Apple Inc. Industrielle Restrukturierung, globale Wertschöpfung und regionalökonomische Spezialisierung in der IT-Branche


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Global Sourcing, Outsourcing, Offshoring und Contract Manufacturing im IT-Bereich am Beispiel Indien und China
2.1 Global Sourcing (weltweite Beschaffung) und ihre Chancen und Risiken
2.2 Entwicklung des Outsourcing in der IT-Branche am Beispiel Indien
2.2.1 Entwicklung des Offshoring am Beispiel China
2.2.2 Contract Manufacturing (Produktion) - ein neues Produktionsmodell im IT- Bereich ..

3 Globalisierung im IT-Bereich am Beispiel Apple Inc
3.1 Apple Inc. - Von der Garage der Eltern ins Silicon Valley
3.2 Kontraktfertigung (contract manufacturing) bei Apple Inc. als neues Produktionsmodell
3.3 Vor- und Nachteile des Contract Manufacturing für Apple
3.3.1 Vorteile des Contract Manufacturing
3.3.2 Nachteile und kritische Stimmen des Contract Manufacturing bei Apple

4 Kritische Würdigung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wertschöpfungskette

Abbildung 2: Beispiel der Kompetenzverteilung beim Contract Manufacturing

Abbildung 3: Umsatzentwicklung Foxconn 1996-2008

Abbildung 4: Entwicklung des Gesamtumsatzes im Electronics Contract Manufacturing

Abbildung 5: Kosten und Marge eines iPhone 4

Abbildung 6: Vom Auftragsfertiger zum Markenhersteller

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chancen und Risiken des Global Sourcing

Tabelle 2: Umsatzentwicklung Foxconn 1996-2008

Tabelle 3: Auftragsfertiger und Komponentenzulieferer des iPhone von Apple

Tabelle 4: Komponenten des iPad 2 und ihre Hersteller

1 Einleitung

In den letzten zwei Jahrzehnten kam es in der IT-Branche zu einschneidenden Veränderungen. Durch die Globalisierung, unter dessen Begriff verstanden werden kann, „daß bei allen wichtigen Unternehmensentscheidungen zunehmend weltweit […] nach den billigsten oder am besten qualifizierten Arbeitskräften (…), den geeignetsten Zuliefern, den fortgeschrittensten Technologien, den günstigsten Standorten, den vorteilhaftesten Absatzmöglichkeiten.“1 gesucht wird. Durch die wirtschaftliche Verflechtung verschiedener Länder, wurde eine Umstrukturierung der Industrie vorangetrieben. Die Beschaffung von Produktionsfaktoren entlang der Wertschöpfungskette (Abbildung 1) wurde immer globaler und auch die Verlagerung von Produktions- und Fertigungsprozessen ins Ausland rückten stärker in den Vordergrund.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Wertschöpfungskette2

Diese Arbeit soll aus diesem Grund zeigen, wie sich in den letzten Jahrzehnten das Global Sourcing, das Offshoring, das Outsourcing und das Contract Manufacturing entwickelt haben. Dazu wird jeder der genannten Begriffe erläutert und beschrieben (Kapitel 2).

Des Weiteren werden am Beispiel der Firma Apple Inc. das Contract Manufacturing sowie die Vorund Nachteile dieses Verfahrens definiert (Kapitel 3). Am Ende wird die Arbeit kritisch gewürdigt und ein Fazit gezogen.

2 Global Sourcing, Outsourcing, Offshoring und Contract Manufacturing im IT-Bereich am Beispiel Indien und China

2.1 Global Sourcing (weltweite Beschaffung) und ihre Chancen und Risiken

Das Global Sourcing ist eine weltweite Beschaffungsstrategie, die dem Local Sourcing, also dem lokalen Bezug von Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe) gegenübersteht. Dabei findet eine internationale Marktbearbeitung statt, die durch einen zielgerichteten Ausbau der Beschaffungspolitik auf internationale Bezugsquellen gekennzeichnet ist.3

Durch die Ausdehnung der Beschaffungspolitik auf internationale Märkte, entstehen aber auch vielfältige Vor- und Nachteile bzw. Chancen und Risiken, die mit Hilfe der folgenden Tabelle auszugsweise verdeutlicht werden sollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Tabelle 1: Chancen und Risiken des Global Sourcing4

Als Chancen können zum einen die Kostensenkung und zum anderen auch die Risikodiversifikation und die Umsatzsteigerung angesehen werden.

Zur Kostensenkung werden sowohl die Personal- als auch die Materialkosten gezählt. So herrschen in vielen Ländern geringere Lohnkosten, bei längeren Maschinenlaufzeiten und geringerer Steuerbelastung als bspw. in Mitteleuropa oder Nordamerika. Bei den Materialkosten verhält es sich ähnlich und somit kann dem eigenen Unternehmen der Kostendruck genommen und die Wettbewerbsfähigkeit wieder erhöht werden. Weiterhin werden auch Beschaffungsnebenkosten in den Überlegungen des Global Sourcing berücksichtigt.5

Um zu sehen, von wo die verschiedenen Produktionsfaktoren am günstigsten zu beziehen sind, muss ebenfalls auf Verpackungs-, Transport- und Lagerkosten als auch auf Zollgebühren geachtet werden.6 Als ein weiterer Vorteil kann die Risikostreuung angesehen werden, da nicht mehr alles auf den Schultern weniger Lieferanten, sondern auf viele verteilt wird. Dadurch ist es möglich, den Lieferanten schnell gegen einen Anderen auszutauschen, um Lieferkapazitäten abzusichern. Zuletzt möchte ich mich noch der gestiegenen Markttransparenz über die weltweit angebotenen Leistungen widmen. Diese wurde vor allem durch die Anpassung des EG-Binnenmarktes in Europa vorangetrieben und hat zwangsläufig zu einer Steigerung der europaweiten Arbeitsteilung geführt.7 Neben den vielen Chancen des Global Sourcing, dürfen die Risiken nicht vergessen werden. So kann dem Global Sourcing unter anderem das Risiko des Transportes angerechnet werden. Durch die weltweite Beschaffung kann es über die Transportwege - Land, Luft und Wasser - immer wieder zu Komplikationen (Abstürze, Unfälle, Piraterie) kommen.

Weiterhin spielen Wechselkursschwankungen bei den Gefahren eine große Rolle. So kann es passieren, dass aufgrund von kämpferischen Auseinandersetzungen im Land eines Lieferanten die Kurse so enorm fallen, dass dieser für den Einkauf von Materialien aus dem Ausland mehr Geld als sonst bezahlen muss und somit auch die Komponenten teurer werden.

Gleichzeitig können durch sprachliche Differenzen Kommunikationsschwierigkeiten auftreten, welche im weiteren Verlauf zu einer fehlerhaften Produktion führen.8

Nachdem die Chancen und Risiken des Global Sourcing beschrieben wurden, soll im nächsten

Abschnitt das Outsourcing definiert werden, da es zu weltweiter Beschaffung unter anderem dann kommt, wenn Unternehmen verschiedene Unternehmensbereiche ins Ausland verlagern.

2.2 Entwicklung des Outsourcing in der IT-Branche am Beispiel Indien

Das Wort Outsourcing ist ein Kunstwort, das aus den englischen Wörtern outside, resource und using gebildet wurde und damit als die Nutzung externer Ressourcen verstanden werden kann.9 Der Begriff beruht auf dem Grundsatz der Arbeitsteilung, da schon Adam Smith sagte, dass eine höhere Produktivität dann vorherrscht, wenn die Arbeiter genau in den Bereichen eingesetzt werden, in denen sie ihr größtes Können und Wissen zur Anwendung bringen.10

Das Outsourcing ist in der IT-Branche vor allem durch das Jahr-2000-Problem bekannt geworden. Dieses beinhaltete, dass die Computer-Welt befürchtete, dass alle Computersysteme während des Jahrtausendwechsels vom 31.12.1999 auf den 01.01.2000 kollabieren und eine internationale Krise auslösen würden. Denn die PC´s waren so programmiert, dass aufgrund von Speicherplatzeinsparung das Datum sechsstellig ausgegeben und nun das Datum des 01.01.1900 auf den Computern erscheinen würde. Um diesen Fehler zu beheben, war es notwendig, Millionen von Computern umzuprogrammieren. Um dies zu gewährleisten, kam Indien in den Blickpunkt der IT-Industrie.11

Indien war Ende des 20. Jahrhunderts der Nutznießer der amerikanischen Aktieninhaber von Kabelunternehmen. Diese nahmen an, Ewigkeiten an der Glasfaserkabeltechnologie reich werden zu können. Doch als diese Erwartungen nicht erfüllt wurden und die Aktienkurse fielen, „standen sie mit Aktien da, die kaum noch etwas wert oder sogar völlig wertlos waren.“12 Indien trat somit als der Zweitkäufer der Glasfaserkabel auf. Sie kauften nicht wirklich, aber profitierten gemeinsam mit ihren amerikanischen Kunden von der Überproduktion. Dies führte dazu, dass sie die Verbindung umsonst nutzen konnten.13

Glasfaserkabel, eine hohe Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften in der IT-Industrie, durch das Indian Institue of Technology (IIT) und geringere Lohnkosten ermöglichten Ende der 90er Jahre die Anpassung der Grundeinstellungen einer großen Menge an älteren PC´s von Indien aus.14 Dies führte zu einer nie da gewesenen Annäherung von Indien und Amerika, denn es wurde erkannt, dass die Verknüpfung aus Glasfaserkabel, Internet und PC eine neue Form der Kooperation und horizontaler Wertschöpfung ermöglichte. In Folge dieser Zusammenarbeit wurden weitere Bereiche, welche früher im eigenen Unternehmen untergebracht wurden, nach Indien ausgelagert. Dazu gehörten u.a. Dienstleistungen, Bürotätigkeiten und telefonische Kundenbetreuung.15

Einen weiteren Aufschwung erhielt Indien und das Outsourcing durch das Platzen der Dotcom Blase im Jahre 2000. Dabei waren E-Commerce und Online-Handel hier die Schlagwörter. Vor dem Platzen existierte, von Seiten der Dotcom Unternehmen, eine sehr hohe Nachfrage englischsprachiger Programmierer, da die Unternehmen dringend Anwendungssoftware benötigten. Diese Spezialisten waren in Indien zu finden und es zeigte sich, dass diese eine sehr hohe Qualität komplexer Lösungen lieferten. Damit kletterte das Ansehen indischer IT-Provider zusehends. Wenn man beim Jahr-2000- Problem vom Kennenlernen sprach, kann die Dotcom-Blase als Liebesgeschichte bezeichnet werden.16 Als nun die Dotcom-Blase platzte, die Börsenkurse in den Keller fielen und die US-Firmen nur noch wenig Geld hatten, war man nun nicht mehr wegen der hohen Anzahl an indischen Programmierern von diesen abhängig, sondern auch weil sie günstig waren.17

Wieder einmal wurde die Beziehung zwischen den USA und Indien intensiver. Denn viele indische Programmierer, die in den USA arbeiteten, wurden aufgrund von Etatreduktionen der US-Firmen entlassen, konnten sich den Lebensunterhalt nicht mehr leisten und gingen in ihre Heimat zurück. Und genau daraus entstand erneutes Outsourcing. Denn die heimgekehrten Programmierer haben schon durch das Jahr-2000-Problem und das Arbeiten in den USA vieles über die Organisation und Optimierung von Geschäftsprozessen gelernt und arbeiteten nun von Indien aus, zu deutlich günstigeren Lohnkosten, aber auch geringeren Lebenshaltungskosten.18 Diese neuere Entwicklung führte zusehends zu einer Verlagerung der Produktentwicklung und -konstruktion in Contract Manuacturers in Niedrigkostenregionen, die mit dem Begriff Innovation Outsourcing beschrieben werden kann.19 Dadurch entstand ein neues Ausmaß von Outsourcing und die Globalisierung bekam einen Turboantrieb, denn nun wurde alles ausgelagert, was ausgelagert werden konnte und die flache Welt kam immer näher.20

In den kommenden zwei Abschnitten sollen nun zwei Arten von Outsourcing näher erläutert werden, um das Thema noch verständlicher zu machen. Dazu wird in Kapitel 2.2.1 zuerst das Offshoring und in Absatz 2.2.2 das Contract Manufacturing beschrieben.

2.2.1 Entwicklung des Offshoring am Beispiel China

Unter Offshoring kann „eine spezielle Form des Outsourcing verstanden werden“21 Es bezeichnet die Verlagerung von Fabriken eines Unternehmens ins Ausland. Dabei wird die Fabrik mit allem was dazugehört, verlegt, um zu geringeren Lohnkosten, geringerer Steuerlast, geringeren Ausgaben für Strom und Gesundheitsfürsorge, die gleichen Güter zu produzieren.22

Der Beitritt Chinas zur World Trade Organisation (WTO) definierte eine neue Situation des Offshoring. Immer mehr Unternehmen bezogen die Welt, durch die Verlegung ihrer Produktion ins

ferne Ausland, in ihre Wertschöpfungskette mit ein. Weiterhin erhöhte sich die Attraktivität für den

Standort China dadurch, dass die Fabriken nun unter dem Dach des internationalen Rechts und der weltweit geltenden AGB standen. Dies war gleichzeitig ein Signal Chinas, dass sie den beständigen Pfad des Kapitalismus gehen möchten und dass die in China gefertigten Produkte überall verkauft werden können.23

Jene Umstände brachten eine weitere Einebnung der Welt mit sich, sodass ähnlich aufgebaute Länder mitziehen mussten, um den Anschluss nicht zu verlieren (z.B.: Brasilien, Malaysia, Thailand, Irland, Mexiko).24

Chinas Öffnung wirkte ausgleichend, da sich ein riesiger Binnenmarkt entwickelte, dessen Folgen:

- billige Arbeitskräfte,
- ein riesiges Heer von technischen Spezialisten und Ingenieuren
- eine hohe Nachwuchskräftezahl (350.000 jährlich)
- mit hoher Belastbarkeit (12h Arbeitszeit/Tag)
- eine hohe Nachfrage nach Arbeitsplätzen im Produktions-, Dienstleistungs- und Wissenssektor
- ein riesiger, stetig wachsender Absatzmarkt
- eine konkurrenzlose Liefersituation in der Elektronik- und Leichtindustrie
- und eine hohe Entschlossenheit der Unternehmer den Ansprüchen der Handelsketten gerecht

zu werden waren.25

Aktuell besteht in China noch die Möglichkeit durch eine teilweise Binnenverlegung von Firmen Kosten (verschiedene Steuersätze, Grundstückspreise, Lohnkosten) zu sparen. Doch in naher Zukunft wird sich auch dort etwas ändern. Mittlerweile profitieren die Unternehmen nicht nur noch von den niedrigen Lohnkosten, sondern auch von der Produktivitätssteigerung. Diese betrug von 1995 bis 2002 jährlich 17% und ist auf die zügige Auffassungsgabe neuer Technologien und moderner Geschäftsprozesse zurückzuführen.26

Um den Aufstieg Chinas zu halten, werden junge Leute schon früh in Mathematik, Naturwissenschaften sowie in Computerkenntnissen ausgebildet und die Bevölkerung soll möglichst zeitnah an einen flächendeckenden schnellen und leichten Zugang zur modernen Welt mit Computern und Internet herangeführt werden. Mit dieser Offensive erhofft sich China noch mehr ausländische Investoren und es wird vermutet, dass es in nicht mal mehr 30 Jahren von „verkauft in China“ zu „entwickelt in China“ kommt. Ein Land, das dann preiswert, qualitätsbewusst und höchst effizient mit Herstellern aus aller Welt zusammenarbeitet.27

Ein Vorteil des Offshoring ist, dass es gleichzeitig möglich ist den ausländischen Markt zu bedienen

und dort Fuß zu fassen, ohne sich jedoch um Handelsschranken Gedanken machen zu müssen. Weiterhin werden durch den Bau von Fabriken in China meist auch neue Arbeitsplätze in den Heimatländern geschaffen, da die Komponenten und Dienstleistungen in den eigenen Fabriken gebaut und dann nach China exportiert werden.

Auch die geringeren Produktionskosten sprechen für eine Verlagerung der Fabriken nach China. So kostet in China ein Fabrikarbeiter $150/Monat und in den USA $3.000-4.000/Monat.28 Gleichzeitig wird Offshoring auch in den USA von ausländischen Unternehmen betrieben, um den amerikanischen Markt zu erobern. Gleichzeitig erhalten diese Firmen den Qualitätsstandard der USA, da für diesen der Ort der Endfertigung entscheidend ist und somit profitieren die Kunden vom chinesischen Ausgangspunkt der Wertschöpfungskette, sehen aber gleichzeitig einen altbekannten amerikanischen Zulieferer als Namensgeber.29

Hier kann, wie schon beim Outsourcing, eine immer flacher werdende Welt gesehen werden. Sollte China noch länger den WTO-Standards folgen, weitere politische Reformen, in Bezug auf die freie Presse, aktive zivilgesellschaftliche Institutionen, Rechtsstaatlichkeit u.v.m. durchführen, dann wird für China auch in Zukunft Wirtschaftswachstum möglich sein und die Welt flacher werden. Für Europa und Amerika heißt dies, dass neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen, um das Optimum aus China herauszuholen und die Gefahren, die entstehen, abzufedern. Dies ist jedoch nur möglich, wenn sich Europa und Amerika genauso schnell weiterentwickeln wie China.30

Nachdem bisher in Kapitel 2 Global Sourcing und das Outsourcing mit der Form des Offshoring beschrieben wurden, soll in Kapitel 2.2.2 eine weitere Art des Outsourcing, nämlich das Produktionsmodell des Contract Manufacturing erläutert werden. Diese hat sich in der IT-Branche in den letzten zwanzig Jahren als eine Form des Outsourcing immer stärker hervorgetan und bedarf einer besonderen Betrachtung in dieser Arbeit.

2.2.2 Contract Manufacturing (Produktion) - ein neues Produktionsmodell im IT- Bereich

Contract Manufacturing (CM) bezeichnet ein „Modell integrierter Produktionsdienstleistungen“31. Dieses entstand in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst im Süden der USA durch IBM und später insbesondere im Silicon Valley. Wesentliches Kennzeichen dieses Modells ist dabei, dass nahezu die gesamte Produktionskette von spezialisierten Auftragsfertigern (Contract Manufacturers) übernommen wird. Schnell entwickelte sich dieses postfordistische Modell als Prototyp einer transnationalen vernetzten Massenproduktion.32 Am Anfang wuchs dieser Branchenteil um ca. 25% p.a. und war somit einer der am stärksten wachsenden Segmente des IT-Sektors.33 „Das Platzen der Internet-Blase und die folgende Krise des IT-Sektors haben die Grenzen dieser vertieften kapitalistischen Arbeitsteilung und Vergesellschaftung von Produktion und Entwicklung deutlich werden lassen.“34

Aus diesem Grund lagen die Wachstumsraten „nach einer Krise zu Beginn des Millenniums […} einige Jahre bei 20% p.a. In 2009 schrumpfte die Branche um 11%, aber von 2010 bis 2014 wird wieder ein durchschnittliches Wachstum von 8% p.a. erwartet.“35

Die Auftragsfertiger, die auf dem gefertigten Produkt nicht erkannt („stealth manufacturing - Tarnkappenproduktion“36 ) werden und dessen Firmennamen kaum bekannt sind, übernehmen dabei die komplette Konstruktion des Gesamtproduktes.37 Dabei verfügen sie über umfangreiche Ressourcen der Produktion, Technologie und Logistik in sämtlichen Zweigen der Systemfertigung.38 Die global agierenden CM-Firmen sind inzwischen zu den größten Arbeitgebern von Produktionsarbeitern/innen in der US-Elektronikbranche geworden.39

Viele der heute größten IT-Unternehmen stellen nichts mehr her oder haben nie eine eigene Produktionsstätte inne gehabt.40 Aus diesem Grund können die freien Ressourcen für das Design, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie das Marketing verwendet werden.41 So gaben sie Ihre Fertigung u.a. an Firmen in Asien, Mittelosteuropa und Lateinamerika ab, die sich darauf konzentriert haben.42 Dies sind solche Unternehmen wie zum Beispiel Asustek, Inventec, Appliances und Foxconn in China.43

Das Erscheinen des Contract Manufacturing kann als grundlegende Veränderung in der globalen ITBranche, aber auch in der Telekommunikation, Industrie-, Automobil-, Medizinelektronik und Raumfahrt, bezeichnet werden.44

Die Nutzung von Contract Manufacturer ist vor allem auf die Kostenstruktur zurückzuführen, da diese nicht speziell für eine einzelne Produktlinie genutzt werden, sondern für mehrere Kunden gleichzeitig produzieren.45 So fertigt der chinesische Auftragsfertiger Foxconn, welche eine Tochterunternehmung der Hon Hai Precision Industry Co. Ltd ist, sowohl für Apple als auch für Dell, Amazon, Nokia und Hewlett Packard u.a..46

[...]


1 JUNNE, G.: Integration unter den Bedingungen von Globalisierung und Lokalisierung. In: JACHTENFUCHS, M.; KOHLER-KOCH, B.: Europäische Integration. Stuttgart: UTB, 1. Aufl., 1996, S. 516.

2 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: WEBER, W.; KABST, R.: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Wiesbaden: Gabler, 7. Aufl., 2009, S. 14.

3 SCHULTE, Christof: Logistik. Wege zur Optimierung der Supply Chain. München: Vahlen, 6. Aufl., 2013, S. 300.

4 Eigene Darstellung in Anlehnung an: SCHULTE, a.a.O., S. 300f.

5 Vgl. SCHULTE, a.a.O., S. 300f.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd., S. 301.

9 Vgl. HERMES, H.-J.; Schwarz, G.: Outsourcing: Chancen und Risiken, Erfolgsfaktoren, rechtssichere Umsetzung. München: Rudolf Haufe Verlag, 1. Aufl., 2005, S. 15f.

10 Vgl. ebd..

11 Vgl. FRIEDMANN, L.: Die Welt ist flach. Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1. Aufl., 2006. S. 166.

12 Ebd., S. 160f.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd., S. 166.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. ebd., S. 167.

17 Vgl. ebd., S. 169.

18 Vgl. ebd., S. 170.

19 Vgl. LÜTHJE, B.; HÜRTGEN, S.; PAWLICKI, P.; SPROLL, M.: From Silicon Valley to Shenzhen: Global Production and Work in the IT industry. Lanham: Rowman & Littlefield, 2013, S. 33.

20 Vgl. FRIEDMANN, a.a.O., S. 170.

21 CLEMENT, R.; NATROP, J.: Offshoring - Chance oder Bedrohung für den Standort Deutschland? In: Wirtschaftsdienst, 84 (2004) 8, S. 519.

22 Vgl. FRIEDMANN, a.a.O., S. 173f.

23 Vgl. ebd., S. 175.

24 Vgl. ebd., S. 176.

25 Vgl. ebd., S. 177f.

26 Vgl. ebd., S. 179.

27 Vgl. ebd., S. 179.

28 Vgl. ebd., S. 185f.

29 Vgl. ebd., S. 186.

30 Vgl. ebd., S. 188ff.

31 HÜRTGEN, S.; LÜTHJE, B.; SCHUMM, W.; SPROLL, M.: Von Silicon Valley nach Shenzen. Globale Produktion und Arbeit in der IT- Industrie. Hamburg: VSA-Verlag, 1. Aufl., 2009, S. 56.

32 Vgl. SPROLL, M.: High Tech für Niedriglohn. Neotayloristische Produktionsregimes in der IT-Industrie in Brasilien und Mexiko. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 1. Aufl., 2010, S. 26.

33 Vgl. LÜTHJE, Boy: Silicon Valley. Vernetzte Produktion, Industriearbeit und soziale Bewegungen im Detroit der „New Economy“. In: PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft: 31[122] 2001., S. 86f.

34 MÜLLER, W.: Contract Manufacturers: Wie ein iPod entsteht. In: STEFAN, F. (Hrsg.): What's new, Economy? Die Transformation der Weltwirtschaft. Hamburg: KVV Konkret. 1. Aufl., 2007, S. 102.

35 MOSCHETT, D.; DONATH, A.: Die Globale Strategie von Flextronics - Contract Manufacturer als Outsourcing-Partner international tätiger Industrieunternehmen. In: ZENTES, J.; SWOBODA, B.; MORSCHETT, D. (Hrsg.): Fallstudien zum Internationalen Management. Grundlagen-Praxiserfahrungen-Perspektiven. Wiesbaden: Gabler Verlag, 4. Aufl., 2011, S. 213.

36 HÜRTGEN; LÜTHJE, u.a., a.a.O., S. 57.

37 Vgl. LÜTHJE, a.a.O., S. 87.

38 Vgl. HÜRTGEN; LÜTHJE, u.a., a.a.O., S. 56.

39 Vgl. LÜTHJE, a.a.O., S. 87.

40 Vgl. MÜLLER, a.a.O., S. 96.

41 Vgl. MOSCHETT; DONATH, a.a.O., S. 213.

42 Vgl. SPROLL, a.a.O., S. 26.

43 Vgl. MÜLLER, a.a.O., S. 96.

44 Vgl. SPROLL, a.a.O., S. 26.

45 Vgl. MOSCHETT; DONATH, a.a.O., S. 213.

46 Vgl. DUHIGG, C.; BRADSHER, K. (2012): How the U.S. Lost Out on iPhone Work. In: The New York Times, 21.01.2012.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Apple Inc. Industrielle Restrukturierung, globale Wertschöpfung und regionalökonomische Spezialisierung in der IT-Branche
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Globaler Kapitalismus, Internationale Wertschöpfung und regionale Spezialisierung
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V285186
ISBN (eBook)
9783656855293
ISBN (Buch)
9783656855309
Dateigröße
819 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rekonstruierung, Restrukturierung, Apple, IT, Spezialisierung, Konrad, Steinwachs
Arbeit zitieren
Konrad Steinwachs (Autor), 2014, Apple Inc. Industrielle Restrukturierung, globale Wertschöpfung und regionalökonomische Spezialisierung in der IT-Branche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285186

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