Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine quantitative empirische Untersuchung. Hierzu haben wir auf Basis bestehender Theorien aus den Bereichen der Intuitions- und Entscheidungsforschung, sowie den Bereich des komplexen Problemlösens ein Instrument entwickelt. Im Speziellen fließen hier die unterschiedlichen Stile intuitiv handelnder und nicht-intuitiv handelnder Menschen mit ein.
Grundsätzlich werden in dieser Arbeit Intuition und Rationalität nicht auf einer Dimension angesiedelt, also nicht als gegensätzlich begriffen, sondern es wird davon ausgegangen, dass Intuition und Rationalität auch gemeinsam auftreten können, in vielen Fällen sogar Hand in Hand gehen.
Die Arbeit beginnt mit einer theoretischen Untersuchung. Hierbei wird das Konstrukt der Intuition aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. Fachbereichen betrachtet und auch die (historische) Ideengeschichte beschrieben. Es werden bisherige Ansätze zu diesem Thema in Philosophie, Esoterik und Religion beleuchtet, um einen Überblick zu gewinnen.
Den Kern der theoretischen Untersuchung bilden Konzepte aus der Psychologie, z.B. die von Jung beschrieben Eigenschaften verschiedener Persönlichkeiten. Ebenso einen wichtigen Teil stellen Erkenntnisse aus der kognitiven Psychologie dar. Hierbei liegt ein Schwerpunkt bei den bisher bekannten Heuristiken und kognitiven Verzerrungen.
Zusätzlich wird Intuition aus neurowissenschaftlicher Perspektive (Hirnforschung, enterisches Nervensystem) betrachtet.
Bei der empirischen Erhebung wurden Entscheidungsträger aus unterschiedlichen Unternehmen befragt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
TEIL 1: THEORETISCHE UNTERSUCHUNG
2 Unterschiedliche Entscheidungstheorien im Wandel der Zeit
3 Intuition - Theorien und Vorstellungen in unterschiedlichen Fachgebieten und Wissenschaftsbereichen
3.1 Intuition im alltäglichen Sprachgebrauch
3.1.1 Was ist Intuition – eine studentische Befragung
3.1.2 Semantische Analyse
3.2 Intuition in Philosophie, Esoterik und Religion
3.2.1 Platonische Anschauung
3.2.2 Die Identität von Atman und Brahman – Intuition in den indischen Upanischaden
3.2.3 Intuition in der Esoterik
3.2.4 René Descartes : „Je pense, donc je suis!“
3.2.5 Wahrnehmung und Wirklichkeit bei Immanuel Kant
3.2.6 Wahrnehmung und Wirklichkeit bei Arthur Schopenhauer
3.2.7 Intuition und Religion
3.3 Intuition in der Psychologie
3.3.1 Funktionen und Charaktertypen nach Jung
3.3.2 Entscheidungstypen nach Malcolm Westcott
3.3.3 Formen von Intuition
3.3.4 Wahrnehmungsebenen von Intuition
3.3.5 Einteilung verschiedener Formen von Intuition in Psi-Effekte
3.3.6 Rationale und intuitive Denkstile
3.3.7 Trance-Logik
3.3.8 Drei Komponenten von Intuition
3.3.9 Komplexes Problemlösen
3.3.10 Mentale Shortcuts und kognitive Verzerrungen
3.3.11 Mentale Shortcuts und kognitive Verzerrungen im Modell von Baylor
3.4 Intuition in den Neurowissenschaften
3.4.1 Intuition und Gehirn
3.4.2 Das Enterische Nervensystem
3.5 Beiträge aus weiteren Wissenschaften
3.6 Zusammenfassende Überlegungen
TEIL 2: EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4 Forschungsdesign und Forschungsablauf
4.1 Untersuchungsdesign
4.2 Ablauf der Studie
4.3 Erstellung des Fragebogen
5 Darstellung der Ergebnisse
5.1 Stichprobenübersicht
5.2 Faktorenanalyse
5.2.1 Faktoren der intuitiven Veranlagung
5.2.2 Faktoren der Entscheidungssituationen
5.2.3 Faktoren der allgemeinen Entscheidungsstrategien
5.3 Faktorkorrelationen
5.4 Clusteranalyse
5.5 Weibliche Intuition
6 Diskussion
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konstrukt der Intuition im Kontext von Entscheidungsfindungen bei steigender Komplexität. Das primäre Ziel ist es, zu bestimmen, inwieweit Intuition eine Rolle im Entscheidungsverhalten von Wirtschaftsakteuren spielt und wie sich intuitive Veranlagung operationalisieren lässt.
- Theoretische Fundierung von Intuition in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen
- Vergleichende Analyse von Entscheidungstheorien im historischen Wandel
- Empirische Befragung von Entscheidungsträgern zur Nutzung intuitiver Strategien
- Operationalisierung des intuitiven Habitus mittels quantitativer Verfahren
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Was ist Intuition – eine studentische Befragung
Um die widersprüchlichen Auffassungen vor allem im alltäglichen Sprachgebrauch aufzudecken und diesbezüglich einen klareren Ein- und Überblick zu gewinnen und des Weiteren eine Hilfestellung für die Operationalisierung zu erhalten, wurden in einer Vorstudie 80 Studenten befragt. In einer offenen Frage wurden die Probanden gebeten, sowohl ihren ersten spontanen Gedanken, als auch eine ausführlichere Erklärung für den Begriff der Intuition zu geben (Fragebogen siehe Anhang A).
Die am Häufigsten im Zusammenhang mit Intuition genannten Begriffe waren „Gefühl“ und „Eingebung“, gefolgt von „Bauchgefühl, (Vor)Ahnung, Instinkt, innere Stimme“ und „Gespür“ (vgl. Abbildung 2). Dies deckt sich im Wesentlichem mit den Feststellungen von Gunthern: „Im Deutschen spricht man unter anderem von: Gefühl, instinktives Gefühl, Instinkt, sichere Ahnung, Gefühl in der Magengrube, Fingerspitzengefühl, plötzlicher, unerwarteter Einfall, Erleuchtung, sechster Sinn, Gewißheit des Herzens. Im Englischen spricht man unter anderem von: hunch, gut-feeling, a feeling in the pit of my stomach, my funny bone told me.“(Gunthern, 1996, S. 11)
Als Eigenschaften von Intuition wurden genannt: „nicht rational“ und „nicht begründbar, spontan“, sowie die Richtigkeit bzw. Verlässlichkeit von intuitiven Erkenntnissen. Hinzukommen in geringerer Häufigkeit Begriffe, wie „mustererkennend, angeboren“ und „selbsterklärend“ (vgl. Abbildung 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Intuition als Schlüsselqualifikation in komplexen, dynamischen Entscheidungsumfeldern.
2 Unterschiedliche Entscheidungstheorien im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung von rein rationalen Modellen hin zu Modellen begrenzter Rationalität und der Einbeziehung intuitiver Komponenten nach.
3 Intuition - Theorien und Vorstellungen in unterschiedlichen Fachgebieten und Wissenschaftsbereichen: Eine tiefgehende Untersuchung theoretischer Ansätze zur Intuition, unterteilt in linguistische, philosophische, psychologische und neurowissenschaftliche Perspektiven.
4 Forschungsdesign und Forschungsablauf: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der empirischen Untersuchung, einschließlich der Entwicklung eines Fragebogens für Fach- und Führungskräfte.
5 Darstellung der Ergebnisse: Präsentation der empirischen Daten, inklusive Faktorenanalyse, Korrelationen und der Identifikation verschiedener Cluster von Entscheidungstypen.
6 Diskussion: Kritische Bewertung der Ergebnisse und Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse in den aktuellen Forschungsstand, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen rationalem und intuitivem Handeln.
7 Schlussbemerkung: Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung der Intuition und den Bedarf für ein komplexeres Verständnis derselben im Management.
Schlüsselwörter
Intuition, Entscheidungsfindung, Begrenzte Rationalität, Kognitive Verzerrungen, Heuristiken, Mentale Modelle, Psychologie, Wirtschaftsleben, Proaktivität, Unsicherheitsvermeidung, Emotionale Intelligenz, Empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Intuition bei der Entscheidungsfindung in einem Umfeld zunehmender Komplexität und Unsicherheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretische Einordnung von Intuition in Psychologie und Philosophie sowie eine empirische Untersuchung zum Entscheidungsverhalten in der Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Bestimmung, ob und wie Intuition bei Entscheidungen im Berufsleben eingesetzt wird, und die Identifikation verschiedener Entscheidungstypen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Vorstudie zur Begriffsklärung und eine anschließende Befragung von Entscheidungsträgern mittels eines standardisierten Fragebogens, ausgewertet durch Faktoren- und Clusteranalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle von Intuition in der Philosophie, Esoterik, Psychologie und Neurowissenschaften und vergleicht diese mit traditionellen Entscheidungstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Intuition, Entscheidungsfindung, Heuristiken, kognitive Verzerrungen, begrenzte Rationalität und empirische Faktorenanalyse.
Wie unterscheidet sich die Intuition von rationalem Denken im Modell?
Die Arbeit betrachtet beide als zwei eigenständige Dimensionen, die sich nicht ausschließen, sondern bei integrativen Denkansätzen synergetisch wirken können.
Welche Rolle spielt das enterische Nervensystem?
Das Kapitel zum enterischen Nervensystem diskutiert das "Bauchhirn" als eine mögliche biologische Basis für intuitive Prozesse und das sprichwörtliche "Bauchgefühl".
- Arbeit zitieren
- Steffen Wulf (Autor:in), Tobias Reuter (Autor:in), 2003, Entscheiden in Zeiten steigender Komplexität. Entscheidungsfindung und Intuition bei deutschen Managern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28537