Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Erörterung der politischen Partizipation in der Bundesrepublik Deutschland. Es sollen Kriterien und Indikatoren aufgezeigt werden, die eine Teilnahme an der politischen Willensbildung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es sollen Gründe aufgezeigt werden, wie und warum sich das politische Engagement in Deutschland unter welchen Bedingungen verändert hat.
Da sich in der Literatur keine eindeutige, sich zum Teil sogar widersprechende Definitionen für den Begriff „politischer Partizipation“ finden liess, werde ich zu Beginn klären, wie er während dieser Arbeit verstanden werden soll.
Zur Erlangung von Erkenntnissen innerhalb der Partizipationsforschung werden Informationen aus Bevölkerungsumfragen verwendet, die nach statistischen Korrelationsberechnungen Rückschlüsse auf Zusammenhänge erlauben. Gerade weil die hier erörterten Erkenntnisse aufgrund von Stichprobenauswertung auf die gesamte deutsche Bevölkerung übertragen werden, werden erste Fehlerquellen für allgemein angewendete Aussagen deutlich. Diese ergeben sich dadurch, dass Befragungen generell nicht in allen Bevölkerungsschichten durchführt werden, bzw. einige Personenkreise Erhebungen nicht zulassen.
Um eine politische Beteiligung der Bevölkerung nachvollziehen zu können, habe ich das Modell des „Rational-Choice-Ansatzes“ und spezifisch das von A. Downs für den „rationalen Wähler“ angewandt. Dieses grundsätzlich einfache Modell wurde in der Literatur unterschiedlich interpretiert. Aus diesem Grund halte ich es für angemessen, ihn eingangs ebenfalls kurz zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist politisch motiviertes Handeln?
2.1 Der Nichtwähler
3. Messverfahren für politisches Engagement
4. Der „Rational-Chaice-Ansatz“
5. Indikatoren für politisches Engagement
5.1 Faktor: Geschlecht
5.2 Faktor: Alter
5.3 Faktor: Bildung und Beruf
5.3.1 Faktor: sozio-ökonomische Situation
5.4 Faktor: soziales Umfeld
5.4.1 Die Wahlnorm
5.5 Faktor: Stellenwert des zu wählenden Organs
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Partizipationsfunktion in der Bundesrepublik Deutschland, indem sie Kriterien und Indikatoren analysiert, welche die politische Willensbildung beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie und warum sich das politische Engagement der Bevölkerung unter verschiedenen Bedingungen verändert hat.
- Analyse des Modells des „Rational-Choice-Ansatzes“ in der politischen Partizipationsforschung.
- Untersuchung sozio-ökonomischer Indikatoren wie Geschlecht, Alter und Bildungsstatus.
- Evaluation der Rolle von Wahlnormen und des sozialen Umfelds für das politische Handeln.
- Diskussion der Bedeutung von Nichtwählern und der abnehmenden Wahlbeteiligung.
- Betrachtung des Einflusses von Protestparteien auf das politische System.
Auszug aus dem Buch
4. DER „RATIONAL-CHAICE-ANSATZ“
Der „Rational-Choice-Ansatz“ ist ein ökonomisches Modell rationaler Wahlhandlungen, das von nutzenoptimierenden Akteuren ausgeht. Allgemein wird der Nutzen eines Gutes dadurch bestimmt, wie sehr es zur Bedürfnisbefriedigung der Individuen beiträgt. Folglich ist es jedem Menschen möglich die begehrten Güter auf ihren Nutzen zu vergleichen, nach Präferenz zu prüfen und schließlich entsprechend seiner maximalen Dienlichkeit zu handeln.
Die breite Akzeptanz dieses Ansatzes in den Politikwissenschaften, wo er auch als „Public Choice-Theorie“ oder „Neue politische Ökonomie“ verstanden wird, beruht auf der einfachen Beobachtung, dass auch politische Akteure als egoistische Nutzenmaximierer verstanden werden. Die Theorie des rationalen Handelns, gemäß einem Zweck-Mittel-Kalkül, wurde von Max Weber erstmalig entwickelt, in der die Akteure als hominis oeconomici zusammenfasst wurden. Anthony Downs griff in seinem Werk „An Economic Theory of Democracy“ von 1957 diesen Ansatz für den rationalen Wähler auf (Glück, S. 37 ff.). In Bezug auf die Wahlbeteiligung stellt sich nun die Frage, welchen Vorteil/Nutzen die Beteiligung an Wahlen für den mündigen Bürger mit sich bringt und welche Nachteile/Kosten ihm dadurch entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der politischen Partizipation in Deutschland ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die theoretische Grundlage durch den Rational-Choice-Ansatz.
2. Was ist politisch motiviertes Handeln?: Dieses Kapitel definiert politisch motiviertes Handeln, differenziert zwischen legalen und illegalen Formen und führt das Phänomen der Nichtwähler ein.
3. Messverfahren für politisches Engagement: Hier werden die Erhebungsmethoden wie Bevölkerungsumfragen (ALLBUS) erläutert und deren Repräsentativität sowie statistische Grenzen kritisch hinterfragt.
4. Der „Rational-Chaice-Ansatz“: Das Kapitel erläutert das ökonomische Modell des rationalen Wählers nach Anthony Downs und analysiert Kosten-Nutzen-Kalküle bei der Wahlentscheidung.
5. Indikatoren für politisches Engagement: Eine detaillierte Analyse verschiedener Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf, soziales Umfeld, Wahlnormen und der Stellenwert der gewählten Organe wird vorgenommen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die abnehmende Wahlbeteiligung sowie die Rolle von Protestparteien als Ventil für politisches Engagement.
Schlüsselwörter
Politische Partizipation, Wahlbeteiligung, Rational-Choice-Ansatz, Nichtwähler, Bevölkerungsumfrage, Demokratie, Wahlnorm, politisches Engagement, Sozio-ökonomische Situation, interne Efficacy, externe Efficacy, Protestparteien, Politikverdrossenheit, politische Willensbildung, Sozialstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Partizipation in der Bundesrepublik Deutschland und untersucht, welche Faktoren das Engagement der Bürger beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Rational-Choice-Ansatz, Indikatoren wie Bildung und Alter, die Rolle von Wahlnormen sowie die Analyse von Nichtwählerverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Kriterien und Indikatoren aufzuzeigen, die zur Erklärung von Partizipation oder Nicht-Teilnahme an politischen Prozessen dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung von Bevölkerungsumfragen, statistischen Korrelationsberechnungen und der Anwendung politökonomischer Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Partizipation, Messverfahren, den Rational-Choice-Ansatz sowie spezifische soziale und individuelle Faktoren wie Geschlecht und Sozio-ökonomie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politische Partizipation, Wahlbeteiligung, Rational-Choice-Ansatz, Nichtwähler und politische Willensbildung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen interner und externer Efficacy?
Die interne Efficacy bezeichnet den Glauben an die eigene direkte Einflussmöglichkeit, während die externe Efficacy den Glauben beschreibt, dass das System auf Einflussversuche reagiert.
Welchen Einfluss haben Protestparteien laut der Untersuchung?
Protestparteien dienen als Ventil für kollektives Engagement, die Druck auf etablierte Parteien ausüben können und somit politische Entscheidungsprozesse beeinflussen.
- Citar trabajo
- Lars Bräunig (Autor), 2005, Die Partizipationsfunktionen. Gründe und Formen politischen Engagements, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285785