Brände und Überschwemmungen im Rom der Kaiserzeit


Seminararbeit, 2013

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in das Thema, Fragestellungen und mögliche Thesen
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Gründe
2.1. Brände in Rom
2.2. Überschwemmungen des Tibers

3. Folgen (und Ablauf)
3.1. Fallbeispiel Brand Roms in 64 n. Chr. unter Nero
3.1.1. Ablauf
3.1.2. Folgen
3.2. Fallbeispiel Hochwasser in 15 n. Chr. unter Tiberius

4. Präventive Maßnahmen
4.1. Brandschutz
4.2. Hochwasserschutz

5. Die römische Gesellschaft im Spiegel der Brand- und Überschwemmungskatastrophen

6. Ergebnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Einführung in das Thema, Fragestellungen und mögliche Thesen

Brände und Überschwemmungen werden von den antiken Autoren wie Seneca, Tacitus und Juvenal zu den ganz alltäglichen Gefahren in der Großstadt Rom zugeordnet. Diese zwei Schicksalsschläge stellen bloß einen Teil von den insgesamt vorhandenen Risikofaktoren dar. Der soziale Stress in Rom hatte weitere vielseitige Quellen wie Menschengewühl, Krach, ständige Lebensgefahr (beim Achsenbruch von Lastfuhrwerken kam es schnell zu tödlichen Verletzungen, Müll und Nachttöpfe werden einfach aus den Fenstern geworfen), Kriminalität, Luftverschmutzung, schlechte Wohnqualität und regelmässige Hauseinstürze.[1]

Besonders die Häufigkeit von Bränden und Hauseinstürzen scheint erstaunlich hoch gewesen zu sein. Es sollen jeden Tag mehrere kleinere Brände in der Stadt ausgebrochen sein. Es wurden sogar immer wieder größere Stadtteile und Viertel in Asche verwandelt.

Der Tiber überstieg in regelmäßigen Abständen seine Ufer und flutete große Teile der Stadt. Gegen seine Flutwellen schienen sich die Römer nicht wehren zu können oder zu wollen.

In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, Deutungs- und Wahrnehmungsmuster der römischen Bevölkerung zu den Brand- und Überschwemmungkatastrophen anhand von Primärquellen zu entschlüsseln. Die Erwartung ist, dass aufgezeigt werden kann, dass unterschiedliche soziale Schichten von den Folgen verschieden betroffen waren. Es muss danach gefragt werden, ob dem jeweiligen Kaiser die Katastrophenbewältigung als Mittel der Machtsicherung und der Popularitätszunahme hätte dienen können. Es wird danach beobachtet, ob es Gruppen gab, denen die Vernichtung von Wohnhäusern und Stadtvierteln sogar zugute kam. War eine Art Solidarität schon in der römischen Gesellschaft der Kaiserzeit vorhanden, die heutzutage nach Naturkatastrophen als typische Erscheinung auftaucht? War das Verhalten von den Betroffenen einheitlich?

Inwiefern war das Großstadtleben – wie wir es in unserer Zeit auch kennen – selbst verantwortlich für die Brände? Um diese Frage beantworten zu können, muss man auf die Ursachen von Feuersbrünsten einen Blick werfen. Interessant ist ausserdem, wieso die präventiven Maßnahmen wenig zur Steigerung der Lebensqualität beitragen konnten. Aus heutiger Sicht ist der Verzicht auf die Verteidigung der Stadt gegen die Überschwemmungen merkwürdig. Die Arbeit fragt danach, ob die These über eine sakrale Beziehung zum Fluss und aufgrund deren ein Verzicht auf Hochwasservorsorge sich bestätigen lässt, oder ob andere Gründe im Hintergrund stehen könnten.

Da Rom gerade in der Kaiserzeit, genauer im Prinzipat, auf den Rang einer Weltstadt aufstieg, wird der Untersuchungszeitraum auf den Intervall von 27 v. Chr. bis 284 n. Chr. festgelegt.[2] Um den Rahmen einer Seminararbeit nicht zu sprengen, wird von den übermittelten Brand- und Überschwemmungskatastrophen jeweils ein Fallbeispiel vorgestellt, interpretiert und analysiert. Diese zwei Fälle wurden von Tacitus in seinem Annalen überliefert. Der eine ist der grosse Brand Roms[3] in 64 n. Chr. unter Nero, der andere eine Überschwemmung des Tibers[4] in 15 n. Chr. unter Tiberius.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Die vorhandenen Primärquellen von antiken Autoren thematisieren relativ selten Feuer- und Hochwasserkatastrophen. Wenn schon, dann sind ihre Berichte meistens kurz gefasst und erhalten geringe Informationen zu den heutzutage bedeutsam angesehenen Aspekten. Angaben wie Zahl der Opfer, Grad der Zerstörung, Dimension des menschlichen Leides werden in den Hintergrund gedrängt. Ein religiöses Deutungsmuster taucht insbesondere in den Beschreibungen vor der Kaiserzeit auf, wird aber auch in den „neueren” Quellen beibehalten. Die zwei ausgewählten Beispiele aus Tacitus Annalen werden auch darauf Hinweisen, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung der Zeitgenossen mit den Katastrophen im Laufe der Zeit zunahm. [5] Neben Tacitus spielte die Dritte Satire des Juvenals bei der Herausarbeitung von sozialen Erscheinungen in der Stadtbevölkerung und beim Analysieren des Alltagslebens in der Großstadt eine bedeutsame Rolle.

Eine der wichtigsten Sekundärquellen ist das Buch von Carcopino, anhand dessen die stadtbaulichen und soziologischen Ursachen der Brände zusammengetragen werden konnten. Zur Forschung der präventiven Maßnahmen bedeutete das Schreiben von Kolb Unterstützung, sowie zur Rekonstruktion des Alltagslebens in Rom die Werke von Weeber und König. Um Zusammenhänge zwischen Gesellschaftkonstruktionen und Naturkatastrophen entschlüsseln zu können wurde der Aufsatz von Meyer und das Buch von Waldherr und Steiner verwendet.

Die Überlegung wie der Umgang mit einer Katastrophe eine Gesellschaft charakterisiert und welche Zusatzinformationen die Geschichtsforschung und insbesondere die Altertumswissenschaft aus der Analyse von Deutungs- und Wahrnehmungsmustern, von mentaler Verarbeitung der Katastrophe und von den direkten und indirekten Folgen entschlüsseln kann, gilt als relativ neu in der Forschung. Dieses Gebiet, in dem Geschichte und Katastrophenforschung miteinander verbunden werden, liegt auf einer Schnittstelle von mehreren Fachwissenschaften wie z.B. von der Archäologie, Soziologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft oder Geographie. Die Antike und insbesondere die Geschichte des antiken Roms wurden aus dieser Sichtweise nocht nicht ausführlich unter die Lupe genommen. Die Werke, die sich mit den Naturkatastrophen in der antiken Welt befassen, liefern eher ein allgemeines Bild über das gesamte Altertum, heben die schlimmsten Ereignisse hervor (z.B. Pompeji) oder stellen eine chronologische Liste der Katastrophen dar.[6] Ausführliche Analysen beziehen sich insbesondere auf Erdbeben[7] oder Vulkanausbrüche[8]. Gerade die regelmässigen und kleineren Ereignisse blieben von der Forschung unbeachtet. Es hängt sicherlich auch mit der Quellenlage zusammen, weil wenige Erzählungen über die Überschwemmungs- und Brandkatastrophen in Rom überhaupt überliefert worden sind. Die Seltenheit ausführlicher Beschreibungen kann auch darauf hinweisen, dass das Ereignis aus der Sicht des Geschichtsschreibers als unwichtig erschien. Diese Wahrnehmungsweise sagt auch viel vom Umgang mit Hochwasser und Feuersbrünsten aus.

In dieser Arbeit soll versucht werden, anhand von in der vorhandenen Fachliteratur ausgearbeiteten Analysebeispielen einen ersten Eindruck über den Umgang mit Katastrophen der römischen Stadbevölkerung in der Kaiserzeit zu vermitteln. Es ist unsicher, ob sich diesbezüglich Deutungs- und Wahrnehmungsmuster erkennen lassen oder ob eine Aussage über das soziale Verhalten der Römer hergestellt werden kann. Wie schon früher erwähnt, konzentriert sich diese Arbeit ausser der allgemeinen Analyse von Ursachen, Ablauf und Folgen auf die sozialen Strukturen und forscht nach möglicherweise vorhandenen Solidaritätsgefügen.

Folgende Vorgehensweise liegt dieser Arbeit zugrunde: Im ersten Teil werden grundlegende Informationen über die Ursachen gegeben. Darauf folgt die Darstellung der Konsequenzen anhand von zwei Fallbeispielen. Demnächst werden bedeutsame präventive Maßnahmen erläutert und zum Schluss sollen sozialgeschichtliche Überlegungsversuche geliefert werden.

2. Gründe

2.1. Brände in Rom

Kleinere Brände in Rom gehörten zum Alltag. Die Ursachen sind überwiegend in der Bau- und Lebensweise der Stadt zu suchen. Die engen Gassen, die hohen schlecht und dicht aneinandergebauten Mietshäuser, die insulae, die das typische Stadtbild prägten, boten ungünstige Bedingungen für die Brandbekämpfung und sehr günstige für die rasche Verbreitung der Flammen. Da die römische Bevölkerung sich durch ein rasantes Wachstum vermehrte, bestand eine enorme Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Um diese befriedigen zu können, wurde jeder Platz genutzt. Den Bauherren reichte es nicht , dass sie jeden vorhandenen Quadratmeter zugebaut haben, sie wollten ihren Gewinn auch durch die Höhe der Bauten und durch Sparen an Baumaterial steigern[9]. Juvenal beklagt in seiner Dritten Satire über das in den Lüften schwebenden Rom, das nur auf kleinen Balken ruhe, die schmal und lang seien wie die Flöten[10]. Es wurde meistens billiges, leichtentzündliches Fachwerk verwendet.

Die Ausstattung der einzelnen Wohnungen mit Böden aus Holzbalken, ohne Leitungswasser erhöhte das Brandrisiko besonders in den oberen Stockwerken. Auch die Lebensweise der Mieter trug dieser Gefahrenquelle bei, in dem tragbare Kohlenbecken als Heizung dienten oder die Räume mit Kerzen, Fackeln und Öllampen beleuchtet wurden. Sogar die Handwerksbetriebe wie Töpfereien oder Schmieden arbeiteten mit offenem Feuer, das auch in den zahlreichen Tempeln Roms gebrannt hat.

Neben diesen Faktoren kommen die Brände, die durch Brandstifter ausgelöst worden sind, eher selten vor. Hier sollen zwei Bespiele aus Dios Römische Geschite stehen. 31 v. Chr. - „Auch das Feuer verursachte grosse Schaden und verzehrte unter anderem einen großen Teil des Zirkus, den Cerestempel und einen Tempel der Hoffnung. Die Freigelassenen standen im Verdacht, dieses angelegt zu haben, denn alle ihres Standes in Italien mussten, wenn sie 200.000 Sesterzen oder darüber besaßen, den achten Teil davon bezahlen. Dies veranlasste an vielen stellen Aufstände, Mordtaten und Brandstiftungen;...”[11]. 31 n. Chr. – „Auch die Soldaten...liessen sich Brandstiftungen und Plünderungen zu Schulden kommen[12].”

2.2. Überschwemmungen des Tibers

Rom lag, soweit nicht auf den Hügeln errichtet, zum Teil auf Sumpfgebiet. Schon aus diesem Grund galten Überschwemmungen weder als alltägliche noch als ungewöhnliche Ereignisse im Stadtgebiet. Der Tiber überstieg in regelmäßigen Abständen seine Ufer und flutete große Teile der Stadt[13].

Bereits in der frühen Geschichte der Stadt berichtet Livius, dass Tarquinius Priscus[14] das Forum Romanum trockenlegen und Tarquinius Superbus die unterirdisch verlaufende Cloaca Maxima ausbauen liess[15], trotzdem schützten diese Maßnahmen Rom vor dem Hochwasser ihres Flusses nicht.

In den antiken Quellen werden Gründe der Überschwemmungen so gut wie überhaupt nicht thematisiert. Es gibt bei Livius einen Hinweis, dass die Flut in 400 v.Chr. durch den schneereichen Winter verusacht worden sein soll[16].

[...]


[1] Weeber: Smog über Attika. S. 85-128.

[2] Christ: Römische Kaiserzeit. S. 10-35.

[3] Tacitus: Annalen 15, 38-45.

[4] Tacitus: Annalen 1, 79.

[5] Groh: Naturkatastrophen. S. 47.

[6] Sonnabend: Katastrophen in der Antike.

[7] Waldherr: Erdbeben

[8] Schenk: Katastrophen. S. 20-37.

[9] Carcopino: Alltagsleben. S. 47-56.

[10] Juvenal: III. Satire.

[11] Cassius Dio: Römische Geschichte. 50,10.

[12] Cassius Dio: Römische Geschichte. 58,12.

[13] Weeber: Smog über Attika. S. 160.

[14] Livius 1, 38, 6

[15] Livius 1, 56, 2

[16] Livius 5, 13, 13.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Brände und Überschwemmungen im Rom der Kaiserzeit
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V285617
ISBN (eBook)
9783656855644
ISBN (Buch)
9783656855651
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brände, überschwemmungen, kaiserzeit
Arbeit zitieren
Tímea Orbán (Autor), 2013, Brände und Überschwemmungen im Rom der Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285617

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