Etablierte und Außenseiter. Figurationen am Beispiel "Winston Parva"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Figurationssoziologie Norbert Elias
2.1. Was sind Figurationen?
2.2. Alltagsordnungen

3. Das Fallbeispiel Winston Parva

4. Schlussfolgerungen

5. Quellen

1. Einleitung

In der menschlichen Gesellschaft kam es seit jeher zu Konstellationen zwischen Personengruppen, welche in einem geschlossenen Kreis agieren und die Regeln vorgeben, und jenen die sich nach den dann vorgegebenen Konventionen bewegen mussten. Dies geschah und geschieht bis heute nicht nur in Wechselwirkung zwischen Machthabern wie Politikern und Instanzen, die die vorgegebenen Regeln durchsetzen, und ihren Untergebenen - oder auch Außenseiter -, sondern auch in einem kleineren Kreis oder sozialem Netzwerk wie der Bevölkerung von Städten oder auch nur Stadtteilen, Straßenzügen oder auch Wohngruppen oder Wohngemeinschaften. Zugezogene oder Neuankömmlinge müssen sich der alteingesessenen Ordnung beugen oder sie müssen mit Konsequenzen und Ausstoß rechnen, wenn sie gegen die Regeln und Normen verstoßen, sie werden „als eine Bedrohung der bestehenden Ordnung erlebt“ (Elias; Scotson, S. 238). Dieses Verhalten lässt sich vor allem in Gruppen beobachten, deren Mitglieder sich selbst als die „qualitätsmäßig besseren“ Menschen halten und die anderen Gruppierungen in Hinblick auf deren Machtstrukturen überlegen sind, zum Beispiel Adelige oder Politiker. Dies manifestiert sich auch in der Sprache, Aristokratie bedeutet nichts anderes, als die Herrschaft der Besten. Ob die Herrschaft dieser Gruppe auch wirklich besser ist sei dahingestellt. Andere Bezeichnungen wie das englische noble, das für adlig und edel steht, zeigt ein sehr hohes Selbstbild, aber auch das auf andere Gruppen ein eher negatives Bild übertragen wird wie Tölpel, welches ursprünglich vom Wort Dörfler abgeleitet wird. Da sich diese Worte im alltäglichen Gebrauch etabliert haben wird man kontinuierlich mit der Größe der Etabliertengruppe und der Abwertung der Außenseiter konfrontiert, sie wurden erinnert, dass ihnen die Begnadung fehlt um zu der Etabliertengruppe zu gehören und werden als „minderwertige“ Menschen durch die Worte stigmatisiert. Eine Frage ist, wie die „höherstehende“ Gruppe bei der unterdrückten Masse dieses Gefühl aufrechterhalten kann, dass sie etwas „schlechteres“ ist? Status und Rangunterschiede werden nicht erklärt, sondern schwingen als Fakt im Diskus mit und werden so als Gottgegeben angesehen.

Die Regeln, die von der Etabliertengruppe aufgestellt werden, sollen selbstregulierend wirken, das heißt, sie wurden aufgestellt um die bestehende Ordnung zu schützen und ihr Weiterbestehen zu sichern. Es entsteht ein Alltag beziehungsweise eine Alltagsordnung. Abweichler und Zugezogene können diese Ordnung stören, dementsprechend müssen die Etablierten sicherstellen, dass die Ordnung weiterhin Bestand hat. Um dies zu gewährleisten werden Kontrollorgane wie die Polizei installiert. Sie repräsentieren die Etablierten und kontrollieren die Außenseiter. Solche Kontrollinstanzen werden auch im Kleinen eingesetzt, um die bestehenden Regeln durchzusetzen. Solche sind zum Beispiel Vereine, Stadträte oder auch Klubs, in denen es Restriktionen gibt, wenn jemand gegen die Regeln verstößt. Ausschluss und Stigmatisierungen sind die typischen Beispiele für die Konsequenzen einer Zuwiderhandlung.

Der Anschluss an solche Institutionen ist allerdings wichtig, um endgültig in einer Gemeinschaft anzukommen und sich zu etablieren. In der vorliegenden Hausarbeit soll anhand eines Fallbeispiels gezeigt werden, wie sich Etablierten-und Außenseiterkonstellationen in einer Ortschaft manifestieren und ausdrücken. Dazu wird die Literatur von Norbert Elias und John L. Scotson mit dem Titel „Etablierte und Außenseiter“ analysiert. Folgend sollen Fragen geklärt werden, wie es zu solchen Beziehungen kommt und welche speziellen Druckmittel die Etablierten benutzen, um ihren Status zu verteidigen und wie sich die Außenseiter versuchen anzupassen und sich etablieren. Bevor dies näher erläutert wird, soll versucht werden eine Basis zu schaffen, so soll erklärt werden, was Figurationen im Sinne Elias überhaupt sind und was man konkret unter Etablierten und Außenseitern verstehen kann. Zusätzlich werden die Entstehung von Alltagsordnungen unter dem Aspekt von Etablierten- und Außenseiterfigurationen erläutert werden, wie sie das Individuum steuern und vor allem, welche Waffen den Etablierten sowie den Außenseitern zur Verfügung stehen, um ihre jeweilige Stellung zu verteidigen oder zu verbessern. Um dies zu kräftigen werden auch einige Beispiele aus der Geschichte bemüht, die aufzeigen sollen, dass es meist ähnliche Ablaufprozesse bei den Beziehungen zwischen Außenseitern und Etablierten gibt.

2. Figurationssoziologie Norbert Elias

Norbert Elias prägte den Begriff der Figurationen und unter Anderem damit konnte er die Soziologie neu prägen und einen weiteren Blickwinkel zur Beobachtung sozialer Tatsachen und Gebilden eröffnen. Folgend soll nun erklärt werden, was Figurationen sind und wie diese eine Alltagsordnung aufstellen können, bevor das explizite Fallbeispiel von Elias und Scotson, dem anonymisierten Örtchen „Winston Parva“ in England, angerissen wird.

2.1. Was sind Figurationen?

Unter Figurationen versteht man ein sich wandelndes Muster, welches Individuen als ein Ganzes miteinander bilden und sich in ihrer gesamten Beziehung verändert. Sie sind soziale, dynamische Netzwerke, die von untereinander abhängigen Individuen gebildet werden. Die Beziehungen, die sich zwischen den Akteuren bildet, sind das Wesen einer jeden sozialen Gemeinschaft die sich bildet. Figurationsprozesse entstehen, sobald sich Machtbalancen zwischen den Individuen verschieben - in die eine oder in die andere Richtung. Kurzum könnte man sagen, dass Elias die Figuration als „Oberbegriff für je spezifische Machtgefüge, welche der Interdependenz von Menschen zugrunde liegen“ (Hüttermann, S. 276) sieht. Das Konzept der „“Etablierte und Außenseiter“ ist eine solche Figuration“ (ebd.). Für Elias ist dieser Begriff ein Werkzeug, "mit dessen Hilfe man den gesellschaftlichen Zwang, so zu sprechen und zu denken, als ob »Individuum« und »Gesellschaft« zwei verschiedene und überdies auch antagonistische Figuren seien, zu lockern." (Elias, S. 141)

Wie schon angerissen sind die „Etablierten“ meist ein eher elitärer Kreis, welcher sich durch sozialen oder monetären Vorsprung gegenüber der anderen Gruppe, den „Außenseitern“, abspaltet. Die Etabliertengruppe besitzt meist einen höheren Machtanteil, das Machtgefüge fällt somit stark von Etablierten zu Außenseiter. Adelige, Politiker oder auch, wie in dem Fallbeispiel um „Wintson Parva“, alteingesessene Familien etablieren Ordnungen und Institutionen, die das Leben der Außenseiter bestimmen und sich in deren Alltag figurieren.

Oftmals können Figurationen beziehungsweise Figurationsprozesse in Dörfern und Städten nicht direkt wahrgenommen werden, da die Interdependenzketten zwischen den individuellen Akteuren lang und differenziert sind. Gerade in der Stadt werden teilweise sehr lange Ketten und Beziehungen zwischen den Individuen gesponnen, die gegenseitig aufeinander aufbauen und die Handlungen der einzelnen Akteure beeinflussen, obwohl dies selbst nicht vom Individuum wahrgenommen wird. Als Beispiel kann man folgende Situation sehen: Ein Mann benötigt für seine Arbeit ein elektronisches Gerät, was er aus eigener Tasche zahlen muss. Er bestellt dieses Gerät bei dem Fachhändler seines Vertrauens. An dem Liefertag steckt der Lieferant allerdings in einem Stau mitten in der Stadt, Vollsperrung, Autounfall. Somit kann der Lieferant das Gerät nicht rechtzeitig an diesem Tag liefern. Der Mann kann somit seiner Arbeit nicht nachgehen, problematisch werden seine zwei Abmahnungen, die er vorher schon bekommen hat. Da er seine Arbeit nicht in der Deadline abgeben kann folgt die Dritte, er wird arbeitslos und findet in Folge keine Arbeit mehr. Seine Frau, die bisher nur als Hausfrau und Mutter gearbeitet hat, trennt sich von ihm, da er die Familie nicht mehr versorgen kann. Der Mann gleitet folgend in Depression und Alkoholsucht ab, deren Auslöser der Unfallverursacher des Staus, in dem der Lieferant feststeckte, war. Diese Situation ist natürlich von Beobachterseite kaum aufzuspüren, weshalb es sehr schwer ist, Figurationen und Interdependenzketten in der Stadt zu verfolgen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Etablierte und Außenseiter. Figurationen am Beispiel "Winston Parva"
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Mainstream in soziologischen Texten
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V285563
ISBN (eBook)
9783656855958
ISBN (Buch)
9783656855965
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
etablierte, außenseiter, figurationen, beispiel, winston, parva
Arbeit zitieren
Patrick Bresemann (Autor), 2012, Etablierte und Außenseiter. Figurationen am Beispiel "Winston Parva", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285563

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