Arbeitsbedingungen im stationären und ambulanten Pflegealltag und deren Auswirkungen auf die Pflegekräfte

Eine Analyse von physischen und psychischen Belastungen


Bachelorarbeit, 2014

141 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographische Situation in Deutschland
2.1 Entwicklung
2.2 Konsequenzen

3 Pflegealltag
3.1 Ambulante Pflege
3.2 Stationäre Krankenpflege

4 Arbeitsbelastungen

5 Untersuchungsmethode

6 Methodik
6.1 Forschungsfrage und Hypothese
6.2 Untersuchungsmethode
6.3 Untersuchungsablauf
6.4 Datenauswertung

7 Ergebnisse

8 Diskussion
8.1 Körperliche Interventionsmaßnahmen
8.2 Verhältnisorientierte Interventionsmaßnahmen
8.3 Stresspräventionsmaßnahmen
8.4 Organisationsinterventionsmaßnahmen

Fazit/Ausblick Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Anlage

„In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Geld von dannen.“

Voltaire (1694 - 1778)

1 Einleitung

Im Zuge der aktuellen demographischen Entwicklung, die damit einher geht, dass die Menschen immer älter werden und die gerontologisch affinen Krankheiten zunehmen, wächst auch die Belastung für das Pflegepersonal in den entsprechenden Einrichtungen. Es zeichnet sich eine zunehmende Nachfrage nach medizinischer und pflegerischer Hilfe im stationären und im ambulanten Bereich ab. Der Gesundheitsbereich wird einer der am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereiche sein.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass eine immer stärkere Nachfrage nach Leistungen im Pflegebereich von immer weniger Personal abgedeckt werden muss. Der Konkurrenzkampf der einzelnen Pflegeeinrichtungen wird meist nicht über den Preis, sondern nur über Qualität und Extraleistungen geführt, was dazu führen kann, dass die einzelnen Pflegekräfte durch diesen Konkurrenzkampf subjektiv stark beansprucht werden. Die Pflegekräfte müssen nun bei gleichem Personalschlüssel mehr Leistung durch die gestiegene Klientenzahl erfüllen.

Diese Entwicklung führt unweigerlich zu einer starken subjektiven Belastung für die einzelne Pflegekraft. Die stetig anhaltende körperliche Belastung in Wechselwirkung mit erhöhtem Zeitdruck durch das „Mehr“ an Patienten, zeigt langfristig seine Auswirkungen auf die Gesundheit der pflegerischen Mitarbeiter. Gleichzeitig bringt die Pflicht der pünktlichen und ordnungsgemäßen Dokumentation einen weiteren subjektiven Belastungsfaktor für das Pflegepersonal.

Es ist festzustellen, dass sich in solch einer Umgebung subjektive Belastungen in hoher Fluktuation und hoher Fehlzeiten auswirken können, was wiederum vom verbleibenden Personal kompensiert werden muss. Dies führt meist zu einem Teufelskreis von Überlastungen der Arbeitnehmer auf verschiedenen Ebenen.

Es ist nun geboten von Seiten der Unternehmen Wege aufzuzeigen, die es den immer älter werdenden Arbeitnehmern möglich machen, den Arbeitsalltag bei voller geistiger und körperlicher Gesundheit zu meistern. Der größte Produktionsfaktor im Dienstleistungsbereich ist der Mensch und dieser sollte für das Unternehmen auch im fortgeschrittenen Alter noch motiviert und wirtschaftlich arbeiten können.

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist, subjektive Belastungen des Pflegepersonals im stationären, als auch im ambulanten Bereich zu untersuchen.

Die Forschungsfrage lautet:

„Beeinflussen psychische und physische subjektive Belastungen das Personal von Pflegeeinrichtungen in der ambulanten, als auch in der stationären Pflege im Arbeitsalltag?“

Die erste Hypothese des Autors lautet: „Die Arbeitsbedingungen wirken sich sowohl im stationären, als auch im ambulanten Bereich negativ auf die Produktivität des Pflegepersonals aus.“

Die zweite Hypothese des Autors lautet: „Es gibt Unterschiede in der subjektiven Wahrnehmung der Höhe der Belastung zwischen weiblichem und männlichem Pflegepersonal.“

Die Methodik der Bachelorarbeit gestaltet sich wie folgt:

Es wird im Rahmen dieser Arbeit eine prospektive Erhebung durchgeführt, die zwei Umfragen beinhaltet. Einmal in einer ambulanten Einrichtung im Raum Trier und einmal in einer stationären Einrichtung in Trier. Die Ergebnisse der Befragung werden dahingehend analysiert, inwieweit sich die Belastungen auf die Produktivität der Pflegekräfte auswirkten.

Bei dieser Arbeit wurde deduktiv vorgegangen und zuerst die demographische Entwicklung analysiert und Szenarien gebildet, wie sich diese Entwicklung in der Zukunft auswirken könnte. Danach wird der konkrete Pflegealltag sowohl in der stationären, wie auch in der ambulanten Pflege vorgestellt. In jeder einzelnen dieser Sphären gibt es spezifische Arbeitsbelastungen, die anschließend analysiert und beurteilt werden. Bevor nun zur konkreten Methodik der Datenerhebung übergegangen wird, werden Untersuchungsmethoden vorgestellt und konkret das Work-Ability-Index (WAI) Instrument zur individuellen Arbeitsbewältigung der Arbeitnehmer vorgestellt, da dies für die weitere Betrachtung Anhaltspunkte liefert.

Nun werden die Daten mittels eines Fragebogens, der an den des WAI angelehnt ist, in jeweils einer ambulanten, als auch einer stationären Pflegeeinrichtungen erhoben und die Ergebnisse mittels der Statistiksoftware SPSS ausgewertet und diskutiert.

Nach der Darstellung der Ergebnisse werden anhand dessen Möglichkeiten entwickelt und aufgezeigt, welche die Gesundheit der Pflegekräfte nachhaltig fördern und sicherstellen können.

Um ein allgemeines Verständnis für Arbeitsbedingungen zu gewinnen, wird zunächst die demographische Entwicklung erläutert, welche eine der Hauptursachen für die steigende Arbeitsbelastung im Pflegealltag darstellt.

2 Aktuelle Situation der allgemeinen demographischen Entwicklung

2.1 Entwicklung

Die allgemeine Lebenserwartung liegt nach jetzigem Kenntnisstand bei durchschnittlich 80 Jahren und verlängert sich immer weiter. Die Lebenserwartung der Frauen hat sich in den zurück liegenden 160 Jahren um jährlich drei Monate verlängert. J. Vaupel sagt in seinem Artikel im The Washington Quarterly: „Jedes zweite kleine Mädchen, das wir heute auf der Straße sehen, hat eine Lebenserwartung von 100 Jahren, jeder zweite Junge wird aller Voraussicht nach 95.“[1]

Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wird es so sein, dass man mit den zwei vorherigen Generationen gleichzeitig auf der Welt ist. Und noch ein weiteres Novum gibt die aktuelle demographische Entwicklung her: „Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist die Zahl der Älteren größer als die Zahl der Kinder.“[2]

In der nachfolgenden Graphik ist zu sehen, dass gerade Deutschland im europäischen Vergleich von dieser Entwicklung am stärksten betroffen ist:

Deutschland hat die älteste Bevölkerung in Europa

Medianalter 2012 in Jahren (EU-Auswahl)

1) Imo lUHlo dot Bovoftorunq rU Mot. (ko andotc Hilfte junQOf. Quollo. Βιβ

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.: Deutschland hat die älteste Bevölkerung in Europa[3]

Doch diese Entwicklung ist noch nicht lange in diesem Ausmaß so ausgeprägt. Erst durch das Zeitalter der Industrialisierung und dem verhältnismäßig starken Fortschritt in der Medizin und der Technik konnte diese Entwicklung solche Ausmaße annehmen.

„Man hat niemals prähistorische Skelette von Menschen gefunden, die älter als 50 Jahre geworden waren. Die menschliche Lebenserwartung betrug in 99,9 Prozent der Zeit, die wir diesen Planet bewohnt haben, 30 Jahre.“[4]

Festzuhalten ist, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird. Dies verdeutlicht auch folgende Illustration:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Altersstruktur in Deutschland [5]

Dass das durchschnittliche Alter der Deutschen sich immer weiter nach oben orientiert, ist auch dadurch hervorgerufen worden, dass die Geburtenrate in Deutschland seit Jahren auf einem kontinuierlich niedrigen Niveau verharrt. Das bedeutet, dass nur wenige junge Menschen den älteren gegenüber stehen. Dies illustriert nachfolgendes Diagramm:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland, 1950 - 2011[6]

Es ist überdies zu erwarten, dass durch eine höhere Lebenserwartung auch der feminine Anteil der Bevölkerung steigt, was zusätzlich zu einer Feminisierung des Alters führen kann. Es ist zu erwarten, dass 2050 die Rate der über 85- jährigen Frauen den Anteil aller anderen Altersgruppen übersteigt.

Es ist wichtig ein allgemeines Verständnis für die demographische Situation zu erlangen, damit der nächste didaktisch wichtige Schritt zur behandelten Sphäre „Pflege“ besser zugänglich gemacht werden kann.

Was den Pflegebereich angeht zeigt sich, dass auch die Zahl der Menschen, die pflegebedürftig sind, in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Zahl der Pflegedürftigen nach Altersgruppen in Deutschland, 1999-2050[7]

Die Auswirkungen, was den konkreten Umgang mit der steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen Menschen angeht, werden im Punkt 3 Arbeitsalltage dargestellt. Unter diesem Punkt wird der Fokus auf die Gesellschaft gelegt.

2.2 Konsequenzen

Zum einen führt die demographische Entwicklung dazu, dass der Pflegesektor stark gefordert werden wird. Dadurch, dass die Menschen immer älter werden wächst auch die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit, so dass hier ein enormes Nachfragepotential entstehen kann.

Zum anderen betreffen die Konsequenzen der demographischen Entwicklung häufig auch den sozialen Blickwinkel.

„Sind 6- bis 8- jährige Kinder mit einer 70-jährigen und einer 35-jährigen Person in einem Raum, meiden sie die ältere Person, nehmen seltener Blickkontakt mit ihr auf, halten großen Abstand, beginnen seltener Gespräche (...). 4-Jährige unterscheiden noch nicht zwischen dem älteren und dem jüngeren Menschen.“ [8]So können immer größere Kreise der Altersdiskriminierung gezogen werden. Durch diese Entwicklung ist es gerade für ältere Arbeitssuchende schwer, nochmals Fuß zu fassen. Einerseits durch die negativen Denkmuster des Gegenübers und andererseits durch die erwähnte selbst erfüllende Prophezeiung.

3 Pflegealltag

3.1 Ambulante Pflege

Aktuell gibt es in Deutschland 12.349 zugelassene ambulante Pflegedienste (Stand: 2011, Statistisches Bundesamt) mit starkem Trend nach oben, wie folgende Illustration darlegt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Entwicklung der Anzahl der ambulanten Pflegedienste in Deutschland[9]

Es arbeiten in diesem Sektor 826.000 Gesundheits- und Krankenpfleger und 444.000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer. Die Aufgaben der Pflegekräfte richten sich nach den „Aktivitäten und existenzielle Erfahrung des Lebens“ (AEDLs) von Monika Krohwinkel. Diese wurden aus den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATLs) abgeleitet und erweitert. Zunächst sollen aber die gesetzlichen Grundlagen der ambulanten Pflege mit ihren beiden Zweigen dargestellt werden:

„Ambulante Pflegeeinrichtungen (Pflegedienste) im Sinne dieses Buches sind selbstständig wirtschaftende Einrichtungen, die unter ständiger Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft Pflegebedürftige in ihrer Wohnung pflegen und hauswirtschaftlich versorgen“.[10]

Dies ist die gesetzliche Legaldefinition der ambulanten Pflegeeinrichtungen nach SGB XI § 71. Von diesem Gesetz leitet sich ein Teil der Versorgungsleistungen, die die ambulanten Dienste mit den Kassen abrechnen dürfen, ab.

Die Sachleistungen, die nach dem SGB XI übernommen werden, gliedern sich in Grundpflege, häusliche Betreuung und Hauswirtschaft auf.

Nach SGB XI, §14 Abs. 4 gehören zur Grundpflege:

- im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,

- im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,

- im Bereich der Mobilität das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.

- im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.[11]

Die Leistungen müssen nicht zwingend in der häuslichen Umgebung der Klienten erbracht werden, sondern können auch je nach Bedarf am Arbeitsplatz, in der Schule oder in speziellen Wohngruppen, die mit einer ambulanten Pflegeeinrichtung zusammen arbeiten, erbracht werden, vgl. SGB XI §71 Abs.4. Weiterhin dürfen Versorgungsleistungen nach SGB V (Gesetzliche Krankenversicherung) abgerechnet werden. Hiernach definiert sich die häusliche Krankenpflege folgendermaßen: „Versicherte erhalten in ihrem Haushalt, ihrer Familie oder sonst an einem geeigneten Ort, insbesondere in betreuten Wohnformen, Schulen und Kindergärten, bei besonders hohem Pflegebedarf auch in Werkstätten für behindere Menschen neben der ärztlichen Behandlung häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegekräfte, wenn Krankenhausbehandlung geboten, aber nicht ausführbar ist, oder wenn sie durch die häusliche Krankenpflege vermieden oder verkürzt wird.[12]“Aus dieser Definition wird ersichtlich, dass zumindest aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung noch ein Mindestmaß an Selbstständigkeit geboten sein sollte. Dies ist einer der Unterschiede zwischen der ambulanten und der stationären Krankenpflege.

Wichtige Merkmale der häuslichen Pflege sind zum einen die Stabilisierung und zum anderen die Unterstützung der häuslichen Pflegearrangements, die mit einer Verhinderung der Institutionalisierung der Pflegebedürftigen einhergehen. Das heißt, dass durch die häusliche Krankenpflege die stationäre Pflege (Pflegeheim oder Krankenhaus) vermieden werden soll.[13]

Das Leistungsverzeichnis, dass mittelbar die Tätigkeiten der Pflegekräfte vorgibt bzw. Aussage darüber erteilt, was diese verrichten dürfen, umfasst einerseits die Verordnungen des behandelnden Arztes und andererseits Leistungen der Behandlungspflege, bzw. Leistungen der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Diese umfassen wie nachfolgend:[14]

Leistunsen der Behandlungspflege:

- Absaugen der oberen Luftwege
- Bedienung und Überwachung von Beatmungsgeräten
- Anlegen und wechseln von Wundverbänden
- Vergabe von ärztlich verordneten Medikamenten
- Blutdruck- und Blutzuckermessungen
- Verabreichung und Hilfe bei Inhalationen
- Verabreichung von intravenösen (i.v.), intramuskulären (i.m.), oder subkutanen (s.c.) Injektionen
- Dekubitus Behandlungen
- Blasenspülung
- Einlauf / Klistier / Klysma / digitale Enddarmausräumung
- Infusionen, (intravenös)
- Flüssigkeitsbilanzierung

Leistungen der Grundpflese/hauswirtschaftlichen Versorgung:
- Hauswirtschaftliche Versorgung
- Duschen, baden, waschen und/oder pflegen von Mund-, Zahn-, Lippen und Haut
- Rasur, sowie die Haar- und die Nagelpflege
- Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, evtl. Verabreichung von Sondenahrung
- Hilfe beim Ausscheiden und der Beseitigung von Urin, Stuhl, Schweiß, Sputum (Auswurf) als auch Mageninhalt

Diese beiden Aufzählungen sind nicht abschließend, geben aber die häufigsten Verrichtungen der Grund- und Behandlungspflege wieder.

Wie im vorigen Kapitel schon angesprochen, wächst die Zahl der pflegebedürftigen Menschen stetig an. Im Jahr 2050 werden es bereits 4,36 Mio. Menschen sein, die pflegebedürftig sind. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe schreibt in seinem Bericht „Zahlen - Daten - Fakten „Pflege“, dass im Jahr 2025 bereits 152.000 Pflegekräfte fehlen werden. Der Bericht geht davon aus, dass dem „Soll“ von 940.000 Pflegekräften nur ein „Ist“ von 828.000 Pflegekräften gegenüber stehen.[15]

Weiterhin sagt der DbfK, dass es sich bei diesem Missverhältnis zwischen Soll- und Istzustand um einen Personalkollaps handelt. Ausgelöst wird dieser durch die unzureichende Personalausstattung, die schlechte Bezahlung, den Dauerstress und die meist physisch und psychisch krank machenden Arbeitsbedingungen.

3.2 Stationäre Krankenpflege

In Deutschland gibt es 2017 Krankenhäuser [16] (Stand 2012). Diese teilen sich nach Art der Träger in öffentliche, freigemeinnützige und private Träger auf.

Die Verteilung der Krankenhäuser nach den Trägern und die Anzahl ändert sich zusehends wie folgende Abbildung verrät:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Krankenhäuser nach Betten und Trägerschaft 1991 - 2012 [17]

Eine zentrale Ursache für die Veränderung in der Krankenhausversorgung und die damit einhergehenden Veränderungen in der Krankenhauslandschaft ist die Änderung in der Finanzierung der Krankenhäuser. Diagnosebezogene Fallpauschalen (DRGs) sind ein Beweggrund für einen möglichst kurzweiligen Aufenthalt in der Klinik.

Dadurch hat sich auch die Dauer des Klinikaufenthaltes in den letzten Jahren stark verändert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Verweildauer im Krankenhaus sinkt weiter [18]

Was die obige Grafik sehr gut widerspiegelt ist, dass in dem Jahr 2003, also dass Jahr in dem die Krankenhausfinanzierung auf DRG umgestellt wurde, die Verweildauer im Verhältnis zu den vorherigen Jahren so stark zurück ging wie noch nie.

Welche Auswirkungen die immer kürzere Verweildauer für das Pflegepersonal hat, wird im nächsten Punkt Belastungen am Arbeitsplatz näher erläutert. Zunächst sollen hier die Tätigkeitsbereiche des Pflegepersonals in der stationären Krankenpflege dargestellt werden, um ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge mit den Belastungen zu erhalten. Grundsätzlich sind von Seiten der Pflege die Aufgaben ähnlich der der ambulanten Versorgung, allerdings ergeben sich hier z. B. durch den Stationsablauf auch Unterschiede. Zunächst teilen sich die Tätigkeiten jedoch grundlegend in folgende Bereiche auf:

- Behandlungspflege:

„Injektionen, Infusionen, Transfusionen und Blutentnahmen sind Tätigkeiten, die der Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden dienen.“[19]

Das Pflegepersonal soll im Krankenhaus ärztliche Anordnungen durchführen und

eine durch einen stets zu evaluierenden Pflegeplan selbstständige Krankenpflege garantieren. Zu den weiteren Maßnahmen der Behandlungspflege gehören Blutentnahmen, der Wechsel und das Anlegen von Verbänden und Stomata. Weiterhin die Vitalzeichenkontrolle und die Gabe von Medikamenten.

-Ernährung:

„Ernährung bezeichnet die Gesamtheit der Vorgänge, durch die dem lebenden Organismus diejenigen Substanzen von außen zugeführt werden, die zur Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge notwendig sind.[20]“Die Aufgabe des Pflegepersonals liegt hierbei, den Klienten in eine Körperposition zu bringen, die eine gute Nahrungsaufnahme gewährleistet. Weiterhin muss die Nahrung bei Bedarf vorbereitet werden, was bedeutet, dass diese entweder passiert oder zumindest in eine Größe aufgeteilt wird, welche das Aspirationsrisiko verringert. Die Nahrungsaufnahme muss in diesen Fällen auch vom Pflegepersonal überwacht und dokumentiert werden.

-Körperpflege:

Unter die Körperpflege fallen Mund- und Zahnpflege, Nagelpflege, Haare waschen und die Ganz- oder Teilkörperwaschung. Weiterhin fällt unter die Körperpflege die Inspektion des Hautzustands. Bei der Körperpflege soll das Ziel verfolgt werden, einen Intakten Hautzustand zu erhalten bzw. diesen zu fördern, Unregelmäßigkeiten des Hautzustands festzustellen und zu beheben und das allgemeine Wohlbefinden des Klienten zu fördern.

Das für die Körperpflege zuständige Pflegepersonal ist weiterhin für die Vor- und Nachbereitung der Körperpflege des Klienten zuständig. Auch hier ist wichtig, nach jeder Waschung die Unregelmäßigkeiten beim Klienten zu dokumentieren und bei Bedarf direkt den zuständigen Arzt zu informieren.

-Bewegen und Lagerung:

Bei der Bewegung von Klienten gibt es zwei Möglichkeiten diese durchzuführen. Einmal mit der Hilfe des Klienten, so dass ein gewisses Maß an Mobilität notwendig ist, als Beispiel sei hier die Hilfe vom Rollstuhl zur Toilette oder der

Hilfe beim An- und Auskleiden genannt. Weiterhin kann die Bewegung ohne direkte Mithilfe des Klienten durchgeführt werden, beispielsweise im Rahmen der Kontrakturprophylaxe. Die Lagerung von Klienten meint, diese in eine, sich regelmäßig ändernde Körperposition zu bringen, dass die Blutzirkulation in ausreichendem Maße gewährleistet ist, um einen Dekubitus zu verhindern.

-Ausscheidung:

Unter der Ausscheidung versteht man im medizinisch- und biologischen Sinne die Abgabe von Stoffen aus dem Körperinneren nach außen. Die Körperstoffe die dann in Erscheinung treten nennt man Exkremente. Hierbei handelt es sich überwiegend um Stuhlgang und Urin. Besonderes Augenmerk ist bei den Pflegekräften auf die Klienten zu richten, die ihre Exkretion nicht mehr unter Kontrolle haben und somit unter einen Inkontinenz leiden. Dabei kann es sich entweder um eine Harn- oder Stuhlinkontinenz handeln, in seltenen Fällen sogar um beides zusammen. Die Aufgabe der Pflegekräfte ist es hierbei sowohl Ausscheidungsutensilien (Vorlagen, Schutzhosen, Pflegespray, Toilettenpapier), als auch bei Bedarf die Bettpfanne oder den Toilettenstuhl bereitzustellen. Weiterhin ist dem Klienten seitens des Pflegepersonals Hilfe bei der Verwendung der Utensilien zu gewähren. Hierbei handelt es sich meist um die Benutzung des Toilettenpapiers oder dem Anlegen der Vorlage oder Schutzhose. Wichtig ist die stete Dokumentation des Hautzustands und etwaige Unregelmäßigkeit in der Beschaffung der Exkremente.

-sonstige Tätigkeiten:

Diese Tätigkeiten sind meist hinter der „Line of Visibility“, was so viel bedeutet, dass es sich um substitutive Arbeiten handelt, wie dem Auffüllen des Pflegewagens, der Präparation der Medikation der jeweiligen Klienten oder der Erfassung der Klientendaten bei der Aufnahme seiner Person.

Weiterhin kann es sich um Tätigkeiten handeln, die nicht direkt der Pflege zugeordnet werden können wie z. B. Angehörigengespräche, Information des Klienten über den Stationsablauf, Ausfüllen des Essensplans, etc..

Zusammenfassend kann hier gesagt werden, dass die beiden Pflegebereiche und deren Tätigkeiten viele Gemeinsamkeiten haben. Grundsätzlich orientieren sich beide Bereiche an den AEDLs. Weiterhin arbeiten beide Zweige zumindest

anteilhaft auf der Grundlage des SGB V. Es gibt jedoch aufgrund der institutionellen Rahmenbedingungen des Krankenhauses und den individuellen Rahmenbedingungen der ambulanten Pflege Unterschiede, was Verrichtungen und Ablauf angeht.

Nun, da ein Einblick in die Tätigkeiten des Pflegepersonals und die Strukturen und Entwicklungen der jeweiligen Institutionen gewonnen werden konnte, richtet sich das Augenmerk nunmehr auf die Arbeitsbelastungen des Pflegepersonals.

4 Arbeitsbelastungen

Die Belastungen am Arbeitsplatz sind in der Pflegebranche seit Jahren ein Thema und sind auch mitverantwortlich für den aktuellen Pflegenotstand in Deutschland. Grundsätzlich können zu dieser Thematik zwei Modelle unterschieden werden, die in der Fachliteratur viel zitiert werden.

Zum einen das Job-Demand-Control-Support-Modell von Karasek und Theorell aus dem Jahre 1990 und zum anderen das Effort-Reward-Imbalance-Modell von Siegrist, welches im Jahr 1996 veröffentlicht wurde.

Das JDCS- Modell von Karasek und Theorell geht davon aus, dass negative gesundheitliche Folgen in Bezug auf Arbeitsbelastung durch einen geringen Tätigkeitsspielraum der Mitarbeiter, fehlendem sozialen Support im Arbeitsalltag bei gleichzeitig hoher Arbeitsintensität hervorgerufen werden.

Das ERI- Modell von Siegrist hingegen beruht auf einer sozialen Reziprozität, sprich der Gegenseitigkeit. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Erwerbstätigkeit einer schlichten Arbeit gegen Geld ein Geschäft ist, welches linear funktioniert. Wenn im Sinne dieses Modells ein Missverhältnis zwischen Arbeit und Lohn (zu viel Arbeit bei zu wenig Lohn) entsteht, kommt es zu Fehlbeanspruchungen bzw. Belastungen.

Professor Hans Jürgen Drumm beschreibt in seinem Buch „Personalwirtschaft“ sieben Problemfelder des Arbeitsalltags:

- Physische Belastungen am Arbeitsplatz
- Psychophysische Belastungen am Arbeitsplatz
- Physische Belastungen durch die Arbeitsmethode
- Psychische Belastungen durch die Arbeitsmethode
- Psychophysische Belastungen durch die Arbeitsumgebung
- Psychophysische Belastungen durch soziale Bedingungen der Arbeitsumgebung
- Psychophysische Belastungen durch die Organisation der Arbeit[21]

Um nun strukturiert an die Arbeitsbelastungen im Einzelnen vorzugehen, werden diese in psychische und organisatorische Arbeitsbelastungen aufgegliedert. Dies heißt aber nicht, dass diese beiden Dimensionen der Arbeitsbelastungen unabhängig voneinander auftreten, sondern in vielen Fällen bedingen sich diese sogar wechselseitig.

Gerade im Pflegebereich wurde ein hoher Anteil an psychischem Stress in den letzten Jahren festgestellt, wodurch psychische Belastung immer mehr in den Fokus gerückt ist und als ernstzunehmende Thematik Beachtung finden muss. Das hängt einerseits mit der immer kürzer werdenden Verweildauer der Klienten im Krankenhaus zusammen und andererseits mit dem generellen Pflegenotstand im ambulanten als auch im stationären Pflegebereich. Dieser psychische Stress kann in den schlimmsten Fällen zu einem Burnout führen. Burnout ist allerdings keine Krankheit, sondern nach ICD-10 ein Problem mit der Lebensbewältigung. Eine Krankheit, die durch eine hohe psychische Arbeitsbelastung entstehen kann, ist die Depression. Diese Krankheit hat sich im Laufe der Jahre zu einer Volkskrankheit entwickelt. Die „Depressive Episode“ hat 2011 die Krankheiten „Erkältung“ und „Rückenschmerzen“ in der Anzahl der Fehltage überholt. Mit 41 Fehltagen sind die psychischen Störungen, zu denen auch Angst- und/oder Belastungsstörungen zählen, die Krankheiten, die den größten wirtschaftlichen Schaden verursachen. Wie sich Fehlzeiten der Arbeitnehmer in den letzten Jahren in Bezug auf psychische Störungen erhöht haben, illustriert nachfolgende Übersicht der Psychotherapeutenkammer in Nordrhein-Westfalen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Zunahme der Tage, an denen Arbeitnehmer aufgrund psychischer Störungen am Arbeitsplatz fehlen (an allen AU-Tagen in Prozent)[22]

Wie aus dem Diagramm ersichtlich wird, hat sich die Anzahl der Fehltage in Bezug auf psychische Störungen stark vermehrt.

Dass es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und psychischer Belastung gibt, ist bekannt und kann mit ausreichend empirischen Belegen nachgewiesen werden.[23]

Insgesamt können drei verschiedene Anforderungsbereiche laut der „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ von psychischen Belastungen unterschieden werden:

- Anforderungen aus der Arbeitszeitorganisation,
- Anforderungen aus dem Arbeitsinhalt und der Arbeitsorganisation
- Anforderungen aus der Beschäftigungssituation

Bei den Belastungen aus den Anforderungen aus der Arbeitszeitorganisation handelt es sich nicht um eine explizite eigenständige Belastung, sondern um eine Rahmenbedingung. Die Belastung aus der Arbeitszeit ist verantwortlich dafür, wie lange die Belastungen aus dem Arbeitsinhalt auf den Arbeitnehmer wirken können. Denn überlange Arbeitszeiten können zu einer unverhältnismäßig hohen Ermüdung führen, die sich auch in der Ruhezeit nicht mehr kompensieren lässt. Dies lässt sich dadurch untermauern, dass Erwerbstätige, die von einer überlangen Arbeitszeit betroffen sind, ein 37% höheres Risiko haben an einer Herz-Kreislauf-

Erkrankung zu erkranken, als Erwerbstätige mit durchschnittlicher Arbeitszeit. Zusätzlich können Sonn- und Feiertagsarbeit, Schichtarbeit und Rufbereitschaft eine zusätzliche psychische Belastung für den Organismus darstellen.[24]

Zu den Anforderungen aus dem Arbeitsinhalt und der Arbeitsorganisation beschreibt Lohmann-Haisahl, dass besonders monotone Tätigkeiten unter hohem Zeitdruck besonders daran beteiligt sind, eine Stresssituation bei den Erwerbstätigen auszulösen. Hier können insbesondere ein hoher Termindruck, monotone Arbeitsabläufe oder verschiedene gleichzeitig zu betreuende Arbeiten dazu führen, eine negative Belastungssituation hervor zu rufen.

Bei den Anforderungen aus der Beschäftigungssituation ist insbesondere die Zukunftsangst zu nennen. Viele Erwerbstätige erleben ihre berufliche Zukunft als unsicher. Meist sind Gründe wie befristete Arbeitsverträge, eine schlechte ökonomische Lage des Arbeitgebers oder Zeitarbeit als Gründe für die Angst zu nennen. Gleichzeitig ändern sich auch innerhalb des Unternehmens oder deren Stakeholder die Strukturen, so dass der Arbeitnehmer immer öfter die Angst hat, Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer zu fallen.

Die Folgen der psychischen Belastungen sind vielfältig. Es können verschiedene Sphären des menschlichen Organismus betroffen sein:

- Körperlichen Auswirkunsen: Hier kann ein erhöhter Blutdruck/Herzfrequenz, Schweißausbrüche und Schlaflosigkeit Anzeichen für eine erhöhte Belastung sein

- Seelische Auswirkungen: Gereiztheit, Depersonalisation, Müdigkeit, Depression

- Verhalten: Eingeschränkte Leistungsfähigkeit, wenig soziale Aktivität

- Soziale Auswirkung: Durch die Gereiztheit ein erhöhtes familiäres Konfliktpotential

Durch die Auflistung ist erkennbar, dass es durch eine psychische Belastung nicht zu linearen somatischen Erscheinungen kommt, sondern dass die Auswirkungen der Belastung vielfältig auf unterschiedlichen Ebenen auftreten können.

Konkret für den Arbeitsplatz im Krankenhaus sind zwei Faktoren entscheidend: Einmal die Belastungen, die sich aus den Arbeitsaufgaben im Pflegebereich ergeben und die Belastungen aus der Organisationsstruktur.

Arbeitsaufsaben: Die Arbeitsaufgaben sind geprägt von hohem Zeitdruck und einer hohen Verantwortung. Man ist bei jeder Handlung für das Wohl und teilweise auch für das Leben anderer Menschen verantwortlich und die Fehlertoleranz ist sehr gering. Die Arbeitsaufgaben sind überdies zum Teil von hohen physischen- (durch schweres Heben, Lagern, etc.) und psychischen (durch die Konfrontation mit schweren Schicksalen, Arbeit mit verhaltensauffälligen Menschen) Belastungen gekennzeichnet. „Der Pflegeberuf ist in hohem Maße ein kommunikativer Beruf. Die Pflegepersonen sind mit schwierigen Begegnungen mit Patienten, Angehörigen, Ärzten, anderen Berufsgruppen oder Teamkollegen konfrontiert.“[25]

Ein zusätzlich belastender Faktor für das Pflegepersonal ist die nur eingeschränkte Planbarkeit des Arbeitsablaufs, sodass das Pflegepersonal sich teilweise mehrmals täglich neu strukturieren muss, um das aufkommende Arbeitsvolumen zu bewältigen.

Organisationsstruktur: Hier ergeben sich die Probleme aus unzureichenden Arten der Kommunikation von der Leitung. Die Stationsleitung ist oft von einer Doppelbelastung betroffen, da sie einerseits im Pflegebereich mitarbeitet und zusätzlich noch die Führungsaufgaben innehat. Zudem ist der Pflegebereich überproportional von Mobbing betroffen, was auch ein Anzeichen für ein defizitäres Führungsverhalten der Leitungsebene sein kann. Auch ist der monatliche Arbeitsplan ein weiterer Belastungsfaktor. Das Pflegepersonal ist im Pflegeberuf, unter anderem durch Schicht- und Wochenendarbeit, regelmäßig erheblichen Belastungen ausgesetzt. Oft haben die Pflegekräfte durch einen Krankheitsfall innerhalb der Abteilung nicht einmal die Möglichkeit ihre Ruhezeiten ausreichend einzuhalten. So ist keine ausreichende Regeneration und Abstand zum Beruf möglich.

Ähnlich wie in der stationären Krankenpflege, sind auch die Belastungen in der ambulanten Pflege.

Hier kommt es durch einen erheblichen Zeitdruck, mangelnde Pausen und einem hohen Leistungsdruck zu starken Belastungen des Pflegepersonals.

Der Zeitdruck entsteht in der ambulanten Pflege durch die Unkalkulierbarkeit des Verkehrs und andererseits durch die hohe Klientenzahl, die von den einzelnen Pflegekräften betreut werden muss. Gleichzeitig sind bestimmte pflegerische Handlungen mit einem bestimmten Zeitfenster verbunden, so dass es zu bestimmten Tageszeiten stressiger zugeht als zu anderen und sich das Problem nicht einfach beheben lassen kann. Z.B. möchten die meisten Klienten die Morgentoilette zwischen 7:00 Uhr und 9:00 Uhr, sodass zu dieser Zeit ein enorm hoher Zeitdruck entsteht und die meisten Klienten nicht damit einverstanden sind, dass die Morgentoilette in den späteren Vormittag verlegt wird.

Pausen können meist nur, auch aus der Erfahrung des Autors, in den Dienstwägen gemacht werden, da die Wege zu weit sind, um wieder zurück zum Stützpunkt zu fahren und dies nach dem engmaschigen Tourenplan kostbare Zeit kosten würde.

5 Untersuchungsmethode

Es gibt mehrere Untersuchungsmethoden, die allgemein für diese Art der Untersuchung in Frage kommen. Grundsätzlich wird bei dieser Art der Untersuchung der Fragebogen präferiert. Der Vorteil von Fragebögen gegenüber bspw. dem Interview liegt zum einen darin, dass sich die Mitarbeiter für die Beantwortung der Fragen ausreichend Zeit nehmen können und zum anderen, dass diese parallel zueinander bearbeitet werden können, wohingegen beim Interview in Fällen wie dem vorliegenden, in dem der Autor allein arbeitet, immer nur eins nach dem anderen durchgeführt werden kann.

Grundsätzlich gibt es einige Fragebögen, die Aussagen über die Arbeitszufriedenheit geben sollen. Auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin oder der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege werden einige aufgelistet. Exemplarisch wird folgend der Fragebogen „Mitarbeiterbefragung/Psychische Belastung und Beanspruchung“ vorgestellt, der mit seiner Ausrichtung auf einen spezifischen Teil des Gesundheitssystems beispielhaft für einen Großteil der Fragebögen steht.

Der „BGW miab“ Fragebogen hat 22 Fragen, deren Antworten mittels einer Lickertskala ausgewertet werden können.

Der Fragebogen basiert auf Fragen, die auf den konkreten Arbeitsalltag abzielen, die jeweils die subjektiv empfundenen Beanspruchungen und Belastungen erfassen. Dies geschieht anhand ausgewählter Risikofaktoren. Der Fragebogen ist bewusst einfach konzipiert, sodass dieser auch ohne spezielle Vorkenntnisse durchgeführt werden kann.

Der Fragebogen teilt sich in zwei Teile auf. Einmal den der Belastung, der sich mit den quantitativen und qualitativen Arbeitsbelastungen, dem sozialen Arbeitsumfeld und der außerbetrieblichen Situation der Arbeitnehmer beschäftigt. Zum anderen den der Beanspruchung, der sich mit der individuellen Einschätzung des körperlichen und psychischen Befindens der Arbeitnehmer auseinander setzt. Nachteilig anzumerken ist bei diesem Fragebogen für diesen konkreten Zweck, dass er gezielt auf den stationären Wohnbereich der Behindertenhilfe ausgerichtet ist.

Der vom Autor herangezogene Fragebogen ist der Work Ability Index (WAI), der in Finnland entwickelt wurde. Der Fragebogen zielt darauf, ab eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bei dem einzelnen Mitarbeiter bzw. der ganzen Belegschaft zu ermitteln.

Die Arbeitsfähigkeit wird als ein Hinweis für das Wohlbefinden des Arbeitnehmers und der Produktivität der Einrichtung bzw. des Unternehmens gesehen. Die Arbeitsfähigkeit ist auch ein Ergebnis der Interaktion zwischen der Arbeit auf der einen Seite und dem Arbeitnehmer auf der anderen Seite.

Die Vorteile des WAI sind folgende:

- Als Dialoginstrument kann der WAI helfen, betriebsärztliche Gespräch im Rahmen der betriebsärztlichen Untersuchungen sinnvoll zu strukturieren.

- Die Ergebnisse einer WAI-Erhebung können bei den Beschäftigten Denkprozesse auslösen und Veränderungswünsche initiieren.

- Die WAI-Erhebung kann der Ausgangspunkt für Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sein.

- Mit Hilfe des WAI lässt sich der Erfolg bzw. die Wirksamkeit von eingeleiteten Maßnahmen sowohl auf individueller wie kollektiver Ebene

messen und bewerten.“[26]

Nun ist allerdings erst einmal festzustellen, was die Arbeitsfähigkeit überhaupt beeinflusst.

Die Arbeitsfähigkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst wir folgende Abbildung veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: „Haus der Arbeitsfähigkeit“[27]

Die Abbildung kann so interpretiert werden, dass die Zeilen aufeinander aufbauend sind. So muss beispielsweise erst die Dimension „Gesundheit“ in ausreichender Form vorhanden sein, dass die Kompetenz ihre Wirkung entfalten kann. Weiterhin sind die Werte, die hier als Identifikation mit dem Unternehmen verstanden werden können, von hoher Relevanz. Außerdem haben noch verschiedene Rahmenbedingungen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Individuums.

Die Rahmenbedingungen werden in dieser Abbildung durch Ovale dargestellt, so hat z. B. die Politik die Möglichkeit durch neue oder verbesserte Gesetzesinitiativen auf die Rahmenbedingungen der Arbeitnehmer und auf die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen einzuwirken.

Der Fragebogen WAI hat sieben Kategorien, die zwei Schwerpunkte setzen:

- Gesundheitszustand / Leistungsreserven des Arbeitnehmers

- Psychische und physische Ansprüche an den Arbeitnehmer

Nach dem Erfassen der Antworten werden diese einem Wert zugeordnet, die unterschiedlichen Werte der verschiedenen Fragen werden anschließend kumuliert und es lässt sich als Ergebnis die Arbeitsfähigkeit durch eine Zahl ausgedrückt.

6 Methodik

6.1 Forschungsfrage und Hypothese

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Höhe der Belastungen sowohl von psychischer, als auch physischer Seite der Mitarbeiter in der ambulanten, als auch stationären Pflege zu durchleuchten.

Aus den bisher beschriebenen Erkenntnissen dieser Arbeit ergibt sich nachfolgende Forschungsfrage:

„ In welcher Höhe beeinflussen psychische und physische Belastungen das Personal von Pflegeeinrichtungen in der ambulanten und der stationären Pflege im

Arbeitsalltag?“

Grundsätzlich gibt es in jedem Beruf Belastung aufgrund des Arbeitsvorkommens. Die Frage zielt daher nicht maßgeblich darauf, ob eine Beeinflussung stattfindet, sondern in welcher Höhe diese Beeinflussung erfolgt.

Aus der Forschungsfrage heraus können sich zwei Hypothesen ergeben, die im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden können.

Aber zunächst sollen hier die Kriterien einer Hypothese nach BAADE et. al. dargestellt werden:

- Eine Hypothese ist nicht als eine Frage zu formulieren, sondern als eine Aussage
- Diese Aussage ist in sich widerspruchsfrei
- Ein Hypothese muss überprüfbar sein
- Die Aussage kann verifiziert und falsifiziert werden[28]

Es können im Rahmen dieser Arbeit folgende Hypothesen aufgestellt werden:

1.Es stellen sich Unterschiede bezüglich der Belastungshöhe des Personals im ambulanten und im stationären Pflegebereich heraus.

2.Es stellen sich Unterschiede in der Belastungshöhe bezüglich des männlichen, wie des weiblichen Pflegepersonals heraus.

6.2 Untersuchungsmethode

Als Untersuchungsmethode wurde bei dieser Arbeit die Befragung gewählt. Bei Befragungen kann zunächst zwischen einer mündlichen und einer schriftlichen Durchführung unterschieden werden. Bei dieser Befragung wurde sich für die schriftliche Variante entschieden. Dies geschah aufgrund folgender Vorteile:

- Bei der schriftlichen Befragung kann die Anonymität der Befragten am besten gewährleistet werden.
- Aufgrund der Anonymität ist die Wahrscheinlichkeit gesellschaftlich gewünschte Antworten zu geben geringer, als bei der mündlichen Befragung.

- Da die schriftliche Befragung im Gegensatz zur mündlichen parallel zueinander verlaufen kann, ist sie bei effizienter.

Der Fragebogen wurde an den des WAI angelehnt. Er wurde, um der Thematik und den Hypothesen gerecht zu werden, um die Angabe des Tätigkeitsbereichs (ambulant oder stationär) und der Umwandlung der Fragen hin zu offenen Fragen verändert. Der Fragebogen wurde in der stationären Pflege im Intranet der Einrichtung bereitgestellt, bei Bedarf wurden darüber hinaus durch die Stationsleitung weitere Exemplare ausgeteilt. In der ambulanten Pflege wurde in jedem Fach der Mitarbeiter ein Exemplar ausgelegt. Grundsätzlich wurde in der stationären, wie in der ambulanten Einrichtung 3x in einer Woche zum Wechsel des Früh- auf den Spätdienst das Thema und der Fragebogen vorgestellt. Des Weiteren wurde die Mobilnummer des Autors ausgehändigt, so dass bei etwaigen Fragen diese schnellstmöglich beantwortet werden konnten.

Ausschlusskriterien:

Es war dem Autor wichtig, dass nur ausgebildetes Pflegepersonal an der Befragung teilnimmt. Ausgeschlossen waren Auszubildende, da sie für Ihre Handlungen noch nicht selbst die Verantwortung übernehmen müssen und so nicht dem gleichen Druck ausgesetzt sind, wie examiniertes Personal und Personen, die zwar in den Pflegestationen arbeiten, allerdings nicht in der direkten Pflege. Dies erfolgte deshalb, da durch den nicht vorhandenen direkten Patientenkontakt nicht die gleichen Anforderungen und Belastungen auf diese Personengruppe einwirken.

Ethik:

Wie bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung, sollte auch hier für die ethischen Gesichtspunkte genügend Aufmerksamkeit eingeräumt werden. Deshalb wurde die Ethikkommission des Trägers der ambulanten Einrichtung und die des Krankenhausträgers über das Vorhaben informiert. Diese prüfte anschließend das Vorhaben im Hinblick auf Datenschutz, Anonymität und Einhaltung der Richtlinie 95/46/EG.

Gütekriterien:

Eine wissenschaftliche Untersuchung muss sich immer an den drei Gütekriterien Reliabilität, Validität und Objektivität messen lassen können.

Interne Validität:

Die interne Validität oder Ceteris-Paribus-Validität ist gegeben, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die bei der Untersuchung betrachtete abhängige Variable von der unabhängigen Variablen beeinflusst wird.

Externe Validität:

Diese besteht dann, wenn: „[...] die Untersuchungsergebnisse auf andere, vergleichbare Personen, Orte oder Situationen generalisierbar sind“.[29]Daraus kann geschlossen werden, dass sich die externe Validität auf die Verallgemeinbarkeit des Ergebnisses bezieht.

Objektivität:

„Der Grad an Objektivität zeigt an, wie unabhängig die Testergebnisse von denjenigen Forscher(innen) sind, die die Daten erheben oder auswerten.“[30]Dadurch, dass die Testergebnisse durch die Ratingskala nur in das Statistikprogramm SPSS übertragen werden mussten, war die Möglichkeit zur Manipulation sehr gering.

Reliabilität:

Der Name für die Zuverlässigkeit der Testergebnisse ist Reliabilität. Die Zuverlässigkeit wird darauf begründet, dass bei mehrmaliger Messung das gleiche Ergebnis erzielt wird.

Die Reliabilität kann in drei Hauptgruppen untergliedert werden:

Homogenität: Sie gibt eine Auskunft darüber, ob die Items des Fragebogens auch das theoretische Konstrukt der Untersuchung widerspiegeln.

Beständigkeit: Darunter versteht man, dass bei wiederholter Messung das gleiche Ergebnis erzielt wird.

Äquivalenz: Diese gibt an, dass das Erhebungsinstrument auch auf andere Untersuchungsgruppen übertragbar ist.

Es werden nun die Haupteigenschaften des Fragebogens dargestellt:

- Der Fragebogen hat 5 Fragen und ist nach einer Ratingskala aufgebaut mit mindestens 2 und höchstens 11 Items.
- mehrere Antworten zu einer Frage sind nicht möglich
- Es sind insgesamt 5 Kategorien im Fragebogen enthalten:
- Derzeitige Arbeitsfähigkeit
- Arbeitsfähigkeit bezogen auf die psychischen und körperlichen Anforderungen
- Mögliche Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch diese Krankheiten
- Persönlicher Krankenstand im letzten Jahr
- Bewertung der künftigen Arbeitsfähigkeit
- Zusätzliche Angaben

6.3 Untersuchungsablauf

Zunächst setzte sich der Autor mit der Langversion des WAI auseinander und versuchte zu ermitteln, wie er die Schnittmenge zwischen Aussagekraft des Fragebogens und dem Rahmen dieser Arbeit ermitteln konnte. Er kam zu dem Schluss, dass der Fragenkomplex 3 (Anzahl der aktuellen, ärztlich diagnostizierten Krankheiten) zu umfangreich ist und nicht lebenserhaltend mit dem Ziel dieser Bachelorarbeit zusammen hängt. Da es für den Autor im Rahmen dieses Projektes unerheblich ist, welche Krankheiten sich im Detail auf die Mitarbeiter im ambulanten und stationären bzw. auf die Geschlechter verteilen. Gegen den Fragenkomplex 7 entschied sich der Autor der Arbeit deshalb, weil es ebenso für ihn nicht zwingend notwendig erschien, sich den Leistungsreserven zu widmen, sondern eher die Wahrnehmung der Belastung im Vordergrund stand.

Zunächst wurde einen Monat vor dem eigentlichen Untersuchungsbeginn ein Pretest mit acht Mitarbeitern durchgeführt, um etwaige Unklarheiten am Fragebogen noch zu verändern.

Der Fragebogen wurde nun, nach vorheriger Einweisung des Pflegepersonals, am gleichen Tag in der ambulanten als auch in der stationären Einrichtung verteilt. In der stationären Einrichtung wurden 41 Fragebögen ausgegeben, von denen 30 beantwortet wurden. Im ambulanten Bereich wurden 46 verteilt, von denen 32 beantwortet wurden. Das Personal hatte insgesamt einen Monat Zeit den Fragebogen auszufüllen.

6.4 Datenauswertung

Die Auswertung erfolgte über das Statistik Programm SPSS, auf welches der Autor durch die Unterstützung der Universität Trier Zugriff hatte. Die Antwortmöglichkeiten wurden bei der Auswertung direkt kodiert, sodass beispielsweise der Antwortmöglichkeit „sehr gut“ eine eins zugeordnet wurde. Dies ist notwendig um die Daten in SPSS zu verarbeiten.

Bei dieser Auswertung kam es durch die unterschiedliche Kodierung des WAI und SPSS dazu, dass jede einzelne Antwort manuell umcodiert werden musste, da die Kodierung des WAI nicht den Zahlen von SPSS entsprach.

7 Ergebnisse

Es wird nun jede der 5 Fragenkomplexe des Fragebogens analysiert und in Grafiken und im Fließtext dargestellt. Am Ende dieses Kapitels wird ein Überblick über die gesamten Ergebnisse dargestellt.

Zunächst sollen hier allerdings die Kennzahlen der deskriptiven Datenanalyse dargestellt werden:

Arithmetisches Mittel:

Es beschreibt den statistischen Durchschnittswert. Hierbei werden alle Werte des Datensatzes addiert und die gewonnene Summe durch die Anzahl aller Werte geteilt.

Standardabweichung:

Sie ist ein Maß die etwas über die Streubreite der Werte eines Merkmals rund um den Mittelwert aussagt. Sie ist somit die durchschnittliche Entfernung zum Durchschnitt.

Varianz:

Sie ist ein Streuungsmaß, die die Verteilung von Werten um den Mittelwert darstellt. Die Varianz ist das Quadrat der Standardabweichung.

Modus:

Der Modalwert gibt an, welche Merkmalsausprägung in einer Befragung am meisten genannt wurde.

Median:

Der Zentralwert (Median) ist ein Wert, bei der die Verteilung der Daten genau in der Mitte liegt.

Spannweite:

Sie ist der Abstand zwischen der kleinsten Merkmalsausprägung und der größten.

Die erste Frage lautete: „Derzeitige Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu der besten, je erreichten Arbeitsfähigkeit“

Von 0 (völlig arbeitsunfähig) bis 10 (derzeit die beste Arbeitsfähigkeit) konnte angekreuzt werden. Die Antworten in der ambulanten Einrichtung verteilten sich wie folgt:

Bei dem stationären Personal wurde die Arbeitsfähigkeit mittelmäßig eingeschätzt. Hier ist zu erkennen, dass mit 32,14 % fast ein Drittel der Mitarbeiter angab, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit für schlecht halten.

Bei der ambulanten Einrichtung ist zu erkennen, dass die Mitarbeiter ihre Arbeitsfähigkeit im oberen Mittelmaß einordneten. In den Extremen 0 oder 10 gab es gar keine Antworten. Zu sagen ist aber, dass es dennoch mehr Mitarbeiter gab, die ihre Arbeitsfähigkeit eher für besonders schlecht hielten, als für besonders gut.

Bei den weiblichen Mitarbeitern ist die Verteilung sehr heterogen. Hier schätzen zwar immer noch 35,89% der Mitarbeiterinnen ihre Arbeitsfähigkeit als unterdurchschnittlich ein, der Großteil hält die Arbeitsfähigkeit jedoch für überdurchschnittlich. Dass aber mehr als ein Drittel dennoch ihre Arbeitsfähigkeit für unterdurchschnittlich halten, ist verbessernswert.

Bei den Antworten der Männer ergab sich ein heterogenes Bild. Zwar war hier auch der überwiegende Teil von der Mittelmäßigkeit ihrer Arbeitsfähigkeit überzeugt, aber es gaben dennoch mehr als ein Viertel ihre Arbeitsfähigkeit unterdurchschnittlich an, während eine überdurchschnittlich Arbeitsfähigkeit nur bei 8,7% der männlichen Mitarbeiter festgestellt wurde. Dieser Wert ist im Auge zu behalten.

Die zweite Frage lautete: Wie schätzen Sie ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Bezug zu den körperlichen (subjektiven) Arbeitsanforderungen ein? Hier hatten die Mitarbeiter 5 Antwortmöglichkeiten von sehr schlecht bis sehr gut.

Bei dem stationären Personal [35] zeigte sich mit 21,43%, dass mehr als ein Fünftel der Mitarbeiter ihre Arbeitsfähigkeit als sehr schlecht ansahen. Mit 25% bei der Antwortmöglichkeit „schlecht“ wird klar, dass hier ein erheblicher Handlungsbedarf besteht. Nur 28,57% der Mitarbeiter gaben an, dass ihre Arbeitsfähigkeit im Bezug zu den körperlichen Arbeitsanforderungen überdurchschnittlich sei.

Bei den ambulanten Mitarbeitern[36] ist eindeutig zu erkennen, dass der Großteil der Mitarbeiter ihre Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die körperlichen Arbeitsanforderungen als „eher schlecht“ ansehen. Addiert mit „sehr schlecht“ ergibt dies ein Wert von 50%. Was heißt, dass die Hälfte der Mitarbeiter ihre Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die körperlichen Arbeitsanforderungen als unterdurchschnittlich bezeichnen.

In beiden Einrichtungen ist hier festzustellen, dass die körperlichen Anforderungen im Verhältnis zu der Arbeitsfähigkeit subjektiv bei den Mitarbeitern als zu hoch wahrgenommen wurden. Durch die verschiedenen Organisationsstrukturen der Einrichtungen sind diese Werte auch nicht allein auf ein lokales Personalmanagementproblem zurück zu führen.

Bei den weiblichen Pflegekräften [37] fällt das Ergebnis mit 64,1%, die einen schlechteren Wert als mittelmäßig angaben, sehr drastisch aus. Fast 2/3 der weiblichen Pflegekräfte fühlen sich also somit subjektiv überfordert. Nur 10,25% gaben einen überdurchschnittlichen Wert an. Somit ist hier eine eindeutige Unwucht zu Gunsten der subjektiven Überforderung. Da die weiblichen Pflegekräfte den Großteil des Personals im Gesundheitsbereich ausmachen, besteht hier ein erheblicher Handlungsbedarf.

Bei den männlichen Kandidaten [38] fällt das Ergebnis hier nicht so drastisch aus, was allerdings erwartet wurde. Nur 8,7% der befragten Männer gaben an, dass ihre Arbeitsfähigkeit zur subjektiven körperlichen Arbeitsanforderung als „sehr schlecht“ an und 13,04% als „eher schlecht“. Insgesamt gaben 47,82% ihre Arbeitsfähigkeit als überdurchschnittlich an.

Die 2. Frage innerhalb des Fragenkomplexes „Arbeitsfähigkeit in Bezug zu den Arbeitsanforderungen“ lautete: Wie schätzen Sie ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Bezug zu den psychischen Arbeitsanforderungen ein? Auch hier gab es 5 Antwortmöglichkeiten von sehr schlecht bis sehr gut.

Im stationären Bereich [39] war mit 46,43% der überwiegende Teil von der Mittelmäßigkeit ihrer Arbeitsfähigkeit mit einer Tendenz nach oben überzeugt.

Nur 17,86% gaben einen eher schlechten Wert an und sehr schlecht niemand.

Bei der ambulanten Gruppe [40] fiel das Ergebnis zwar mit addierten 67,64% von mittelmäßig bis sehr gut nur geringfügig schlechter aus, als in der ambulanten Einrichtung. Dies kann daran liegen, dass meist nicht der direkte Austausch mit den Kollegen durch die Touren alleine möglich ist. Hier gaben auch, anders als bei der stationären Einrichtung, mehr Mitarbeiter eine unterdurchschnittliche Bewertung ab. 26,47% bei eher schlecht und 5,88% bei sehr schlecht.

Im Geschlechtervergleich gaben die Frauen [41] mehrheitlich positive Werte an. Insgesamt gaben 48,72% Mittelmäßig an. Dies ist ein stabiler Wert der angesichts der Verhältnisse im Gesundheitsbereich schon zufriedenstellend ist. Allerdings sind knapp mehr als ein Drittel subjektiv der Meinung, mit den psychischen Arbeitsanforderungen überfordert zu sein.

Beim männlichen Personal [42] gaben weit weniger, nämlich 20,3% an, eine unterdurchschnittliche Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die psychische Arbeitsanforderungen zu haben. Auch in positive Richtung gaben die Männer an, die psychischen Anforderungen besser kompensieren zu können. Im Vergleich gaben 10% mehr Männer an, mit den psychischen Anforderungen besser klar zu kommen.

Bei der nächsten Frage über die: Geschätzte Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch Krankheiten gab es auch wieder 5 Antwortmöglichkeiten von Keine Beeinträchtigung bis Meiner Meinung nach bin ich völlig

[...]


[1]Vaupel, J.: „Setting the Stage. A Generation of Centenarians?“; The Gerontologist, 43 (2003) S. 272-274

[2]Schimany, P.: Die Alterung der Gesellschaft. Ursachen und Folgen des demographischen

Umbruchs, Frankfurt, 2003 S. 291

[3]Siehe Abbildungsverzeichnis

[4]Hayflick, L.: „The Future of Aging“in Natur 408. 11.2000, S. 267

[5]Siehe Abbildungsverzeichnis

[6]S.-H. Filipp/A.-K. Mayer: Bilder des Alters. S. 251

[7]SGB XI, § 71, Abs. 1

[8]SGB XI, § 14, Abs. 4

[9]SGB V, § 37, Abs. 1, Satz 1

[10]Vgl. Büscher/Horn, 2010, S. 12

[11]Vgl. KVWL, 2010, S. 11 ff.

[12]Vgl. Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, „ Zahlen - Daten - Fakten „Pflege“ S. 3

[13]Statistisches Bundesamt, https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabel len/KrankenhaeuserJahreVeraenderung.html [Stand: 15.7.14]

[14]Siehe Abbildungsverzeichnis

[15]Dettmeyer, Medizin Recht für Ärzte, 2001, S. 453

[16]GBE (Gesundheitsberichterstattung des Bundes), Ernährung, http://www.gbe- bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gastgp_aid=p_knoten=FIDp_spra che=Dp_suchstring=8623::Ern%E4hrungskrankheiten,%20Ern%E4hrungskrankheit [Stand: 18.7.14]

[17]Vgl. Drumm, H.J. Personalwirtschaft, 2008, S. 123 ff.

[18]Siehe Abbildungsverzeichnis

[19]Vgl. LOHMANN-HAISLAH, Stressreport Deutschland 2012, S. 12

[20]Vgl. Lohmann-HAISLAH, Stressreport Deutschland 2012, S. 49 ff.

[21]Marigt Schatz (5.2.2012): Belastungen im Pflegeberuf - Die „Krankenschwester“ als potentieller Patient. http://www.rudolfinerhaus.at/fileadmin/media/5_Pflegebildung/Schule/FBA/Schatz_Margit_20 10.pdf [22.7.2014]

[22]Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (12.2013) WHY WAI? Der Work Ability Index im Einsatz für Arbeitsfähigkeit und Prävention - Erfahrungsberichte aus der Praxis

[23]Siehe Abbildungsverzeichnis

[24]Vgl. BAADE/GERTEL/SCHLOTTMANN, 2010, S. 23

[25]Bortz Döring 2005 S. 505

[26]Mayer 2001. S. 42

[27] Siehe Abbildungsverzeichnis

[28] Vgl. BAADE/GERTEL/SCHLOTTMANN, 2010, S. 23

[29] Bortz Döring 2005 S. 505

[30] Mayer 2001. S. 42

[31] Anlage: Arbeitsfähigkeit_1; Arb_Bereich: stationär; S. 1

[32] Anlage: Arbeitsfähigkeit_1; Arb_Bereich: ambulant; S. 2

[33]Anlage: Arbeitsfähigkeit_1; Geschlecht: weiblich; S. 3

[34] Anlage: Arbeitsfähigkeit_1; Geschlecht: männlich; S. 4

[35]Anlage: Arbeitsfähigkeit_2; Arb_Bereich stationär; S.5

[36] Anlage: Arbeitsfähigkeit_2; Arb_Bereich ambulant; S. 6

[37] Anlage: Arbeitsfähigkeit_2; Geschlecht: weiblich; S. 7

[38] Anlage: Arbeitsfähigkeit_2; Geschlecht: männlich; S. 8

[39] Anlage: Arbeitsfähigkeit_3; Arb_Bereich: stationär; S. 9

[40] Anlage: Arbeitsfähigkeit_3; Arb_Bereich: ambulant; S. 10

[41] Anlage: Arbeitsfähigkeit_3; Geschlecht: weiblich; S. 11

[42] Anlage: Arbeitsfähigkeit_3; Geschlecht: männlich; S. 12

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
Arbeitsbedingungen im stationären und ambulanten Pflegealltag und deren Auswirkungen auf die Pflegekräfte
Untertitel
Eine Analyse von physischen und psychischen Belastungen
Autor
Jahr
2014
Seiten
141
Katalognummer
V285075
ISBN (eBook)
9783656850366
ISBN (Buch)
9783656850373
Dateigröße
2205 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitsbedingungen, pflegealltag, auswirkungen, pflegekräfte, eine, analyse, belastungen
Arbeit zitieren
Bernd Hoffmann (Autor), 2014, Arbeitsbedingungen im stationären und ambulanten Pflegealltag und deren Auswirkungen auf die Pflegekräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285075

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