Massenarbeitslosigkeit und deren Folgen auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene sind heute eines der Hauptprobleme in den Ländern der Europäischen Union. So waren im November 2002 in der Bundesrepublik Deutschland über 4 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 9,7% entspricht. Als besonders drückend wird dieses Problem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen empfunden, wenn diese in der Sorge leben, nach der Schulausbildung keine geeignete Berufsausbildungs- und Arbeitsstelle zu erhalten. Im Zuge der konjunkturellen Schwäche hat auch die Jugendarbeitslosigkeit deutlich zugenommen. Im November 2002 waren 472.000 junge Menschen unter 25 Jahren von der Arbeitslosigkeit betroffen, 42.000 mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr.1 Die Jugendarbeitslosenquote liegt somit nur knapp unter der allgemeinen Arbeitslosenquote, womit die Annahmen, dass die Folgen der Globalisierung vor allem unflexible, ältere Arbeitnehmer trifft, nicht zu halten sind. Jugendliche sind genauso durch die Strukturveränderungen betroffen und belastet, was z.B. in den Ergebnissen der Shell- Jugendstudie 2002 ihren Niederschlag findet.1 Aber nicht nur Jugendarbeitslosigkeit, auch die Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstelle wurde in den letzten Jahren für viele Jugendliche zum Problem.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse
1.1 Klassenzusammensetzung
1.2 Lernvoraussetzungen
1.3 Entwicklungspsychologische Bedingungen
1.4 Soziokulturelle Bedingungen
2. Gegenstandsanalyse
2.1 Einleitung
2.2 Die Bedeutung der menschlichen Arbeit
2.3 Arbeitslosigkeit
2.3.1 Begriff
2.3.2 Formen der Arbeitslosigkeit
2.3.2.1 Kurzfristige Arbeitslosigkeit
2.3.2.2 Mittelfristige Arbeitslosigkeit
2.3.2.3 Langfristige Arbeitslosigkeit
2.3.3 Gründe der Arbeitslosigkeit
2.3.4 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen
2.3.5 Folgen der Arbeitslosigkeit für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik
2.4 Ausmaß der Arbeitslosigkeit
2.4.1 Situation auf dem Arbeitsmarkt
2.4.2 Situation auf dem Ausbildungsmarkt
2.5 Schlüsselqualifikationen
2.5.1 Was Unternehmen verlangen
2.5.2 Notwendigkeit einer Ausbildung
2.6 Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit
2.6.1 Allgemeines
2.6.2 Hartz - Konzept
2.6.3 Neue Zumutbarkeitregeln
3. Didaktische Begründung
4. Lernziele
4.1 Lernschritte
5. Die Unterrichtsplanung und –ablauf
5.1 Erste Doppelstunde
5.2 Zweite Doppelstunde
5.3 Dritte Doppelstunde – detailgetreue Vorstellung des Unterrichtsabschnitts: „Individuelle Konflikte mit der ‚neuen Zumutbarkeit’“
5.3.1 Plantabelle
5.3.2 Lernziele
5.3.3 Methodik
5.3.4 Konfliktanalyse
5.3.5 Materialien für den Unterrichtsabschnitt
5.3.5.1 Informationskarte
5.3.5.2 Arbeitsauftrag an die Gruppen
5.3.5.3 Arbeitsauftrag an die Beobachter
5.3.5.4 Rollenbeschreibungen
5.4 Vierte Doppelstunde
6. Material
6.1 Karikatur (M1)
6.2 Zielscheibenplakat (M2)
6.3 Statistiken (M3)
6.4 Tabellen zur Hausaufgabenergebnissicherung (M4)
6.5 Arbeitsmaterial der Gruppen (M5)
6.5.1 Arbeitsauftag für alle Gruppen
6.5.2 Arbeitsmaterial Gruppe 1
6.5.3 Arbeitsmaterial Gruppe 2
6.5.4 Arbeitsmaterial Gruppe 3
6.5.5 Arbeitsmaterial Gruppe 4
6.6 Was erwartet die Wirtschaft von Schulabgängern? Schlüsselqualifikationen aus der Sicht der Arbeits- und Berufspraxis (M6)
6.7 Das schwarz-rot-goldene Himmelbett (M7)
6.8 Soziale Folgen (M8)
6.9 Zumutbarkeit (M9)
6.10 Tafelbild – Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit (M10)
7. Literatur und Quellen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Unterrichtsentwurfs ist es, Schülern die Problematik der Arbeitslosigkeit näherzubringen, sie für die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen zu sensibilisieren und ihre Kompetenzen bei der Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Perspektive zu stärken.
- Analyse der Ursachen und Folgen von Arbeitslosigkeit auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.
- Diskussion über die Verantwortung von Staat, Wirtschaft und Bürger.
- Erkenntnisgewinn über notwendige Schlüsselqualifikationen für den Berufseinstieg.
- Auseinandersetzung mit aktuellen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, insbesondere dem Hartz-Konzept.
- Erweiterung der Kommunikations- und Reflexionsfähigkeit durch Rollenspiele zu Konfliktsituationen.
Auszug aus dem Buch
2.3.4 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen
Die möglichen Folgen einer längeren Arbeitslosigkeit lassen sich unterteilen in finanzielle und psychisch-soziale Veränderungen.
Die Arbeitslosigkeit ist mit finanziellen Einbußen verbunden. Denn auch wenn ein Anspruch auf Arbeitslosengeld oder –hilfe besteht, müssen gegenüber dem bisherigen Nettoeinkommen bestimmte Abschläge in Kauf genommen werden. Gerade bei einer längeren Arbeitslosigkeit lässt es sich nicht vermeiden, den Lebensstandard zu senken.
Doch oft werden von den Betroffenen die psychischen Belastungen, die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufen werden, als noch stärker empfunden.
In unserer Leistungsgesellschaft zählt nur derjenige etwas, der auch etwas für die Gesellschaft „schafft“, d.h. der auch arbeiten geht. In der Öffentlichkeit bekommt die Arbeitslosigkeit oftmals eine negative Bedeutung.
Folgende Auswirkungen lassen sich gerade bei länger andauernder Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Personen feststellen:
Veränderung der Zeitstruktur des Alltags durch Änderung des gewohnten Rhythmus von Arbeits- und Freizeit,
Verlust der Zukunftsperspektive im Hinblick auf die individuelle Berufskarriere und die familiäre Entwicklung,
Verlust von sozialen Kontakten zu anderen Menschen und der damit verbundenen Anerkennung bis hin zur Isolation,
Einschränkung der Möglichkeiten der Selbstverwirklichung in der Berufstätigkeit,
Einbußen im Hinblick auf das soziale Selbstwertgefühl (Minderwertigkeitsgefühl),
Wegfall einer sinnvollen Beschäftigung,
Aufkommen von Langeweile, Depressionen,
erleben individueller Handlungsohnmacht bei vergeblicher Stellensuche bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit,
Erlebnis der Abhängigkeit von seiner Umgebung (Familie, Ehepartner, Arbeitsvermittlung, Arbeitsverwaltung),
Aufkommen individueller Schuldgefühle bei selektiven Entlassungen, evtl. Verringerung der Autorität in der Familie,
Verschlechterung des Gesundheitszustandes: Auftreten von psychosomatischen Erkrankungen,
Entstehen eines Gefühls der Überflüssigkeit der eigenen Person in der Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel beschreibt die soziokulturelle Zusammensetzung der Zielklasse, ihre Lernvoraussetzungen sowie die entwicklungspsychologischen Herausforderungen, die für den Unterricht relevant sind.
Gegenstandsanalyse: Hier werden theoretische Grundlagen zu Formen, Gründen und Folgen von Arbeitslosigkeit sowie arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie das Hartz-Konzept wissenschaftlich beleuchtet.
Didaktische Begründung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Themas für die Schüler und die Motivation zur Durchführung der Unterrichtseinheit angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Lernziele: Die Lernziele definieren die angestrebten gesellschaftlichen, schülerorientierten und politischen Kompetenzen, die durch die Unterrichtseinheit erreicht werden sollen.
Die Unterrichtsplanung und –ablauf: Hier werden detailliert die vier Doppelstunden geplant, inklusive Methodik, Zeitplan und spezieller Fokus auf das Rollenspiel zu individuellen Konflikten.
Material: Dieses Kapitel stellt alle für den Unterricht notwendigen Arbeitsblätter, Karikaturen, Statistiken und Rollenbeschreibungen zusammen.
Literatur und Quellen: Ein Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen Literatur und Internetquellen, die der Unterrichtseinheit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungsmarkt, Hartz-Konzept, Zumutbarkeit, Schlüsselqualifikationen, Soziale Folgen, Berufsvorbereitung, Arbeitsmarktpolitik, Strukturprobleme, Konjunktur, Rollenspiel,Didaktik, Existenzsicherung, Selbstwertgefühl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption einer Unterrichtseinheit zum Thema „Arbeitslosigkeit“, die speziell für eine Berufsfachschulklasse entwickelt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Formen und Ursachen der Arbeitslosigkeit, deren Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft sowie die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen des Staates.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das Ziel ist es, den Schülern zu helfen, die komplexe Problematik der Arbeitslosigkeit zu verstehen und ihre eigene berufliche Zukunft proaktiv und reflektiert zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Vermittlung verwendet?
Die Arbeit setzt stark auf schülerzentrierte Methoden wie Gruppenarbeit, Mind-Mapping, die Zielscheibenmethode und insbesondere ein Rollenspiel zur Konfliktanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedingungs- und Gegenstandsanalyse, die didaktische Begründung sowie die konkrete, schrittweise Unterrichtsplanung für vier Doppelstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Arbeitslosigkeit, Berufsvorbereitung, Hartz-Konzept, Schlüsselqualifikationen und Didaktik der Sozialwissenschaften charakterisiert.
Warum spielt das Rollenspiel eine zentrale Rolle in diesem Unterrichtsentwurf?
Das Rollenspiel ermöglicht es den Schülern, sich in komplexe Interessenskonflikte hineinzuversetzen, ihre Argumentationsfähigkeit zu schulen und Empathie für unterschiedliche Lebenslagen von Arbeitslosen zu entwickeln.
Wie werden die „neuen Zumutbarkeitsregeln“ im Unterricht thematisiert?
Durch die Arbeit mit den Rollenbeschreibungen und die anschließende Pro-Kontra-Diskussion werden die Auswirkungen dieser Regelungen auf verschiedene Biografien kritisch beleuchtet.
- Quote paper
- Christine Steinhagen (Author), Christin Mosebach (Author), 2003, Arbeitslosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28530