Zweisprachigkeit und frühe Literalität. Ausarbeitung der Studie von Reyhan Kuyumcu


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff „Literalität“

3. Die Studie

4. Literalität in Migrantenfamilien

5. Förderung von Migrantenkindern

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

8. Anlagen

1. Einleitung

Was ist Literalität? Und inwiefern steht sie mit dem Erwerb einer Zweitsprache in Verbindung? Diese und andere Fragen lassen sich bei der Betrachtung des Begriffs Literalität stellen. Im Seminar „Individuelle und unterrichtliche Bedingungen und Modelle von Zweisprachigkeit“, das der Lehrveranstaltungsreihe „Interkulturelle Differenz und Geschlechter-Differenz in der Schule“ angehört, habe ich mich mit der Studie „„Jetzt male ich dir einen Brief.“ Literalitätserfahrungen von (türkischen) Migrantenkindern im Vorschulalter“ von Reyhan Kuyumcu (Kuyumcu 2007) auseinandergesetzt, ein Referat ausgearbeitet und dieses vorgetragen.

Im Folgenden findet sich zunächst die Begriffsdefinition von Literalität, um eine Grundlage für das Thema zu bieten. Dann folgt ein Überblick über die oben genannte Studie, worauf die in der Studie angesprochene Problematik von Migrantenkindern, sowie verschiedene Fördermöglichkeiten thematisiert werden. Auch ein Auszug aus einem Elternratgeber ist dieser Ausarbeitung im Anhang beigefügt, u. a. um aufzuzeigen, wie präsent diese Thematik wirklich ist, aber auch, um darzustellen, wie einfach eine gezielte Förderung, auch im Elternhaus, sein kann.

2. Zum Begriff „Literalität“

Ernst Apeltauer definiert den Begriff Literalität vereinfacht folgendermaßen: „Literalität bedeutet lesen, um zu lernen und schreiben, um Gedanken zu ordnen, zu reflektieren und zu kommunizieren.“ (Apeltauer 2003: 6)

Doch sowohl in seinem Text „Literalität und Spracherwerb“ (Apeltauer 2003), als auch in Kuyumcus Studie (Kuyumcu 2007) wird deutlich, dass Literalität nicht mit dem Leseprozess an sich, sondern schon weitaus vorher beginnt.

Die in der Familie im Kleinkindalter erworbenen Vorläuferfähigkeiten des eigentlichen Lesens spielen eine wichtige Rolle im späteren Sprach- und Schriftspracherwerb und sind grundlegend „für die spätere Lesekompetenz des Kindes“ (vgl. Rosebrock/ Nix 2008: 10).

Kuyumcu gibt in seiner Studie an, dass Literalität den Entwicklungsprozess der Schriftlichkeit bezeichne, wobei Schriftlichkeit sehr weit gefasst ist, denn hierzu gehören nicht nur Bücher oder Texte, sondern bereits allererste Erfahrungen im Elternhaus mit Geschichten, Kritzeleien oder dem eigenen Namen, außerdem strukturiertes Erzählen, reflektierter Sprachgebrauch, Verstehen von Tabellen, Lesen von Grafiken, Erschließen der Funktionen von Schrift, also jegliche Teilhabe an Schriftkultur in der Gesellschaft“ (Kuyumcu 2007).

Schon in diesem frühen Stadium entwickeln Kinder „eine erste Vorstellung von Schriftsprache.“ Dies entwickelt sich mit der Zeit, sodass die Kinder schon bald „den Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache“ wahrnehmen und nachahmen. Bei diesem gesamten Prozess ist die Situation zu Hause sehr entscheidend (vgl. ebd.).

Auch das Erzählen steht vor allem in der Frühphase der Sprachentwicklung im Mittelpunkt. Interaktives Vorlesen, mündliches Erzählen, generell die Einbindung von Kindern in den schriftsprachlichen Alltag kann „wichtige Impulse für die frühe Sprachentwicklung geben.“ Dabei kann das Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten schon anregend und fördernd auf die Kinder wirken (vgl. Apeltauer 2003: 11).

Kinder werden sehr durch ihre Eltern geprägt, auch durch deren Leseeinstellung und Leseverhalten. Mädchen mehr durch die Mütter, Jungen mehr durch ihre Väter. Diese Prägung durch das Elternhaus stellt für Kinder „aus bildungsfernen Familien, in denen schreiben keine Rolle spielt und auch Lesen kaum praktiziert wird“, ein Problem beim Schuleintritt dar. Literalität beginnt nämlich nicht erst bei Schuleintritt, sondern oft schon viel früher, was manchen Kindern einen immensen Vorteil in den ersten Schuljahren verschaffen kann (vgl. ebd.: 8f.).

Vor allem bei Migrantenfamilien ist der Bezug zur Schriftsprache oft nicht ausgeprägt, die Kinder haben keinerlei Erfahrungen mit Literalität und müssen trotzdem später in Kindergarten und Schule mithalten können. Eine Studie zur Situation in Migrantenfamilien im Bezug auf Literalität ist daher sinnvoll und im Folgenden dargestellt.

3. Die Studie

Die Studie „„Jetzt male ich dir einen Brief.“ Literalitätserfahrungen von (türkischen) Migrantenkindern im Vorschulalter“ von Reyhan Kuyumcu, veröffentlich im Jahr 2007, beruht auf dem Problem, das junge Migranten oft in der Schule haben, nämlich, dass ihnen die Fertigkeiten in der formellen Schulsprache fehlen, sie somit nicht mit gleichaltrigen Kindern mithalten können. Kinder müssen eine positive Einstellung zur Schriftlichkeit entwickeln, um im Schulalltag bestehen zu können. Das Forschungsprojekt suchte Antwort auf die Fragen:

- Welche Voraussetzungen bringen Migrantenkinder für den „Umgang mit Schrift“ mit?
- Welche Unterschiede zur Majoritätsgesellschaft lassen sich dabei feststellen?
- Wie kann der Erwerb dieser Fertigkeiten gefördert werden?
- Wie können Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräfte sensibilisert und fortgebildet werden, damit sie diesen Entwicklungsprozess angemessen unterstützen können?

Im Rahmen der von Reyhan Kuyumcu wurden ab 2003 in einer Kieler Kindergartengruppe 15 türkische Kinder und deren Familien, in Form von Gesprächen, Interviews und Beobachtungen im Kindergarten und bei Hausbesuchen, begleitet. Dabei standen ein neues Förderkonzept und Anregungen in den Bereichen der Literalität, Weiterentwicklung der Erst- und Erwerb Zweisprache im Vordergrund.

Bei den Besuchen und Interviews in den Wohnungen stand im Mittelpunkt, den Umgang mit Literalität zu ermitteln. Wie stehen die Eltern zum Thema Literalität? Inwiefern unterstützen und fördern sie ihre Kinder bei der Ausbildung von Erst- und Zweitsprache? Gibt es überhaupt Bücher und Schreibmaterial? Und welche kulturellen Unterschiede zeigen sich hier?

Unterteilt wurden die gestellten Frage in vier Bereiche: Erzählen, Lesen bzw. Vorlesen, Schreiben und Medienkompetenz. Die Ergebnisse zeigten auf, dass die Eltern das Thema „Bildung“ schon sehr ernst nahmen, es aber weniger in ihrer Verantwortung sehen, als in der der Institutionen wie Schule oder Kindergarten. Schriftliches und Schreibmaterial waren kaum vorhanden, somit ist davon auszugehen, dass die Eltern selbst kaum mit Schriftsprache in Berührung kommen. Weiterhin ergaben sich folgende Ergebnisse:

Erzählen

- erzählt wird meist über Alltag, worauf Kinder wenig Lust haben
- erzählt wird auch von früheren Ereignissen, v.a. aus der Türkei
- kaum Geschichten oder Gute-Nacht-Geschichten (nur in einer Familie)
- gemeinsamen Essen ist in den Familien sehr wichtig: TV wird eingeschaltet, deshalb wird kaum erzählt ODER „Beim Essen spricht man nicht“
- am Wochenende: meist Besuch, Unterhaltungen auf türkisch

Vorlesen/Lesen

- die meisten Eltern lesen ihren Kindern nichts vor
- in den Familien werden meistens nur türkische Zeitungen gelesen bzw. hauptsächlich türkische Nachrichtensender im TV
- mit den Kindern werden nur Bestellkataloge angeschaut

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zweisprachigkeit und frühe Literalität. Ausarbeitung der Studie von Reyhan Kuyumcu
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V285795
ISBN (eBook)
9783656860594
ISBN (Buch)
9783656860600
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literalität, Zweisprachigkeit, Reyhan Kuyumcu, Integration, Immgranten
Arbeit zitieren
Lena Thies (Autor), 2010, Zweisprachigkeit und frühe Literalität. Ausarbeitung der Studie von Reyhan Kuyumcu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285795

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