Die Christenverfolgungen im Römischen Reich


Seminararbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,0
Laura Smith (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Leben der christlichen Gemeinde in den ersten drei Jahrhunderten

3. Die Christenverfolgung im Römischen Reich
3.1 Spontane Pogrome
3.2 Systematische Christenverfolgungen
3.2.1 Die decisch- valerianische Christenverfolgung
3.2.2 Die diokletianische Christenverfolgung

4. Schluss

1. Einleitung

Zu jeder Zeit kann man das Problem von Minderheiten entdecken, die oftmals Terrorisierungen und Intoleranz erleiden müssen. Die Akzeptanz und Toleranz von etwas ‚Neuem‘ oder etwas ‚Anderem‘ war schon immer eine große Schwierigkeit für fast jeden Menschen. Minderheiten werden häufig dafür benutzt, ihnen die herrschenden Probleme aufzuerlegen oder anzulasten. Sie werden oftmals in die Rolle des Sündenbocks gedrängt, da sie durch ihre Fremd- und Andersartigkeit schnell Antipathie bei ihren Mitmenschen hervorrufen können. Auch bei den Christen im römischen Reich kann man dieses Phänomen beobachten: Sie wurden verachtet, des Menschenhasses beschuldigt, angezeigt und zum Tode verurteilt.[1] In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Ursachen dieser feindlichen Stimmung gegen die Christen zu Grunde liegen. Tatsache ist schließlich, dass das römische Reich zur Zeit der Entstehung des Christentums von vielen Kulturen geprägt war und sich grundsätzlich durch eine außerordentliche Toleranz gegenüber fremden Religionen auszeichnete.[2] Parallel dazu gilt auch zu klären, welche Maßnahmen seitens der Kaiser eingeleitet wurden und ob diese einzelnen religionspolitischen Anordnungen auch gezielt dazu ergriffen wurden, um die Christen zu diskriminieren. Aufschluss darüber bringt eine erhaltene Quelle, ein Briefwechsel zwischen dem Kaiser Trajan und dem Statthalter Plinius dem Jüngeren aus dem Jahr 111 oder 112 n. Chr., in dem staatlicherseits eine Stellungnahme zum Christenproblem erfolgt.[3] Anhand dessen kann erläutert werden, wie die Verurteilungen der Christen aus staatlicher Sicht legitimiert wurden und welche Erkenntnisse Plinius im Umgang mit den ihm angezeigten Christen gewinnt. Grundsätzlich soll auch untersucht werden, welche Unterschiede bezüglich Intensität und Vorgehensweise bei den Verfolgungen erkennbar sind.

Diesen Fragestellungen wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Im Aufbau der Arbeit werde ich dabei chronologisch vorgehen, beginnend bei einem Einblick auf das Leben der Christen in den ersten drei Jahrhunderten. Dieser erste Schritt ist wichtig, um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, welche tieferen Umstände und Hintergründe zu den Christenverfolgungen führten. Anschließend wende ich mich bereits den Christenverfolgungen zu. In erster Linie wird dabei auf den Brand Roms als Anlass der Christenverfolgung eingegangen und die im römischen Reich entstehenden Konflikte zwischen heidnischer und christlicher Bevölkerung.[4] Der letzte Teil der Arbeit widmet sich den systematischen Verfolgungen. Dabei möchte ich einen Überblick über die staatlicherseits eingeleiteten Maßnahmen geben und auch über deren Grund und Effektivität. Ziel dieser Hausarbeit soll somit sein, die Ursachen und Umstände der Christenverfolgungen im römischen Reich zu untersuchen, sowie die Durchführung der Verfolgungen zu beschreiben.

2. Das Leben der christlichen Gemeinde im Römischen Reich

Die ersten christlichen Gemeinden wurden im römischen Reich nicht anders als eine jüdische Sekte wahrgenommen.[5] Im Schatten der jüdischen Gemeinden erwuchs somit die christliche Urgemeinde. Der Staat ließ sie zunächst gewähren und nötigte die vermeintliche jüdische Sekte nicht zur Verehrung der Götter.[6] Schließlich genossen die Juden einen Sonderstatus im römischen Reich und hatten entgegen anderer Religionen nicht die Vorschrift einzuhalten neben der eigenen Gottheit auch die römischen Staatsgottheiten anzubeten.[7] Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei den Juden um eine kleine, lediglich auf eine bestimmte Volksgruppe begrenzte Zahl von Anhängern handelte, die bereits ihre Väter duldeten.[8]

Da die meisten gängigen Veranstaltungen, wie die Zirkusspiele, das Theater oder allgemeine Feste, aber zu Ehren der römischen Götter stattfanden, nahmen die Christen auch meist nicht teil.[9] Im römischen Denken aber garantierte der genaue Vollzug der Riten die Gunst der Götter. Wer sich ihnen verweigerte, gefährdete somit das allgemeine Wohlergehen. In diesem Zusammenhang wird also verständlich, dass die Christen durch ein solches Verhalten bei den Römern unbeliebt bzw. größtenteils sogar verhasst waren. Zudem erzeugte diese Absonderung vom kulturellen Leben Misstrauen, weshalb schon bald böswillige Gerüchte über die Christen kursierten: Den Christen wurden schändliche Praktiken, wie rituelle Menschenopfer, Inzest und Promiskuität nachgesagt.[10] Neben diesen diffusen

Anschuldigungen spielte der Vorwurf des Atheismus eine verhängnisvolle Rolle, da die meisten Christen sich strikt weigerten die römischen Gottheiten zu verehren.[11]

Der schlechte Ruf der christlichen Religion und ihrer Anhänger führte dazu, dass sie schon bald in die Rolle des ,,Sündenbocks" gedrängt wurden. Man schrieb den Christen fortan die Schuld an Naturkatastrophen, öffentlichen Missgeschick, Unglücksfällen und militärischen Niederlagen zu.[12]

3. Die Christenverfolgungen

Innerhalb der ersten Jahrhunderte kam es im Imperium Romanum daher zu zahlreichen Spannungen zwischen den Christen und der heidnischen Bevölkerung. Diese Spannungen entluden sich anfangs spontan und lokal begrenzt, weshalb man nur sehr bedingt von einer Christenverfolgung in den ersten beiden Jahrhunderten sprechen kann. Die Übergriffe auf die christliche Bevölkerung gingen häufig auch nicht vom Kaiser oder von staatlichen Behörden aus, sondern von einzelnen Gruppen der Bevölkerung. Beispielsweise führten im 2. Jahrhundert mehrmals Volkstumulte zur Verfolgung von einzelnen Christen und zu Pogromen in christlichen Gemeinden. Die zunehmenden Konflikte störten die öffentliche Ordnung, weshalb sich auch die Staatsmacht zu gelegentlichem Eingreifen veranlasst sah. Erst wesentlich später in der Mitte des 3. Jahrhunderts begann die großflächig angelegte Christenverfolgung, weshalb im Folgenden zwei Phasen der Christenverfolgung unterschieden werden: Im ersten Teil wird auf die örtlich begrenzten Verfolgungen eingegangen und der zweite Teil widmet sich den systematischen Verfolgungen.[13]

3.1 Örtlich begrenzte Verfolgungen

Erstmals zum eindeutigen Ziel der Verfolgungen wurden die Christen im Jahr 64 n. Chr., nachdem unter der Herrschaft des Kaisers Nero ein verheerender Brand Rom zu großen Teilen zerstört hatte.[14] Da der selbst unter dem Verdacht der Brandstiftung stehende Kaiser von sich ablenken wollte, ließ er in der Folgezeit die Christen als Brandstifter ausrufen. Die Anschuldigung fiel bei den Römern auf fruchtbaren Boden: Die Christen hatten einen schlechten Ruf, da sie als gefährliche Sonderlinge galten. Man konnte den Christen juristisch zwar keine Vergehen nachweisen, doch allein die Beschuldigung der Brandstiftung war der Anstoß zur allgemeinen Verfolgung. Wer sich also offen zu Christus bekannte, wurde ergriffen, zum Tode verurteilt und unter Martern publikumswirksam hingerichtet: Beispielsweise mussten die Christen in den Arenen mit wilden Tieren kämpfen oder wurden in Tierhäute gesteckt und von Hunden zerfleischt. Sie dienten auch als lebendige Fackeln, die nach Eintritt der Dunkelheit in den Gärten angezündet wurden, damit sich die römischen Bürger und der Kaiserhof daran belustigen konnten. Die christliche Gemeinde musste dabei beträchtlich an Zahl einbüßen. Zu den berühmtesten Opfern zählten gemäß verschiedener Kirchenväter in Rom auch die Apostel Petrus und Paulus. Da es aber nur wenige historische Anhaltspunkte gibt, bleibt die Frage, ob Petrus und Paulus tatsächlich den Märtyrertod unter Nero gefunden haben, bis heute ungeklärt.

Angesichts der Tatsache, dass die Christen wegen ihrer angeblichen Straftat und nicht wegen ihres Glaubens angeklagt wurden, galt Nero lange Zeit zu Unrecht als erster Christenverfolger. Nero hatte lediglich versucht den Verdacht der Brandstiftung von sich auf eine unbeliebte religiöse Minderheit zu lenken. Demnach dienten die Christen Nero schlichtweg als willkommene Sündenböcke, um nach dem Brand den Unmut der Bevölkerung von sich selbst abzulenken. Hinzu kommt, dass sich die angebliche Christenverfolgung auf die Stadt Rom bezog und auf die unmittelbare Zeit nach dem Brand begrenzt war.

Über diese erste römische Verfolgung von Christen, die bis dahin relativ unscheinbar und sicher im Schatten des staatlich geduldeten und mit gewissen Privilegien ausgestatteten Judentums gelebt hatten, berichtet als bedeutende Quelle Tacitus in seinen Annalen: Für Tacitus steht außer Frage, dass die Christen nicht die Brandstifter waren. Er war aber dennoch der Ansicht, dass diese für ihre Untaten und ihren Aberglauben verhasste Gruppe die ihr auferlegten Strafen allein schon für ihren Menschenhass verdient hatte und dass ihre Bestrafung dem öffentlichen Wohl diene.[15]

Entscheidend für die Geschichte des Christentums war, dass ab diesem Zeitpunkt eine Unterscheidung zwischen Juden und Christen getroffen wurde. Damit verlor der ‚neue Aberglaube‘ den staatlichen Schutz, den er als jüdischer Kult genossen hatte und galt fortan als religio illicata.[16]

[...]


[1] Vgl. GESSEL 288f.

[2] Vgl. FÜRST 173.

[3] VGL. ebd. 180f.

[4] Vgl. HOFMANN 78f.

[5] Vgl. GESSEL 288 f.

[6] Vgl. HOFMANN 78.

[7] Vgl. GESSEL 288.

[88] Vgl. ebd. 288.

[9] Vgl. FÜRST 175.

[10] Vgl. ebd. 178.

[11] Vgl. FÜRST 176.

[12] Vgl. ebd. 179.

[13] Vgl. ebd 178f.

[14] Vgl. HOFMANN 79.

[15] Vgl. HOFMANN 79.

[16] Vgl. HOFMANN 80.

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Details

Titel
Die Christenverfolgungen im Römischen Reich
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V285569
ISBN (eBook)
9783656855835
ISBN (Buch)
9783656855842
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
christenverfolgungen, römischen, reich
Arbeit zitieren
Laura Smith (Autor), 2014, Die Christenverfolgungen im Römischen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285569

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