Arbeitslosigkeit


Unterrichtsentwurf, 2003

39 Seiten, Note: ohne


Leseprobe

Inhalt:

1. Bedingungsanalyse
1.1 Klassenzusammensetzung
1.2 Lernvoraussetzungen
1.3 Entwicklungspsychologische Bedingungen
1.4 Soziokulturelle Bedingungen

2. Gegenstandsanalyse
2.1 Einleitung
2.2 Die Bedeutung der menschlichen Arbeit
2.3 Arbeitslosigkeit
2.3.1 Begriff
2.3.2 Formen der Arbeitslosigkeit
2.3.2.1 Kurzfristige Arbeitslosigkeit
2.3.2.2 Mittelfristige Arbeitslosigkeit
2.3.2.3 Langfristige Arbeitslosigkeit
2.3.3 Gründe der Arbeitslosigkeit
2.3.4 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen
2.3.5 Folgen der Arbeitslosigkeit für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik
2.4 Ausmaß der Arbeitslosigkeit
2.4.1 Situation auf dem Arbeitsmarkt
2.4.2 Situation auf dem Ausbildungsmarkt
2.5 Schlüsselqualifikationen
2.5.1 Was Unternehmen verlangen
2.5.2 Notwendigkeit einer Ausbildung
2.6 Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit
2.6.1 Allgemeines
2.6.2 Hartz - Konzept
2.6.3 Neue Zumutbarkeitregeln

3. Didaktische Begründung

4. Lernziele
4.1 Lernschritte

5. Die Unterrichtsplanung und –ablauf
5.1 Erste Doppelstunde
5.2 Zweite Doppelstunde
5.3 Dritte Doppelstunde – detailgetreue Vorstellung des Unterrichtsabschnitts:
„Individuelle Konflikte mit der ‚neuen Zumutbarkeit’“
5.3.1 Plantabelle
5.3.2 Lernziele
5.3.3 Methodik
5.3.4 Konfliktanalyse
5.3.5 Materialien für den Unterrichtsabschnitt
5.3.5.1 Informationskarte
5.3.5.2 Arbeitsauftrag an die Gruppen
5.3.5.3 Arbeitsauftrag an die Beobachter
5.3.5.4 Rollenbeschreibungen
5.4 Vierte Doppelstunde

6. Material
6.1 Karikatur (M1)
6.2 Zielscheibenplakat (M2)
6.3 Statistiken (M3)
6.4 Tabellen zur Hausaufgabenergebnissicherung (M4)
6.5 Arbeitsmaterial der Gruppen (M5)
6.5.1 Arbeitsauftag für alle Gruppen
6.5.2 Arbeitsmaterial Gruppe 1
6.5.3 Arbeitsmaterial Gruppe 2
6.5.4 Arbeitsmaterial Gruppe 3
6.5.5 Arbeitsmaterial Gruppe 4
6.6 Was erwartet die Wirtschaft von Schulabgängern? Schlüsselqualifikationen aus der Sicht der Arbeits- und Berufspraxis (M6)
6.7 Das schwarz-rot-goldene Himmelbett (M7)
6.8 Soziale Folgen (M8)
6.9 Zumutbarkeit (M9)
6.10 Tafelbild – Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit (M10)

7. Literatur und Quellen

1. Bedingungsanalyse

Die unserer Bedingungsanalyse zugrunde gelegten Angaben stammen von einem früheren Seminar, in dem wir an der Staatlichen Gewerbeschule Verkehrstechnik, Arbeitstechnik, Ernährung (G20), Berufsfachschule Gesundheit, in Billwerder in der Klasse BFG 1.2 (Berufsfachschule Gesundheit) hospitiert und auch zwei Stunden unterrichtet haben.

1.1 Klassenzusammensetzung

Das Ziel der Schüler[1] ist es, in einer zweijährigen teilqualifizierten Schulform den Realschulabschluss zu erlangen.

Die Klasse setzt sich aus 16 weiblichen und 4 männlichen Schülern zusammen, welche in einem Alter von 15 bis 19 Jahren sind.

Vier Schüler besitzen keinen Hauptschulabschluss.

Hinsichtlich der abgebenden Schule sind folgende Angaben bekannt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Lernvoraussetzungen

Der Unterricht in dem Fach „Sozialkunde“ hat einen wöchentlichen Umfang von zwei Unterrichtsstunden. Die zuständige Lehrerin erteilt in dieser Klasse auch das Fach „Deutsch“.

Der Unterricht erfolgt in Lernfeldern. Offene und freie Arbeitsformen (Gruppenarbeit, Pro-Contra-Debatte, Rollenspiel, Befragung) sind den Schülern dadurch schon bekannt.

Die Schule hat einen Computerraum mit 20 vernetzten PCs, so dass die Klasse auch mit der Internetrecherche vertraut ist.

1.3 Entwicklungspsychologische Bedingungen

Wie die Struktur der schulischen Vorbildung zeigt, treten in der Klasse starke Leistungsunterschiede auf. Das Vorwissen kann jedoch in der Regel als mangelhaft angenommen werden. Viele Schüler haben mehrere Schulwechsel und einige Wiederholungsjahre in der allgemeinbildenden Schule erlebt.

Zum Teil erkannten wir eine Verweigerungshaltung von Schülern im Unterricht. Einerseits ist dies eventuell auf eine Überforderung einzelner Schüler zurückzuführen, andererseits möchte die Mehrzahl mit einem geringen Aufwand den Realschulabschluss bekommen und die Lerninhalte möglichst passiv konsumieren.

Die Motivation ist in der Regel sehr mangelhaft. Doch ist der zu bearbeitende Lernstoff interessant verpackt und alltagsbezogen, sind die Schüler leicht zu motivieren und handeln auch aktiv, z.B. in Gruppenarbeiten.

Aufgrund einer früheren Klassenzusammenlegung ist die Klasse in Gruppen gespalten.

Die Atmosphäre während des Unterrichts ist überwiegend als unruhig zu charakterisieren, da die Schüler zum Teil nicht pünktlich zum Unterricht erscheinen, während des Unterrichtes den Raum verlassen, Essen und Trinken, Musik hören oder sich unterhalten.

Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass 2/3 der Schüler als leistungsschwach einzuschätzen sind und nur 1/3 können den gestellten Anforderungen der Schule gerecht werden.

Damit sind hohe Fehlzeiten, Distanz zu den eigenen Misserfolgen, falsche Selbstwahrnehmungen und eine relativ schlechte Perspektive für eine spätere Berufsfindung zu erklären.

1.4 Soziokulturelle Bedingungen

Drei Schüler sind türkischer Nationalität, von denen zwei auch türkischer Herkunft sind, und ein Schüler stammt aus Bosnien-Herzegowina. Drei Schülerinnen sind Migranten aus osteuropäischen Staaten mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die restlichen 13 Schüler sind in Deutschland geboren mit deutscher Staatsangehörigkeit.
Die Schüler kommen überwiegend aus sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft, das heißt zum größten Teil aus Elternhäusern, die über ein unterdurchschnittliches Einkommen verfügen und in denen viele Eltern arbeitslos sind. Einige Familien müssen auch von der Sozialhilfe leben, so dass man davon ausgehen kann, dass die Schüler Erfahrungen mit dem Leben in Armut haben. Viele von ihnen arbeiten selbst neben der Schule, teilweise in einem großen zeitlichen Aufwand, um sich ihre eigenen materiellen Wünsche überhaupt erfüllen zu können.
Die Lernenden haben zum größten Teil keine Lust auf die Schule, da sie auch keine Perspektiven für ihre Zukunft sehen.

In der Freizeit sind sie sich meistens selbst überlassen, da ihre Eltern, oft überfordert mit der ganzen Situation, sie wenig unterstützen. Einige Schüler verfügen zu Hause über einen PC und einen Internetzugang, doch nicht allen Schüler ist es möglich im Internet zu recherchieren.

2. Gegenstandsanalyse

2.1 Einleitung

Massenarbeitslosigkeit und deren Folgen auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene sind heute eines der Hauptprobleme in den Ländern der Europäischen Union. So waren im November 2002 in der Bundesrepublik Deutschland über 4 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 9,7% entspricht. Als besonders drückend wird dieses Problem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen empfunden, wenn diese in der Sorge leben, nach der Schulausbildung keine geeignete Berufsausbildungs- und Arbeitsstelle zu erhalten.

Im Zuge der konjunkturellen Schwäche hat auch die Jugendarbeitslosigkeit deutlich zugenommen. Im November 2002 waren 472.000 junge Menschen unter 25 Jahren von der Arbeitslosigkeit betroffen, 42.000 mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr.[2]

Die Jugendarbeitslosenquote liegt somit nur knapp unter der allgemeinen Arbeitslosenquote, womit die Annahmen, dass die Folgen der Globalisierung vor allem unflexible, ältere Arbeitnehmer trifft, nicht zu halten sind. Jugendliche sind genauso durch die Strukturveränderungen betroffen und belastet, was z.B. in den Ergebnissen der Shell-Jugendstudie 2002 ihren Niederschlag findet.[3]

Aber nicht nur Jugendarbeitslosigkeit, auch die Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstelle wurde in den letzten Jahren für viele Jugendliche zum Problem.

2.2 Die Bedeutung der menschlichen Arbeit

Arbeit hat viele Gesichter:

Über Arbeit haben Menschen verschiedene Vorstellungen. Manche empfinden Arbeit als Mühe und Last und andere arbeiten gerne. Viele sehen die Arbeit vornehmlich als Einkommensquelle an, die ihnen den Unterhalt oder Wohlstand sichert. Andere wiederum begreifen Arbeit als notwendig, damit zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse Güter entstehen können.

Die Bedeutung der Arbeit für den Menschen liegt in ihrer dreifachen Verklammerung mit dem Leben:[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Arbeitslosigkeit

2.3.1 Begriff

Die Arbeitslosigkeit ist ein Mangel an Arbeitsgelegenheit zu angemessenem Entgelt für Arbeitsfähige und Arbeitswillige.“[5]

Sie entsteht dadurch, dass angebotene Arbeitsleistung von den Betrieben nicht nachgefragt wird. Es kommt somit zu einer Unter- bzw. Nichtbeschäftigung von Teilen der Arbeitnehmerschaft.[6]

Die Arbeitslosigkeit ist ein makroökonomisches Problem, das den Einzelnen am unmittelbarsten und am nachhaltigsten betrifft.

Für die meisten Menschen hat der Verlust des Arbeitsplatzes eine Verminderung des Lebensstandards und psychische Probleme zur Folge. Es ist deshalb nicht überraschend, dass das Thema Arbeitslosigkeit immer wieder Gegenstand der politischen Auseinandersetzung ist.

2.3.2 Formen der Arbeitslosigkeit

2.3.2.1 Kurzfristige Arbeitslosigkeit

Zu den kurzfristigen Formen der Arbeitslosigkeit gehören die friktionelle und die saisonale Arbeitslosigkeit. Unter der friktionellen Arbeitslosigkeit versteht man die Arbeitslosigkeit, die auf einen freiwilligen Arbeitswechsel zurückzuführen ist. Diese „Sucharbeitslosigkeit“ entsteht dadurch, dass der Arbeitnehmer, der seinen bisherigen Arbeitsplatz aufgegeben hat, eine bestimmte Zeit nicht beschäftigt ist, da er aus den zur Verfügung stehenden freien Stellen noch nicht diejenige herausgefunden hat, die für ihn passend erscheint. Diese Form dauert i.d.R. nicht länger als drei Monate. Die saisonale Arbeitslosigkeit entsteht durch jahreszeitlich bedingte Produktions- und Nachfrageschwankungen, von denen jeweils nur bestimmte Wirtschaftsbereiche betroffen sind. Besonders betroffen sind hierbei die Landwirtschaft, das Baugewerbe und der Tourismus mit all ihren vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen. Die Saisoneinflüsse können als Ursache nicht beseitigt werden. Doch der Staat versucht mit Hilfe von bestimmten Förderungen diesen Prozess der Arbeitslosigkeit zu verringern, z.B. indem der Staat den Winterbau fördert, so dass auch im begrenzten Umfang die Beschäftigung im Bausektor während des Winters aufrecht erhalten wird.[7]

2.3.2.2 Mittelfristige Arbeitslosigkeit

Bei der konjunkturellen Arbeitslosigkeit kommt es zu einem vorübergehenden Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Güternachfrage, wodurch dann das Nachfragedefizit auf den Gütermärkten auch zu einem Nachfragedefizit am Arbeitsmarkt führt. Das heißt letztlich, dass Arbeitskräfte freigesetzt werden. Ursachen dieser Form der Arbeitslosigkeit sind somit Schwankungen im Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials.

Nahezu alle Wirtschaftsbereiche sind von der konjunkturellen Arbeitslosigkeit betroffen.

Um dem Nachfrageeinbruch im privaten Bereich entgegenzuwirken und somit letztlich die Vollbeschäftigung anzustreben, ergreift der Staat verschiedene Maßnahmen. Versagt dann diese staatliche Wirtschaftspolitik, dauert die konjunkturelle Arbeitslosigkeit länger an.[8]

2.3.2.3 Langfristige Arbeitslosigkeit

Zu den längerfristigen Formen der Arbeitslosigkeit gehören die strukturelle, die technologische und die demographische Arbeitslosigkeit.

Die strukturelle Arbeitslosigkeit beruht auf regionalen, berufs- und qualifikationsspezifischen, branchenmäßigen, geschlechts- und altersspezifischen Missverhältnissen zwischen Arbeitsangebot und –nachfrage. Diese Missverhältnisse werden zum einen mit Merkmalsdiskrepanzen zwischen dem Arbeitskräfteangebot und der –nachfrage begründet und zum anderen als Folge unzureichender Anpassungsfähigkeit (Mobilität) betrachtet.

In einer dynamischen Wirtschaft ist die strukturelle Arbeitslosigkeit bis zu einem bestimmten Grad nicht zu vermeiden, da sich die Zusammensetzung von Angebot und Nachfrage ständig ändert, die Anpassung des Faktors Arbeit aber begrenzt ist.[9]

Man kann bei der strukturellen Arbeitslosigkeit noch folgende Arten unterscheiden:

Die sektorale Arbeitslosigkeit betrifft einzelne Branchen, deren Güter billiger importiert werden können, überhaupt nicht mehr nachgefragt werden oder die von technologischer Entwicklung betroffen sind. Von diesen Veränderungen sind zumeist auch ganze Berufszweige betroffen (z.B. Schiffbau, Bergbau, Textilindustrie).

Die regionale Arbeitslosigkeit entsteht in Gebieten mit einer dauerhaft schwachen Wirtschaftsstruktur, in Gebieten, die sich wirtschaftlich im Umbruch befinden oder in Gebieten, die überwiegend von einem großen Arbeitgeber abhängig sind, der in Konkurs geht (z.B. Ostfriesland, Schleswig-Holstein).[10]

Technologischer Wandel kann zu einer Freisetzung von Arbeitskräften in bestimmten Branchen führen. Dieser Freisetzungseffekt des technischen Fortschritts kann die Aufnahmefähigkeit wachstumsstarker Branchen übersteigen, so dass es trotz hinreichender Mobilität der Arbeitskräfte zu technologischer Arbeitslosigkeit kommt.

Bei der demographischen Arbeitslosigkeit liegt ein im langfristigen Trend zunehmendes Erwerbspersonenpotential aufgrund von demographischen Entwicklungen, insbesondere durch Zuwanderungen (Ausländer, Aussiedler) und Veränderungen im Erwerbsverhalten vor. Diesem steigendem Arbeitskräfteangebot steht keine entsprechende Erhöhung des Arbeitsplatzangebots gegenüber.

Um die Differenz zwischen dem Potential und dem Bedarf so gering wie möglich zu halten, werden immer wieder Maßnahmen zur Verringerung des Arbeitskräftepotentials diskutiert und durchgeführt. Maßnahmen, wie die Herabsetzung der flexiblen Altersgrenze für den Rentenbezug, Vorruhestandsregelungen, Altersteilzeit, Anwerbestop für Ausländer, Änderung des Asylrechts, Umschulungen und Eingliederungs- und Mobilitätsbeihilfen sind aber auch teilweise umstritten, da sie nicht nur wirtschaftliche Sachverhalte berühren.[11]

2.3.3 Gründe der Arbeitslosigkeit

Die Gründe der Arbeitslosigkeit sind sehr vielfältig und folgendermaßen zu strukturieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.4 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen

Die möglichen Folgen einer längeren Arbeitslosigkeit lassen sich unterteilen in finanzielle und psychisch-soziale Veränderungen.

Die Arbeitslosigkeit ist mit finanziellen Einbußen verbunden. Denn auch wenn ein Anspruch auf Arbeitslosengeld oder –hilfe besteht, müssen gegenüber dem bisherigen Nettoeinkommen bestimmte Abschläge in Kauf genommen werden. Gerade bei einer längeren Arbeitslosigkeit lässt es sich nicht vermeiden, den Lebensstandard zu senken.

Doch oft werden von den Betroffenen die psychischen Belastungen, die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufen werden, als noch stärker empfunden.

In unserer Leistungsgesellschaft zählt nur derjenige etwas, der auch etwas für die Gesellschaft „schafft“, d.h. der auch arbeiten geht. In der Öffentlichkeit bekommt die Arbeitslosigkeit oftmals eine negative Bedeutung.

Folgende Auswirkungen lassen sich gerade bei länger andauernder Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Personen feststellen:

- Veränderung der Zeitstruktur des Alltags durch Änderung des gewohnten Rhythmus von Arbeits- und Freizeit,
- Verlust der Zukunftsperspektive im Hinblick auf die individuelle Berufskarriere und die familiäre Entwicklung,
- Verlust von sozialen Kontakten zu anderen Menschen und der damit verbundenen Anerkennung bis hin zur Isolation,
- Einschränkung der Möglichkeiten der Selbstverwirklichung in der Berufstätigkeit,
- Einbußen im Hinblick auf das soziale Selbstwertgefühl (Minderwertigkeitsgefühl),
- Wegfall einer sinnvollen Beschäftigung,
- Aufkommen von Langeweile, Depressionen,
- erleben individueller Handlungsohnmacht bei vergeblicher Stellensuche bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit,
- Erlebnis der Abhängigkeit von seiner Umgebung (Familie, Ehepartner, Arbeitsvermittlung, Arbeitsverwaltung),
- Aufkommen individueller Schuldgefühle bei selektiven Entlassungen, evtl. Verringerung der Autorität in der Familie,
- Verschlechterung des Gesundheitszustandes: Auftreten von psychosomatischen Erkrankungen,
- Entstehen eines Gefühls der Überflüssigkeit der eigenen Person in der Gesellschaft.[12]

Bekommt ein Jugendlicher keinen Ausbildungsplatz, kann das für ihn persönlich schwerwiegende Folgen haben. Unter Umständen gerät er in einen Teufelskreis, aus dem er nicht so schnell wieder alleine herausfindet.

Teufelskreis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.5 Folgen der Arbeitslosigkeit für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik

Gesamtwirtschaftlich bedeutet Arbeitslosigkeit eine Vergeudung von vorhandenen knappen Ressourcen, entgangene Produktions- und Konsummöglichkeiten und wegfallende Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung sowie Ausfälle bei den direkten und indirekten Steuern. Über die Einnahmeausfälle und Ausgabensteigerungen stellt die Arbeitslosigkeit eine latente Gefahr für das System der sozialen Sicherung dar.

Außerdem nehmen gesellschaftliche Probleme zu, wie Ausländerfeindlichkeit, Radikalismus oder Kriminalität.
Doch eine hohe Arbeitslosigkeit stellt nicht nur ein wirtschaftlichen Problem dar, sondern kann auch zu einer Bedrohung des politischen Systems werden, wie es 1932 in Deutschland der Fall war, als mehr als sechs Millionen Menschen arbeitslos waren, was anfangs zu einer ansteigenden politischen Radikalisierung und letztlich neben zahlreichen anderen Ursachen zum Nationalsozialismus führte.

Somit besteht die Gefahr, dass es einen Wählerzulauf zu politisch radikalen Parteien geben könnte.

[...]


[1] Um den Textfluss nicht zu stören, wird durchgehend die grammatikalisch männliche Form verwendet, Frauen sind natürlich eingeschlossen.

[2] Vgl. www.arbeitsamt.de/hast.services/statistik/grafiken.pdf

[3] Vgl. Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. Zwischen pragmatischem Idealismus und robustem Materialismus. Frankfurt, 2002, S. 30 f

[4] Vgl. Mickel, Wolfgang W.: Politik für berufliche Schulen. Düsseldorf, 1992, S. 130 f

[5] Der Neue Brockhaus. Lexikon und Wörterbuch. Mannheim, 1991, S. 124

[6] Vgl. Schmitz, Udo / Weidtmann, Bernd: Volkswirtschaftslehre Handbuch, Stuttgart, 2000, S.41

[7] Vgl. Friedrich, Horst: Arbeitslosigkeit, in: May, Hermann (Hrsg.): Handbuch zur ökonomischen Bildung.
München, 2001, S. 326

[8] Vgl. ebd., S. 326 f

[9] ebd., S. 332

[10] Vgl. Schmitz / Weidtmann, a.a. O., S. 41

[11] Vgl. Schmitz / Weidtmann, a.a.O., S. 333 f

[12] Vgl. Schmitz / Weidtmann, a.a.O., S. 322 f

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Arbeitslosigkeit
Hochschule
Universität Hamburg  (Fachbereich Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar Didaktik der Sozialwissenschaften
Note
ohne
Autoren
Jahr
2003
Seiten
39
Katalognummer
V28530
ISBN (eBook)
9783638302845
Dateigröße
2052 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Proseminar, Didaktik, Sozialwissenschaften
Arbeit zitieren
Christine Steinhagen (Autor)Christin Mosebach (Autor), 2003, Arbeitslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28530

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