, in dieser Periode verlor Prag immer mehr von seinem Glanz.

1526 fiel durch den „Frieden von Pressburg“ das Königreich an die Habsburger. Dieser Machtwechsel bescherte Prag zunächst wieder wachsenden Wohlstand. Ferdinand der Zweite, ein überzeugter Jesuit, will das Land gewaltsam Katholisieren. Der zweite Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 führt schließlich zum Ausbruch des 30 jährigen Krieges, indem sich Protestanten und Katholiken erbittert bekämpften. Erst 1648 im sogenannten Westfälischen Frieden kehrte langsam Ruhe in das Land ein. Es hatte verheerende Bevölkerungsverluste gegeben, in Prag standen zeitweise fast die Hälfte der Wohnungen leer.

Die Macht der Habsburger gewann anschließend wieder mehr an Bedeutung. Dies machte sich auch im Stadtbild Prags bemerkbar. Es wurden aufwendige barocke Bauten errichtet. Prag wurde zum Zentrum des „böhmischen Barocks“ der noch heute weite Teile des Stadtbildes prägt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der Habsburger Dynastie wurde am 18. Oktober 1918 die Tschechoslowakische Republik ausgerufen und in der Hauptstadt Prag am 28. Oktober 1918 proklamiert. Prag erlebte in dieser Phase eine Vergrößerung des Stadtgebietes durch Eingemeindungen, ein Bevölkerungszuwachs und wirtschaftliches Wachstum.

1939 besetzte Hitler auch den Rest des Landes und gestaltetes es zum „Protektorat Böhmen und Mähren“ um. Von 1939 bis 1945 war Prag somit von den Nationalsozialisten besetzt. 1939 lebten etwa 120 000 Juden in den böhmischen Ländern, viele davon in der Hauptstadt Prag. Die Nazis ermordeten im Zuge ihrer Terrorherrschaft etwa 78 000 Juden in dem Gebiet. Am 1. Mai 1945 wurde in Prag die Nachricht von Hitlers Selbstmord bekannt.[6] [7]

Die aus Berlin angeordnete dreitätige Trauerbeflaggung wurde zunächst noch widerstandslos durchgeführt. Am Nachmittag des 4. Mai 1945 kam es dann zu Aufständen und Barrikadekämpfen. Am 9. Mai 1945 erreichten die Truppen der Roten Armee Prag und nahmen es nach Kämpfen ein. Nach dem Kriegsende wurden die Deutschen aus Prag vertrieben. 1968 wurde im „Prager Frühling“ friedlich versucht den autoritären Sozialismus durch einen „Sozialismus mit menschlichen Antlitz“ zu ersetzen. Diese Reformbewegung wurde vor allem von den Intellektuellen und den Parteifunktionären der KPC (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei) getragen. Die Länder des Warschauer Paktes, vor allem die Sowjetunion, sahen in der Reform eine Bedrohung ihres gesamten Systems und zerschlugen mit Waffengewalt die Reformbewegung.

1989 war Prag der Schauplatz der Samtenen Revolution, die das Ende des sozialistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei bedeutete.[8] [9]

3. Prag im Transformationsprozess

Die zentralistische Planwirtschaft regelte ab 1948 alle Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in allen ehemaligen Ostblockstaaten, somit auch in der Tschechoslowakei. Durch die Trägheitseffekte der Planungssysteme kam es in Prag, wie auch in den übrigen Ostblockgebieten, zu erheblichen Problemen. Im Fall Prag wurde eine verstärkte Eingemeindungspolitik betrieben um das künftige Städtewachstum voranzutreiben. Trotz diesem sehr großzügigen Umgang mit der Stadtfläche wurde den Bewohnern Prags nur eine vergleichbar geringe Wohnungsfläche zugewiesen. Der kapitalistische Wohnungsmarkt wurde durch eine staatliche Wohnungsbewirtschaftung mit strikten Anweisungen und Kontrollen ersetzt.[10]

Durch die Nationalisierung des Handels mussten viele kleine Einzelhandelsbetriebe ihre Geschäfte schließen, in der Innenstadt Prags kam es somit zu einem regelrechten Leerstand. Im Zuge dieser Entwicklung bildeten sich viele Großbetriebe heraus. In Prag wurde durch die Nationalisierung der Industrie ein Konzentrationsprozess in Gang gesetzt, das heißt kleinere Betriebe wurden aufgelöst oder größeren angeschlossen.

In der Nachkriegszeit ist in Prag, wie in anderen Großstädten auch eine periphere Entwicklung zu beobachten. Viele Personen ziehen von der Kernstadt in den peripheren Raum. Der Zuwachs im peripheren Raum Prags betrug von 1961 – 1991 circa 200.000 Einwohner. In der Planungspolitik hat die Prager Stadtplanung die Charta von Athen eingehalten und Industrie- und Wohnanlagen nicht in der Kernzone sondern in der sogenannten Außenstadt angelegt. Diese Separierung sollte durch den Ausbau der Infrastruktur aufgefangen werden, was allerdings nur mit geringem Erfolg geglückt ist.

Da in Prag die Altstadt am östlichen Ufer liegt, hat die Stadt schon immer eine gewisse „Ostlastigkeit“ gehabt. Durch den Ausbau von Wohnanlagen im Nordwesten in der Zwischenkriegszeit wurde diese Asymmetrie ein wenig ausgeglichen. In der Nachkriegszeit wurde dieser Trend weiter fortgesetzt, indem der Ausbau der Nordstadt erfolgte. Daher kann man das Stadtentwicklungsmodell von Prag zunächst als ein zentriertes Modell betrachten. Durch die Reformen in den 1960er Jahren sind dann noch zusätzliche sektorale Gliederungen erfolgt, dieses Modell der sektoralen Gliederung sollte die planwirtschaftlichen Zuteilungsmaßnahmen erleichtern. So kam es zu der Ausbildung eines Zonen–Sektor–Modells von Prag. Die folgende Abbildung verdeutlicht dieses Modell.[11]

[...]


[1] http://www.tschechien-online.org/

[2] Waibel, M., Prag- Eine Stadt im Transformationsprozess, Exkursionsbericht 2002

[3] Schreiber, R., Prag – Die vielgestaltige Stadt

[4] Waibel, M., Prag - Eine Stadt im Transformationsprozess, Exkursionsbericht 2002

[5] Schreiber, R., Prag – Die vielgestaltige Stadt

[6] Waibel, M., Prag - Eine Stadt im Transformationsprozess, Exkursionsbericht 2002

[7] Schreiber, R., Prag – Die vielgestaltige Stadt

[8] Waibel, M., Prag - Eine Stadt im Transformationsprozess, Exkursionsbericht 2002

[9] Schreiber, R., Prag – Die vielgestaltige Stadt

[10] Lichtenberger, E., Wien – Prag Metropolenforschung 1993

[11] Lichtenberger, E., Wien – Prag Metropolenforschung 1993

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Stadtgeographie von Prag. Architekturstile und das kulturelle Leben
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Große Exkursion Donauländer
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V284980
ISBN (eBook)
9783668177840
ISBN (Buch)
9783668177857
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadtgeographie, prag, architekturstile, leben
Arbeit zitieren
Melanie Woltmann (Autor), 2007, Die Stadtgeographie von Prag. Architekturstile und das kulturelle Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284980

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