Kindheitshelden. Der Einfluss des Werteprofils und die Vorbildfunktion von Trickserien am Beispiel der "Gummibärenbande"


Seminararbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,3

Laura Smith (Autor)


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1 2. Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl von Serien

3. Bewegte Vorbilder der Kinder
3.1 Einfluss der Kinderhelden auf den Rezipienten
3.2 Umgang von Kindern mit Fernsehfavoriten

4. Ausgewählte Ergebnisse meiner Untersuchung
4.1 Überblick über den Fernsehkonsum von Kindern durch eine repräsentative Befragung
4.2 Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl der
4.3 Vorbildfunktion der Trickserie
4.4 Fazit der Untersuchung

5. Die Gummibärenbande
5.1 Figurenkonstellation
5.2 Werteprofil
5.3 Was zeichnet einen Helden in der Serie aus

6. Kinder brauchen Helden

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Denkt man zurück an die eigene Kindheit, schwelgt man gerne auch in der Erinnerung von beliebten Serien. Jede Generation wurde u.a. durch das Aufkommen einer ganz besonderen Erfolgsserie sozialisiert, da diese den Begleiter durch die Kindheit darstellte. Auch heute noch, nach der Erfindung zahlreicher weiterer Medien, belegt der Fernseher noch immer den ersten Platz der Rangliste und ist somit das Leitmedium. Nach dem derzeitigen Stand liegt der Fernsehkonsum der 6- 13- Jährigen durchschnittlich bei 1,5 h pro Tag.[1] An dieser Stelle frägt man sich, wie stark Fernsehserien tatsächlich ein Individuum beeinflussen kann. Genau diesem Thema bin ich im Laufe meiner Arbeit nachgegangen. Mein erster Blick richtete sich auf die bereits zahlreich belegten Erkenntnisse der Forschung: Wie wird eine Serie vom kindlichen Konsumenten rezipiert und wie geht er mit dem Helden um? Können selbst mediale Vorbilder den Kindern bei der Suche nach einem geeigneten Rollenmuster helfen? Um valide Antworten auf meine Fragen zu finden fand ich es ebenso wichtig den aktuellen Stand der Dinge zu integrieren: Daher habe ich selbst eine Befragung in der vierten Klasse durchgeführt, um die heutige Generation der Kinder selbst zu Wort kommen zu lassen. Der letzte Teil meiner Arbeit richtet sich speziell auf die Serie „Die Gummibärenbande“. Neben der Figurenkonstellation und den vorkommenden Werten bin ich vor allem darauf eingegangen, was die Helden in dieser Serie auszeichnet.

2. Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl von Serien

Studien zeigen deutlich, dass sich Unterschiede in der Zuwendung zum Fernsehen zwischen Mädchen und Jungen bereits sehr früh entwickeln und sich mit steigendem Alter sogar manifestieren. Diese Tendenz ist ab Ende des Vorschulalters erkennbar .[2] Im Vorschulalter dominieren bei den Kindern die männlichen Erwachsenenfiguren als Idealhelden. Eine leichte Abnahme dieser Präferenz ist zum Ende des Vorschulalters hin erkennbar: Einerseits bevorzugen die Kinder von nun an vorwiegend kindliche Helden und zum anderen Zeichentrickfiguren ihres Geschlechts mehr; somit ist für die Mädchen eine Fernsehfavoritin ansprechender, als für die Jungen. [3]

Auch die Ansprüche, die die Kinder an eine Fernsehserie stellen, sind geschlechtsspezifisch orientiert. So übernehmen Mädchen vorwiegend typisch weibliche Elemente des Helden, sowie sich bei der Persönlichkeitsentfaltung der Jungen männliche Attribute manifestiert haben. Überwiegend existiert in den Köpfen der jungen Mädchen zwischen sechs uns elf Jahren das traditionelle Frauenbild: Die Frau abhängig von und unterworfen einem männlichen Beschützer, schön und vor allem zuständig für Haushalt und Kinder. Nur wenige weibliche Zuschauer dieses Alters lehnen diese einengende Geschlechtsrolle ab und bevorzugen eine selbstständigere und freiere Version ihrer Fernsehheldin. [1] Ein Junge begünstigt dagegen das Bild eines selbstbewussten, abenteuerlustigen, aktiven und starken Mannes. Dennoch akzeptieren sie zum Teil auch eine emanzipiertere Darstellung eines Helden, der auf die zusätzliche Unterstützung von Freunden angewiesen ist bzw. neben seinen körperlichen Fähigkeiten auch auf seine geistlichen vertraut. Dem größten Teil der männlichen Zuschauer fällt es daher leicht passende Heldenvorlagen zu finden, da die meisten Helden sich durch körperliche Überlegenheit auszeichnen. Schwieriger dagegen ist es mediale Muster für die emanzipiertere Darstellung zu finden. Dabei können sich die Jungen vorwiegend nur an kindlichen männlichen Helden bedienen, die es vorziehen durch gemeinsames Wirken Heldentaten zu verbringen bzw. ihren Verstand zum Lösen von Problemen einsetzen.[2] Die Vorliebe der Mädchen für weibliche Zeichentrickwesen hält etwa bis ins neunte Lebensjahr an. Ab diesem Zeitpunkt wenden sich zwei Drittel der Mädchen wieder kindlichen männlichen Helden zu. Damit bestätigt sich, dass Mädchen gegenüber den klischeebehafteten TV- Rollenvorbildern eine kritischere Haltung einnehmen. Je älter die weiblichen Zuschauer werden, desto mehr lehnen sie die typisch traditionelle Frauenrolle ab. Die männlichen Zuschauer bleiben dagegen bei ihrer Wahl; ziehen tendenziell aber wieder erwachsene Helden vor. Die Fernsehindustrie kommt diesen Wünschen entgegen und produziert daher Zeichentrickserien, in denen vorwiegend männliche Protagonisten dominieren. [3]

3. Bewegte Vorbilder der Kinder

3.1 Einfluss der Kinderhelden auf den Rezipienten

Um das Aggressionspotential bei Vorschulkindern zu testen, führte Siegel 1956 eine Untersuchung bei Vorschulkindern durch: Allgemein verglich dieser die zwei Zielgruppen, die „Woody Woodspecker“, welches ähnlich wie Tom und Cherry nur mit einem Specht als Protagonisten aufgebaut ist, gesehen haben. In erster Linie wurde festgestellt, dass der eine Teil der Gruppe ein aggressiveres Verhalten an den Tag legte, nachdem sie dies bei dem Specht beobachten konnten. Die Kinder, die dagegen eine aggressionsfreie Serie geschaut hatten, waren deutlich ruhiger danach als die Vergleichsgruppe. Danach tauchte die Frage nach dem Einfluss von Kinderhelden auf den Rezipienten immer öfter auf; in den meisten Studien war man sich allerdings einig, dass die Kinder, wenn überhaupt nur kurz, das Aggressionsverhalten der Fernsehfavoriten imitierten. Hinzu kommt, dass der Nachahmungseffekt äußerst schwach sei, was allerdings Befürworter nicht davon abhielt, diesen Nachweis als Argument zu nehmen. [1]

Kritiker stützen sich generell auf das Modell des Imitationslernens von Bandura: Nach diesem lernen Kinder rein durch das Beobachten von Vorbildern. Die höchste Stufe des Modelllernens bildet die Nachahmung des Verhaltens, das sozusagen das vorrangige Ziel des ganzem darstellt.[2] Dieses Modell war der Auslöser für eine lange Debatte über die 1972 im deutschen Fernsehen erschienene Serie „Schweinchen Dick“; Dreh- und Angelpunkt war, dass die Protagonisten Tiere sind. Der Einwand seitens Gegner der Abschaffung von „Schweinchen Dick“ war, dass die Kinder diese Figuren als unrealistisch einstufen und somit nicht als ihre wahren Vorbilder erachten. Folglich setzt auch keine Nachahmungstätigkeit ein. Die naheliegende Frage war, wie ernst die Kinder die Serie wirklich auffassten. Letzen Endes konnte sich die Serie trotz der hohen Zuschauerzahl nicht durchsetzen und wurde aufgrund der ständigen Mediengewaltdiskussion eineinhalb Jahre später abgeschafft.[3]

Tatsache ist, dass Kinder stets dazu bestrebt sind sich Vorbilder zu suchen um deren Verhalten, Charaktere und Handeln zu beobachten und dieses gegebenenfalls zu übernehmen. Beim Auserkoren der Leitbilder spielt es für die Kinder allerdings keine Rolle, ob es sich um Idealbilder aus der Realität oder aus der Medienwelt handelt. Daher kommt dem Fernsehen als Teil der Lebenswelt eine besondere Rolle zu: [4]

Die Fernsehhelden bieten eine Vielzahl an Identifikationsmuster, da sich Kinder vorwiegend Modelle aussuchen in denen sie sich wiedererkennen können. Doch ebenso wollen die jungen Zuschauer durch die Vorbilder über sich hinauswachsen und daher andere Rollen ausprobieren, in denen sie sich stärker und überlegener fühlen. Kinder können alle ihre Wünsche und Bedürfnisse in die Trickserie hineinprojizieren, die sie im gewöhnlichen Alltag nur begrenzt bis gar nicht ausleben können. Allgemein gilt, dass dieser Medienhandlungstyp auf beide Geschlechter gleichermaßen zutrifft.[1] Die Kinder können beim Fernsehen Alltagssituationen beobachten, die sie auf ihre eigene Lebensführung beziehen können. So dient die Serie kurzfristig dazu ein aktuelles Problem zu lösen bzw. in der Flut der Entscheidungsmöglichkeiten den richtigen Weg einzuschlagen. Auf der anderen Seite denken die Kinder bei der Auswahl des Leitbildes auch an die Beständigkeit: So haben Schüler den Anspruch, dass die Übernahme des erfolgsversprechenden Handelns des Helden sowohl jetzt als auch in ferner Zukunft hilfreich sein soll. Folglich ist der Einfluss von medialen sowie reellen Vorbildern von großer Bedeutung für die individuelle Persönlichkeits-entwicklung.[2]

3.2 Umgang von Kindern mit Fernsehfavoriten

Generell gilt, dass sich der Umgang von Kindern mit den Fernsehhelden in der Phase des Aufwachsens verändert. So liegt im Vorschulalter ihr Augenmerk hauptsächlich auf äußere Attribute und Merkmale bzw. zentrale Handlungen der Protagonisten, anhand welcher die Kinder die Fernsehgestalten bewerten. Vor dem Hintergrund einer simplen Gut- Böse- Welt ordnen die Kinder die einzelnen Handlungsträger in größere Zusammenhänge ein, um die Figurenkonstellationen besser erfassen und begreifen zu können.[3] Die dabei übermittelten Werte und Normen vergleichen die Kinder ständig mit ihren manifestierten Vorstellungen. Dabei wird ihr Vorstellungskonstrukt entweder um die neu gewonnenen Einsichten erweitert, wenn dies das Kind ebenfalls als wichtig erachtet oder aber wird das Wahrgenommene bei einen negativen Urteil selektiert.[4] An dieser Stelle muss man richtigerweise betonen, dass die Kinder die Vorgaben der Zeichentrickserie bei einer Übernahme gegebenenfalls sogar abändern. [5]

[...]


[1] vgl. KIM- Studie, 2008, S.402

[2] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.151

[3] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.145

[1] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.211

[2] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.212

[3] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.147 ff.

[1] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.10 ff.

[2] vgl. Trautner, H.; 2003, S. 91 ff.

[3] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.10 ff.

[4] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.150

[1] vgl. Peter- Haase, 1998, S. 248

[2] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.150 ff.

[3] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.134

[4] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.152

[5] vgl. Theunert, H.; Schorb, B. ,1996, S.201

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kindheitshelden. Der Einfluss des Werteprofils und die Vorbildfunktion von Trickserien am Beispiel der "Gummibärenbande"
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V285566
ISBN (eBook)
9783656858188
ISBN (Buch)
9783656858195
Dateigröße
1201 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kindheitshelden, einfluss, werteprofils, vorbildfunktion, trickserien, beispiel, gummibärenbande
Arbeit zitieren
Laura Smith (Autor), 2012, Kindheitshelden. Der Einfluss des Werteprofils und die Vorbildfunktion von Trickserien am Beispiel der "Gummibärenbande", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285566

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