Die Einstellung zur Homosexualität. Eine indirekte Messung mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT)


Hausarbeit, 2014

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Implizite Einstellungsmessung

1. Einleitung

2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen

3. Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität
3.1 Homosexualität
3.2 Darstellung des Nutzens der Messung von impliziten Einstellungen zur Homosexualität
3.3 Bisherige Forschung zu impliziten Einstellungsmessungen zum Thema Homosexualität

4. Messmethodik
4.1 Auswahl der Messmethodik
4.2 Methodik des IAT Sexualität: Homosexuell-Heterosexuell
4.3 Informationen zur Auswertung der Daten
4.4 Ergebnis
4.5 Vorschlag weiterer statistischer Auswertung

5. Stellungnahme und Einschätzung zur Machbarkeit des vorgeschlagenen Prozesses

Anhang

B. Quellenangaben und Literaturverzeichnis

C. Abbildungsverzeichnis

D. Tabellenverzeichnis

A. Implizite Einstellungsmessung

1. Einleitung

„Zwischen erfragten Einstellungen und dem tatsächlichen Verhal- ten besteht oft nur ein geringer Zusammenhang.“

(Asendorpf, 2011a, S.31).

Der Begriff „Einstellung“ stammt aus der Sozialpsychologie und wird im Zusammenhang mit Verhalten, also Äußerung von Handlungen, betrachtet. Personen nach ihrer Einstellung zu fragen, kann eine unwahre Antwort zur Folge haben. Um die wahre Antwort herauszufinden, beschäftigen sich Psychologen und Wirtschaftsexperten mit der Frage „Was prägt die Einstellung eines Menschen“ und wie unterscheiden sich explizite von impliziten Einstellungen.

Explizite Einstellungen sind bewusste und kontrollierbare Einstellungen, die mit direkten Messmethoden gemessen werden können. In der Marktund Werbepsychologie sind diese Methoden z. B. direkte Befragungen mithilfe eines Fragebogens.

Implizite Einstellungen sind hingegen unbewusste und unkontrollierbare Einstellungen, die mit indirekten Messmethoden gemessen werden können. Bereits Freud befasste sich mit unbewussten Prozessen, die das Verhalten steuern. Er nahm an, dass diese unbewussten Prozesse z. B. durch möglichst schnelles und freies Assoziieren bewusst gemacht werden könnten (vgl. Asendorpf, 2011a, S. 31). Indirekte Methoden können z. B. quantitative, apparative oder qualitative Verfahren sein, von denen der reaktionszeitbasierte implizite Assoziationstest (IAT, Greenwald, McGhee & Schwarz, 1998) zurzeit einer der bekanntesten Tests ist.

In dieser Hausarbeit wird die implizite Einstellungsmessung mithilfe des impliziten Assoziationstest (IAT) am Beispiel der Homosexualität untersucht.

Homosexuelle bilden auch heutzutage noch eine Minderheit, deren öffentliche Bekenntnisse gesellschaftlich nicht immer akzeptiert sind. Wenn eine Person Vorurteile gegenüber Homosexuellen hat, möchte sie dies vielleicht aufgrund der sozialen Unerwünschtheit nicht preisgeben und gibt absichtlich eine falsche Antwort zu dem Thema. Daher ist es notwendig die indirekte Einstellungsmessung der direkten vorzuziehen. Die verborgenen Einstellungen zur Homosexualität werden mithilfe des IAT quantifiziert und messbar gemacht.

2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen

Um einen kurzen Überblick über die bisherige Forschung zur Thematik zu geben, sollte zuerst die Trennschärfe der Begrifflichkeiten geklärt werden. Die Messmethoden zur impliziten Einstellungsmessung sind selbst nicht als implizit, sondern als indirekt zu bezeichnen. Auch wenn in der Praxis meist von einer impliziten Messung, anstatt einer indirekten Messung gesprochen wird (Wittenbrink & Schwarz, 2007; vgl. Felser, 2012, S. 27), ist der Begriff auf eine Methode gar nicht anwendbar, da diese nur eine Sammlung von Anwendungsregeln darstellt (De Houwer, 2007; vgl. Felser, 2012, S. 27). Implizit sind lediglich die Einstellungen, die indirekt gemessen werden.

In dem bekannten Standardwerk von Myers zur Psychologie wird „Einstellung“ wie folgt beschrieben:

„Überzeugung oder Gefühl, das Menschen prädisponiert, in einer bestimmten Art und Weise auf Dinge, Menschen und Ereignisse zu reagieren.“ (Myers, 2008, S. 639)

„Überzeugung“ ist dabei eine bewusst gewählte Einstellung, während „Gefühl“ eine unbewusste bzw. nicht klar definierbare Einstellung ist. Die Definition von Myers spiegelt wider, dass das Gehirn in zwei verschiedenen Systemen arbeitet - einem bewussten und einem unbewussten (impliziten, automatischen) System (Lieberman 2007; vgl. Scarabis & Heinsen, 2008). Das bewusste System könnte auch als Pilot bezeichnet werden, der die Vorgänge bewusst und zielgerichtet steuert, während das unbewusste System als Autopilot bezeichnet werden könnte, der ohne nachzudenken automatisch arbeitet wie in Abb. 2.1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Zwei Systeme im Gehirn Pilot und Autopilot (nach Scheier &Held, 2008, gekürzte Darstellung; vgl. Brau et al., 2011)

Zaltman (2003) fand heraus, dass Schätzungen zufolge bis zu 95% des menschlichen Verhaltens implizit gesteuert werden (vgl. Scarabis & Heinsen, 2008).

Wenn bis zu 95% des menschlichen Verhaltens implizit gesteuert werden und somit im Umkehrschluss bisher nur 5% explizite Einstellungsmessung (direkte Messung) erfolgt ist, dann können durch indirekte Messungen also ein Großteil relevanter jedoch unbewusster Einstellungen sichtbar gemacht werden, die sonst im Verborgenen bleiben würden.

Die bisherige Forschung der indirekten Messungen zu Einstellungen kann in drei Bereiche aufgeteilt werden, wobei die quantitativen Verfahren - insbesondere der implizite Assoziationstest (IAT), der in Kapitel 4 noch näher beschrieben wird - am häufigsten verwendet werden:

Quantitative Verfahren

- IAT - impliziter Assoziationstest - (IAT, Greenwald, McGhee & Schwarz, 1998)
- Brief IAT oder auch single-target IAT - Kurzversion des IAT (vgl. Asendorpf, 2011b, S. 73)
- Der affektive Simon-Effekt - (EAST, de Houwer, 2003)
- Go/No-go Association Task - (GNAT, Nosek & Banaji, 2001)
- Evaluative Movement Assessment (Brendl, Markman & Messner, 2005, vgl. Felser, 2012)
- affektives/ evaluiertes Priming (Fazio, Jackson, Dunton, &Williams, 1995; Fazio, Sanbonmatsu, Powell, & Kardes, 1986)
- Semantic priming (Neely, 1991)
- Unconscious priming (Draine &Greenwald, 1998).
- Affect Misattribution Procedure - (Payne, Cheng, Govorun & Stewart (2005)
- Stroop Effekt - (MacLeod, 1991)
- Thematischer Apperzeptionstest TAT (TAT, Murray, 1971)

Apparative Verfahren

- Eye-Tracking - (vgl. Scheier, 2006)
- fMRT - (vgl. Scarabis & Heinsen, 2009)

Qualitative Verfahren

- Picture Sorting - (vgl. Lorenz & Heinsen, 2011)
- Collage-Techniken - (vgl. Lorenz & Heinsen, 2011)
- tiefenpsychologische Interviews - (vgl. Lorenz & Heinsen, 2011)

3. Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität

3.1 Homosexualität

Homosexualität ist auch heutzutage eine noch nicht vollständig von der Gesellschaft akzeptierte sexuelle Neigung. In Deutschland gibt es schätzungsweise zwischen 1,1-2,7 % Schwule und 0,4-1,3 % Lesben. (Dannecker, 2000; vgl. Lesben- und Schwulenverband Deutschland, 2014) Homosexuelle gehören aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zum gleichen Geschlecht einer Minderheit an und sind mit Vorurteilen behaftet.

„Vorurteile sind ungerechtfertigte (und in der Regel negative) Einstellungen gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern. Vorurteile beinhalten i. Allg. stereotype Überzeugungen, negative Gefühle und die Bereitschaft zu diskriminierendem Verhalten.“ (Myers, 2008, S. 658).

Vorurteile sind dabei die Einstellung, und Diskriminierung das resultierende Verhalten. Wenn die Vorurteile gegenüber Homosexuellen also entschärft werden könnten, wäre dies auch eine Möglichkeit die Diskriminierung zu reduzieren und die Akzeptanz zu erhöhen. Wenn implizite Einstellungen in Messungen positiver gegenüber Homosexuellen ausfallen, als die Ergebnisse der selben Probanden bei expliziten Messungen, könnte dies eine belegbare Möglichkeit sein, die Vorurteile abzuschwächen.

Außerdem sind das Wissen und die Aufklärung über Homosexualität immer noch sehr gering, obwohl die Akzeptanz in Deutschland immer weiter zunimmt z. B. durch die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft bei gleichgeschlechtlichen Partnern seit 2001 (Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften LPartG, 2001).

In einer repräsentativen Studie zu negativen Einstellungen in Deutschland, äußerte sich ungefähr die Hälfte der Befragten negativ gegenüber homosexuellen Frauen und Männern. Dabei waren Männer negativer gegenüber Homosexuellen eingestellt als Frauen. Zudem waren unter 30Jährige positiver gegenüber Homosexuellen eingestellt als über 60Jährige. Vermutlich hängt dies mit den Einstellungen und der Aufklärung der jeweiligen Generation zusammen, sodass die gleichen Befragten 30Jährigen Ihre Einstellung nicht in einigen Jahren aufgrund ihres höheren Alters ändern werden (vgl. Steffens, 2010).

Nicht nur für die Gesellschaft ist Homosexualität zudem noch ein Tabuthema, auch die Homosexuellen selbst halten ihre Gedanken zu ihrer sexuellen Neigung meist lieber im Verborgenen, anstatt sie in der Öffentlichkeit kund zu tun. Die Befürchtungen vor negativen Reaktionen des Umfeldes sind so groß wie die Vorurteile gegen die Homosexuellen selbst.

3.2 Darstellung des Nutzens der Messung von impliziten Einstellungen zur Homosexualität

„Explizite Einstellungen und subjektive Normen sagen tatsächliches Verhalten schlecht vorher, wenn das Verhalten stark sozial erwünscht oder unerwünscht ist.“ (Asendorpf, 2011b, S. 70)

Indirekte Einstellungsmessungen sind den direkten vorzuziehen, da das Verhalten nicht verstellt werden kann. Ohne Nachzudenken und automatisch werden die Items bearbeitet oder beantwortet. Bei der direkten Messung bleibt Zeit um über die Antwort nachzudenken und die Testperson könnte abwägen, welche Antwort sie geben sollte. Gesellschaftlich unerwünschte Antworten oder der Wunsch nach einer Selbstdarstellung in einer bestimmten Art und Weise beeinflussen dann das Ergebnis. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde sich also die bewusst gewählte Antwort von der automatischen Antwort unterscheiden.

Wie sich affektive Entscheidungen (spontan) und kognitive Entscheidungen (überlegt, kontrolliert) unterscheiden, haben auch Shiv und Fedorikhin (1999) (vgl. Felser, 2012) untersucht. Dabei haben Sie nach der Bevorzugung von Süßspeisen gegenüber Obst affektiv und kognitiv gefragt. Bei den affektiven Entscheidungen wurden die Süßspeisen bevorzugt, während nach einer Bedenkzeit die Entscheidung auf das gesündere Obst fiel. Reflektiertes Verhalten wird also durch explizite Einstellung beeinflusst, während implizite Einstellungen spontanes Verhalten beeinflussen (vgl. Felser, 2012).

Für den Nutzen der Einstellungsmessung zur Homosexualität bedeutet das, dass spontan reagiert werden muss, um die impliziten Einstellungen darzustellen. Implizite Einstellung wird gemessen um die innere Einstellung sichtbar zu machen zu etwas, das gegenüber etwas anderem bevorzugt wird. Bei der Homosexualität wird also gemessen, ob spontan das gleiche Geschlecht bevorzugt wird - wie im o. g. Beispiel die Süßspeise bevorzugt werden würde.

Die spontane Assoziation von Merkmalen des gleichen Geschlechts zu positiven Dingen ließe also über eine positive Einstellung gegenüber Homosexuellen schließen. Bei der Fragestellung zur Einstellung zur Homosexualität könnte die wirkliche Antwort gesellschaftlich kritisch sein, wenn der Befragte sich positiv zu Homosexuellen bekennt oder sich negativ zu Homosexuellen äußert. Nach reiflicher Überlegung würde ein Homosexueller also genau abwägen, ob er diese Präferenz öffentlich preisgeben würde und eventuell die Antwort verfälschen.

Bei einer indirekten Messung liegt daher eine höhere Wahrscheinlichkeit vor die wirkliche Einstellung bzw. die Tendenz zu messen. Die indirekte Messung der Einstellung ist also gerade bei dem Thema Homosexualität eine gute Messmethodik und direkten Methoden vorzuziehen, um valide Ergebnisse zu erhalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Einstellung zur Homosexualität. Eine indirekte Messung mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT)
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V285585
ISBN (eBook)
9783656858843
ISBN (Buch)
9783656858850
Dateigröße
1791 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Impliziter Assoziationstest, IAT, Homosexuell, implizit, implizite Einstellungsmessung, indirekte Messung, indirekte Einstellungsmessung, indirekte Einstellung
Arbeit zitieren
Simone Brisch (Autor), 2014, Die Einstellung zur Homosexualität. Eine indirekte Messung mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285585

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