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Das Subjekt und die Fremde. Die Reiseberichte des Odorico da Pordenone, Marco Polo und Jean de Mandeville

Die literarische Umsetzung von Fremderfahrung

Titel: Das Subjekt und die Fremde. Die Reiseberichte des Odorico da Pordenone, Marco Polo und Jean de Mandeville

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 27 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Stefanie Köhler (Autor:in)

Weltgeschichte - Allgemeines und Vergleiche
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit dem Reisebericht des Venezianers Marco Polo entstand gegen Ende des 13. Jahrhunderts der erste volkssprachige Reisebericht über Asien, der zumindest nach der Zahl der überlieferten Handschriften zu urteilen, alle anderen bis dato verfassten Reiseberichte über Ostasien in den Schatten stellte. Zur Zeit Marco Polos und auch noch im 14. Jahrhundert war die Weltkenntnis der Europäer sehr begrenzt. Eine genaue Vorstellung besaßen die Menschen der damaligen Zeit nur von den Ländern des Abendlandes, von den Randgebieten des Mittelmeeres und einigen Ländern im Nahen Osten. Alles was darüber hinaus ging, das rote Meer, der Persische Golf, Indien und China waren unbekannt. Eine fremde Welt, die Reisende wie Marco Polo versuchten, den Europäern näherzubringen. Neben ihm lieferten in der Fortführung der franziskanischen Mission in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert weitere Reisende Berichte über den fernen Osten. Zu den wichtigsten Beiträgen zählte unter anderem der des Odorico da Pordenone oder des Wilhelm von Boldensele.
Das 14. Jahrhundert brachte zwar einen verstärkten Reiseverkehr zwischen Europa und Asien mit sich, die Reiseberichte trugen jedoch weniger zu einer besseren Kenntnis des Fremden im Sinne einer systematischen Erforschung des Weltbildes bei. Da die geographischen Vorstellungen der Menschen bis in Spätmittelalter hinein nur sehr gering waren, nutzten sie ihre Vorstellungskraft und schufen sich imaginäre Welten, mit der das Fremde dann auch erklärt werden konnten. Damals wie heute galt, die Fremde wird geschaffen, sie wird beurteilt mit dem Maßstab des Eigenen. So ist auch die Darstellung des Fremden innerhalb des mittelalterlichen Reiseberichts ein Konstrukt, eine Mischung aus tatsächlicher Wahrnehmung des Fremden und ihrer Beschreibung mittels der von der eigenen christlich-abendländischen Kultur vorgegebenen Vorstellungen. Seit alters her spielten Geschichtswerke, Enzyklopädien und andere Reiseberichte, welche die fremde Welt mit ihren fremden Völkern und Kulturen beschrieben, eine entscheidende Rolle bei der literarischen Umsetzung der Fremdwahrnehmung [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Fremde im mittelalterlichen Reisebericht – Eine Mischung aus subjektiver Wahrnehmung und literarischer Konstruktion

3. Marco Polo: „Il Milione“

3.1. Die Wahrnehmung des Fremden

3.2. Die Augenzeugenschaft und Subjektzentriertheit

4. Odorico da Pordenone: „De rebus incognitis“

4.1. Der Umgang mit der Fremde

4.2. Die Augenzeugenschaft und Subjektzentriertheit

5. Jean de Mandeville: „Voyages“

5.1. Die Schilderung des Fremden

5.2. Die Augenzeugenschaft und Subjektzentriertheit

6. Ein direkter Vergleich der drei Reiseberichte: Die Darstellung des Fremden anhand ausgewählter Beispiele

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die literarische Konstruktion von Fremderfahrung in drei bedeutenden mittelalterlichen Reiseberichten. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Marco Polo, Odorico da Pordenone und Jean de Mandeville das Fremde wahrnahmen, darstellten und in welchem Maße sie sich dabei an gängigen Vorstellungen orientierten oder diese durch Selbsterfahrungen beeinflussten.

  • Konstruktion des Fremden durch intertextuelle Bezüge und kulturelle Prägungen.
  • Die Rolle der Augenzeugenschaft zur Legitimierung des Wahrheitsanspruchs.
  • Unterschiede zwischen realen Reiseberichten und fiktiven Narrativen.
  • Selbsteinschätzung und Kritik an der eigenen Kultur durch die Begegnung mit dem Fremden.
  • Einfluss der individuellen Intention auf die Wahrnehmung des Fremden.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Wahrnehmung des Fremden

Wie bereits im zweiten Kapitel dieser Arbeit aufgeführt, war die Wahrnehmung des Fremden von zahlreichen individuellen und gesellschaftlichen Parametern abhängig. Marco Polo trat seine Reise nach China in relativen jungen Jahren an. Sein Denken über die Fremde und seine Beobachtungsgabe dürften somit noch nicht allzu sehr von den gängigen europäischen Fremdvorstellungen beeinflusst gewesen sein. Er müsste bei seiner Abreise zwar die biblischen Stoffe sowie die Alexandersage gekannt und eventuell auch noch eine Vorstellung über das Reich des Priesterkönigs Johannes gehabt haben, mehr wohl aber auch nicht. Marco Polo stellt sich in seinem Reisebericht als ein genauer Beobachter des Fremden dar. Er zeigt Interesse an fremden Ländern, mit ihren unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten. Beispielsweise liefert er präzise Beschreibungen der Städte Hangzhou und Shanghai und zeichnet wirtschaftliche Prozesse wie Mechanismen von Kauf und Verkauf sowie Formen industrieller und agrarischer Produktion auf. Jedoch nicht nur nüchterne Beschreibungen der fremden Länder zeichnen Marco Polos Bericht aus. Er versucht ebenfalls, seinem Publikum die Schönheit Chinas mit den perfekten Gärten und dem Kaiserpalast vor Augen zu führen, indem er seine erstaunte Reaktion über diese fremden Anlagen mitteilt. Es finden sich genaue Schilderungen der höfischen Repräsentationskunst, den fremdartigen Tischbräuchen und kulturellen Regeln bei Hof.

Die Wahrnehmung der Fremde hing ebenfalls davon ab, in wessen Auftrag und mit welchen Intentionen das Subjekt seine Reise in fremde Länder antrat. Marco Polo bereiste im Auftrag des Kublai Khan die chinesischen Provinzen. Er sollte dem Khan Auskunft über die Geschehnisse, Bräuche und Gewohnheiten der unterworfenen Völker geben. Daher wird das Leben der fremden Völker in Marco Polos Reisebericht meist auch nur aus der Vogelperspektive des begünstigten Beobachters geschildert. Die Nähe zum harten Alltag der Menschen in der Fremde, insbesondere der Tartarenvölker, ist somit weniger eindringlich erfasst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des mittelalterlichen Reiseberichts als Konstrukt aus Wahrnehmung und kulturellen Vorstellungen ein und definiert das Ziel, drei spezifische Werke zu vergleichen.

2. Das Fremde im mittelalterlichen Reisebericht – Eine Mischung aus subjektiver Wahrnehmung und literarischer Konstruktion: Dieses Kapitel erläutert die individuellen und gesellschaftlichen Faktoren, die die Fremdwahrnehmung prägten, insbesondere die christlich-abendländische Dichotomie von Gut und Böse.

3. Marco Polo: „Il Milione“: Das Kapitel beleuchtet Marco Polos Reisebericht, seine Beobachtungsgabe, die Vermischung von Fakten und Fiktion sowie seine Rolle als genauer, aber durch den Mitautor beeinflusster Beobachter.

4. Odorico da Pordenone: „De rebus incognitis“: Es wird die missionarische Intention von Odorico sowie seine tendenziell religiös fokussierte Darstellung der Fremde und die Verwendung von Vergleichen mit der Heimat untersucht.

5. Jean de Mandeville: „Voyages“: Das Kapitel analysiert den fiktiven Charakter dieses Werkes, bei dem die Fremde als Spiegelgesellschaft zur Kritik an der eigenen Kultur dient.

6. Ein direkter Vergleich der drei Reiseberichte: Die Darstellung des Fremden anhand ausgewählter Beispiele: Ein vergleichender Blick auf die Schilderung von Wüstenphänomenen und Fabelwesen zeigt die unterschiedlichen Ansätze der drei Autoren im Umgang mit dem Wunderbaren und der eigenen Identität.

7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Art der Fremddarstellung maßgeblich von den individuellen Voraussetzungen und den Absichten der Autoren abhing, wobei sich eine klare Entwicklung von der Beobachtung hin zur fiktiven Konstruktion zeigt.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Reisebericht, Fremdwahrnehmung, Marco Polo, Odorico da Pordenone, Jean de Mandeville, Augenzeugenschaft, Subjektzentriertheit, Intertextualität, Konstruktion des Fremden, Wunderbares, Missionierung, christliches Weltbild, Kulturvergleich, Fernhandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie das „Fremde“ in spätmittelalterlichen Reiseberichten literarisch konstruiert und dargestellt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die subjektive Fremdwahrnehmung, der Einfluss des christlichen Weltbildes, die Rolle der Augenzeugenschaft und die Funktion von Intertextualität.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Es soll aufgezeigt werden, wie die Autoren die fremde Welt wahrnahmen und ob sie durch diese Begegnungen eine Selbsteinschätzung ihrer eigenen Kultur vornahmen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse der Quellentexte sowie eine Untersuchung der literarischen Strategien (z.B. Augenzeugenschaft) zur Wahrheitslegitimierung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert nacheinander die Werke von Marco Polo, Odorico da Pordenone und Jean de Mandeville und vergleicht diese anschließend direkt anhand ausgewählter Motive.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Begriffe wie Konstruktion des Fremden, Subjektzentriertheit, Fiktionalität und kulturelle Überlegenheit sind zentral für das Verständnis der Arbeit.

Warum spielt die Augenzeugenschaft eine so wichtige Rolle in diesen Reiseberichten?

Sie diente als literarisches Legitimationsinstrument, um den Autoren vor dem Vorwurf der Lüge oder Übertreibung zu schützen, da das Unglaubliche durch das „selbst gesehen haben“ beglaubigt wurde.

Was unterscheidet Mandeville grundlegend von Polo und Odorico?

Mandevilles Bericht ist fiktiv; er reiste nicht selbst, sondern nutzte Enzyklopädien und andere Quellen, um eine moralisch-kritische Spiegelgesellschaft zur europäischen Realität zu konstruieren.

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Details

Titel
Das Subjekt und die Fremde. Die Reiseberichte des Odorico da Pordenone, Marco Polo und Jean de Mandeville
Untertitel
Die literarische Umsetzung von Fremderfahrung
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Autor
Stefanie Köhler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V285400
ISBN (eBook)
9783656857808
ISBN (Buch)
9783656857815
Sprache
Deutsch
Schlagworte
subjekt fremde reiseberichte odorico pordenone marco polo jean mandeville umsetzung fremderfahrung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Köhler (Autor:in), 2014, Das Subjekt und die Fremde. Die Reiseberichte des Odorico da Pordenone, Marco Polo und Jean de Mandeville, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285400
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Leseprobe aus  27  Seiten
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