Der friedmansche Preismechanismus und die amerikanische Immobilienblase


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der friedmansche Preismechanismus

2. Funktion: Schaffung von Anreizen

3. Funktion: Einkommensverteilung

Die amerikanische Immobilienblase

Die Immobilienblase in der friedmanschen Sicht

Die Rolle der US-Notenbank Fed

Informationsverzerrung in der Immobilienblase

Negative Anreize am Beispiel der Rating-Agenturen

Das Phänomen der Vermögensillusion

Konklusion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Milton Friedman gilt als einer der einflussreichsten Wirtschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts, als der „erste Popstar der Ökonomik,“[1] und der große Gegenspieler von John Maynard Keynes. Er ist der Mann, der der freien Marktwirtschaft, der Lehre Adam Smiths folgend, wieder Grundvertrauen in Stabilität und Selbstheilungskraft verlieh. Einer seiner Grundthesen, die er in seiner Rolle als Vertreter des ökonomischen Liberalismus propagierte,[2] ist die Aussage, nicht der Markt selbst sei für wirtschaftliche Krisen verantwortlich, sondern der Staat mit seinen Regulierungen und Interventionen. Ein Beispiel ist für ihn die Weltwirtschaftskrise aus dem Jahre 1929, in der nicht das Marktversagen, sondern das Staatsversagen, im Gegensatz zu Keynes' Meinung, die zentrale Ursache gewesen sei.[3] Auch sein Grundlagenwerk A Monetary History of the United States, 1867-1960, welches er gemeinsam mit Anna Jacobson Schwartz 1963 veröffentlichte, wird von dieser These überlagert. Die Vorstellung vom störenden Staat und dem selbstheilenden Markt zeigt sich auch in Friedmans Werk Free to Choose, (zu deutsch: Chancen, die ich meine), welches er gemeinsam mit seiner Frau Rose Friedman im Jahre 1980 verfasste. Der Kritiker James K. Galbraith fasst dies folgendermaßen zusammen: „In Friedmans Evangelium spielt der Staat die Rolle der Schlange im Paradies, während die Aufgabe der Politik in seinen Augen darauf beschränkt ist, sich aus dem Marktgeschehen herauszuhalten. Dies war die simple Lektion in Free to Choose.“[4] Tatsächlich trifft man bereits im ersten Kapitel des Buches auf diese „Lektion“, als die Autoren den Preismechanismus des freien Marktes beschreiben und staatliche Interventionen als eine Art der Verzerrung darstellen.[5]

Milton Friedman verstarb 2006, also kurz bevor die amerikanische Immobilienblase ein Jahr darauf platze und dadurch eine weltweite Finanzkrise auslöste, die beispielsweise für einen Einbruch des Welthandels im Jahr 2009 um 11,5 % sorgte.[6] Im folgenden Text werde ich die Vorgänge der amerikanischen Immobilienblase genauer untersuchen und anhand des friedmanschen Preismechanismus interpretieren. Dabei gilt es, Themenfelder aus der friedmanschen Theorie heraus mit der faktischen Praxis der Immobilienblase zu vergleichen. Ziel ist es, sich der These vom

Staatsversagen im Gegensatz zum Marktversagen auf diese Weise kritisch zu nähern und zumindest in groben Zügen anhand des Beispiels der Spekulationsblase ein Urteil zu finden, ob Friedman in diesem Bereich der Wirtschaftswissenschaften Recht behalten sollte. Mir ist bewusst, dass das Thema Finanzkrise ein komplexes Phänomen ist, weshalb ich mich auf die einfachsten, großen Linien konzentrieren werde. Für den theoretischen Teil der Arbeit konzentriere ich mich auf das erste Kapitel des Buches Free to Choose von dem Ehepaar Friedman. Für die Aufarbeitung der amerikanischen Immobilienblase zählen Stuart Jenks Banken und Finanzkrisen7 sowie Wolfgang Eichhorns und Dirk Soltes Das Kartenhaus Weltfinanzsystem8 zu meinen wichtigsten Literaturquellen.

Der friedmansche Preismechanismus

In ihrem Buch Free to Choose aus dem Jahre 1980 stellen Rose und Milton Friedman in dem ersten Kapitel „Die Kraft des Marktes“ den Preismechanismus vor, der für die Marktwirtschaft konstituierend sei. Der Grundgedanke dieser Marktwirtschaft beruht auf der Lehre von Adam Smith, wonach es bei einem freiwilligen Handel zu gegenseitiger Profitmaximierung kommt. Dies, so die These der Friedmans, wird durch den Preismechanismus geregelt, der, wie betont wird, ohne zentrale Lenkung von Einzelpersonen oder Staaten auskommt. „Adam Smith' geniale Erkenntnis war es, daß die Preise, die bei der freiwilligen Transaktion zwischen Käufern und Verkäufern entstehen - kurz gesagt auf einem freien Markt - , die Aktivitäten von Millionen von Menschen, bei denen jeder seinen eigenen Interessen dient, so koordinieren können, daß jeder von ihnen dabei profitiert.“[7] [8] [9] Es handelt sich, nach Friedman, um ein System, welches den Markt perfekt regelt, solange es nur ungestört auftreten kann. „Das Preissystem funktioniert so gut, so effizient, daß wir meistens gar nicht darüber nachdenken. Wir realisieren nicht, wie gut es funktioniert, es sei denn, es wird vom Funktionieren abgehalten; und selbst dann erkennen wir selten die Ursache der Störung.“[10] Dabei stellen die Friedmans diesen Mechanismus wie folgt vor: „Preise organisieren die ökonomischen Aktivitäten und erfüllen damit drei Funktionen: Erstens, sie übermitteln Information. Zweitens, sie bieten einen Anreiz, jene Produktionsmethoden anzuwenden, die am wenigsten kosten, und so garantieren sie, daß die vorhandenen Ressourcen für die wertvollsten Zwecke verwendet werden. Drittens, sie bestimmen, wer wie viel von dem Produkt erhält - sie übernehmen die Verteilung des Einkommens. Diese drei Funktionen sind eng miteinander verbunden.“[11] Im folgenden Abschnitt werde ich diese drei Funktionen des friedmanschen Preismechanismus im Sinne der Autoren wiedergeben, wobei der Fokus auf der Informationsvermittlung liegen wird, da vor allem diese Funktion im weiteren Verlauf der Arbeit eine größere Rolle spielen wird.

1. Funktion: Übermittlung von Informationen

Anhand des Beispiels der Produktion eines Bleistiftes, welches die Autoren schon vorbereitend präsentiert hatten, wird gezeigt, wie der Preismechanismus dafür sorgt, dass die notwendigen Informationen, die für den Verkauf und die Produktion einer Ware nötig sind, an die richtigen Personen weitergegeben werden. Wenn nun etwa mehr Menschen Bleistifte kaufen wollen, weil es beispielsweise durch einen vorherigen Babyboom mehr Schulkinder gibt, so sorgt das Ansteigen der Nachfrage an Bleistiften dafür, dass eine Informationskette über die Preise an alle Marktteilnehmer, die im Verkauf und der Produktion des Bleistiftes beteiligt sind, ausgelöst wird. Der Verkäufer bestellt bei den Großhändlern mehr Bleistifte, und ist auch bereit, mehr zu zahlen. Dies hat Auswirkungen auf die Lieferanten, die Bleistifthersteller, die Holzzulieferer, die Kupferindustrie und alle weiteren Beteiligten. Dabei lautet die friedmansche Grundformel: „Der Preismechanismus übermittelt nur die wichtige Information und nur an die Leute, für die sie wichtig ist.“[12] Dies bedeutet, dass etwa der Bleistifthersteller überhaupt nicht wissen muss, warum die Nachfrage gestiegen ist, ebenso wenig wie der Holzzulieferer. Die Marktteilnehmer müssen nur wissen, dass die Nachfrage gestiegen ist und dass der Preis, der gezahlt wird, derart stabil ist und bleibt, dass es sich lohnt, der gestiegenen Nachfrage nachzukommen. Außerdem stellt der Preismechanismus sicher, dass nur die Marktteilnehmer an die Informationen gelangen, denen sie auch wichtig sind. Es gibt ein natürliches Interesse auf Seiten der Bleistifthersteller von einer gestiegenen Nachfrage im Einzelhandelsverkauf zu erfahren. Wichtig ist außerdem, dass dieser Informationsfluss symmetrisch ist, also in beide Richtungen verläuft, und nicht nur vom Endkäufer hinzu den Herstellern und den Besitzern der Ressourcen. Wenn beispielsweise Waldbrände dafür sorgen, dass der Holzpreis steigt, gelangt diese Information von den Holzindustrie an den Bleistifthersteller, der gegebenenfalls mit einer Preiserhöhung für die Bleistifte reagiert, was wiederum auch Einfluss auf den Endverkäufer hat. Dieser muss nun selbst entscheiden, ob er ebenfalls den Preis erhöht oder etwa auf den Verkauf von Kugelschreibern umsteigt. Diese Informationssymmetrie zwischen dem Endverkäufer und dem Produzenten gilt in Milton Friedmans Lehre auch für die Relation zwischen Produzenten und Konsumenten.[13]

[...]


[1] Pies, Ingo: Theoretische Grundlagen demokratischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik - Der Betrag Milton Friedmans, in: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, hg. v. Ingo Pies u. Martin Leschke, Tübingen 2004, S.1. In Folge: Pies (2004).

[2] Vgl.: Pies (2004) oder Zintl, Reinhard: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, in: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, hg. v. Ingo Pies u. Martin Leschke, Tübingen 2004. In Folge: Zintl (2004).

[3] Vgl.: Pies (2004): S.7.

[4] Galbraith, James K.: Das Scheitern des Monetarismus - Von den Theorien Milton Friedmans zur Weltfinanzkrise.In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 9/2008, S.70. In Folge: Galbraith (2008).

[5] Vgl.: Friedman, Milton u. Friedman, Rose: Chancen, die ich meine. Ein persönliches Bekenntnis (Auszug), in: Der Wert des Marktes, hg. v. Lisa Herzog u. Axel Honneth, Berlin 2013, S. 140f.. In Folge: Friedman u. Friedman (1980).

[6] Vgl.: Jerks, Stuart: Banken und Finanzkrisen, Lübeck 2012, S.5. In Folge: Jerks (2012).

[7] Jenks (2012).

[8] Eichhorn, Wolfgang u. Solte, Dirk: Das Kartenhaus Weltfinanzsystem, Frankfurt 2009, in Folge: Eichhorn u. Solte (2009).

[9] Friedman u. Friedman (1980): S.135.

[10] Ebd.: S. 136.

[11] Ebd.

[12] Ebd.: S.137.

[13] Vgl.: Zintl (2004): 148f..

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der friedmansche Preismechanismus und die amerikanische Immobilienblase
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V285082
ISBN (eBook)
9783656853398
ISBN (Buch)
9783656853404
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
preismechanismus, immobilienblase
Arbeit zitieren
Martin Hamre (Autor), 2014, Der friedmansche Preismechanismus und die amerikanische Immobilienblase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285082

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