Mediatisierung nach Krotz und der Einfluss von Mobiltelefonen auf die Wahrnehmung und Raum- und Zeitgestaltung ihrer Nutzer


Essay, 2012

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Cathrin Cors

Erläutern Sie den Mediatisierungsansatz von Krotz und diskutieren sie an der Mediennutzung von Mobiltelefonen, wie sich die Zeit- und Raumgestaltung beziehungsweise, -Wahrnehmung von Menschen dadurch verändert.

Im Folgenden werde ich versuchen den im Jahre 2007 in Wiesbaden entstandenen Ansatz von Friedrich Krotz zum Mediatisierungsprozess mit dem Titel „Mediatisierung. Fallstudien zum Wandel von Kommunikation“, insbesondere in Hinblick auf seine zwei Thesen zur Verbreitung und Nutzung von Medien, darstellen und am Beispiel von Mobiltelefonen erläutern, wie Raum und Zeit dadurch geprägt werden und wie die Wahrnehmung der Menschen verschiedenster Generationen sich wandelt.

Das von Krotz als „medialer Wandel“ bezeichnete Phänomen entwickelt sich mittlerweile drei Jahrzehnte und weist noch längst kein Ende auf. Im Gegenteil, der immer stärker ins Blickfeld rückende Globalisierungsprozess, dessen Beginn schon viele Jahre zurück liegt, findet aktuell und über einen unbestimmt langen Zeitraum hinweg statt. Charakteristisch sind hierbei die Überregionalität und die vielfältigen Veränderungen in der Gesellschaft. Krotz bezeichnet diesen Prozess auch als Metaprozess, der für lang andauernde kulturübergreifende Veränderungen steht und aus dem sich resultierend ein Verfall von Traditionen und veränderten sozialen Beziehungen aufzeigen lässt, der die Entwicklung der Menschheit stark beeinflusst und es auch zukünftig tun wird.[1]

Ein weiterer von Krotz aufgezeigter Metaprozess ist die Individualisierung, die ähnlich wie die Globalisierung einen Traditionsverlust mit sich trägt und viele Lebensbereiche, in denen Individuen häufiger vertreten sind als Zusammenschlüsse beeinflusst. Damit ist gemeint, dass die Abnahme von Familien und familienähnlichen Formen, die sich eigentlich untereinander hätten stützen können, dazu beiträgt, dass Individuen zunehmend auf sich allein gestellt sind und sich mit aktuellen Beschlüssen wie zum Beispiel mit dem veränderten Rentensystem allein gelassen fühlen. Individualisierung führe zudem zu einer veränderten Mediennutzung und einer daraus resultierenden Medienbedeutung.[2]

Seine erste These zur Beobachtung des Medienwandels ist, dass die Zunahme von digitalen Medien, Medienangeboten und die damit verbundenen Medienfunktionen evident sind. Krotz erklärt den Prozess der Digitalisierung und sagt, dass immer mehr Daten auch oder ausschließlich digital verfügbar sind. Folglich seien alle Bereiche des Zusammenlebens, sowohl Kultur, Gesellschaft als auch soziale Beziehungen betroffen.

Er spricht sich aus für neue Kommunikationsformen, die den Medien eine völlig neue Rolle im Alltag zuweisen und damit als neue Nutzungsgewohnheiten betrachtet werden müssen. Als Beispiel nennt Krotz hier das Radio, welches sich zu einem „Nebenbei- Medium“ verändert hat. Die ursprüngliche Bedeutung des Radios als Übermittlung von wichtigen Geschehnissen in der Welt hat sich zum reinen Unterhaltungsmedium gewandelt. Ähnlich verändert hat sich auch der Briefverkehr. Heute sei der Brief, so Krotz, größtenteils für Rechnungen und Werbung zuständig.[3]

Ein Weiteres Medium weist er mit dem Fernsehgerät auf, welches er als heute in immer mehr Situationen und Orten als normal bezeichnet. Ob im Schaufenster, Kneipen oder Schulunterricht, der Fernseher läuft. Das Internet als die neue Basis-Technologie verbindet nun alle zuvor genannten Medien miteinander und bietet die unterschiedlichsten Arten von Kommunikation. Genutzt wird es auch in allen öffentlichen Räumen. Krotz erläutert anhand zahlreicher Beispiele seine These, dass immer mehr Medien in der Gesellschaft im Umlauf sind.[4]

Die zweite von Krotz angeführte These besagt, dass Nutzung und Beobachtung der Medienangebote ebenso zunehmen wie die Medienangebote Themen von Gesprächen sind. Immer mehr Arten von Medien werden für verschiedenste Zwecke gebraucht. Ob in der Werbung, beim Konsum oder bei der Ausstattung und Vernetzung von Arbeitsplätzen gewinnen sie an Bedeutung. Krotz sagt, dass das mit dem gestellten Anspruch der Verbraucher und der damit verbundenen erwarteten Leistung zu tun habe, da auch diese expandieren.

Seine These, dass Medien, durch häufige Nutzung auch häufiger Gesprächsthemen sind versucht er am Beispiel der Hippies zu erklären, die nur durch die Medien zu Vorbildern wurden und einen Lebensstil verkörperten. Auch über Talk-Shows, die Alltagsprobleme ansprechen und über prominent bezogene Berichterstattungen wird viel diskutiert. Krotz stellt damit dar, dass die Gesellschaft sich an die Medien anpasst und sich ebenso schnell wandelt, wie neue Medien verbreitet werden.[5]

Wie schnell sich die Gesellschaft an die Nutzung von Mobiltelefonen angepasst hat werde ich versuchen im Folgenden zu erläutern. Ein eigenes Handy besitzen? Heute nahezu selbstverständlich für jedes aktive Mitglied in der Gesellschaft. „Mediennutzung gilt als aktive kulturelle Praxis im Alltag der Menschen und findet im sozialen Kontext statt.“ sagte auch Prof. Dr. Tanja Thomas in Ihrer Vorlesung am 28.11.2012. Besonders unter Jugendlichen hat der Austausch über das Medium „Handy“ einen großen sozialen Stellenwert. „Laut JIM-Studie 2011, der Basisstudie zum Medienumgang der 12- bis 19-jährigen in Deutschland, besitzen inzwischen 96% der Jugendlichen ein Handy, unabhängig dabei vom Geschlecht oder dem Bildungshintegrund.“[6]

Iren Schulz sagt zu diesem Thema in ihrem 2010 erschienenen Buch „ Die Mediatisierung der Alltagswelt“ in einem Ausschnitt mit dem Titel „ Mediatisierung und der Wandel von Sozialisation: Die Bedeutung des Mobiltelefons für Beziehungen, Identität und Alltag im Jugendalter“ folgendes Statement:

„Mit Blick auf diese Ausstattung und die darüber offerierten Nutzungspotenziale ist davon auszugehen, dass sich Jugendliche mit und in digitalen Medien bewegen, um Themen zu bearbeiten und Fragen zu beantworten, die in ihrer Lebensphase besonders relevant sind. Dazu gehören das Aushandeln von Beziehungen und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung ebenso wie die Gestaltung von Schulalltag und Freizeit oder das Erarbeiten von gesellschaftlich relevanten Norm- und Wertvorstellungen.“[7]

Dass sich Jugendliche heute mit ihrem Mobiltelefon identifizieren, angeben und sich sicher fühlen, hätte zu Zeiten der Erfindung des Handys im Jahre 1983 niemand gedacht. Damals entsprach die Erscheinung des Handys keineswegs dem heutigen Smartphone. Es war mit 33cm fast so lang wie eine DIN A4 Seite und wog nahezu 800 Gramm. Obwohl es albern aussah, die Antenne an ein Radio erinnerte und der Akku kaum die Gesprächszeit hielt, verkaufte sich das Mobiltelefon schon damals sehr gut. Wenige besaßen ein Mobiltelefon, und diejenigen, die eines besaßen, konnten nicht recht etwas damit anfangen, da das Funknetz noch nicht stabil genug war.[8]

Besitzt heute jemand kein Telefon, so ist dies ein schneller Grund, um jemanden auszuschließen. Obwohl die meisten Kinder größtenteils Spielen wie ‚Snake‘ nachgehen, zocken oder bei Facebook online sind, ist ihr Mobiltelefon ein stetiger Begleiter. Jugendliche und junge Erwachsene nutzen das Handy schon effektiver, da sie Anrufe tätigen und SMS und Emails versenden. Besonders das Blackberry wird als ‚Business-Phone‘ bezeichnet und zeichnet sich durch den schnellen und sicheren Versand von Emails aus. Viele junge Erwachsene verbringen auch immer mehr Zeit bei ‚Instagram‘, ‚Twitter‘ oder anderen Foto-Blog-Seiten, wo sie ihre Erlebnisse festgehalten und als Bilder oder kurze Zitate teilen.

Das Handy ist zusammenfassend ein Unterhaltungsmedium geworden, das seinen ursprünglichen Nutzen, des Telefonierens für Unterwegs nur noch nebensächlich verkörpert. Krotzt sagt dazu in 1.2 ‚Medienwandel und Kommunikation‘:

„-wie wir wissen wurde etwa das Telefon vor mehr als hundert Jahren für ganz andere Zwecke erfunden als für mediatisierte interpersonale Kommunikation, nämlich für die Übertragung von Opernmusik und dergleichen in die Haushalte.“[9]

Zur Übertragung von Opernmusik nutzt heute wahrhaftig niemand mehr das Mobiltelefon, und damit zeigt sich deutlich der mediale Wandel, der unserer Gesellschaft widerfährt.

[...]


[1] Krotz (Hrsg.) (2007), S.27

[2] Krotz (Hrsg.) (2007), S.28f.

[3] Krotz (Hrsg.) (2007), S. 32f.

[4] Krotz (Hrsg.) (2007), S. 34f.

[5] Krotz (Hrsg.) (2007), S. 35f.

[6] Mekonet/Medienkompetenz/Netzwerk NRW (2012) http://www.mekonet.de/t3/index.php?id=160&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=347&tx_ttnews%5BbackPid%5D=158&cHash=77d9da9509

[7] Schulz, Iren (2010): Mediatisierung und der Wandel von Sozialisation: Die Bedeutung des Mobiltelefons für Beziehungen, Identität und Alltag im Jugendalter. In Hartmann, Maren/Hepp, Andreas (Hrsg.): Die Mediatisierung der Alltagswelt. Wiesbaden: VS, 227-23f.

[8] Handywissen (2010) „Das Handy im Alltag“ http://handywissen.at/uploads/media/Kapitel_2._Das_Handy_im_Alltag.pdf

[9] Krotz (Hrsg.) (2007), S.31

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Mediatisierung nach Krotz und der Einfluss von Mobiltelefonen auf die Wahrnehmung und Raum- und Zeitgestaltung ihrer Nutzer
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
8
Katalognummer
V285371
ISBN (eBook)
9783656857600
ISBN (Buch)
9783656857617
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essay, Mediatisierung, Krotz, medialer Wandel, Mediatisierungsprozess, Digitalisierung, Medien
Arbeit zitieren
Cathrin Cors (Autor), 2012, Mediatisierung nach Krotz und der Einfluss von Mobiltelefonen auf die Wahrnehmung und Raum- und Zeitgestaltung ihrer Nutzer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285371

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