In dieser Hausarbeit wird die implizite Einstellungsmessung mithilfe des impliziten Assoziationstest (IAT) am Beispiel der Homosexualität untersucht. Homosexuelle bilden auch heutzutage noch eine Minderheit, deren öffentliche Bekenntnisse gesellschaftlich nicht immer akzeptiert sind. Wenn eine Person Vorurteile gegenüber Homosexuellen hat, möchte sie dies vielleicht aufgrund der sozialen Unerwünschtheit nicht preisgeben und gibt absichtlich eine falsche Antwort zu dem Thema. Daher ist es notwendig die indirekte Einstellungsmessung der direkten vorzuziehen. Die verborgenen Einstellungen zur Homosexualität werden mithilfe des IAT quantifiziert und messbar gemacht.
Explizite Einstellungen sind bewusste und kontrollierbare Einstellungen, die mit direkten Messmethoden gemessen werden können. In der Markt- und Werbepsychologie sind diese Methoden z. B. direkte Befragungen mithilfe eines Fragebogens.
Implizite Einstellungen sind hingegen unbewusste und unkontrollierbare Einstellungen, die mit indirekten Messmethoden gemessen werden können. Bereits Freud befasste sich mit unbewussten Prozessen, die das Verhalten steuern. Er nahm an, dass diese unbewussten Prozesse z. B. durch möglichst schnelles und freies Assoziieren bewusst gemacht werden könnten. Indirekte Methoden können z. B. quantitative, apparative oder qualitative Verfahren sein, von denen der reaktionszeitbasierte implizite zurzeit einer der bekanntesten Tests ist.
Inhaltsverzeichnis
A. Implizite Einstellungsmessung
1. Einleitung
2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen
3. Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität
3.1 Homosexualität
3.2 Darstellung des Nutzens der Messung von impliziten Einstellungen zur Homosexualität
3.3 Bisherige Forschung zu impliziten Einstellungsmessungen zum Thema Homosexualität
4. Messmethodik
4.1 Auswahl der Messmethodik
4.2 Methodik des IAT Sexualität: Homosexuell-Heterosexuell
4.3 Informationen zur Auswertung der Daten
4.4 Ergebnis
4.5 Vorschlag weiterer statistischer Auswertung
5. Stellungnahme und Einschätzung zur Machbarkeit des vorgeschlagenen Prozesses
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung des Impliziten Assoziationstests (IAT) zur Messung unbewusster Einstellungen gegenüber Homosexualität. Dabei wird analysiert, inwieweit indirekte Messverfahren helfen können, gesellschaftlich sozial unerwünschte Vorurteile zu quantifizieren, die durch klassische Befragungen oft nicht valide erfasst werden.
- Vergleich von expliziten und impliziten Einstellungsdaten
- Funktionsweise und methodischer Aufbau des IAT
- Psychologische Grundlagen der automatischen vs. kontrollierten Informationsverarbeitung
- Methodenkritik und Reliabilität von IAT-Verfahren
Auszug aus dem Buch
3.1 Homosexualität
Homosexualität ist auch heutzutage eine noch nicht vollständig von der Gesellschaft akzeptierte sexuelle Neigung. In Deutschland gibt es schätzungsweise zwischen 1,1-2,7 % Schwule und 0,4-1,3 % Lesben. (Dannecker, 2000; vgl. Lesben- und Schwulenverband Deutschland, 2014) Homosexuelle gehören aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zum gleichen Geschlecht einer Minderheit an und sind mit Vorurteilen behaftet.
„Vorurteile sind ungerechtfertigte (und in der Regel negative) Einstellungen gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern. Vorurteile beinhalten i. Allg. stereotype Überzeugungen, negative Gefühle und die Bereitschaft zu diskriminierendem Verhalten.“ (Myers, 2008, S. 658).
Vorurteile sind dabei die Einstellung, und Diskriminierung das resultierende Verhalten. Wenn die Vorurteile gegenüber Homosexuellen also entschärft werden könnten, wäre dies auch eine Möglichkeit die Diskriminierung zu reduzieren und die Akzeptanz zu erhöhen. Wenn implizite Einstellungen in Messungen positiver gegenüber Homosexuellen ausfallen, als die Ergebnisse der selben Probanden bei expliziten Messungen, könnte dies eine belegbare Möglichkeit sein, die Vorurteile abzuschwächen.
Außerdem sind das Wissen und die Aufklärung über Homosexualität immer noch sehr gering, obwohl die Akzeptanz in Deutschland immer weiter zunimmt z. B. durch die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft bei gleichgeschlechtlichen Partnern seit 2001 (Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften LPartG, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Implizite Einstellungsmessung: Einleitende Abgrenzung zwischen bewussten (expliziten) und unbewussten (impliziten) Einstellungen.
1. Einleitung: Hinführung zur Problematik, dass explizite Befragungen oft durch soziale Erwünschtheit verfälscht sind.
2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen: Darstellung des „Autopilot“-Konzepts des Gehirns und die Relevanz impliziter Prozesse für das menschliche Verhalten.
3. Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität: Untersuchung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Homosexualität und des Nutzens indirekter Messung zur Validierung von Einstellungsdaten.
4. Messmethodik: Detaillierte Beschreibung des IAT-Aufbaus, der Durchläufe und der Datenauswertung.
5. Stellungnahme und Einschätzung zur Machbarkeit des vorgeschlagenen Prozesses: Kritische Reflexion der Reliabilität des IAT und Diskussion möglicher Fehlinterpretationen im Testaufbau.
Schlüsselwörter
Implizite Einstellungsmessung, Impliziter Assoziationstest, IAT, Homosexualität, Vorurteile, Sozialpsychologie, Reaktionszeitmessung, Diskriminierung, unbewusste Prozesse, Psychologie, explizite Einstellung, Einstellungsforschung, Messmethodik, Autopilot, Validität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Anwendung des Impliziten Assoziationstests zur Messung unbewusster Einstellungen gegenüber Homosexualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Psychologie von Vorurteilen, der Vergleich zwischen expliziter und impliziter Einstellungsforschung sowie die methodische Validität des IAT.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie indirekte Messverfahren objektivere Daten liefern können, da sie das Bedürfnis der Testpersonen nach sozialer Selbstdarstellung umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der reaktionszeitbasierte Implizite Assoziationstest (IAT) als zentrales Instrument für die Datenerhebung und -analyse beschrieben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Zwei-Systeme-Modell), die konkrete Methodik des IAT Sexualität und die Auswertung sowie kritische Diskussion der Testergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie implizite Einstellungsmessung, IAT, unbewusste Prozesse und Einstellungsforschung.
Warum ist der IAT bei diesem Thema besonders relevant?
Da Homosexualität gesellschaftlich teilweise noch ein Tabuthema ist, neigen Probanden bei direkten Befragungen zu verfälschten, sozial erwünschten Antworten; der IAT macht diese unbewussten Tendenzen messbar.
Welche Limitationen werden für den IAT genannt?
Die Autorin weist insbesondere auf die geringe Retest- und Paralleltestreliabilität hin, was bedeutet, dass die Testergebnisse bei wiederholter Durchführung leicht variieren können.
- Quote paper
- Simone Brisch (Author), 2014, Die Einstellung zur Homosexualität. Eine indirekte Messung mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285585