Die Wichtigkeit der Heraldik als Werkzeug des Historikers

Entwicklung und Nutzen der Wappenkunde


Essay, 2014

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die Wichtigkeit der Heraldik als Werkzeug des Historikers.

Aus der umfangreichen Reihe der historischen Hilfswissenschaften stechen einige, wie die Chronologie oder die Diplomatik durch ihre grundlagenschaffenden Forschungsbeiträge hervor, während die Aussagekraft Anderer oft als eher gering angesehen wird.

Ob die Heraldik, die Lehre der Wappenkunde, ebenfalls einen wichtigen und aufschlussreichen Beitrag zur Arbeit des Historikers liefern kann und deshalb nicht vernachlässigt werden sollte, möchte ich im folgenden Text ergründen.

Um die möglichen Arbeitsfelder der Heraldik gut darstellen zu können, ist es nötig sie zuerst im Allgemeinen zu betrachten und einen Blick auf ihre Entstehung und Entwicklung zu werfen.

Die Heraldik ist die Kunde des Wappenwesens. Ihr Name leitet sich von den Personen ab, denen im Mittelalter ihre Pflege und genaue Kenntnis oblag, den Herolden.

Wappen sind die bleibenden, nach bestimmten Regeln festgelegten Abzeichen oder persönliche Erkennungszeichen einer Person, Familie oder Körperschaft.

Sie stellen eine nach Formen, Farben und Verwendung charakterisierte Symbolik dar, die schon im Mittelalter zur Aufschlüsselung und Beschreibung des sozialen Status und der Ständeunterschiede diente.

Bereits aus der Antike ist der Brauch bekannt, dass Krieger ihre Zugehörigkeit zu einer kämpfenden Partei farblich kennzeichneten oder ihre Schilde mit den dekorativen Kennungselementen ihres jeweiligen Heerführers schmückten. Allerdings konnten die Feldfarben prinzipiell bei jedem Feldzug oder jeder Schlacht neu gewählt werden.

Eine andere Herkunftsableitung aus einem alten orientalischen Brauch zur farblichen Schmückung der Krieger wird in der heutigen Geschichtsforschung allgemein abgelehnt. Historisch datiert wird das Wappenwesen heute etwa auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Zur Zeit des ersten Kreuzzugs und mit der Entstehung großer Heeresverbände, die aus mehreren verschiedenen Nationen oder Vasallen vieler Fürsten bestanden, wurden weitere Identifizierungsmerkmale der einzelnen Fraktionen nötig.

Die damals gebräuchlichen, alles verhüllende Rüstungen, welche sich auch oftmals sehr ähnelten, verstärkten das Bedürfnis nach weiterer Kennzeichnung noch mehr.

Aus diesen Gründen wurde neben dem Tragen der Feldzeichen des obersten Heerführers, die farbliche und bildliche Kennzeichnung der Einzelkämpfer üblich.

Hierbei wurden die „Schutzwaffen“ des Kämpfers, mit Farben und Symbolen versehen, die seine Zugehörigkeit deutlich hervorheben sollten. Aus dem mittelhochdeutschen Wort für Waffen, den „Wapen“ entsteht der gebräuchliche Begriff des Wappens. Zu den Hauptschutzwaffen des Kämpfers die gekennzeichnet wurden, gehörten Helm und Schild, aufgrund der besonderen Sichtbarkeit im Felde. Diese wurden zu den Hauptbestandteilen der Wappenbilder.

Die Beschreibung der Farben, Formen und Figuren des Wappenbildes ist die so genannte Blasonierung. Die Farben sind, aufgrund ihres ursprünglichen Sinns als gut sichtbares Erkennungsmerkmal, die wichtigsten Elemente des Wappens und unverzichtbar. Daher gibt es eine Reihe von Wappen, die nur aus Farben bestehen und auf Elemente wie Tiere, Gegenstände, Personen, Fabelwesen und andere Symbole verzichten. Im Lauf der Zeit wurden die Wappenbilder immer weiter ausgeschmückt und ergänzt. Es kommen Elemente wie Panier und Wahlspruch, Schildhalter und zierende Helme sowie weitere den Status beschreibende Beizeichen hinzu.

Die Wappen waren zu Beginn noch keine individuellen Symbole einer Person, sondern allgemeine Erkennungszeichen der Zugehörigkeit zu einer Gefolgschaft.

Dies änderte sich nach dem ersten Kreuzzug langsam aber stetig und die Bedeutung des Wappens wandelte sich. Es wurde üblich, dass zur einzelnen Kennzeichnung nicht nur das Wappen des obersten Lehnsherrn, zum Beispiel das Herrscherwappen, genutzt wurde, sondern nun auch die Wappen der nachfolgenden Mitglieder der Lehenspyramide.

Es erfolgte die Knüpfung individuellerer Wappen an Familien, Geschlechter sowie Lehens­oder Landbesitz. So entstanden die Geschlechter- und Territorialwappen, die einen Rechtsanspruch ihres Trägers bezüglich Abstammung und Besitz darstellen sollten.

Dieser Rechtsanspruch unterteilte sich in das Wappenrecht und die Wappenfähigkeit.

Das Wappenrecht ist das Recht ein bestimmtes individuelles Wappen besitzen zu dürfen. Dieses Recht konnte durch Erbe, Heirat, Adoption, Schenkung oder Kauf erworben werden, Auch die Verleihung oder Annahme eines komplett neuen Wappens war möglich und durchaus üblich.

Die Wappenfähigkeit ist das allgemeine Recht ein Wappen führen zu dürfen. Der Träger erwirbt diese Fähigkeit durch Kraft eigenen Rechtes, meist aus der Zugehörigkeit zu einem Stand oder einer Familie. Der Begriff Wappenfähigkeit war ursprünglich dem Begriff der Waffenfähigkeit gleichgesetzt. Dies war das alleinige Recht „Freier“, Waffen führen zu dürfen und wurde im Mittelalter zuerst durch den Adel, später auch durch ihre Ministerialien

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Wichtigkeit der Heraldik als Werkzeug des Historikers
Untertitel
Entwicklung und Nutzen der Wappenkunde
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Aufbauseminar zur Geschichte des Mittelalters: „Einführung in die historischen Hilfswissenschaften - von Sinn, Zweck und Nutzen für die Geschichtswissenschaft mit einem Schwerpunkt auf der historischen Mediävistik“
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
6
Katalognummer
V285095
ISBN (eBook)
9783656853602
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herladik, Wappenkunde, Geschichte, Historiker
Arbeit zitieren
Niels Rauter (Autor), 2014, Die Wichtigkeit der Heraldik als Werkzeug des Historikers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285095

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