Mit dem Start des Internetzeitalters bekam die Satire eine ganz neue Dimension. Der Zugang zu dieser kleinen Gattung der Literatur wurde den Menschen plötzlich leichter gemacht. Man musste nicht mehr unbedingt eine Zeitung kaufen, den Fernseher einschalten oder zum Buch greifen. Mit dem Internet war alles sofort und meist kostenlos abrufbar. Auch Hobby-Satiriker hatten die Möglichkeit, literarische Texte im Netz zu verbreiten. Das schuf neue Möglichkeiten.
Die erfolgreichste Satireseite auf Facebook ist derzeit „Der Postillon – Ehrliche Nachrichten – unabhängig, schnell, seit 1845“. Das Gerüst bildet eine Website, die täglich mehrmals satirische Artikel veröffentlicht. Diese Kurzberichte werden dann auf Facebook gepostet. Der Postillon hat derzeit knapp 1,2 Millionen Fans. Das ist für einen „Zeitungsverlag“, der hier in Anführungszeichen gesetzt werden muss, eine sehr hohe Zahl. Seriöse Nachrichtenportale wie Spiegel, Stern oder die FAZ müssen sich mit weitaus weniger Zuspruch im Netz zufrieden geben.
Satire spaltet die Gesellschaft in ihrer Meinung. Provokante Themen und Texte führen zu großen Diskussionen, die im Social Web unter dem Begriff Shitstorm bekannt sind. Tritt er ein, kommentieren Hunderte oder Tausende User los. Entweder um ihre Empörung zu äußern oder um die Satire zu verteidigen. Die Kommentatoren möchten in der Gruppe diskutieren und herausfinden, ob die Satire gelungen ist oder nicht. Jeder User kann abgegebene Kommentar mit einem Gefällt mir über einen Button markieren. Somit ist es ihm möglich, seinen Zuspruch bekannt zu machen. Doch wer behält am Ende Recht, ob der Autor „alles richtig gemacht“ oder „zu weit gegangen“ ist? Auf den ersten Blick „gewinnt“ jene argumentierende Front, welche den größten Zuspruch an Gefällt mir Angaben hat. Doch so kann das eben nicht entschieden werden. Denn wie weit Satire gehen darf, wird in jedem einzelnen Fall subjektiv und neu definiert. Es ist immer auch abhängig von der persönlichen Betroffenheit sowie von eigenen Wert- und Normvorstellungen. Der eine versteht keinen Spaß bei Religion, dem anderen geht es zu weit, wenn man Satire über seinen Gartenzwerg macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Geschichte
3.1. Antike
3.2. Mittelalter
3.3. Renaissance
3.4. 17. Jahrhundert
3.5. 18. Jahrhundert
3.6. 19. Jahrhundert
3.7. 20. Jahrhundert
3.8. Zusammenfassung
4. Internet und Zeitschrift
5. Satire im Social Web
6. Vergleich zwischen Postillon und Titanic
7. Wer hat noch nicht, wer will nochmal
8. Ein Blick in die Zukunft
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Satire von ihren antiken Ursprüngen bis hin zur heutigen Präsenz im Social Web, wobei insbesondere der Wandel der Rezeptionsformen und die Erfolgsfaktoren digitaler Satireformate analysiert werden.
- Historische Herleitung und Begriffsdefinition der Satire.
- Transformation der Satire durch Digitalisierung und soziale Medien.
- Vergleichende Analyse der Online-Erfolgsfaktoren von „Der Postillon“ und „Titanic“.
- Die Rolle der Interaktion und des Feedbacks in sozialen Netzwerken.
- Zukünftige Entwicklungstendenzen und Trends zum Minimalismus.
Auszug aus dem Buch
5. Satire im Social Web
Mit dem Start des Internetzeitalters bekam die Satire eine ganz neue Dimension. Der Zugang zu dieser kleinen Gattung der Literatur wurde den Menschen plötzlich leichter gemacht. Man musste nicht mehr unbedingt eine Zeitung kaufen, den Fernseher einschalten oder zum Buch greifen. Mit dem Internet war alles sofort und meist kostenlos abrufbar. Auch Hobby-Satiriker hatten die Möglichkeit, literarische Texte im Netz zu verbreiten. Das schuf neue Möglichkeiten.
Eine ganz neue Art der Auseinandersetzung mit Satire bildete sich durch die Schaffung von sozialen Netzwerken heraus. Bis zum 20. Jahrhundert dominierten vor allem Bücher und Zeitungen die literarische Welt. Seit den zwanziger Jahren ergänzte dann der Rundfunk die Literatur. So entstanden zunehmend satirische Beiträge in Radio und Fernsehen. Es veränderte sich auch das Kommunikationsverhalten in Bezug auf Satire. Konsumierten die Menschen Satire anfangs lediglich durch das Lesen aus Büchern und Zeitungen, entwickelte sich durch den Rundfunk eine zum Teil zweiseitige Kommunikation ausgewählter Personen. Seien es Interviewgäste in Radioshows oder Gesprächsrunden im Fernsehen. Hauptsächlich konsumierte man die Satire jedoch lediglich, ohne aktiv teilzunehmen. Es gab einen Gedankenaustausch mit sich selbst, der Familie oder Freunden. Das jedoch meist sekundär, nicht unmittelbar. Mit dem Internet änderte sich auch das Kommunikationsverhalten. Vor allem mit Geburt der sozialen Medien kurz nach der Jahrtausendwende. Ein Beispiel dafür ist das 2004 gegründete Facebook. Dort wird der Internetuser in die Kommunikation miteingebunden. Was für den Nachrichtenjournalismus eine ganz neue Welt war, entpuppte sich auch für die Satireautoren als eine kommunikative Ergänzung der ganz anderen Art. Postet eine Seite bei Facebook satirische Beiträge, so kann direkt darauf kommentiert werden. Eine zweiseitige Kommunikation startet unmittelbar. Die Autoren erhalten Feedback. Die Kommentatoren bzw. User schreiben ihre Meinung zum vorgetragenen Text öffentlich nieder. Je schärfer und diskutabler die Satire, je mehr Tabus gebrochen werden, desto reger das Kommentarverhalten, desto größer der Sturm der Entrüstung oder die Welle der Zustimmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Satire als Kommunikationsmittel ein und stellt die zentrale Fragestellung nach ihrem Beliebtheitsgrad im Wandel der Zeit auf.
2. Definition: Es erfolgt eine etymologische und fachwissenschaftliche Herleitung des Begriffs „Satire“ unter Berücksichtigung historischer Irrtümer und moderner Gattungsverständnisse.
3. Geschichte: Dieses Kapitel zeichnet chronologisch die Entwicklung der Satire von der Antike über das Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert nach.
4. Internet und Zeitschrift: Hier wird der mediale Wandel der Printmedien hin zur Digitalisierung und die damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen für Verlage beleuchtet.
5. Satire im Social Web: Analyse des neuen Kommunikationsverhaltens und der aktiven Einbindung des Publikums durch soziale Netzwerke wie Facebook.
6. Vergleich zwischen Postillon und Titanic: Eine Untersuchung der unterschiedlichen Erfolgsgeschichten und Strategien der beiden Satiremagazine im Web.
7. Wer hat noch nicht, wer will nochmal: Thematisierung der neuen Herausforderungen für Satiriker in einem kritischen und anonymen digitalen Umfeld.
8. Ein Blick in die Zukunft: Betrachtung aktueller Trends wie dem Minimalismus und der wachsenden Bedeutung von bildbasierten Inhalten (Memes).
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Beständigkeit der Satire trotz medialer Umbrüche und Zensur.
Schlüsselwörter
Satire, Social Web, Der Postillon, Titanic, Literaturgeschichte, Digitale Medien, Facebook, Kommunikation, Ironie, Gesellschaftskritik, Internet, Printmedien, Rezeption, Memes, Satirezeitschrift.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Werdegang der Gattung Satire und ihrem signifikanten Wandel durch die neuen digitalen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Gattungsdefinition, die historische Entwicklung, der mediale Wandel von Print zu Online sowie die Analyse der Interaktionsformen zwischen Satirikern und Publikum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die Satire ihren hohen Beliebtheitsgrad erreicht hat und welche Faktoren ihren Erfolg in sozialen Netzwerken beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie einen vergleichenden Blick auf aktuelle Fallbeispiele und Medienstatistiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss, die ökonomischen Herausforderungen der Digitalisierung für Verlage und eine detaillierte Analyse der Satire-Plattformen im Social Web.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Satire, Social Web, Digitale Kommunikation, Gesellschaftskritik und die spezifische Analyse von Satiremagazinen wie dem Postillon.
Warum ist „Der Postillon“ laut der Untersuchung erfolgreicher als die „Titanic“?
Der Erfolg wird primär auf die zielgruppengerechte Nutzung der Interaktionsmöglichkeiten auf Facebook und die konsequente Online-Strategie zurückgeführt.
Welche Rolle spielt die Interaktion mit dem Nutzer für den Erfolg der Satire?
Die direkte Kommunikation und der Austausch über Kommentare werden als wesentliche Treiber für die Popularität und die virale Verbreitung der Inhalte identifiziert.
Wie verändert sich die Satire durch das Internet?
Sie wandelt sich von einer einseitigen Konsumform hin zu einem zweiseitigen, diskursiven Prozess, bei dem das Publikum durch Feedback aktiv zur Bedeutung und Verbreitung beiträgt.
Welchen Trend identifizieren die Autoren für die Zukunft der Satire?
Es wird eine Tendenz zum Minimalismus und zur vermehrten Nutzung von visuellen Inhalten wie Memes beobachtet, die den schnellen Konsumgewohnheiten der Internetnutzer entsprechen.
- Arbeit zitieren
- Henoch Förster (Autor:in), Joscha Kuczorra (Autor:in), 2014, Satire im Social Web, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285978