Wie standen Edmund Burke und der Marquis de Condorcet zur Französischen Revolution und dem Freiem Mandat?


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographische Hintergründe
2.1 Edmund Burke
2.2 Der Marquis de Condorcet

3. Burkes und Condorcets Haltung zur Französischen Revolution

4. Burkes und Condorcets Haltung zum Freien Mandat

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Edmund Burke und Marie Jean Antoine Nicolas Caritat, Marquis de Condorcet waren beide Kinder Westeuropas im 18. Jahrhundert. Sie beide haben die Politik in der Zeit der Aufklärung in ihren Ländern, Großbritannien und Irland bzw. Frankreich, und weit darüber hinaus geprägt. Dennoch könnten die Ausrichtungen kaum unterschiedlicher sein: Während Edmund Burke sich als einer der ersten und als einer der scharfzüngigsten Kritiker der Französischen Revolution einen Namen machte, war der Marquis de Condorcet nicht nur selbst Revolutionär, sondern auch einer ihrer intellektuellsten Denker und Planer, wenngleich er, wie so viele, während der Zeit der Jakobinerherrschaft letztlich selbst der Revolution zum Opfer fiel.

Während man bei Burke mit Fug und Recht behaupten kann, dass er die Ungleichheit der Untertanen geradezu heroisierte, sich stets auf die Religion berief und die vollkommene Demokratie das „schamloseste aller politischen Ungeheuer“ nannte (Burke (1790) 1967: 156), war der Marquis de Condorcet ein Verfechter des Rationalismus und gilt heute als erster konsequenter Egalitarist (vgl. Marti 2008: 128). Kein Wunder, dass Burke den Letztgenannten den Anführer einer „Sekte von philosophischen Räubern und Mördern“ („sect of philosophic robbers and assassins“) sowie einen „turbulenten und aufrührerischen Verleumder“ („turbulent and seditious Libeller“) nannte (zit. nach Behnke 2011: 18). Es scheint, als ob diese beiden politischen Philosophen nicht bloß der Ärmelkanal, sondern ganze Welten trennten. Doch trotz dieser philosophisch-politischen Grundunterschiede der beiden Zeitgenossen, teilen sie doch eine inhaltliche Gemeinsamkeit: Beide waren Verfechter des Freien Mandats.

In dieser Hausarbeit möchte ich die Biografien dieser beiden unterschiedlichen politischen Philosophen des 17. Jahrhunderts ergründen, dabei ihre gegensätzliche Ausrichtung erläutern, auf ihr entgegengesetztes Verhältnis zur Französischen Revolution eingehen und ihre jeweilige Begründung des Freien Mandats beleuchten.

2. Biographische Hintergründe

2.1 Edmund Burke

Am ersten Tag des Jahres 1729 wird Edmund Burke in Dublin geboren, was damals zum Königreich Irland gehört, welches wiederum in Personalunion mit dem Königreich von Großbritannien regiert wird. Sein Vater ist ein protestantischer Anwalt, seine Mutter Katholikin. Dennoch wird Burke protestantisch erzogen (vgl. Kley 2012). Burke geht ab 1741 auf die Schule Balitore in der Grafschaft Kildare. Diese Zeit beschreibt er als glücklichen Umstand in seinem Leben (vgl. Encyclopedia Britannica (1911) 2011). 1750 beginnt er ein Studium der Rechtswissenschaften am Middle Temple in London, welches er jedoch nie abschließt. Zuvor hatte er am Trinity College in Dublin Geschichte und Literatur studiert. Fortan begibt er sich zunächst auf Wanderschaft durch England und durch Frankreich. Seine erste Publikation erscheint 1756: „A Vindication of Natural Society“. In diesem satirischen Text rechnet er mit den rationalistischen Aufklärungsidealen des Henry St. John, 1. Viscount Bolingbroke ab. Ein Jahr später heiratet er Jane Nugent, mit der er später zwei Söhne zeugt (vgl. Rastatter 2003). Ab 1759 veröffentlicht er mit den „Annual Register“ politische Jahresüberblicke (vgl. Kley 2012). Ab 1761 arbeitet Burke für den britischen Chef-Sekretär für Irland, William Hamilton (vgl. Rastatter 2003).

Ab 1765 ist Burke dann als Privatsekretär des Schatzmeisters Lord Rockingham beschäftigt, obgleich der Herzog von Newcastle Rockingham dringend von Burke abrät, da er ihm vorwirft, ein irischer Abenteurer und Papist zu sein. Burke widerspricht dem heftig und wird so dennoch für 17 Jahre an der Seite von Lord Rockingham stehen (vgl. Rastatter 2003). Durch die Protektion seines Arbeitgebers kann er Abgeordneter im britischen Unterhaus werden. Er wird Mitglied der Whig-Partei, in der er schnell zu einem der Wortführer wird. Obgleich die Amtszeit von Lord Rockingham nur ein Jahr währt, ist Burke weiter über seine publizistische Tätigkeit bekannt. Hierbei kritisiert er die Korruption, die Kolonialpolitik Großbritanniens in Amerika und Indien, sowie die Herrschaft von König Georg III. Stattdessen fordert er Verwaltungsreformen, eine Verbesserung der Verhältnisse in Irland und die Abschaffung des Sklavenhandels. Im Parlament schafft er es, das umstrittene Stempelsteuergesetz („Stamp Act“) abzuschaffen, das als finanzielle Ausbeutung der Kolonie Amerika angesehen wird (vgl. ebd.).

Der Rechtswissenschaftler Andreas Kley schreibt über Burke:

Im Kontext des späten 18. Jahrhunderts in England besetzte Burke die politische Mitte, links von der absolutistischen Position der Tories und rechts von radikal demokratischen Positionen, wie sie z.B. in Thomas Paines „Common Sense“ von 1776 formuliert wurde (Kley 2012).

Der Historiker Alexander Bahar schreibt hingegen sogar: „Wäre Burke im Alter von sechzig Jahren gestorben, wäre er wohl als Radikaler in die Geschichte eingegangen“ (Bahar 2012).

Bereits kurz nach Beginn der Französischen Revolution schreibt Burke 1790 sein Hauptwerk „Reflections on the Revolution in France“, in dem er scharf mit den Revolutionären Frankreichs abrechnet. Er ahnt hierin die späteren Ereignisse von Terror und Guillotine bereits voraus (vgl. Rastatter 2003). Diese Haltung führt zum Bruch mit Charles James Fox, der ebenfalls eine herausragende Stellung in der Whig-Partei hat, die Französische Revolution aber ausdrücklich begrüßt. Thomas Paine, ein ebenfalls früherer Weggefährte Burkes, schrieb das umfangreiche Werk „The Rights of Man“ als Kritik an Burkes Reflexionen. Aus dem Königskritiker Burke wird so ein vom König Begünstigter und Burke erhält von nun an einen Ehrensold. Über seine „Reflections“ soll König Georg III. gesagt haben: „ein gutes Buch, ein sehr gutes Buch, und jeder Mann sollte es lesen.“ (zit. nach ebd.). Das Buch, welches bald ins Französische und Deutsche übersetzt wird, ermutigt Herrscher in ganz Europa in ihrer feindseligen Haltung gegenüber der Französischen Revolution und selbst Marie Antoinette soll es heimlich gelesen haben (vgl. ebd.). Edmund Burke zieht sich 1794 aus dem Parlament zurück. Er stirbt am 9. September 1797 in Beaconsfield in der mittelenglischen Grafschaft Buckinghamshire (vgl. Kley 2012). So kontrovers wie zu Lebzeiten, so wurde auch noch nach seinem Tode über ihn gestritten. Karl Marx nannte ihn einen „Sykophant, der im Sold der englischen Oligarchie den Romantiker gegenüber der Französischen Revolution spielte“ (Marx/Engels 1962: 788).

2.2 Der Marquis de Condorcet

Marie Jean Antoine Nicolas Caritat, Marquis de Condorcet wird am 17. September 1743 in Ribemont in der Picardie als Untertan des französischen Königreiches geboren. Seinen Marquis-Titel bezieht er von der Stadt Condorcet in der Dauphiné. Von dort stammt auch die Familie seines Vaters, eines Militärs, der jedoch kurz nach Condorcets Geburt stirbt, so dass er bei der Familie seiner Mutter aufwächst (vgl. Collani 2010). Er besucht die Schule der Jesuiten in Reims, dann das Pariser Collège Navarre und später das Collège Mazarin in Paris. Schon früh widmet er sich ganz der Mathematik. 1765 wird seine Arbeit über die Integralrechnung „Essai sur le calcul intégral“ viel beachtet. Er widmet sich ebenso der Wahrscheinlichkeitsrechnung und astronomischer Studien. Dadurch wird er 1769 in die Academie de Sciences aufgenommen. 1772 widmet er sich in einer weiteren Arbeit der Integralrechnung. Über die Mathematik hinaus entwickelt er lebhaftes Interesse für philosophische, politische und religiöse Themen (vgl. Schneider 2006). Außerdem wendet er sein Wissen über die Mathematik auf soziale Fragen an (vgl. Schulz 2010).

Condorcet wird zum Anhänger des liberalen Reformers und Ökonomen Anne Robert Jacques Turgot, den er 1772 kennenlernt. Als Turgot Finanzminister von König Ludwig XVI. wird, wird Condorcet Generalinspektor der staatlichen Münze. Er bleibt dies bis 1791, wenngleich Turgot bereits nach wenigen Jahren wieder gehen muss und Condorcet dieses Amt nur noch widerwillig ausführt. 1774 schreibt er anonym mit „Lettre d'un théologien“ eine Polemik gegen kirchliche Lehrmeinungen und bekennt sich zur Religionsfreiheit, womit er in Voltaire einen Anhänger findet (vgl. Schneider 2006). Des Weiteren setzt er sich unter dem Pseudonym Joachim Schwartz 1781 mit seiner Schrift „Réflexions sur l’esclavage des nègres“ für die Abschaffung des Sklavenhandels ein. Condorcet ist der Überzeugung:

Politische Gesellschaften können keinen anderen Zweck haben als den Schutz der Rechte ihrer Mitglieder. Daher ist jedes Gesetz, das dem Recht eines Bürgers oder eines Fremden entgegensteht, ein ungerechtes Gesetz (zit. nach Schulz 2010).

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Details

Titel
Wie standen Edmund Burke und der Marquis de Condorcet zur Französischen Revolution und dem Freiem Mandat?
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V285840
ISBN (eBook)
9783656860693
ISBN (Buch)
9783656860709
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
edmund, burke, marquis, condorcet, französischen, revolution, freiem, mandat
Arbeit zitieren
Jan Vahlenkamp (Autor), 2012, Wie standen Edmund Burke und der Marquis de Condorcet zur Französischen Revolution und dem Freiem Mandat?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285840

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