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Wirkungsabschätzung einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte

Title: Wirkungsabschätzung einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte

Term Paper , 2003 , 35 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jean-Philipp Juretschka (Author)

Economics - Monetary theory and policy
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Einleitung

An den internationalen Devisenmärkten haben im letzten Jahrzehnt weitreichende Veränderungen sowohl bezüglich des Volumens als auch der Ausgestaltung der Transaktionen statt gefunden (siehe Tabelle 1 und 2 sowie Erläuterungen). Wurden 1989 noch tägliche Devisenhandelsumsätze von 590 Mrd. US Dollar realisiert, waren es 2001 bereits 1.210 Mrd. USDollar. Von diesen Transaktionen sind mehr als 80 Prozent kurzfristige mit einem Anlagehorizont von bis zu einer Woche. Um den weltweiten Handel finanzieren zu können, würden allerdings 3 Prozent bis 5 Prozent der vorhandenen Liquidität ausreichen. Aus diesem Erkenntnisstand heraus wird durch zahlreiche Autoren die Hypothese abgeleitet, dass sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft abgekoppelt hätten und dass der überwiegende Teil der am Devisenmarkt tätigen Akteure spekulative finanzwirtschaftliche Interessen verfolgen und die Finanzierung realwirtschaftlicher Transaktionen, die ursprüngliche Aufgabe der Devisenmärkte, in den Hintergrund gedrängt würde. James Tobin äußerte 1984 in seinem Werk „On the Efficiency of the financial System“ Gedanken, die sich mit der beschrieben Hypothese auseinandersetzen. Er kommt zu der Erkenntnis, dass es an den Devisenmärkten an langfristig fundamental orientierten Investoren fehle. Stattdessen meint er: „professional portfolio managers seek safety from criticism in short run performance that match their competitors and market indices“. Die Bewegung von immer größeren Transaktionen aus rein finanzwirtschaftlichen Motiven bezeichnet er als „casino aspects of our financial markets“, und kritisiert, dass kurzfristige Spekulanten die Preise stark beeinflussen und somit negative externe Effekte verursachen. Daher fordert Tobin die Einführung einer Devisentransaktionssteuer, deren Ziel es sein soll, kurzfristige Spekulationen zu unterbinden und somit einen Beitrag für die Stabilisierung der Finanzmärkte zu leisten. Befürworter einer Tobin Steuer sehen nämlich in der Spekulation als solche die Hauptursache für die immer häufiger auftretenden Finanz- und Währungskrisen (z.B. Mexiko 1994/95, Asien 1997/98, Russland 1998, Lateinamerika 1998/99), die dann globale Wohlfahrtsverluste u.a. durch steigende Arbeitslosigkeit, geringeres Wirtschaftswachstum oder sinkende Aktienkurse bewirken können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziele einer Tobin-Steuer

3. Ausgestaltung einer Tobin-Steuer aus heutiger Sicht

3.1 Das unverzinsliches Bardepot

3.2 Die flexible Transaktionssteuer

3.3 Die doppelstöckige Devisentransaktionssteuer

4. Auswirkungen einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte

4.1 Verlagerung von Transaktionen

4.2 Substitution von Transaktionen durch Finanzinnovationen

4.3 Beeinträchtigung des Liquiditätshandels

4.4 Verstärkung von Marktineffizienzen

4.5 Überwälzbarkeit einer Tobin-Steuer

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Auswirkungen einer Tobin-Steuer auf die internationalen Devisen- und Kapitalmärkte. Dabei wird analysiert, inwieweit eine solche Transaktionssteuer zur Stabilisierung der Finanzmärkte beitragen kann oder ob sie mit kontraproduktiven Effekten, wie der Verlagerung von Transaktionen oder der Beeinträchtigung der Marktliquidität, einhergeht.

  • Analyse der theoretischen Ziele einer Tobin-Steuer.
  • Diskussion verschiedener Ausgestaltungsformen der Steuer (Bardepot, flexible Steuer, doppelstöckige Steuer).
  • Untersuchung von Steuerausweichreaktionen, wie der Verlagerung in Offshore-Zentren.
  • Bewertung der Auswirkungen auf den Liquiditätshandel und die Markteffizienz.
  • Prüfung der Überwälzbarkeit der Steuer auf Endabnehmer.

Auszug aus dem Buch

4.1 Verlagerung von Transaktionen

Ein entscheidendes Merkmal der Devisenmärkte liegt in ihrer dezentralen Organisationen. Dass heißt die Marktteilnehmer sind in der Lage weltweit ihre Devisentransaktionen ausführen zu können, unabhängig von ihrem Standort (siehe Abbildung 2). Aufgrund der Vielzahl von weltweiten Handelsplätzen wird deutlich, dass Steuerausweichhandlungen sehr leicht entstehen können, wenn eine Devisentransaktionssteuer nicht global installiert wird, sondern auf bestimmte regional organisierte Märkte beschränkt ist bzw. sich andere Märkte an der Erhebung einer solchen Steuer nicht beteiligen wollen. Da die Installierung einer Tobin-Steuer einer politischen Willensbildung bedarf, ist in Anbetracht der konträren Auffassungen der einzelnen Länder, eine globale Einführung als utopisch anzusehen.

Devisenhändler werden aufgrund ihrer für die Kapitalmärkte herausragenden Stellung besonders gut bezahlt. Sie sind daher bestrebt an den Handelsplätzen zu agieren, die die geringsten Transaktionskosten aufweisen und eine Tobin-Steuer führt zwangsläufig zu einer Erhöhung der Transaktionskosten. Würde also eine solche Devisentransaktionssteuer z.B. nur in den Ländern der europäischen Union installiert werden, so könnte davon ausgegangen werden, dass der komplette oder zumindest ein Großteil des Devisenhandels auf die Märkte verlagert wird, die eine solche Steuer nicht erheben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entwicklung der Devisenmärkte und die von James Tobin aufgestellte Hypothese, dass Spekulationen zu Finanzkrisen beitragen, was die Einführung einer Devisentransaktionssteuer motiviert.

2. Ziele einer Tobin-Steuer: Dieses Kapitel erläutert die primären Ziele der Steuer, insbesondere die Stabilisierung der Wechselkurse und die Bekämpfung destabilisierender kurzfristiger Spekulationen.

3. Ausgestaltung einer Tobin-Steuer aus heutiger Sicht: Hier werden praktikable Ansätze diskutiert, darunter das unverzinsliche Bardepot, die flexible Transaktionssteuer und die doppelstöckige Devisentransaktionssteuer.

4. Auswirkungen einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte: Der Hauptteil analysiert theoretische Konsequenzen wie Transaktionsverlagerungen, den Einsatz von Finanzinnovationen zur Umgehung, Beeinträchtigungen der Liquidität sowie Fragen der Markteffizienz und Überwälzbarkeit.

5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht ein kritisches Fazit und kommt zu dem Schluss, dass die Tobin-Steuer in der Praxis kaum die erhoffte Stabilität liefern kann, sondern eher negative Marktverzerrungen provoziert.

Schlüsselwörter

Tobin-Steuer, Devisentransaktionssteuer, Finanzmärkte, Spekulation, Marktliquidität, Kapitalverkehr, Finanzinnovationen, Devisenhandel, Wechselkursstabilität, Steuerausweichung, Off-shore-Finanzzentren, Markteffizienz, Transaktionskosten, Finanzkrisen, Arbitragehandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen Wirkungsabschätzung einer Tobin-Steuer auf die internationalen Devisen- und Kapitalmärkte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Ziele der Steuer, die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten sowie die Auswirkungen auf Marktteilnehmer, Liquidität und Markteffizienz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu untersuchen, ob eine Tobin-Steuer die Finanzmärkte stabilisieren kann oder ob sie zu unerwünschten volkswirtschaftlichen Nebenwirkungen und Destabilisierungen führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis aktueller finanzwissenschaftlicher Literatur und Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden spezifische Auswirkungen wie die Verlagerung von Transaktionen, der Einsatz von Derivaten zur Umgehung und die Belastung durch die Steuer für verschiedene Akteure erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tobin-Steuer, Markteffizienz, Kapitalmobilität, Finanzinnovationen und Devisenmarktliquidität charakterisiert.

Warum gilt die unilaterale Einführung einer Tobin-Steuer als problematisch?

Aufgrund der globalen Vernetzung der Finanzmärkte würde eine einseitige Einführung lediglich dazu führen, dass Transaktionen auf Märkte abwandern, die die Steuer nicht erheben, etwa in sogenannte Offshore-Finanzzentren.

Welchen Einfluss hätte die Steuer auf den "Liquiditätshandel"?

Die Analyse zeigt, dass eine Tobin-Steuer den Liquiditätshandel, der für stabile Märkte essentiell ist, massiv beeinträchtigen oder gar zerstören könnte, da die Steuerbelastung die geringen Handelsmargen der Market-Maker übersteigt.

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Details

Title
Wirkungsabschätzung einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte
College
University of Cooperative Education Berlin  (Commerzbank AG)
Grade
2,0
Author
Jean-Philipp Juretschka (Author)
Publication Year
2003
Pages
35
Catalog Number
V28544
ISBN (eBook)
9783638302975
Language
German
Tags
Wirkungsabschätzung Tobin-Steuer Devisen- Kapitalmärkte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jean-Philipp Juretschka (Author), 2003, Wirkungsabschätzung einer Tobin-Steuer auf die Devisen- und Kapitalmärkte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28544
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