In vielen empirischen Studien und Forschungen, in denen immer wieder schulinterne Disparitäten hinsichtlich vieler Faktoren zwischen Deutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufgezeigt werden, tauchen vor allem erhebliche Differenzierungen bei der Verteilung auf die Schularten der Sekundarstufe I auf. Obwohl der größte Teil der nichtdeutschen Jugendlichen hier in Deutschland geboren ist und insofern auch eine den Umständen entsprechende Bildungseinrichtung im Elementar-, und Primarbereich besucht hat, bleiben dennoch diese Ungleichverteilungen bestehen. Vor diesem Hintergrund gilt eigentlich die Gleichstellung und Chancengleichheit im Bildungssystem zwischen deutschen und ausländischen Schülerinnen und Schülern, wobei „von tatsächlicher Chancengleichheit im Bildungssystem nicht die Rede sein“ (BEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG FÜR MIGRATION, FLÜCHTLINGE UND INTEGRATION, AUGUST 2005, S. 48) kann und daher auch „ausländische Kinder und Jugendliche - wie deutsche Kinder aus unteren sozialen Schichten - in höheren Bildungsgängen unterrepräsentiert und an Schulen, die keinen weiterführenden Abschluss anbieten, überrepräsentiert sind“ (BEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG FÜR MIGRATION, FLÜCHTLINGE UND INTEGRATION, AUGUST 2005, S. 48). In Anlehnung an diese Aussage wird deutlich, dass im deutschen Bildungssystem nicht nur die Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer Chancen und Erfolge benachteiligt werden, sondern auch die Gruppe der deutschen Arbeiterkinder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
2.1 Die allgemein gegenwärtige Bildungs- bzw. Schulsituation von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
2.2 Die Selektions- und Inklusionsfunktion des deutschen Bildungssystems
2.2.1 Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule
2.2.2 Der Wechsel auf die Gesamtschule
2.2.3 Der Wechsel auf das Gymnasium
2.2.4 Die gymnasiale Oberstufe und das Abitur
2.3 Vergleiche im Hinblick auf Bildungsbeteiligung und Bildungsabschlüsse
2.3.1 Vergleich der unterschiedlichen Nationalitäten
2.3.2 Geschlechtsspezifischer Vergleich
2.3.3 Vergleich der Bundesländer
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bildungsbeteiligung und den Schulerfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf den bekannten Benachteiligungsaspekten, sondern insbesondere auf den Faktoren, die den Bildungserfolg erfolgreich verlaufender Schullaufbahnen fördern.
- Analyse der Selektions- und Inklusionsmechanismen im deutschen Bildungswesen
- Untersuchung des Übergangs von der Grundschule in die Sekundarstufe
- Vergleich der Bildungschancen nach Nationalitäten und Geschlecht
- Bedeutung der sozialen Herkunft für den Bildungserfolg
- Rolle von Gesamtschule und Gymnasium für Migrantenjugendliche
Auszug aus dem Buch
Die Selektions- und Inklusionsfunktion des deutschen Bildungssystems
Im Rahmen dieses Kapitels soll aufgezeigt werden, dass die Ursachen sozialer Benachteiligungen und Ungleichheiten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf das deutsche Schulsystem zurückzuführen sind. Somit ist die „Ursache für die sozialen Disparitäten […] das differenzierte Schulsystem, das Kindern und Jugendlichen aus einfachen sozialen Schichten ungünstigere Lerngelegenheiten anbiete als sozial privilegierten Schülerinnen und Schülern“ (BAUMERT/KÖLLER, 2005, S. 9).
Vor allem ist nach den Ergebnissen von PISA offensichtlich geworden, dass das Schulsystem in Deutschland, neben dem österreichischen Bildungssystem, seine Schülerinnen und Schüler in punkto Schulleistungen und Kompetenzen nach der sozialen Herkunft und sozio-ökonomischen Stellung der Familie selegiert (VGL. POMMERIN-GÖTZE, 2005, S. 147; SACHER, 2005, S. 42) und insofern eine stark ausgeprägte sozialschichtabhängige Ungleichverteilung von Bildungschancen erzeugt. Auch viele Studien und Ergebnisse verweisen darauf, „dass das deutsche Schulwesen in besonderer Weise sozial selektiv wirkt und damit nicht nur die Begabungsreserven einer Gesellschaft nur unzureichend ausgeschöpft werden, sondern zudem soziale Ungerechtigkeit produziert wird“ (FREDERKING ET AL., 2005, S. 7). Denn wenn „ein Kind türkische Eltern hat, wenn seine Mutter oder sein Vater erwerbslos ist oder wenn seine Familie mit wenigen finanziellen Mitteln auskommen muss und in einem so genannten Ausländerghetto wohnt, muss sich das Kind mit Migrationshintergrund im Vergleich zu seinem deutschen Klassenkameraden, dessen Eltern der sozialen Mittelschicht angehören, um ein Zehnfaches mehr anstrengen, den Übergang ins Gymnasium zu schaffen“ (POMMERIN-GÖTZE, 2005, S. 147). Hingegen wird bei einem hohen Schulabschluss der Eltern auch bei den eigenen Kindern ein häufiger Besuch eines Gymnasiums aufgezeichnet (VGL. STATISTISCHES BUNDESAMT, 2003, S. 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Relevanz der Schulerfolge von Migrantenjugendlichen und begründet den Fokus auf positive Bildungsverläufe trotz struktureller Hürden.
2. Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten zur Bildungsbeteiligung und beleuchtet die kritische Rolle von Selektions- und Inklusionsmechanismen beim Übergang auf weiterführende Schulen.
2.1 Die allgemein gegenwärtige Bildungs- bzw. Schulsituation von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Dieser Abschnitt thematisiert den aktuellen Stand der Beteiligungsquoten und prognostiziert zukünftige Entwicklungen im allgemeinbildenden Schulwesen.
2.2 Die Selektions- und Inklusionsfunktion des deutschen Bildungssystems: Es wird dargelegt, wie das Schulsystem durch soziale Selektion Bildungschancen ungleich verteilt und welche Rolle dabei die Empfehlungen durch die Lehrerschaft spielen.
2.2.1 Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule: Die zentrale Bedeutung der Grundschule als Weichensteller für die weitere Schullaufbahn und die damit verbundenen Anforderungen werden hier dokumentiert.
2.2.2 Der Wechsel auf die Gesamtschule: Die Gesamtschule wird als alternatives Modell zur Vereinheitlichung der Bildungschancen diskutiert, das insbesondere für Kinder aus Migrantenfamilien Stützfunktionen bietet.
2.2.3 Der Wechsel auf das Gymnasium: Hier wird die hohe Barrierewirkung beim Übergang auf das Gymnasium und die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft kritisch untersucht.
2.2.4 Die gymnasiale Oberstufe und das Abitur: Dieser Teil beleuchtet die Chancen, die durch den Besuch der Oberstufe eröffnet werden, und die Anforderungen an Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.
2.3 Vergleiche im Hinblick auf Bildungsbeteiligung und Bildungsabschlüsse: Zusammenfassende Betrachtung der schulischen Ungleichverteilungen und der Disparitäten zwischen verschiedenen Gruppen.
2.3.1 Vergleich der unterschiedlichen Nationalitäten: Untersuchung der Bildungsniveaus und Schulleistungen in Abhängigkeit von der ethnischen Zugehörigkeit.
2.3.2 Geschlechtsspezifischer Vergleich: Analyse der besseren Schulerfolge von Mädchen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Jungen.
2.3.3 Vergleich der Bundesländer: Betrachtung der regionalen Unterschiede im deutschen Bildungssystem hinsichtlich der Integration von Schülern mit Migrationshintergrund.
Schlüsselwörter
Bildungssystem, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, Selektion, Inklusion, Schulerfolg, Chancengleichheit, Bildungsungleichheit, Grundschulempfehlung, Gymnasium, Gesamtschule, Bildungsbiografie, Sozialschicht, Nationalität, Schulabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schulsituation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und untersucht, wie Bildungserfolge trotz bestehender Hürden realisiert werden können.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Bildungsbeteiligung, die Selektionsmechanismen des Schulsystems, der Einfluss der sozialen Herkunft sowie der Vergleich von Bildungsabschlüssen nach Nationalität, Geschlecht und Bundesland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, einen Fokus auf bildungserfolgreiche Jugendliche mit Migrationshintergrund zu legen, um Mechanismen aufzuzeigen, die einen positiven Bildungsweg fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Bildungsstatistiken (z.B. Statistisches Bundesamt, PISA-Studien) sowie der theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten zu Bildungsungleichheit und Selektion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Selektionsfunktionen des Schulsystems, die Übergangsphasen von der Grundschule zur Sekundarstufe sowie detaillierte Vergleiche nach Nationalität, Geschlecht und Bundesländern analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Bildungssystem, Migrationshintergrund, Selektion, Chancengleichheit, Schulerfolg und soziale Herkunft.
Welche Rolle spielen Mädchen mit Migrationshintergrund in der Untersuchung?
Die Arbeit stellt fest, dass Mädchen ausländischer Herkunft im deutschen Bildungssystem tendenziell bessere Schulerfolge und höhere Schulabschlüsse erzielen als ihre männlichen Altersgenossen.
Gibt es regionale Unterschiede bei den Bildungschancen?
Ja, die Arbeit zeigt, dass die Verteilung und die Bildungserfolge je nach Bundesland stark variieren, bedingt durch die unterschiedlichen länderspezifischen Schulstrukturen.
Was bedeutet die "Selektionsfunktion" der Schule konkret?
Diese bezeichnet die Auslese und Filterung von Schülern, insbesondere bei Übergangsentscheidungen nach der vierten Klasse, bei der neben kognitiven Leistungen oft auch soziale Merkmale einfließen.
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- Dipl.Soz.wiss. Feride Baduroglu (Author), 2006, Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285917