Beschäftigt man sich mit dem Thema Handel und Kulturtransfer in der Urgeschichte, so muß man sich zunächst von einigen modernen Vorstellungen, wie ein solcher Güter- und Ideenaustausch stattzufinden hat, trennen. Im folgenden möchte ich versuchen, einige allgemeingültige Aussagen über den Handel in der Nordischen Bronzezeit, aber auch allgemein in der Urgeschichte zu treffen.
Zunächst einmal muß man sich bewußt machen, daß man nicht alle Objekte, die eindeutig in einem bestimmten Gebiet hergestellt, aber in einem anderen Gebiet gefunden wurden, Handelsgüter darstellen müssen. Es gibt noch eine Reihe anderer Möglichkeiten, wie ein Gegenstand von A nach B gelangen kann, z. B. als Heirats- oder Beutegut oder als Gastgeschenk. Sowohl echtes Handelsgut, als auch Dinge, die unter die letzten drei Oberbegriffe fallen, können aber zum Kulturtransfer gehören, sofern die fremden Einflüsse in die eigene Kultur aufgenommen, integriert und weiterentwickelt werden.
Ferner ist die Rekonstruktion von Handelsrouten aus Fundkartierungen grundsätzlich in Frage zu stellen, denn hinter diesen Fundkartierungen verbirgt sich oftmals einfach nur eine spezifische archäologische Quellenüberlieferung, mit anderen Worten ausgedrückt: Wo viel gegraben wird, wird auch viel gefunden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Überlegungen zum Handel in der Urgeschichte im allgemeinen und in der Nordischen Bronzezeit im besonderen
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode I
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode II
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode III
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode IV
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode V
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode VI
Karten und Tafeln
Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Handel und den damit verbundenen Kulturtransfer während der Nordischen Bronzezeit. Ziel ist es, die komplexen Austauschprozesse und die Verbreitung fremder Einflüsse in den nordischen Kulturraum zu beleuchten und zu hinterfragen, inwiefern archäologische Funde tatsächlich als Spiegel eines organisierten Handels interpretiert werden können.
- Analyse der Handelsstrukturen und -routen in der Nordischen Bronzezeit.
- Untersuchung der Bedeutung von Importgütern wie Bronze, Gold und Bernstein.
- Bewertung des Einflusses mitteleuropäischer und ägäischer Kulturströme auf den Norden.
- Diskussion über die Rolle von Wanderhandwerkern und Elite-Gabenaustausch.
- Chronologische Betrachtung der Handelsentwicklung von Periode I bis VI.
Auszug aus dem Buch
Periode II:
In dieser Zeit verlagert sich der Siedlungsraum zumindest in Dänemark merklich zu den Küsten hin. Das dortige Vorkommen von Bernstein und der zunehmend immer wichtiger werdende Handel, der mit Schiffen organisiert werden muß, sind wohl zumindest eine Ursache.
Eines der wichtigsten Importgüter neben der Bronze war sicherlich das Gold. Folgt man der Spur der oft im Nordischen Kreis gefundenen einzeln oder doppelt spiralig aufgerollten Goldringe (Abbildung 5), so kommt man nach Südosten in das Ursprungsgebiet des Goldes, die österreichischen Alpen und Siebenbürgen. Die Tatsache, daß oft größere oder kleinere Stücke aus diesen Ringen herausgebrochen wurden, spricht dafür, in ihnen ein neutrales Zahlungsmittel ähnlich dem späteren Hacksilber zu sehen.
Gold wurde auch in Form getriebener Goldblechschalen, vermutlich aus Mitteleuropa, eingeführt.
Die nordischen Nackenscheibenäxte (Abbildung 6) haben zweifellos ihr Vorbild in den Nackenscheibenäxten Südosteuropas, damals das Zentrum einer blühenden Metallindustrie, dank der reichen Kupfervorkommen Siebenbürgens und der Ostalpen und wir können annehmen, daß der Norden sein Kupfer von dort bezog; mit dem Kupfer gelangten dann auch Fremdformen in den Nordischen Kreis.
Der Handel mit Schwertern florierte: Eine große Anzahl eines bestimmten Schwerttyps mit achtkantigem Griff, der in Süddeutschland oder Österreich hergestellt wurde, wird nun in Südskandinavien gefunden (Karte 2). Vorstellbar ist auch, daß die schon erwähnten Wanderhandwerker für nordische Auftraggeber die Schwerter ihres Heimatgebietes herstellten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitende Überlegungen zum Handel in der Urgeschichte im allgemeinen und in der Nordischen Bronzezeit im besonderen: Es werden grundlegende methodische Ansätze und Probleme bei der Rekonstruktion prähistorischer Handelswege sowie der Interpretation von Funden als Handelsware diskutiert.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode I: Fokus auf das Aufkommen von Bronzeimporten, die Rolle des Bernsteins als Exportgut und den beginnenden gesellschaftlichen Wandel durch das neue Metall.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode II: Behandlung des zunehmenden Goldimports, der Bedeutung von Wagenfunden und dem Einfluss südosteuropäischer Metallindustrie auf nordische Formen.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode III: Analyse der Eigenständigkeit nordischer Produktion bei gleichzeitigem Import technologisch anspruchsvoller Metallobjekte wie Kesselwagen.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode IV: Untersuchung der verstärkten Kontakte zur Urnenfelderkultur, des Einflusses von Keramikstilen und der Verschiebung von Handelsrouten nach Westen.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode V: Betrachtung der intensiven Aufnahme mitteleuropäischer Impulse, sichtbar an spezifischen Schwerttypen und technologischen Neuerungen.
Abriß der Geschichte des Handels in der Nordischen Bronzezeit: Periode VI: Zusammenfassung der technologischen Wende zum Eisen und der Integration regionaler Einflüsse in einen einheitlichen nordischen Stil am Ende der Bronzezeit.
Karten und Tafeln: Anhang mit kartografischen Darstellungen der Fundverteilungen sowie Abbildungen der diskutierten Bronzefunde.
Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Nordische Bronzezeit, Handel, Kulturtransfer, Bronze, Bernstein, Gold, Urnenfelderkultur, Hallstattkultur, Handelswege, Depotfunde, Wanderhandwerker, Metallindustrie, Archäologie, Südskandinavien, Prestigeobjekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Handels und des Kulturtransfers in der Nordischen Bronzezeit und analysiert, wie externe Einflüsse den nordischen Kulturraum geformt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Rekonstruktion von Handelswegen, der Import von Metallobjekten wie Bronze und Gold sowie die Analyse von Fundgruppen im Kontext mitteleuropäischer Kulturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein differenziertes Bild des Güter- und Ideenaustauschs zu zeichnen und zu hinterfragen, ob archäologische Funde als organisierter Handel oder als Ergebnis anderer Mechanismen wie Heirats- oder Gabenaustausch zu deuten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung archäologischer Fundkartierungen, den stilistischen Vergleich von Metallobjekten mit Funden aus anderen europäischen Regionen sowie die Einbeziehung zeitgenössischer ethnologischer Überlegungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Abhandlung der Perioden I bis VI, wobei für jede Periode die spezifischen Importe, Technologietransfers und kulturellen Verbindungen detailliert analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Nordische Bronzezeit, Kulturtransfer, Handelswege, Urnenfelderkultur, Prestigeobjekte und Metallverarbeitung charakterisiert.
Welche Rolle spielten die sogenannten „Vogelrinder“ in der Analyse?
Die Vogelrinder, insbesondere aus den Funden von Skjerne und Egemose, dienen als Beleg für den starken Kulturstrom aus dem südwestlichen Zentrum der Urnenfelderkultur und deuten auf den Import komplexer Wagenkonstruktionen hin.
Wie wird das Ende der Nordischen Bronzezeit interpretiert?
Die Autorin sieht das Ende der Kultur und ihres spezifischen Kunststils in einer Kombination aus dem Versiegen der Kupferquellen in den Ostalpen, dem Aufkommen von Eisen als Alternative und möglicherweise einem Zuzug neuer Bevölkerungsgruppen.
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- Antje König (Author), 2003, Handel und Kulturtransfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28521