Vargas Llosas "¿Quién mató a Palomino Molero?": ein typischer Kriminalroman?

Analyse auf typische Genreelemente


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kriminalroman – Untergattungen und Definition
2.1 Der Detektivroman
2.1.1 Die Handlung und ihre Struktur
2.1.2 Der Ermittler
2.1.3 Die äußeren Umstände
2.2. Der Thriller
2.2.1 Die Handlung und ihre Struktur
2.2.2 Der Ermittler
2.2.3 Die äußeren Umstände

3. “¿Quién mató a Palomino Molero?“ – Eine Analyse
3.1 Die Handlung und ihr Aufbau
3.2 Die Ermittler
3.3 Die äußeren Umstände

4. Abschließende Bemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Hauptseminars “Crime fiction- Narrativas del crimen“ habe ich mich dem Roman “¿Quién mató a Palomino Molero?“[1] von Mario Vargas Llosa gewidmet. Ich habe diesen im Hinblick auf die Frage analysiert, ob er als typischer Kriminalroman, genauer: als Detektiverzählung einzustufen ist oder ob die typischen Eigenschaften eines Detektivromans in dem Roman nicht anzutreffen sind. Die Frage wäre dann, welchem Genre der Roman ansonsten angehört.

Zunächst wird im 2. Kapitel auf den Begriff des Kriminalromans eingegangen. Das Genre wird definiert und ein kurzer geschichtlicher Überblick dargestellt. Außerdem werden die Unterkategorien des Kriminalromans, nämlich Detektivroman und Thriller, vorgestellt. Dabei werden vor allem diejenigen Aspekte angeführt, die als „typisch“ für Kriminalliteratur anzusehen sind.

Im Anschluss folgt die Analyse von Vargas Llosas Roman“¿Quién mató a Palomino Molero?“. Nach einer kurzen Darstellung der Handlung werden einzelne Elemente aufgegriffen und – mit Hilfe ausgewählter Zitate – dahingehend analysiert, ob sie als typisch oder untypisch für einen Kriminalroman bezeichnet werden können.

Abschließend wird das zuvor Genannte zusammengefasst und ein Fazit gezogen, das basierend auf Sekundärliteratur argumentiert wird.

2. Der Kriminalroman – Untergattungen und Definition

Um überhaupt entscheiden zu können, ob es sich bei dem untersuchten Roman um einen Kriminalroman handelt, soll an dieser Stelle zunächst erläutert werden, was man unter einem Kriminalroman versteht.

Die Entstehung dieser Gattung kann man im 18. Jahrhundert, im Zeitalter des Rationalismus im angelsächsischen Raum ansiedeln. Es gab einige Autoren, die als Vorläufer der eigentlichen Kriminalautoren genannt werden, ihre Werke werden jedoch nicht als Kriminalliteratur betrachtet, da sie „[…] nicht den gängigen Definitionen der Gattung [entsprechen]“.[2]

Der Krimi vermittelt grundsätzlich Spannung. Seit einigen Jahrzehnten wird er in der Literaturwissenschaft als „[…] Gattung, das heißt eine Gruppe von Werken mit gemeinsamen Strukturmerkmalen und mit historischem und systematischem Zusammenhang als Reihe, […]“[3] angesehen. Der Kriminalroman besitzt „[…] ausgeprägte[ ] strukturelle[ ] Merkmale[ ] […]“[4], er unterliegt einer Struktur, die sich in allen gängigen Krimis widerspiegelt. Suerbaum spricht von einer „Regelhaftigkeit“, die man bei Kriminalroman feststellen kann. Trotzdem ist es nicht leicht, diese Gattung zu definieren, denn es existieren unzählige Romane, die zwar die typische Grundstruktur, aber auch Subplots bzw. Elemente enthalten, die nicht „krimitypisch“ sind. Dabei findet häufig eine Grenzüberschreitung zu anderen Gattungen statt, die eine Eingrenzung des Genres schwierig macht.[5]

Kriminalliteratur zeichnet sich also aus durch die „relative Regelhaftigkeit ihrer Erzählkonstrukte“, was so viel bedeutet, dass Krimis meist ähnlich aufgebaut sind und einem bestimmten Konstrukt folgen.[6] Beispielsweise bedarf es immer eines Verbrechens, eines Verbrechers, eines Opfers und eines Ermittlers. Die Anzahl der Protagonisten kann dabei variieren. Grundsätzlich sind der Ermittler, eventuelle Assistenten, das Opfer, eine Reihe von Verdächtigen sowie der Täter wichtige Figuren.

Insbesondere bei Nusser[7] wird innerhalb der Gattung zwischen zwei Strängen unterschieden: Detektiverzählungen und Thriller.[8] Man kann durchaus auch andere Möglichkeiten der Unterteilung dieser Gattung feststellen, doch ist diese eine der gängigsten in der Literatur. Diese beiden Arten des Kriminalromans sollen daher detaillierter vorgestellt werden. Da man bei Kriminalliteratur überwiegend Detektivromane findet, liegt ein besonderes Augenmerk auf dieser Untergattung.

2.1 Der Detektivroman

Detektiverzählungen, als deren Begründer Edgar Allan Poe gilt und als deren „[…] Goldene[s] Zeitalter“[9] sich die 1920er und 1930er Jahre feststellen lassen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie analytisch und rätselhaft sind. Außerdem ist ein „[…] kontinuierliche[r] Spannungsaufbau bis zur Lösung des Rätsels am Ende […]“[10] als typisch festzuhalten.

Auch beim Detektivroman findet noch einmal eine Untergliederung in Untergattungen statt. Als Beispiel dient der Begriff crossword-puzzle, der insbesondere bei Agatha Christie Anwendung findet. Er zeichnet sich dadurch aus, eine kriminelle Tat und ihren Hergang sowie die Aufklärung durch einen Ermittler als Puzzlespiel zu sehen, um dessen Auflösung es innerhalb der Detektiverzählung geht. Die Ermittlerfigur soll dabei den Fall aufklären und „[…] die gestörte Ordnung an einem von der realen Welt abgeschnittenen Ort wieder her [zu stellen]“.[11] Auch der roman policier ist an dieser Stelle zu nennen. Er lässt eine einzelne Polizeifigur als Ermittler auftreten, der sich in seinem „beruflichen Alltag“ und der Gesellschaft beweisen muss.[12]

2.1.1 Die Handlung und ihre Struktur

Inhaltlich geht es beim Detektivroman um ein Verbrechen, die Fahndung nach dem Verbrecher, die einhergehende Ermittlung des Detektivs und zum Schluss die Lösung des Falls. Diese Elemente stellen die Grundstruktur dar und folgen kausal aufeinander. Dabei gibt es unzählige Variationen, wie sich Verbrechen, Ermittlung und Lösung des Falls darstellen können. Daher ist diese Untergattung nicht sehr stark eingrenzbar.[13]

Es lassen sich drei zentrale Handlungselemente feststellen: Verbrechen bzw. Mord, Ermittlung und Lösung des Falls. Der Mord „[…] ist das zentrale Ereignis und hat doch nur auslösende Funktion“.[14] Tatwaffe, Motiv etc. variieren von Erzählung zu Erzählung. Auf das Verbrechen folgt die Aufklärung des Falls, die meist von einem Detektiv o.ä. durchgeführt wird, wobei es sich auch um mehrere Ermittler handeln kann. Dieser Vorgang kann noch einmal untergliedert werden in „[…] Beobachtung, Verhör, Beratung, Verfolgung und Inszenierung der Überführungsszene“.[15] Diese Aspekte dienen jedoch nur als grobes Raster, sie können teilweise in einer anderen Reihenfolge auftreten, doppelt oder aber gar nicht vorkommen. Die Ermittlerfigur stellt bei diesem Prozess Hypothesen auf, fahndet weiter und korrigiert die Hypothesen eventuell. Das geschieht so lange, bis der Ermittler glaubt, zu der Lösung des Falls gekommen zu sein.[16] Fest steht, dass sich der Fall immer durch logisches Denken lösen lässt.[17] Der Begriff der Kausalität ist im Detektivroman zentral. Er gibt dem Leser die Möglichkeit, richtige Schlussfolgerungen anzustellen, so wie es im normalen Leben nicht möglich ist. Er kann somit mit dem Ermittler gemeinsam „arbeiten“.[18]

Dem Erzähler bieten sich hierbei unzählige Möglichkeiten, das Gerüst des Detektivromans mit einer Rahmenhandlung und etlichen Details zu ergänzen. Es können „falsche Fährten“ gelegt werden, ein zweites Verbrechen könnte geschehen, die falschen Täter verhaftet werden, Widersprüche aufkommen, falsche Vermutungen angestellt werden etc., was der Erzählung eine entsprechende Spannung und Dynamik gibt.[19] Diese Elemente sollen eine bestimmte Wirkung beim Rezipienten erzielen. Dabei wird der Leser dazu geführt, selbst Vermutungen anzustellen und zu versuchen, den Fall gedanklich zu lösen.[20] Geheimnisse und Rätsel bewirken dabei Doppeldeutigkeiten und erhöhen die Spannung.[21]

Die Aufklärung des Verbrechens steht in der Regel am Schluss jeder Detektiverzählung. Das Rätsel wird gelöst, der bzw. die Täter entlarvt und gefasst. Häufig wird an dieser Stelle die gesamte Aufklärungsarbeit noch einmal rekapituliert und einige noch unklare Dinge lösen sich auf. „Als Fallensteller feiert der Detektiv seinen größten Triumph. […] Der Triumph des Detektivs am Schluss des Romans beleuchtet zugleich die Rolle, in die hier der Leser gedrängt wird.“[22] Denn auch für den Leser wird nun deutlich, an welche Grenzen er in seinen gedanklichen Ermittlungen gestoßen ist, was noch einmal die Genialität des Detektivs hervorhebt. „Nicht also nur der Anreiz zur Aktivität des Mitdenkens, sondern auch das Vergnügen der Verblüffung sind Unterhaltungseffekte, die von der Handlung des Detektivromans ausgehen.“[23]

Was nicht Teil einer Detektiverzählung sein darf bzw. unbedingt sein muss, stellt Van Dine in seinem Aufsatz „Zwanzig Regeln für das Schreiben von Detektivgeschichten“[24] dar. Dort heißt es u.a., es dürfe „[…] keine Liebesgeschichte geben.“ Tatsächlich findet man in Detektivromanen selten den Aspekt der Liebe, niemals steht er im Vordergrund. Wenn er vorkommt, kann er allenfalls Motiv (z.B. verschmähte Liebe oder Eifersucht) sein.[25] Im klassischen Detektivroman gehe es thematisch niemals um politische, sondern um persönliche und moralische Motive.[26] Weiterhin gehörten Zufälle und unmotivierte Geständnisse nicht in einen Detektivroman. Der Fall müsse rein durch das logische Denken und Ermitteln des Detektivs gelöst werden. Am Ende der Erzählung müsse dem Leser klar sein, wie sich der Mord ereignet hat, außerdem müssen alle weiteren Fakten klar, unverschlüsselt und im Nachhinein nachvollziehbar sein.[27]

Der Detektivroman kann als analytischer Roman betrachtet werden, was vor allem den großen Mittelteil der Erzählung betrifft. Der Leser erfährt die Tatsachen in der Reihenfolge, wie es der Detektiv tut. „Indem der Detektiv durch seine Nachforschungen immer tiefer in die Vergangenheit, in die Verflechtungen von Ursachen und Wirkungen eindringt, wird immer Früheres immer später erzählt.“[28] Fakten aus der Vergangenheit werden nachträglich thematisiert und die Lösung des Falls somit ermöglicht. „Die Komposition beruht also auf dem Prinzip der zeitlichen Umstellung im Erzählvorgang: Vergangenheit und Gegenwart werden in umgekehrter Reihenfolge vermittelt.“[29] Das Frage-Antwort-Spiel steht dabei im Zentrum der analytischen Arbeit des Ermittlers. Immer wieder kommen Fragen auf, Antworten werden durch Beobachtungen, Befragungen und Schlussfolgerungen gegeben. Bei der Lösung des Falls sind normalerweise keine Fragen mehr offen. Dadurch wird u.a. die Spannung gefördert, die während der Handlung mehrfach zu- und abnehmen kann und durch Widersprüche und Überraschungsmomente Höhepunkte findet. Der Aspekt der Spannung ist dabei zentral für das Genre des Detektivromans.[30]

2.1.2 Der Ermittler

Die Ermittlerfigur in Detektivromanen ist in der Regel[31] ein Detektiv, der sich parallel zu den polizeilichen Ermittlungen einschaltet. Im Laufe der Geschichte dieses Genres haben immer weitere Entwicklungen der „typischen Detektivgeschichte“ stattgefunden. Auch die Ermittler- bzw. Detektivfigur hat sich im Hinblick auf charakterliche Eigenschaften verändert, „[…] vom Great Detective zum unauffälligen, aber brillanten Durchschnittsmenschen […]“.[32] Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um eine männliche Person, aber auch weibliche Ermittler haben in der Literatur Einzug gehalten. Die Einführung weiblicher Detektivfiguren durch Elizabeth George und Co. hat „[…] ein neues goldenes Zeitalter der Detektivliteratur“ begründet.“[33]

Routledge[34] unterscheidet zwischen drei Arten des Detektivs: der anti-detective fiction, dem classical detective und dem hard-boiled detective. Bei der anti-detective fiction ist der Detektiv keine schillernde Figur, sondern seine Methoden sind dem Leser bekannt, was die Bewunderung für ihn ausbleiben lässt. Die bzw. der Täter können/ kann ihn austricksen, da er keine besonderen Fähigkeiten hat. Der classical detective verfügt über ebendiese und kann mit seinen rationalen Methoden die Ermittlungsarbeit voran treiben und den Fall lösen. Der hard-boiled detective lebt in einer gefährlichen Welt, die Realität wird unverblümt dargestellt und Gewalt und Verbrechen werden nicht beschönigt.[35] In der Sekundärliteratur findet man in der Definition am häufigsten den classical detective, um den es im Folgenden auch gehen wird.

Die Figur des Detektivs kann in unzähligen Facetten auftreten. Als „typisch“ für den Detektiv nennt Nusser[36] Exzentrik und Isolation. Diese meist einsame Person hat häufig Angewohnheiten, die uns seltsam erscheinen, wie z.B. Zwangsgewohnheiten. Als Einzelgänger ist der Detektiv meist unverheiratet und ledig. „Er ist so gut wie immer in erotischer Hinsicht die Keuschheit, Unberührbarkeit und Bedürfnislosigkeit selbst.“[37] Letztendlich hat jede Erzählung einen anderen Detektiv (es sei denn, es handelt sich um eine Reihe von Erzählungen, mit ein und derselben Figur), jeder mit anderen charakterlichen Zügen, die mal mehr oder mal weniger im Laufe der Handlung ausschlaggebend sind. Gemeinsam haben jedoch alle, dass sie ihm Mittelpunkt der Erzählung stehen und die Ermittlungen leiten. Außerdem sind sie die Identifikationsfigur für den Leser, meist wird das Geschehen durch ihre Sicht geschildert.[38]

„[…] [D]ie wichtigsten Aufgaben des Detektivs [liegen] bei Beobachtung, Verhör, Beratung, wobei er vor allem Kräfte der Wahrnehmung und gedanklicher Kombination entfalten muss.“[39] Wie bereits beschrieben, stellt der Ermittler Vermutungen an, die sich im Laufe der Handlung häufig als falsch herausstellen und durch neue, richtige Erkenntnisse und Fakten ersetzt bzw. ergänzt werden. Dieses Prinzip entspricht dem von Karl Popper erstellten Aufsatz „Vermutungen und Widerlegungen“.[40] Laut dieser Theorie bringen falsche Hypothesen einen Ermittler der Wahrheit näher, sofern er bereit ist, diese zu überdenken und neu zu betrachten.[41] Dies ist auch einer der Aspekte, der entsprechende Spannungsmomente bringt.

Meist ist es der Fall, dass ein Detektiv nicht alleine arbeitet, sondern von einem oder mehreren Assistenten unterstützt wird, wobei der Detektiv als „Held“ im Mittelpunkt steht. Dieser Assistent oder „Gefährte“[42] wird auch als „Watson-Figur“ bezeichnet, was auf den Sherlock Holmes-Erzählungen von Doyle beruht. Dr. Watson nimmt als Assistent eine spezielle Rolle im Prozess der Aufklärungsarbeit, aber vor allem in Hinblick auf die Verbindung zwischen Leser und Detektiv ein. Häufig wird dem Leser die Arbeit des Detektivs durch den Assistenten näher gebracht, der Assistent fungiert hierbei als „Medium“. Durch seine Unterordnung wird die Genialität des Detektivs hervorgehoben.[43]

2.1.3 Die äußeren Umstände

Typischerweise spielt der Detektivroman eher im ländlichen Bereich oder in der Kleinstadt. Es handelt sich um einen geschlossenen Raum, was sich im ebenso geschlossenen Personenkreis wiederspiegelt. Dabei haben Schauplätze und ihre Darstellung einen besonderen Stellenwert. „Das Eisenbahnabteil eines fahrenden Zuges, das Flugzeug, das von der Welt abgeschnittene Landhaus […] usw. […]“[44] sind häufig vorkommende und sehr aussagekräftige Orte.[45]

Meist spielt die Erzählung im Detektivroman in höheren Gesellschaftskreisen. Das Motiv des Mords dreht sich häufig um Geld und/ oder Macht und auch der Mörder ist von gerissener, intelligenter Art und oft auch aus diesem Milieu. Zumindest muss er gerissen genug sein, dem Ermittler ein Rätsel aufzugeben.[46]

2.2. Der Thriller

Der Thriller wird als zweite Subkategorie des Kriminalromans angesehen und steht im Gegensatz zum Detektivroman. Thriller weisen eine „[…] aktive Vorgehensweise des Protagonisten […]“ auf, innerhalb einer „[…] Kette aktionsreicher Szenen, die vorwärts gerichtet sind und mehrere Spannungskurven bilden […]“.[47] Dabei haben Detektivromane und Thriller gemeinsam, dass Verbrechen, Ermittlung und Lösung des Falls die Grundstruktur bilden. Der Begriff des Analytischen und Aufklärung eines Geheimnisses sind beim Thriller nicht allzu relevant, vielmehr halten Actionelemente Einzug.[48] Weiterhin ist der Aspekt der Gewalt vorherrschend, welcher im Detektivroman auf den Akt des Verbrechens beschränkt bleibt.[49]

2.2.1 Die Handlung und ihre Struktur

Das Verbrechen, das nicht unbedingt ein Mord sein muss, dient nicht als Ausgangspunkt des Geschehens, sondern geschieht während der Handlung, der Leser erlebt es sozusagen mit. Dadurch ist der bzw. sind die Täter oft schon bekannt und ihre Identität stellt kein Rätsel dar, das der Leser mit dem Detektiv gemeinsam lösen könnte. Verbrechen und Gewalt sind im Thriller allgegenwärtig und vorherrschend. Man kann von einer Kriminalisierung der Gesellschaft sprechen, die in der Erzählung thematisiert wird.[50]

Die Ermittlungsarbeit des Detektivs, die durch einen Auftrag hervorgerufen wird, ist geprägt von Verfolgungsjagd, Flucht, Gefangennahme etc., wobei weniger Verhöre stattfinden, als dass die Verdächtigen gejagt werden. Ein weiteres typisches Handlungselement ist die Gefangenschaft des Detektivs. Diese ist „[…] eine existenzbedrohende Grenzsituation, in der er, will er sich befreien, auf seine List und seine pragmatischen Fähigkeiten, auf […] Hilfe […] oder schlicht auf den Zufall angewiesen ist.“[51] Nach seiner Befreiung, die oft von Kampfszenen mit körperlicher Gewalt begleitet wird, geht die Verfolgung weiter. Am Schluss wird der Täter bzw. werden die Täter überwältigt und sterben meist, was im starken Gegensatz zum Detektivroman steht. Dadurch, dass der Täterkreis dem Leser von Anfang an bereits bekannt war und auch der Detektiv diesen schon lange gejagt hat, entfällt eine nachträgliche Aufklärung, da keine ungeklärten Fragen mehr vorhanden sind.[52]

Im Hinblick auf den Erzählverlauf lässt sich feststellen, dass dieser chronologisch angeordnet ist und einer kausalen Verknüpfung der Ereignisse entspricht.[53] Die Erzählperspektive kann entweder wechseln oder ist konstant bei einer Person, nämlich dem Detektiv. Ist ersteres der Fall, sind meist zwei parallel laufende Handlungsstränge vorhanden. Einer widmet sich dem Verbrechen und dem Täter und der andere den Ermittlungen zum Aufklären des Falls, wobei sie sich an manchen Stellen kreuzen, was durch „[d]ie Unterbrechung der Wiedergabe eines Handlungsablaufs [Spannung und Neugierde beim Leser] erzeugt […]“, weil er natürlich wissen möchte, was passieren wird.[54]

[...]


[1] Vargas Llosa, 1993.

[2] Vgl. Volkmann, 2003: 246.

[3] Suerbaum, 1984: 12.

[4] Ebd.

[5] Vgl. ebd., 1984: 11ff.

[6] Vgl. Volkmann, 2003: 246.

[7] Nusser, 2009.

[8] Vgl. ebd.: 23ff.

[9] Volkmann, 2003: 247.

[10] Ebd.: 246.

[11] Ebd.

[12] Ebd.: 247f.

[13] Vgl. Nusser, 2009: 23f.

[14] Ebd., 24.

[15] Ebd., 25.

[16] Auf diesen Aspekt wird in Kapitel 2.1.2 noch einmal genauer eingegangen.

[17] Vgl. Heißenbüttel, 1966: 357.

[18] Vgl. Brecht, 1969: 318ff.

[19] Vgl. Nusser, 2009: 27.

[20] Vgl. ebd.: 29.

[21] Vgl. Schklovskij, 1929: 76f.

[22] Nusser, 2009: 30.

[23] Ebd.

[24] Van Dine, 1946.

[25] Vgl. ebd.: 143.

[26] Vgl. ebd.: 146.

[27] Vgl. ebd.: 143ff.

[28] Nusser, 2009: 32.

[29] Ebd.

[30] Vgl. ebd.: 33ff.

[31] Neben der Ermittlerfigur bzw. dem Detektiv gibt es noch viele weitere Personen, die eine Rolle im Detektivroman spielen können. An dieser Stelle liegt das Hauptaugenmerk auf den dem Ermittler möglichen helfenden Figuren, wie z.B. Assistenten.

[32] Vgl. Volkmann, 2003: 247.

[33] Vgl. ebd.: 249.

[34] Routledge, 2009.

[35] Vgl. ebd.

[36] Nusser, 2009.

[37] Proll, 1938: 506.

[38] Vgl. Nusser, 2009: 40.

[39] Ebd.: 41.

[40] Popper, 2009.

[41] Vgl. Kristal, 1999:152f.

[42] Vgl. Nusser, 2009: 45f.

[43] Vgl. ebd.

[44] Ebd.: 47.

[45] Vgl. Suerbaum, 1984: 127 und Nusser, 2009: 47.

[46] Vgl. Proll, 1938: 502ff.

[47] Volkmann, 2003: 246.

[48] Vgl. Nusser, 2009: 50ff.

[49] Vgl. Suerbaum, 1984: 127.

[50] Vgl. ebd.

[51] Ebd.: 52.

[52] Vgl. ebd.: 52ff.

[53] Vgl. ebd.: 54.

[54] Vgl. Nusser, 2009: 54f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Vargas Llosas "¿Quién mató a Palomino Molero?": ein typischer Kriminalroman?
Untertitel
Analyse auf typische Genreelemente
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V285790
ISBN (eBook)
9783656860617
ISBN (Buch)
9783656860624
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krimi, Quién mató a Palomino Molero?, Palomino MOlero, Vargas Llosa, Detektivroman, Thriller
Arbeit zitieren
Lena Thies (Autor), 2013, Vargas Llosas "¿Quién mató a Palomino Molero?": ein typischer Kriminalroman?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285790

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